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Sreltag, ten 20. toi 1932

Die .Oberhessisch« Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis nwnatl. i. Marburg 2.02 GM auSschl. ZuslellungSgebahr. bei unjren Agenturen 1,93 GM. zuzügl-ZustestellungSgebühr, durch di« Post 2.25 GM. Für etwa durch Gtreik« Maschinendefektoder elementar« Ereigniff« auSfallrnd« gkummrrn wird kein Ersatz ge- leiftet. «erlag, Dr. 5. Hitzeroth, Druck der Univ-Buchdruckerei Ioh. Slug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54 und stkr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachnngen für Stadt «nd Kreis Marburg.

Nur ein neues Moratorium?

Bedenkliche Auslassungen über Lausanne Die Auffassung in Kreisen der B.J.Z. Herriot übertrumpft Tardieu

Die halbamtliche französische Nachrich­tenagentur H a v a s äußert sich in einer Baseler Meldung offiziösen Anstriches über die Auffassung, die in Kreisen der B. I. Z. angeblich über die Lösnngs- möglichkeiten auf der kommenden Lau­sanner Konferenz bestehen:

LEin Moratorium sämtlicher po­litischer Schulden, d. h. Repa­rationen und interalliierte Schulden. Entgegen den mutmaßlichen deutschen Forderungen werde man auf einem Moratorium und nicht auf der An­nullierung bestehen, um sich für die Zukunft eine Neuregelung vorzube­halten und gleichzeitig die Vorschläge des Baseler Sachverständigen-Aus- schusies zu berücksichtigen.

2. Ein Teil der amerikanischen Ein­wände könnte beseitigt und gleichzei­tig eine Atmosphäre des Vertrauens geschaffen werden, wenn die an der Lausanner Konferenz beteiligten Mächte von sich aus und ohne das Ende der Abrüstungskonferenz abzu­warten, beschließen würden, frertoil- lig ihre Rüstungsausgaben einzuschränken.

3. Um eine Besserung der wirtschaft- üchen Lage m Europa durchzuführen, and insbesondere die Donaustaaten vor dem Zusammenbruch zu retten, soll versucht werden, dan franzö­sischen Vorschlag für den wirt­schaftlichen Zusammenschluß der Donaustaaten wieder auf­zunehmen. Der Plan soll besonders durch eine Reihe von Vorzugsrechten erweitert werden, aus denen Frank­reich, Polen, Deutschland und Ita­lien Rußen zögen.

Auf diese Weise greise man gleichzeitig en alten Briandschen Gedanken wieder auf, der seinerzeit zur Bildung des Europaausschusses geführt habe. Diese gemeinsamen Bemühungen einer wirtschaftlichen und zollpolitischen Soli­darität sollen schließlich noch auf dem Ge­biet der Finanzen durch den Zusammen­schluß aller derjenigen Inhaber von An- leiheftücken ergänzt werden, deren Rück­zahlung besondere Schwierigkeiten be­gegnen.

Es sei nicht schwer, diesen Inhabern der Anleihestücke zu verstehen zu geben, daß sie die Wahl hätten, ihre Außenstände ratenweise einzutreiben, oder aber ganz auf sie zu verzichten.

Schlimmer als Tardieu

Eduard Herriot, der Führer der Ra­dikalen Partei, nimmt in derE r e N o u- v e l l e zu einer Rede Paul Boncours Stellung und unterschreibt desien Stand­punkt in der Abrüstungsfrage. Sicher­heit, Schiedsgerichtsverfah­ren und Abrüstung seien ein Drei­klang, der in den Augen der französischen Republik seinen vollen Wert behalte. Wenn man, meint Herriot, den gegen­wärtigen Zustand Deutschlands beobachte, so würden patriotische Pazifisten, wie Paul- Voncour und er, hierin die Schwierigkeit erkennen. Paul-Boncour habe zwei un­anfechtbare Grundsätze aufgestellt:

1. Aufrechterhaltung des französischen Wil­lens zur europäischen Solidarität.

2.Aufrechterhaltung des Willens, unan­tastbare Rechte Frankreichs nicht zu veräußern und auf keinen Fall eütt Trennung zwischen Frankreichs

Gläubigeransprücheu und seinen Schul- denzahlungen vornehmen zu lassen.

Der diplomatische Korrespondent des Daily Herold" meint, daß die von Herriot abgegebenen Erklärungen über Repara­tionen und Sicherheit in diplomatischen Kreisen Londons einen niederschla­genden Eindruck gemacht hatten. Wenn diese Aeußerungen wirklich die An­sichten der neuen französischen Regierung darstellten, so würde die Lausanner Kon­

ferenz höchstens eine Verlängerung des Moratoriums um einige Monate bringen. Die Folge werde sein, daß im Verlaufe von weiteren zwei Monaten Deutschland zwangsläufig einTransfermoratorium" für seine wirtschaftlichen Schuldenver­pflichtungen erklären müßte. Das sei die größte Gefahr, die heute Europa bedrohe. Da seit Beginn des Hoover-Moratoriums nichts zur Verbesierung der Lage ge­schehen sei, so nähere sich jetzt schnell die

Eine Abfuhr für Polen

Der Dölkerbundsrat zu dem Wirtschaftskrieg gegen Danzig

Genf ,19. Mai. Der Dölkerbunds- rat hat sich am Donnerstag mit den zwi­schen Polen und Danzig schwebenden Streitfragen über den sogenannten Ver- edelungsverkehr. den Lagerverkehr und den Kontii^entverVchr beschäftigt t 2ät den Verhandlungen nahmen der Präsident der Freien Stadt Dr. Z i e h m und der Völker- bundskormnisfar von Danzig Graf Gra­vi na teil.

Der Berichterstatter für diese Fragen, der englische Anterstaatssekretar Eden, teilte zu Beginn der Verhandlungen mit, daß die beiden Parteien einem von ihm ausgearbeiteten Vorschlag zur Re­gelung der Streitfrage zugestimmt hatten. In diesem Vorschlag, der in die Form einer Entschließung des Völler- bundsrateS gekleidet ist, wird betont, daß eine Entscheidung der Organe des Völker­bundes über einedirekte Handlung" nach dem Sinn unmittelbar ausgefühtt werden muß. In dem Vorschlag wird weiter fest- gesteD, daß das polnische Finanzstrafgesetz vom 18. März 1932 nicht in einer Weise angewendet werden darf, die die Fragen des Veredelungsverkehrs'und des Lager- Verkehrs vor ihrer materiellen Erledigung im Voraus regelt.

Polen hat sich bereiterklärt, seinen Einspruch gegen di« Entscheidung des Bölkerbundskommisiars, durch die fest­gestellt wurde, daß Polen eine unzu­lässigedirekte Handlung" begangen habe, zurückzuziehen. Der Vorschlag wurde vom Völkerbundsrat einstimmig angenommen.

An die Annahme der Entschließung schloß sich eine Aussprache, in der der Präsident der Freien Stadt Dr. Ziehm die schwe­ren Schäden schildette, die der Danziger Wittschast durch die Maßnahmen der pol­nischen Regierung zugefügt werden. Er gab seiner Befriedigung über die Entschlie­ßung des Rates Ausdruck.

Die augenblickliche Lage sei für Danzig wirtschaftlich unerträglich.

Wan habe der Freien Stadt bei ihrer Loslösung vom Deutschen Reich wegen ihrer wittschaftlichen Verbindung mit Po­len ein wirtschaftliches Blühen verheißen. Die heuttge Lage entspreche diesen Ver­heißungen in keiner Weise. Dr. Ziehm be­tonte zum Schluß, daß den wittschaftlichen Rechten, die Polen auf dem Gebiete der Freien Stadt Danzig eingeräumt worden seien, die Pflicht gegenüberstehe, auf die wittschaftlichen Interessen Danzigs Rück­sicht zu nehmen.

Der polnische Außenminister Z a l e s k i ftimmte gleichfalls der Entschließung zu Und gab sodann eine kurze Darstellung der

Wirtschaftsbeziehungen zwischen Danzig und Polen vom Standpuntt der Polen.

Weiter erklärte der deutsche Vettreter im Völkerbundsrat, Botschafter Graf - Weczek, daß in wirtschaftlicher Bezie- *t>tAig zwilchen Polen und Danzig außer der allgemeinen Wittschaftsdepression beson­dere Einflüsse vorhanden seien, die dazu beigetragen hätten, die Wirtschaftslage der Freien Stadt Danzig ernschaft zu ver­schlimmern. Er wies an Hand eines sehr beweiskräftigen Zahlenmatenals nach, daß die Danziger Ausfuhr noch Polen, wegen der der Konflift entstanden ist, für die polnische Handelsbilanz praktisch keine Rolle spieft. Es sei nicht zu verkennen, daß die wirtschaftliche Spannung zwischen Polen und Danzig einen außerordentlich ernsten Charak­ter habe.

Der Danziger Döllerbundskommissar, Graf Gravina, wies auf die ernsten Folgen hin, die die Spannung zwischen Danzig und Polen auf das Wittschafts- leben der Freien Stadt haben könnte. ES sei feine Aufgabe, für die Aufrecht- erhaltung normaler Be Zie­hung en zwischen den beiden Staaten zu sorgen. Diese Aufgabe sei nicht immer leicht.

Ium Schluß ergriff der Berichterstatter, Anterstaatsiekretär Eden, das Wort zu einer Erklärung, die den Charakter einer Vertraue ns kundgebungd es Ra­tes für den Grafen Sravina trüg. Dann wurden die Verhandlungen über die Danziger Frage geschlossen.

Gouverneur Eylys

Äorono, 19. Mai. Der Präsident hat heute den litauischen Generalkonsul in Lon- don, Gylqs, zu« Gouverneur des Memel- gedietes ernannt. Der neue Gouverneur tritt bereits heute seinen Posten in Memel an. Wie verlautet, soll in den nächsten Tagen das Direktorium Simaitis znriicktrten.

Der neuernannte Gouverneur Eylys gab vor seiner Abreise nach Memel Pressevertte- tern gegenüber Erklärungen ab, die immerhin von dem Wunsch zur positiven Mitarbeit zeu­gen. Seine erste Aufgabe werde es fein, unter den Nationalitäten und Religionsgemein­schaften des Gebietes ein gutes Einvernehmen herzustellen, damit eine gedeihliche Zusam­menarbeit möglich wäre. Er hoffe, daß die Bevölkerung des Gebietes ihn mit ebenso offener Herzlichkeit empfangen werde, wie er zu ihr gehe und daß ihm das für seine schwie­rige Aufgabe unerläßliche Vertrauen ent­gegengebracht werde. Es werde seine Aufgabe fein, im Einvernehmen mit der Zentralregie­rung an der Wiederherstellung ungetrübter Beziehungen zwischen Litauen und Deutsch­land noch Kräften zu arbeiten. Das Memel­gebiet müsse zwischen Deutschland und Litauen hie-verbindende Brücke sein.

zweite große Krise, so daß die Sachver­ständigen die größten Befürchtungen für den Monat Juli hätten.

Wenn es wahr sei, daß Herriot keiner Herabsetzung der deutschen Repara­tionszahlungen ohne eine entspre­chende Herabsetzung der Kriegsschul­den zustimmen wolle, so sei das eine viel schärfere Haltung, als sie Tardieu und Flandin eingenommen hätten.

Dadurch, daß Herriot ein vorheriges Zuge­ständnis von Amerika verlange, stölle er eine unmögliche Bedingung. Das wisse er auch genau. Unter diesen Umständen müsse Lausanne zu einem Fehlschlag wer­den. Herriots Polittk bedeute den Zusantt menbruch Deutschlands.

England für eine deutsch-österreichische Zollunion.

In einem Leitarttkel spricht sichD a i l y Expreß" für eine deutsch-österreichische Zollunion und gegen die Gewährung wei­terer finanzieller Unterstützungen für Oesterreich aus. Oesterreich könnte nicht mehr lange als unabhängiger Staat wei­ter bestehen. Es müsse zwischen Berlin und Paris wählen. Die österreichische Sprache sei knutsch und der gesunde Menschenverstand weise auf eine deutsch-österreichische Zollunion hin.

Das französische Gold und die ftanzö- fischen Seitengewehre »eisen den Weg nach Paris. Oesterreich müsie sich selbst entscheiden. Eine weitere Gewäh­rung von Krediten englischerseits würde einen schweren Schlag für die englischen Interessen bedeuten, da die Anleihen den Zusammenbruch Oesterreichs nur hiuaus- zögern würden.

Der teuere Völkerbund

Genf, 19. Mai. Ein Antrag der eng­lischen Regierung auf grundlegende Erspar- sparnismaßnahmen durch Herabsetzung der Zahl und der Gehälter der Beamten beim Völkerbund gelangte am Donnerstag im Völkerbundsrat zur Ver­handlung. Von französischer Seite sind Versuche im Gange, den englischen Vorstoß unwirksam machen und eine jede Herab­setzung der Gehälter der Völkerbunds­beamten zu verhindern. Auch der Gene­ralsekretär des Völlerbundes, Sir Eric Drummond, hat dem Völkerbundsrat eine Denkschrift erngereicht, sich gegen die Einschränkung des Völkerbundshaus­halts und die Herabsetzung der Gehälter der Völkerbundsbeamten ausspricht. Str Eric Drummond weist darauf hin, daß die außerordentliche Ausdehnung des Aufgabenkreises des Völler­bundes eine Einschränkung des Haushalts unmöglich mache. Die Gehaltsregelung der Beamten sei im Hinblick auf die außer­ordentliche Teuerung in Genf erfolgt, die bisher noch immer in keiner Weise eine Verminderung erfahren habe. Die Gehäl­ter könnten nicht mit der Gehaltsregelung in den einzelnen Ländern, sondern mit der Besoldung der Diplomaten verglichen werden.

Der englische Staatssekretär Eden wies darauf hin, daß in England Stimmen der Kritik an der Finanzgebarung des Völker­bundes laut geworden seien. Die englische Regierung sei von der Rotwendigkeit wei- testgehender Ersparnismaßnahmen durch-