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Montag, toi 23. W1932

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Vekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.

Nur keine Endlösung!

Pariser Stimmungsmache für Lausanne Frankreich alsstabiler Faktor" der Weltpolitik

Die Pariser Presse beschäftigt sich an­gesichts des Herannahens der Laasan, «er Konferenz mehr »nd mehr mit der Tributfrage. Während in der Oeftent, lichkeit zu« Teil ein gewisies Verstand- nip dafür zu erwachen beginnt, datz mit der Wiederaufnahme der deutschen Zah­lungen nicht mehr gerechnet werden kann, tun die Matter immer noch so, als sei die Frage der Zahlungsfähigkeit noch keines­wegs geklärt »nd müsse im Sinne der französischen Forderungen gelöst werden.

Auch Herriot hat in seinem letzten Artikel ausdrücklich auf die Rede des Reichskanzlers Brüning hingewiesen und durchblicken lassen, daß die französische Regierung stark sein müsse, um in Lau­sanne ihren Mann zu stehen. Man mache sich Sorge darüber, datz die englische Stimmung einer Streichung der Tribure zuneige, und hoffe in London die nötige Unterstützung für den Gedanken einer Verlängerung des Proviso­riums zu finden. Zweifellos tritt in der Presie sehr deutlich die Tendenz zu Tage, sich unter gar keinen Umständen auf eine Endlösung einzulassen, die eine Preisgabe der französischen Forderungen bedeuten würde.

Rach rote vor hält man daran fest, datz die bevorstehenden Entscheidungen «ur im Rahme« de« Young, planes gefällt werden dürfen.

Insgeheim scheint man vielfach damit zu rechnen, daß es einer sogenannten fran­zösischen Linksregierung unter Herriot leichter fallen werde, bte Weltmeinung zu beeinflussen und ihre Sympathien auf die Seite Frankreichs zu bringen.

In Bezug auf die bevorstehende Aus­sprache zwischen Herriot und T a r d i e « beim Präsidenten der Republik wird von wittschaftlicher Seite bemerkt, daß es Kischen diesen beiden Staatsmännern bstverständlich ausgesprochene Gegen­sätze auf dem Gebiete der reinen Politik gebe, datz aber, wenn es sich um das Wohl Frankreichs handle, verschiedene dieser Ge­gensätze und Meinungsverschiedenheiten vollkommen von der Bildfläche verschwin­den. An ihre Stelle trete eine Harmonie des Geistes und des Willens. Zu viele Staaten hätten sich bereits auf eine Abenteuerpolitik eingelasien. Es sei da­her notwendig, datz in Frankreich die Kontinuität aufrecht erhalten bleibe, um die internationalen Interessen gegen diese Gefahr zu schützen. Rur die französische Stabilität flötze- der Welt Vertrauen ein.

DerF i g a r o schreibt in diesem Zu­sammenhang, datz man in Deutschland, weitgehende Hoffnungen auf das fran­zösische Wahlergebnis gesetzt habe. Deutsch­land bilde sich ein, datz die zukünftige französische Regierung den Stand der bis­herigen Mehrheit in Bezug auf die Frage der Reparattonen und Kriegsschulden fal­len lasten werde.

Es sei ein wenig naiv, zu glaube«, datz da» neue Kabinett die Ueber- nahme der Macht mit einer Kapitu­lation einleite« werde. A«ch die zu­künftigen Manner würden nicht die Perantwortuug für neue französische

Opfer auf sich nehme«.

Die Lausanner Konferenz hn Urteil der englischen Preste.

Die kommende Lausanner Konferenz wird mehr und mehr Hauptthema der Londoner Preste.

Sunday Times" stellt einen wach­senden Pessimismus fest. Mahgebende Kreise s eien der Ansicht, die Konferenz werde sich vertragen. Paris, so schreibt das Blatt, sollte sich doch klar sein, datz wenig Aussicht darauf besteht, wieder Re­parationen von Deutschland zu erhalten. Rach briftlcher Ansicht mützten diese Tat-

Oldenburg, 22. Mai. Die National­sozialisten veranstalteten heute auf dem Renn­platz in Oldenburg-Ohmstedt eine grohe Wahlkundgebung. Nach Angaben der Leiter sind 35 000 Personen erschienen.

Gregor Strasser erklärte u. a., Brüning habe immer wieder als Ziel die Konzen­tration aller Kräfte auf die bevorstehende Reparationskonferenz in Lausanne bezeichnet. An sich sei diese Zielsetzung richtig gewesen, nur sei der Reichskanzler insofern von einem Trugschluß ausgegangen, weil er glaube, datz mit einer Regierung ohne Sei- trauen im Volke posftrve Entscheidun­gen herbeigeführt werden könnten. Zunächst sei das Führungsproblem in Deutschland zu lösen. Die National­sozialisten beanspruchten das Recht auf Füh­rung, weil sie zum erstenmal seft zwölf Jahren ftaftvolle Energien und neue Ideen herauskristallisiert hätten, roeiter, weil ihre Beutteilung der polttischen Lage stets richtig, die der anderen aber falsch gewesen sei. So­bald das Führungsproblem gelöst sei, gellte es, an die Fragen heranzugehen, die durch die schweren Wunden der Tribute, die Ar- beitslosigkeft von sechs Millionen hervorge­rufen seien. Die liberalisttsch-kapitalistische Wett habe dabei versagt u. grohe Wittschafts- führer hätten zugelassen, dah die Schlote nicht mehr rauchen, und die Bankführer hät­ten überhohe Zinsen genommen für die Ver­mittlung von Krediten, um sich schließlich aus den Steuergroschen der anderen sanieren zu lassen. Der Redner entwickelte dann in großen Zügen die Gedanken und Forde­rungen der Arbeitsbeschaffung und der A r - beitsdienstpflicht, wie sie aus seiner Reichstagsrede bekannt sind. Zum Schluh wandte sich Strasser gegen neuerliche Rich­tungskämpfe in der NSDAP, und erfiärte, er verbitte es sich, dah sein Name in diesem Zusammenhang genannt werde. Es gebe nur eine deutsche Arbeiterpartei unter Adolf Hitler.

Strasser bezeichnete int übrigen in seiner Rede die außenpolitische Situation überhaupt als sehr günstig. Sie sei noch nie so günstig gewesen, wie heute im Vergleich zu 1918.

Adolf Hitler selbst fühtte u. a. aus, das Grohe des Nationalsozialismus und seiner Entwickelung von 1918 bis heute liege nicht in der Tatsache, dah hittter ihm bis jetzt etwa 13 Millionen Menschen stünden, oder dah die Pattei sooiele Mandate auf sich vereinigt habe, wie keine andere Patter zuvor, sondern darin, dah wieder viele Mil­lionen Menschen durch diese Ideen Lebens- glauben und Lebenszuversicht er­halten können und über alles Trennende hin­weg geeinigt würden in dem einen Gedanken, die Kraft der Nation zu stärken.

Die Nationalsozialisten kämpfen nicht um einzelne Mandate und um Ministersessel, und daher komme es auch, dah ihre Gegner nicht verstehen, wenn sie nach siegreicher Schlacht nicht sofott in eine Koalition hinein- stürzen und etwa glücklich seien, ein paar Ministersessel zu besitzen. Sie hätten nickt

fachen anerkannt werden, und je früher, desto bester.Sunday Times" meint, eine volle Streichung der Reparationen und Kriegsschulden wäre das sicherste Mittel zur Weltgenefung. Das Blatt ist der An- ficht, datzirgendwelche Konzessionen" un­vermeidlich werden.

O b s e r v e r" vermutet, die britische Delegation werde in Lausanne dieselbe Taktik anwenden, wie auf der Abrüstungs­konferenz, nämlich schrittweises Vorgehen. Den gescheiterten Youngplan unverzüglich

den Kampf aufgenommen, um MmksterMtze 3U erringen, sondern um Deutschland, und zwar Reich, Länder und Kommunen zu er« ober». Der nationalsozialistischen Bewegung würde es gelingen, und wenn nicht heute, dann in einem oder zwei Jahren, alte Deutschen zu erfassen, die jetzt noch auherhalb von chr oder als Gegner zu ihr stünden.

Rücktritt der Preutzenregierung

Wie das Nachrichtenbüro des Vdz. meldet, ist dem neuen preußischen Landtag jetzt ein nur aus wenigen Zeilen bestehendes Schrei­ben des preußischen Staatsministeriums zuge- gangen, roorin Ministerpräsident Dr. Braun namens feiner Regierung dem Präsidenten des Landtags mitteilt, datz die augenblicklichen preußischen Staatsminister ihre Aenfter zur Verfügung pellen. Das Schreiben enthält weder eine Begründung noch die Mitteilung, daß das Kabinett Braun die Geschäfte wetter­führe. Die letztere Erklärung ist allerdings schon deshalb überflüstig, weil die Regierung nach der Derfastung gehalten ist, bis zur Neu­wahl des Ministerpräsidenten die Geschäfte weiterzuführen, falls sie nicht ausdrücklich andere Erklärungen abgibt.

Wiederbeginn der parlamentarischen Arbeiten.

Morgen beginnen die parlamentarischen Ar­beiten von neuem. Im Vordergrund des Interestes steht der neugewählte Preußische Landtag, der am Dienstag nachmittag um 15 Uhr zu seiner ersten Sitzung zusammen- tritt, um sich zu konstituieren. Die Wahl des Präsidiums steht am Mittwoch auf der Tages­ordnung des Landtags. Der weitere Verlauf der Verhandlungen laßt sich im Augenblick noch nicht übersehen.

Im Reichstag wird die Woche mit Aus- schutzberatungen ausgefüllt werden. Der Haus­haltsausschuß, der als erster am Montag nach­mittag zusammen trit, rohcb sich zunächst mit Anträgen auf Aenderung oder Aushebung von Notverordnungen zu beschäftigen haben. Wann der Ausschuß mit der Etatsberatung begin- nen kann, läßt sich noch gar nicht übersehen. Am Dienstag vormittag wird Reichskanzler Dr. Brüning vor dem Auswärtigen Aus­schuß über die Genfer Verhandlungen und die gesamte Außenpolitik in vertraulicher Sitzung berichten. Auch der Steuerausschuß und die deutschnationale Reichstagssraktton halten am Dienstag Sitzungen ab. Am Mittwoch kommt außerdem der Handelspolitische Ausschuß hin­zu. Der Donnerstag als katholischer Feiertag bleibt sihungsfrei. Am Freitag wird der So­zialpolitische Ausschuß einen Bericht der Re­gierung über die Lage der Sozialversicherung entgegennehmen, die übrigen Ausschüsse wer­den ihre Arbeiten fortseken.

Pessimismus in London

durch einen anderen zu ersetzen, werde ohne gleichzeitige Refundierung der euro­päischen Schulden an die Vereinigten Staa­ten unmöglich sein. Das erste Ziel den britischen Delegation werde daher wahr­scheinlich fein, eine vorläufge Aus­dehnung des bestehenden Hoo­ver-Moratoriums zu erreichen, bis die amerikanische Präsidentenwahl die Be­dingung für erfolgreiche Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten schafft. Der Korrespondent nennt als Datum dafür den nächsten Mürz. Zweitens werde es gelten, das Moratottum mehr in lieber« einstimmung mit dem ursprünglichen Vor­schlag Hoovers vom 20. Juni 1931 zu brin­gen. Rach britischer Ansicht sei der wirk­liche Wett die Konferenz, die von ihr ge­botene Gelegenheit zu einem deutsch-fran­zösischen Einvernehmen auf realpolitischer Basis. Der Verfasier möchte in diesem Zu­sammenhang dafür werben, dah der erste Schritt in dieser Haltung von deutscher Sette aus geschehe.Observer" veröffent­licht auch einen Artikel E a r »i n s, der die augenblicklichen Aussichten für die Ab­rüstungskonferenz wie für die Lausanner Konferenz pessimistisch beurteilt. Europa allein könne diese Probleme nicht lösen, wenn nicht Amerika mitwirtt.

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Der Regierungswechsel in Japan

Tokio, 22. Mai. Die Kabinettskrise in Tokio hat eine ««erwartete Wendung genommen. Rach einer Unterredung mit demälteren Staatsmann" Pttnz Sai- joagj hat Admiral Graf Saito sich zu der Bildung eia« nationalen Kabinetts bereit erklätt. Graf Satto hatte am Sonntag eine Audienz beim Kaiser. Ja unterrichteten «reisen spricht man von Graf Uschidaals den künftigen Auhenminister und von Takahaschi als Finanzminister.

Die Beauftragung Saitos mit der Ka­binettsbildung kann als Kompromih zwi­schen den Forderungen der Armee und der die Parlamentsmehrheit bildenden Saiju- kai-Partei angesehen werden. Der Führer der Saijukai-Partei, Suzuki, erklärte am Sonnabend vor den Parteiführern, er werde, falls er mit der Regierungsbil­dung beaufttagt werde, von neuem ein Parteikabinett zusammenstellen. Auf der­selben Versammlung wurde der Beschluh gefatzt, sich aufs schärfste allen verfafiungs- widttgen Versuchen der Armeekreise zur Machtergreifung zu widersetzen und im Notfälle in gemeinsamen Vorgehen mit der Minseito-Opposition die Verfafiung zu schützen. Ob ein Kabinett Saito die Zustimmung des Parlaments finden wird, ist fraglich. Es wird daher bereits von der Auflösung des Parlaments gesprochen.

Admiral Saito hat sich bereits im russisch­japanischen Kriege ausgezeichnet. Er war japanischer Vertreter auf der Genfer Marine- Konferenz im Jahre 1927. Als japanischer Eeneralgouverneur in Korea während der Zeit der großen politischen Wirren hat er sich große Verdienste um die Befriedung dieses Landes erworben.

Hitler in Oldenburg

Nicht Ministersitze, sondern die Führung in Deutschland