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IK. H4 Oderveffilcke 3eit»ng, gtotMttfl «. L- Mittwoch, d« 18. Mm 1932

ArbeMMMuMLne wie Sand am Meer

Tausende von Vorschlägen gehen an die Behörden - Sonderbare Schwärmer, die sich selbst nicht vergessen

Das wichtigste Problem unserer Tage, die Arbeitsbeschaffung, regt in unserem Lande viele tausend Hirne zum Nachden­ken über Wege zu seiner Lösung an. Reichspräsident, Reichskanzler, Reichs­arbeitsminister könnten täglich davon er­zählen, wenn sie die Unmasse der an sie gerichteten Briefe in dieser Frage über- Haupt zu lesen bekämen. Derartige Schriftstücke dringen natürlich niemals bis zu den ersehnten Empfängern vor, sondern werden im Geschäftsgang sofort an die zu­ständigen Sachbearbeiter geleitet. Nur im Falle außergewöhnlicher Bedeutung erhal­ten die Spitzen des Reiches davon Kennt­nis. Aber die Absender der Schriftstücke glauben in nahezu jedem Einzelfalle das Ei des Columbus" entdeckt und sich um ihr Vaterland außerordentlich verdient ge­macht zu haben. Soweit die Vorschläge ernsthaft find und einigermaßen brauch­bare, zuweilen auch wertvolle Hinweise enthalten, bieten sie den Sachbearbeitern des Reichsarbeitsministerium in den aller­seltensten Fällen neue Anregungen. Äenn. zeichnend für die Einsendungen ist gerade die außergewöhnliche Häufigkeit der glei­chen Vorschläge.

Bei einer Sfichprobe für rund zwei­tausend zeitlich geordnete Zuschriften der letzten Wochen stellte sich heraus, daß ihre meist sehr einfachen Kreisen angehören­der Urheber überwiegend die Arbeits­losigkeit auf die Maschine zurückführen. Die daraus gezogenen Schlußfolgerungen gehen verschiedene Wege, kehren aber eben­falls vielfach wieder. Eine Reihe von Derfasiern verlangt, daß sämtliche Auf­träge der Behörden nur noch durch Hand- arkwit ausgeführt werden sollen. Andere schlagen hohe Steuern auf Maschinen vor, um vermehrte Mittel für die Erwerbs­losenunterstützung oder die Arbeitsbeschaf­fung zu gewinnei. Nach der Maschinen­arbeit ist » vor allem die Frauen­arbeit vielen ein Dorn im Auge. Häufig wird als radikalstes Mittel die restlose Ent­fernung der Frauen aus dem Erwerbsleben vorgefchlagen. Der mildeste Antragsteller will sich mit der Ausschließung der Mädchen von 15 bis 22 Jahren taus dem gewerblichen Leben begnügen. Sie könnten sich zu Hause auf jeden Fall nützlich machen. Andere wollen lene Frauen und Mädchen von ihrer Arbeits­stätte vertreiben, in deren Familie ein männ- lcher Beschäftigter noch über ein Monatsein­kommen von 135 bis 175 Mark verfüge. Diese Summe möchte jemand übrigens als das zu- läsiige Höchsteinkommen für alle festgesetzt haben, bis jeder Arbeitslose durch Arbeitsbe­schaffung untergebracht ist und das Wirt­schaftsleben wieder normal verläuft. Jemand, der sich alskleiner Verkäufer eines Lebens­mittelgeschäfts" bezeichnet, tritt für die Haupt­maste der leicht zu erlernenden Arbeit für eine dreitägige Arbeitswoche und die Tei­lung der Löhne und Gehälter zu gleichen Hälften ein, denn:die schlechte Zeit ist leichter zu ertragen, wenn die kümmer- sichen Güter dieses Lebens ein wenig gleich­mäßig verteilt werden."

Sehr oft wird derVerstand" der Behörden angezweifelt. Sehr häufig und zuweilen auch sehr erbittert. Einer empfiehlt sich kurzer­hand selbst alsein Mensch mit richtigem Ver­stand" für die Bearbeitung dieses Stoffgebie­tes im Ministerium. Ein durchaus beachtliches Industrieunternehmen sandte eine Reihe allerdings nicht neuer Vorschläge ein mit einem Begleitschreiben, in dem es heißtVor­schläge, die nicht von Professoren stam­men, sondern von einfachen Leuten mit klaren

Köpfen und folgerichtiger Denkweise". Die Fachbearbeiter des Ministeriums machen zu den Vorschlägen dann Anmerkungen, Akten­verweste, aus denen hervorgeht, daß auch diese Dinge nicht neu sind.

Die große Maste der Eingaben auch bei fehl- aehenden Vorschlägen ift in ihrem Ernst er­schütternd ferner durch die Fülle von Einzel­heiten über besonders bedauÄiche Folgen der Arbeitslosigkeit, erschütternd endlich durch die Sorgfalt, mit der ungelenke, handarbeitge­wöhnte Hände, die widerwillig feiern müsten, sich nun in geiftiger Betätigung versuchen. Weil sie eben nicht rasten können, irgend etwas getan sehen wollen, versuchen nicht wenige Leute zu allererst, sich selbst Arbeit zu verschaffen. Ein in Deutschland lebender Rüste schreibtOhne Ermüdung habe ich meinen Geist sehr stark in wachem Zustand gehalten" und bringt dann den offenbar irgendwoher entlehnten Gedanken der zwangsweisen Aus- besterung von Häusern vor. Rach ein paar Tagen erscheint er im Ministerium und ver­langt eint Belohnung fürfeinen" guten Rat und gibt aus Befragen an, daß ermindestens 1 1000 Mark erwarte". Noch optimistischer ver- I sichert ein anderer dem Reichspräsidenten, er 1

habe aufEhrenwort" einen Plan für Arbeits­beschaffung, für den erin den nächsten zehn Jahren 30 bis 40 Milliarden Mark flüssig machen" könne. Er will abernur persönlich mit dem Herrn Reichspräsidenten" darüber sprechen. Er bleibt bei allem höflich. Ein anderer geht tatkräftiger vor mit der katego- rischen Erklärung:Ich laste Ihnen die Mög­lichkeit, sich in einer mehrstündigen Unter­redung mit meinem Gedankenspiel vertraut zu machen." Es fällt ihm aber nicht ein, wenig- stens Sfichproben diesesSpiels" niederzu­legen, die einen Minister reizen könnten, sich zu einer mehrstündigen Aussprache zur Ver­fügung zu stellen. Auf alle solche Eingaben, die gewiß aus verzweifelter Stimmung reg­samer und vielleicht achtenswerter Geister ent­springen, trifft aber wohl das rührende Wort eines Mannes zu, der einen an sich belang­losen Vorschlag macht und ihn als äußerst dringlich schildert, dann aber zu der Schluß­wendung kommt:Sie würden aus mir einen glücklichen Menschen machen, wenn Sie mir in Ihrem Ministerium Gelegen­heit geben, meine Gedanken weiter zu verfol­gen oder mich sonst irgendwie zu beschäftigen." Aus solchem Wege ist noch niemand zu dem er­träumten Ziel gekommen. H. Langenscheidt.

Die Schiffsbean-katasttophe im Indischen Ozean

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Der französische Ostasien-DampserGeorges Philiovar,.

geriet am Eingang des Golfs von Aden in Brand. Don den 900 Pastagieren und Mitgliedern der Besatzung sollen nach bisher unbestätigten Meldungen 100 den Tod gesunden haben. Der 21 000 Tonnen-Dampser. der erst im vorigen Jahr in Dienst gestellt worden war, ist durch das Feuer völlig zerstört worden.

EjubentenMast für Amnestie -er Landvolkkümvfer

Die Studentenschaft der llniversität Rostock wendet sich mit folgendem Auftuf an die Oeffentlichkeit:

Auf Grund der Stimmung in weitesten Volkskreisen setzt sich die Studentenschaft der Rostocker Universität dafür ein, daß die im Bombenprozeß" auf Grund des veralteten Sprengstoffgesetzes verurteilten Landvolkkämp­fer Claus Heim, Herbert Volk und ihre Mitkämpfer, die nunmehr fast drei Jahre im Gefängnis sitzen, der Scholle und ihrem Wirtschastsbetrieb entzogen sind, ftei- gelasten werden. Es wird als unerträglich empfunden, daß kriminelle Verbrecher zu weit geringeren Strafen verurteilt werden und

Eroßschieber wie die Sklareks frei herumlau- fenn, während den Bombenlegern vom Schwurgericht vorbildliche Vaterlandsliebe und Frontsoldatentum zuerkannt wurde. Die Be­handlung der holsteinischen Landvolkkämpfer wird schon deshalb als ungerecht empfunden, weil unter dem Einfluß des Zentrums Pfäl­zer-Bauern für ähnliche Taten unter Ge­währung von Bewährungsftist nicht zur Ver­antwortung gezogen wurden. Die Studenten­schaft erwartet von den nationalen Parteien im Landtag Anträge auf sofortige Freilafiung aller Landvolkkämpfer.

Es ist bedauerlich, daß es erst soweit kom- (men mußte. Die vornehmste Aufgabe des neuen

Landtages wird es sein, diesen Auftuf nicht unerhört verhallen zu lasten.

Der deutsche MatterhornMMinger t

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Der Münchener Dom Schmidt (sitzend) mit seinem Bruder Franz, mit dem er im Vorjahr die erste Besteigung der OtotiN wand des Matterhorns durchführte. Jetzt «fand Toni Schmidt, tote gemeldet, bei einem Versuch der Bezwingung des Wies- bachhornS (Ostalpen) den Tod.

Bom Bildfunk MM Klischee

Dem technischen Direktor der Schweizer rischen Radio-Thpo-Desellschaft, Ober« J Ingenieur Adalbert Fnth, ist es nach jahrelangen Versuchen gelungen, auf draht« losem Wege über Entfernungen von meh- reren tausend Kilometern bildliche Darstellungen und Wiedergabe von Dokumenten, Drucksachen usto. so zu übertragen, daß sie als ohne weiteres verwendungsfähige Klischees emp- fangen werden können. Die Versuche, die bisher zwischen Zürich und Athen gemacht wurden, sind von der Radio-Thpo-Desell- schäft in Gemeinschaft mit dem Aorddeut- schen Llohd Bremen und der Deutschen Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegra­phie (Debeg-Derlin) nun auch zwischen Mrich und dem auf hoher See befindlichen LloydschnelldampferBremen" mit Erfolg durchgeführt worden. Aeberttagen wurde bet diesem ersten Versuch ein Schreiben des Aorddeutschen Lloyds an den Kapitän derBremen". Das neuartige Verfahren, das die BezeichnungRadio-Typv" fühtt, ist eine Verbindung vonTele- Vision und Bildtelegraphie. Es leuchtet ein, daß die neue Erfindung von größter Bedeutung für das Rachricbten« wesen der Zukunft ist.

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MWnoWten

Wie wir erfahren, ist die amtliche Der- setzung des ord. Professors Dr. Hans Stille von Göttingen in gleicher Gigenfd)aft m die philosophische Fakultät der Universität der Universität Berlim erfolgt; Prof. Stille übernimmt in Bersin als Nachfolger des Geh- Rats Jos. Pompeckj den Lehrstuhl der Geolo­gie und Paläontologie.

V Wie wir hören, ist in der philosophischen Fakultät der Universität Köln der Pnvat- dozent für Zoologie Dr. Erich Reifing zum nichtbeamteten außerordentlichen Profesior er­nannt worden.

Frauen im Frühling

Kleine Geschichte von Fritz Georg Sünder.

Lotte hatte ihrem Mann gestanden, daß man nun schon tief in den Frühling ge­kommen sei.

Ich weiß, liebes Kind", sagte er,hast Du diese Neuigkeit aus dem Kalender?"

Sie lächelt so überlegen, wie nur läckeln können.Das fühlt man doch, Al­fred, es liegt in der Luft. Wenn Du Augen im Kopf hättest, würden Dir die frohen Gesichter auf der Straße erzählen, was Du scheinbar nur aus dem Kalender weißt. Fede Frau trägt ihr neues Früh- KngsJontpIet, und einen neuen Hut brauche ich auch und . . ."

. . . und Schuhe auch, ich kann nicht mdjr so Herumlaufen das wolltest Du doch sagen?" fährt er fort.

Wie Du mich verstehst", jubelt fie und legt dabei ihren blonden Wuschelkopf schmeichelnd an seine Schulter.Wie fin­dest Du übrigens diese entzückenden mo­dernen Frühjahrsjäckchen? Ich glaube, daß ich Dir darin sehr gefalle."

Er lächelt grimmig.So, glaubst Du? Für meinen Geschmack kannst Du gar nicht entzückender aussehen. Und was Deine Frühjahrsneuheiten betrifft, so berückfich- tige bitte, daß in meiner Kaste tiefster Winter von mindestens 30 Grad Kälte herricht. Außerdem bin ich der Ansicht,

daß Du mit Deiner vorjährigen Früh­jahrsausstattung auch in diesem Jahr noch Bewunderung erregen wirst."

Alfred!" Sie hat diesen Ruf wie ein todwundes Tier ausgestoßen.Ist das Dein Ernst?"

Mein Ernst", bestätigt er,aber wenn Du durchaus etwas haben mußt . . ."

Hoffnungsvoll starren ihn zwei mit Tränen gefüllte Augen an.Dann be­komme ich doch wenigstens ein Jäckchen", schluchzt sie.

Alfred macht ein sorgenvolles Gesicht und grübelt scheinbar darüber nach, ob er ihren Wunsch erfüllen kann.

Ich habe neulich schon eins anprobiert", gesteht Lotte, ihn hoffnungsvoll anblik- kend.Nicht wahr. Liebster, Du machst mir doch die Freude?"

Alfred, dem die Schweißperlen auf der Stirn stehen, schließt sie fest in die Arme. Wenn Du durchaus etwas haben mußt", sagt er dann und fühlt dabei sein und auch ihr Herz stark pochen,werde ich Dir ein Paar neue Schnürsenkel kaufen."

Als die beiden am nächsten Sonntag durch den milden Frühlingsmorgen gin­gen, trug Lotte mit glücklichem Lächeln ihr neues Frühjahrsjäckchen und, da alles zu einander pasten mutz, auch das neue Hüt­chen und die neuen Schuhe.

Frau Krause, die mit ihrem Mann vorüberging, sagte:Es ift Frühling, Schatz-----"

(Wiederholung wie oben.)

Kunst uv- Wissenschaft

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Frau Luise Dumont-Lindemann, die langjährige Leiterin des Düsseldorfer Schauspielhauses, ist, wie gemeldet, im Alter von 70 Jahren gestorben. Luise Dumont, die selbst eine bekannte Schauspielerin war, hat in ihren Glanztagen als Perkörperin von Cha­rakter-Rollen des neueren Gesellschaftsstücks viel zu dem Aufstieg des Reinhardtfchen Deut­schen Theaters beigetragen.

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Dr. Mörtels gestorben.

London, 16. Mai. Morgen findet die

Beerdigung Dr. Katt Emil Warkels statt.

der am Freitag im 73. Lebensjahr 6er* schieden ist. Dr. Markels hat sich wäh­rend des Ktteges als naturalisierter eng­lischer Untertan seiner deutschen Lands­leute, vor allem der internierten Zivil- und Kriegsgefangenen, unter Aufopferung großer Persönlicher Mittel angenommen. Dr. Matteis war in Hochheim am Main geboren, seine Er- ziehung genoß er tn Stuttgart.

Em Mittel gegen das Gelbe Fieber gesunden?

Zwei ftanzösische Gelehrte, Dr. Sellards und Dr. Laigret, beide vom Pasteur-Institut in Tunis, haben kürzlich Versuche beendigt, die, wenn man den bisherigen Berichten glau­ben barf, zur Entdeckung eines Impfstoffes gegen das gefürchtete Gelbe Fieber gefühtt haben. Den genannten beiden Aerzten ist es bereits gelungen, Menschen durch Impfung mit dem von Mäusen gewonnenen Serum gegen die Seuche völlig immun zu machen. Der Tatsache, daß diese Nager sich für die Serumgewinnung als geeignet erwiesen haben, kommt besondere Bedeutung zu angesichts des Umstandes, daß sich diese in allen Teilen der Welt aushalten können, während die bei den bisherigen Versuchen zur Bekämpfung des Gelben Fiebers verwandten , Affen sich nur unter Schwierigketten beschaffen ließen, wodurch die Arbett der Forscher schon immer erheblich gehemmt wurde.

= Oberspielleiter Hans Strohbach nach Darmstadt berufen. Der Oberspielleiter der Kölner Oper, Hans Strohdach, ist ab näch­ster Spielzeit an das Darmstädter Landesthea­ter berufen worden.