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Nr. 113

Dbetteffifd* Zeitung. Marburg a. L>. Dienstag, den 17. Mai 1932

Das Werk der Nächstenliebe

Die Marburver Winterhilfe in -er Seit vom 1 10.1931 bis 31.3.1932

Im September des vorigen Jahres berref Oberbürgermeister Müller die Organi­sationen der freien Wohlfahrtspflege und ote Iürsorgeoraane der öffentlichen Fürsorge so­wie die Vertreter der Behörden, die Vertreter der Kirkbcn und Schulen, des Handels und Gewerbes die Vertreter der Beamten. Ange- stelllen und Arbeiter zu zwei Besprechungen über die Beschaffung von Mitteln für dre Lin­derung der Winternot zusammen. Der Ober­bürgermeister brachte zum Ausdruck, daß die Stadl infolge ihrer schwierigen Finanzlage nicht mehr fähig sein werde eine ergan- -ende F ü r i o r g c für die Hilfsbedürftigen, namentlich während des Winters, zu tragen und der Zeitpunkt gekommen fei, wo der frei­willige Liebesdienst einsetzen müsse, um der Not unserer Hilfsbedürftigen durch ergänzende Fürsorge steuern zu können. Am 3. 10. 1931 erging ein Aufruf an alle, die noch ein aus­reichendes Einkommen hatten zur Aufbrin­gung von Mitteln, um den Wohlfahrtsorgani­sationen die Möglichkeit geben zu können, durch Gewährung von Nahrungsmitteln, Koh­len, Kleidern. Wäsche und Schuhen , an die Unterstützungsbedürftigen in ausreichendem Maste Hilfe zu leisten. Es wurde gebeten um Geld, um Nahrungsmittel, um Kleider, Wäsche, Schuhe und Kohlen.

Es wurden Ausschüsse gebildet, die stch mit der Durchführung der Arbeit befassen sollten. Ein Ausschutz hatte sich mit der Auf­bringung und Verwendung von Geldspenden zu befassen, ein zweiter Ausschutz befatzte sich mit der Sammlung von Lebensmitteln, Klei­dern, Schuhen und Sonstigem, beschaffte aus dcii bewilligten Geldspenden weitere notwen­dige Gegenstände des täglichen Bedarfs und verteilte alles ad die Hilfsbedürftigen. Um dies reibungslos ermöglichen zu können, wur­den folgende Einrichtungen getroffen: 3m Hochzeitshaus in der Nikolaistratze wurde eine Geschäftsstelle der Winterhilfe gegrün­det. Sie bildeten die Zentrale für die Ver­teilungsarbeit. In der Geschäftsstelle arbei­teten Schwestern des Roten Kreuzes, die die Gutscheine für die gespendeten Kohlen und Kartoffeln ausgaben, den Hilfesuchenden Rat erteilten und die insbesondere die neu einge­richtete Kartothek führten, in der die Unter­stützungsleistungen verzeichnet, wurden, die die Hilfsbedürftigen aus der öffentlichen Für­sorge und aus der Winterhilfe erhielten. Die Hauptlast der Verteilung lag in Händen der Bezirkspflegerinnen. Sie mutzten in erster Linie überblicken, in welchem Umfang einer Familie geholfen werden sollte. Sie hatten Sprechstunden eingerichtet, in denen die Hilfs­bedürftigen ihre Anträge auf Unterstützung aus dem Hilfswerk anbringen konnten und die Bezirkspflegerinnen den Hilfsbedürftigen aus- kinanderfetzcn konnten, in welcher Hohe und in welchem Umfange sie Leistungen aus der Winterhilfe zu erwarten hatten. Im übrigen stand ihnen das Wohlfahrtsamt ratgebend zur Seite.

Neben der Geschäftsstelle war es notwendig, Stellen zu schaffen, die sich mit der B e. schaffung bezw. der Herstellung der Gaben für die Hilfsbedürftigen befasien mutzten. Diese Aufgabe wurde so or­ganisiert, daß die unter Leitung von Frau Oberbürgermeister Müller und Frau Geheimrat Arndt im Winter 1930 eingerichtete Kleiderstelle und Nähstube ihre Arbeit im Rahmen der Winterhilfe wie­der aufnahm und wie im Vorjahre die Be­schaffung und Verteilung von Kleidung und Schuhen an die Bezirkspflegerinnen besorgte. In Verbindung damit stand unter Aufsicht von Frau Michaeli eine Schneiderwerk­statt, die arbeitslose Schneider 16 Stunden wöchentlich mit Neuanfertigungen und Re­paraturen von Männer- und Knabenkleidung beschäftigte. Sie genügten durch diese Arbeit ihrer Verpflichtung zur Pflichtarbeit.

Die Kleiderstelle der Winterhilfe hat Mitte Oktober 1931 ihre Tätigkeit ausgenom­men und sie bis Ende März durchgeführt. Sie war in diesem Jahre in den seitherigen Räu­men der Berufsschule im Bückingschen Hause am Markt untergebracht. Zwei Tage wöchent­lich war Re geöffnet. Vier bis sechs Frauen vom Staotverbande Marburger Fraucnver- eine waren ständig tätig, die Sachen auszu­packen, zu fichten, zu zählen, zu ordnen und die hergerichteten Sachen an die Bezirks­pflegerinnen auszugeben. Dann fanden sich immer noch eine ganze Anzahl Frauen ein, die neben einer bezahlten Kraft das Aufbessern, Stopfen und Flicken der Sachen besorgten und aus alter Kleidung Kindersachen herstellten, und manches Paket mit Flick- und Nähsachen wurde von freundlichen Helfern noch mit nach Hause genommen und dann die fertigen Sachen wieder abgeliefert. Auch die Frauen des Va­terländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz haben sich in dankenswerter Weise zur Ver­fügung gestellt und fertigten immer und immer wieder bie so sehr begehrten Kinder- bernden an.

Mitte Dezember setzte die große Sammlung ein, die mit freundlicher Unterstützung des Bataillons und des Roten Kreuzes durchge­führt wurde und mit der Menge der Gaben ein schönes Zeichn der Hilfsbreitschaft und Dpfermittigfeft unserer Marburger Mitbürger »blegte.

Das Herrichten und Verarbeiten der Sachen hat bis zum Abschluß der Winterhilfe ge­dauert. Was schmutzig war, wurde im Wohl­fahrtshause, zum Teil auch im Luisa-Bad^ ge­waschen und gebügelt. Große Pakete schöner und zum Teil neuer Sachen wurden uns von unseren Geschäften gestiftet. Es war ein stän­diges Bringen und Auspacken und all die vie­len hilfsbereiten Hände waren stets vollauf beschäftigt. Die Nähmaschinen für die Schnei­derwerkstatt waren der Winterhilfe teils von privater Seite, teils von der Firma Singer freundlichst unentgeltlich zur Verfügung ge­stellt worden.

Fast noch mehr Sorge als die Beschaffung von Kleidung und Wäsche machte die Be­

schaffung des Schuhzeuges, denn die Nachfrage, vor allem nach Männer- und Ktn- derschuhen war riesengroß. Dank der zur Ver­fügung gestellten Mittel war die Kleiderstelle in der Lage, 396 Paar Schuhe anzuschaffen, 857 Paar geschenkte Schuhe Herrichten zu las­sen, vor allen Dingen aber, wenn auch in be­grenztem Umfang, den Hilfsbedürftigen ihr Schuhzeug flicken und besohlen zu lasten, eine Hilfe, die sich als sehr wesentlich herausgestellt hat und sehr begehrt war.

Di« Ausgabe der Sachen

erfolgte in der Weise, daß jede Bezirks­pflegerin wöchentlich einmal Gelegenheit hatte, sich in der Kleiderstelle die erforderlichen Sachen (natürlich soweit sie vorhanden waren)

Die Lage der Landkreise Sie Entwicklung geht |um Lande zurück«

Am Freitag, dem 13. Mai tagten in Weimar unter dem Vorsitz des Land­rats Dr. von Achenbach die deutschen Land­kreise. Präsident Dr. von Stempel sprach über die augenblickliche Lage der Landkreise. Infolge der Wirt­schaftsschrumpfung und der Erhöhung der Zahl der Arbeitslosen habe jede kom­munale Tätigkeit vielfach auf­gehört, weil alle Finanzkräfte auf die Auszahlung der Unterstützungen konzen­triert werden mutzten. Dabei sei die Steigerung der Arbeitslosenzahl auf dem Lande vielfach stärker gewesen als in den Erotzstädten.

Die deutschen Landkreise hätten am 31. März 1932 775 000 Wohlfahrts­erwerbslose aufznweisen gehabt.

Der allgemeine Rückgang der Finanzen auch in den Landkreisen habe nicht nur eine weitere Verschlechterung auch auf dem Arbeitsmarkt erzeugt, sondern auch den Verfall der Kultur in drohende Nähe ge­bracht. Die Verschuldung sei weiter stark im Ansteigen. An dieser Katastrophen­entwicklung hätten die Notverordnungen nichts geändert. Auch die Landkreise wützten, datz sie Opfer bringen muffen. Sie müßten jedoch dabei verlangen, datz ihre berechtigten Interessen nicht verletzt werden.

EinsparungsmSglichkeiten gäbe es jetzt nicht mehr.

Eine Reichsfinanzsanierung sei solange wirkungslos, als die Kommunen ihrem

Schicksal selbst überlassen bleiben. Die Finanzsanierung müsse für Reich, Lander und Kommunen gemeinsam sein Das Wortdie Entwicklung geht zum Lande zurück" werde volle Wirklichkeit. Den Standpunkt der Landkreise zu den nn Gutachten des Profeffors Dr. Popltz an­geschnittenen Problemen legte Syndikus Dr. von Hausen- Weimar dar.. Er führte aus: Eine Neuregelung des Finanz­ausgleichs fei dringend erforderlich. Das Popitzgutachten weise einen Weg, Die Verwaltung muffe (o einfach und sparsam wie möglich ge- staltet werden. Eine Stärkung der Landkreise durch Zusammenlegung und Einbeziehung von Städten sei zubegrüßen, jedoch müsse auf historisch Gewordenes Rücksicht genommen werden. Popitz fei ent Verfechter der Selbstverwaltung, er sähe in ihr aber nur eine Form der Staats­verwaltung mit dezentralisierter Verant­wortung, kein eigenständiges Leben. Das beeinträchtigte seine Vorschlags zur Ver­waltungsreform. Die Kommunen konn­ten eine ordnungsmäßige Finanzwirtschaft nur führen, wenn ihnen genügend Ein­nahmen zugewiesen werden. Das Steuer­system müsse von unten nach oben aufge­baut wrden. Dem Vorschlag des Gutach­tens wurde zugestimmt. Dringend erfor­derlich sei die Umgestaltung der Arberts- kosenhilfe: Die Landkreise müßten eigene Steuern erhalten und an den Staatszu­schüssen und Finanzzuweisungen beteiligt werden.

auszusuchen und in Koffer und Körbe zu ver­packen. Diese Koffer und Körbe wurden ihr dann ins Haus getragen oder gefahren, und sie konnte sie nun von sich aus an die Empfän­ger weiterleiten. Zum Schluffe seien noch einige

Zahlen genannt, um einen Ueberblick Über die ge­leistete Arbeit zu geben.

Es find im Laufe des Winters durch die Kleiderstelle gegangen insgesamt 6771 Stück davon Kleider 2131 Stück, Wäsche 2548 Stück' Schuhe 857 Paar (außerdem 396 Paar neue), Bett stücke 32 Stück, neue Sachen 1203 Stück.

Die Vorsitzende des Marburger Hausftauen- uereins, Frau Prof. Strecker, die bereits innerhalb des Hausfrauenvereins eine Pftmd- und Zentnersammlung durchgeführt hatte, übernahm daneben die Sammlung der ge­spendeten Lebensrnittel und die llnterver- teilung derselben an die Bezirkspflegerinnen. Die Pfund- und Zentnersammlung des Mar­burger Hausftauenvereins hatte folgendes Er­gebnis: Obst 16 493 Pfd., Gemüse 16 911 Pfd., Kartoffeln 25 010 Pfd., Kohlen u. Holz 70 600 Pfd., Erbsen 832 Pfd., Bohnen 615 Pfd., Lin­sen 306 Pfd., Reis 619 Pfd., Mehl 33254 Pfd., Nudel 60 Pfd., Hafer 241 Pfd., Graupen 32% Pfd., Grieß 4554 Pfd., Zucker 104 Pfd., Dörr­obst 120 Pfd., Fett 383 Pfd., Tee u. Kakao 122 Pfd., Kaffee 76 Pfd., Fleisch nub Wurst 40 Pfd., Fisch 50 Pfd. Honig und Gelee 27 Pfd., Seifenpulver 270 Pfd.. Käse 255 Stück, Brot 148 Laibe.

Daneben liefen die Lebensmittelspenden im Rahmen der Marburger Winterhilfe unmittel­bar. Sie betrugen insgesamt 226,77 Zent­ner SebensmitteLbie in ber Hauptsache von hiesigen Lebensmittelge­schäften und Einwohnern gespen­det wurden und vornehmlich aus Obst, Ge­müse, Kartoffeln und anderem bestanden. Außerdem wurden auch Kohlen gespendet. Der Marburger Hausftauenverein e. D. hat seine Kräfte, den gesamten Ertrag seiner Pfund- und Zentnersammlung in unmittelbarer Abgabe an die Bezirkspflegerinnen und 600 Zentner Kohle vom Äusftellungserlös des

Vereins der Winterhilfe unentgeltlich zur Ver­fügung gestellt und die gesamten Unkosten über­nommen die der Winterhilfe durch die Le­bensmittelstelle entstanden sind. Auch für ote Aufbewahrung der Lebensrnittel wurden die erforderlichen' Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.

Im Interesse der städtischen Winterhilfe wurde in ber dem Vaterländischen Frauenoer- ein vom Roten Kreuz gehörenden Deutsch- hausklinik die Speisung von Bedürfti­gen jeden Standes in Form von Essenabgabe für den Preis von je 10 Pfg. seit dem 4. No­vember 1931 vorgenommen. Es wurden in ber Zeit vom 4. November 1931 bis 15. April 1932 runb 16 650 Eisen ä 10 Pfg. ausgegeben. Aus dieser selben Küche wurden täglich 45 durchreisende Wanderer unentgeltlich ver­pflegt, im ganzen noch 780 Essen, sodaß aus dieser Küche allein 13 430 Essen ausgegeben worden sind. Die Kosten, die dadurch ent­standen, trug zum großen Teil die Schwestern­schaft aus 'Mitteln, die die Schwestern zur Verfügung gestellt hatten. Ein guter Teil wurde aber auch durch die Freunde und Mit­glieder des Roten Kreuzes gestiftet, sodaß es gelingen konnte, diese Hilfsaktion bis zum 15. April 1932 durchzuführen. Dom 6. Januar 1932 ab wurde im Mutterhaus noch ein Tisch für Alte und Bedürftige des gebildeten Mittelstandes eingerichtet, der recht gut besucht wurde. Es wurden hierdurch runb 1050 Essen ausgegeben.

Die Fürsorgestelle des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz, Deutschhausstraße 25, stellte sich der städtischen Winterhilfe auch zur Verfügung. JEs. mürben aus biefer Fürsorgestelle an Bedürftige aus­gegeben : An Wäschestücken 475, an Kleidungs­stücken 524, an Schuhen 114 Paar, an Möbeln und Betten 32 Sftick, an Haushaltungsgegen- stänbe 62 Stück, zusammen 1207 Stück.

In ber Flickstube bes Mutterhauses wurde durch Mitglieder der Jugendabteilung und er­werbslose junge Mädchen genäht. Tie er­werbslosen jungen Mädchen erhielten für ihre Hilfe das Esten aus der Winterhilfe. Auch in dieser Küche wurden drei erwerbslose Mäd­chen die Zeit über beschäftigt gegen Be­köstigung.

Bei ber Weihnachtsbescherung wurden 219 Personen beschenkt. Es wurden Kleidungs­stücke jeder Art, vor allem auch Schuhe uno Wollsachen dann Lebensrnittel und Spielzeug ausgegeben. Der Vaterländische Frauenver­ein vom Roten Kreuz hat der städtischen Wtn< terhilfe alle seine Kräfte ehrenamtlich zur Verfügung gestellt.

Außer den vorstehend Genannten, dem Aus­schuß der Winterhilfe unmittelbar angeschlosse- nen Stellen haben sich im Rahmen ber Win­terhilfe noch

folgende Organisationen

betätigt:

l.Die Kirchen, ble neben der Marburger Win- terhilfe an ihnen nahestehende Personen Unterstützung geleistet haben.

2. Die Stadtmission, die sich vornehmlich mit Abgabe von verbilligtem Esten an die Hilfs- bedürftigen befaßte und dazu eine Warme» halle eingerichtet hatte.

3. -Die landeskirchliche Gemeinschaft Marburg- Süd die etwa 30 hilfsbedürftige Familien so betreut hat, daß sie von ber Marburger Winterhilfe nicht mehr bebacht zu werben brauchten.

4. Die Gastwirte, bie unentgeltlich Esten an die Hilfsbedürftigen abgegeben haben.

5. Die Bäcker, Metzger und Kolonialwaren­händler, die den Hilfsbedürftigen für einige Monate eine Lebensmittelverbilligung ein» geräumt haben.

6. Das Studentenheim, das an die Hilfsbe­dürftigen verbilligtes Esten und die stu- dentischen Korporationen, die unentgeltlich Essen abgegeben haben.

Die Unterstützung der Hilfsbedürftigkeit mit Kohlen und Kartoffeln, soweit sie aus Mit­teln der Winterhilfe eingekauft werden konn­ten, und die Gewährung der Weihnachtsbei­hilfe war Aufgabe des städtischen Wohl­fahrtsamtes. Für die Beschaffung von Brennmaterial für die Hilfsbedürftigen wurde ein Betrag von 6000 M aufgewandt der zur Hälfte aus Mitteln der Winterhilfe, zur anderen Hälfte aus städtischen Mitteln getra­gen worden ist. Es konnten auf diese Weise rund 5200 Zentner Brikett unentgeltlich ab­gegeben werden. Von den Kohlensyndikaten mürben 6000 Bezugsscheine ausgegeben, bie zum Einkauf verbilligter Union- unb Hasfia- Brikett sowie Haldekohle berechtigten mit einer durchschnittlichen Verbilligung von 20 Pfg. pro Zentner. Daneben kamen den Hilfsbedürftigen die Reichsverbilligungs­scheine für Kohlen zugute, die vom 1. De­zember 1931 bis 1. April 1932 abgegeben wur- den. Es erhielten etwa 1300 Haushaltungen monatlich 2 Zentner Kohlen um 30 Pfg. pro Zentner verbilligt. Ferner wurden 1300 Zent­ner Kartoffeln ausgegeben und zwar 850 Ztr« zu 1,20 H und 450 Zentner unentgeltlich.

Neben den Reichsbezugsscheinen für Koh­len wurden in der Zeit vom 13. Dezember 1931 bis 30. April 1932 noch Reichs­bezugs scheine für Frischfleisch auSgegeben, die den Hilfsbedürftigen zum Ein, (auf von 4 Pfd. Frischfleisch im Monat zl 30 Pfg. unter dein Tagespreis berechtigten. Es wurden monatlich rund 1200 solcher Be­zugsscheine verteilt. Die Lebenshaltung der Hilfsbedürftigen wurde weiter dadurch wesent­lich verbilligt, daß die Marburger Ko­lonialwarenhändler, Metzger unb Bäcker eine Lebensmittelverbilligung für Hilfsbedürftigen einräumten und zwar ge­währten die Kolonialwarenhändler für die Zeit vom 1. November 1931 bis 1. Januar 1932 beim Äareinkauf von 1 Pfd. Kolonial­waren 10 Prozent Preisnachlaß, die Bäcker beim Bareinkauf von 1 Laib Brot eine Preis, ermäßigunq von 4 Pfg. und die Metzger beim Bareinkaus von Fleisch und Wurst 10 Prozent unter Tagespreis. Die Koblenwarenhänoler und Bäcker stellten vom 1. Januar 1932 ab diesen Preisnachlaß ein, während die Metzger ihren Rabatt noch weiter bis zum 1. April 1932 verlängerten.

Als Weihnachtsbeihilfe für die Hilfsbedürftigen stand ein Betrag von 6900 JK. zur Verfügung. Damit wurden 2300 Per­sonen einschließlich Frauen und Kinder mit einer Beihilfe von je 3 M bedacht. Den Rest trugen die städtischen Körperschaften.

Zum Schluß muß noch hervorgehoben wer­den. daß, wie im vergangenen Winter so auch in diesem Jahre die Winterhilfe wieder zarte und schwächliche Kinder bestrahlen lieh, um sie körperlich zu kräftigen und zu ertüchti­gen. Die Bestrahlungen sind in der Zeit von Anfang Januar bis Ende Februar vorgenom­men worden und zwar durften 88 Kinder daran teilnehmen. Jedes Kind bekam 20 Be­strahlungen. Die Kinder find zusammen von der Schulärztin und Fürsorgerin ausgesucht worden. Es waren Kinder aus allen Volks­schulen und aus den Kindergärten dabei.

Es war in dankenswerter Weise ermöglicht worden, den Kindern nach erfolgter Be­zahlung jedesmal % Liter Kindermilch unb ein Brötchen zu verabreichen und der Haus­ftauenverein hat in freundlicher Weise noch darfür gesorgt, daß die Brötchen auch nicht ttocken gegeffen zu werden brauchten.

Außerdem war in privaten Haus­haltungen noch für 33 Kinder Mittags­tisch zur Verfügung gestellt worden, sodaß in jeder Weise versucht wurde, die Wirkungen der Kur zu unterstützen. Das Ergebnis der Eewichtskontrolle am Schluß ergab dann auch durchweg recht erfreuliche Gewichtszunahmen. Die Kinder hatten 2,3, einige sogar 4 Pfund zugenommen und es steht zu hoffen, daß bi«»

^Schöne weiße Zähn^:(^lorodont^^