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RenStas, «n 17. »1932

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Äbechessische

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Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnnge« für Stadt nnd Kreis Marburg.

Ministerpräsident Inukai ermordet

Weitere Attentate und Bombenwürfe in Tokio Das japanische Kabinett zurückgetreten Ruhige Beurteilung der Lage

T o k i -. IS. Mai. Der japanische M i« nisterpräsdent Inukai ist heule durch zwei Revolverfchüfse schwer verletzt worden; sein Zustand ist autzer- ordentlich ernst. Der Anschlag wurde ver­übt durch zehnjungeLeuteinOfsi- ziersuniform. die in das Haus des Ministerpräsidenten eindrangen und nicht nur ihn selbst, sondern auch vier Polizei- Beamte, eine Hausangestellte und einen East des Premierministers n i e d er­schossen. Außerdem wurden gleichzeitig von Leuten in Offiziersuniform Bom­benanschläge gegen die Bank von Ja­pan, das Polizeipräsidium, das Büro der oppositionellen Eeiyukai-Partei und das Haus einer einflußreichen politischen Per­sönlichkeit verübt. Nach den Taten find Flugblätter einerBereinigung junger Offiziere des Heeres und der Flotte" in Tokio verbreitet wordrn.

Inukai hat zwei Schüsse erhallen, von denen der eine in seine Stirn drang. Inukai hatte gerade eine Unterredung mit einem Besucher, als die zehn Leute mit erhobenem Revolver ins Zimmer stürm­ten. Auf das Polizeipräfidium wurden auch fieben bis acht Schüfie abgegeben, die einen Polizeibeamten trafen und verletz­ten. In den oben erwähnten Flugblät­tern werden insbesondere die japanische Diplomatie nnd Me leitenden Behörden des Heeres und der Flotte aufs heftigste angegriffen; aber auch die Erziehungs­und Wirtschaftsmethoden werde« einem starken Tadel unterzogen.

Japans Ministerpräfident seinen Ver­letzungen erlegen.

Tokio, 15. Mai. Der durch das Re­volverattentat schwer verletzte japanische Ministerpräsident Inukai ist seinen Ber- le tzungen erlegen.

Nach der Ermordung des Ministerpräsi­denten hat das japanische Kabinett dem Kaiser sein Rücktrittsgesuch unterbreitet. Der stellvertretende Ministerpräsident, der bisherige Finanzminister, wurde beauf­tragt, die Geschäfte weiter zu führen.

Mißlungenes Attentat auf den japanischen Kriegsminifter.

Tokio, 16. Mai. Auch der Kriegs­minister General Araki war gestern das Ziel eines Mordanschlages. Eine Gruppe bewaffneter Männer drang um Mitter­nacht in feine Wohnung ein und bedrohte seine Diener. Araki war jedoch schon weg­gegangen, um an der außerordentlichen Sitzung des Kabinetts teilzunehmen.

In maßgebenden japanischen Kreisen werden die Attentate im wesentlichen als spontaner Ausdruck der Unzufriedenheit einzelner jüngerer Elemente, die der Wehrmacht angehören, bewertet. Es lie­gen bisher keine Anzeichen dafür vor, das hinter den durchweg jugendlichen Tätern, die überwiegend Kadetten find, Personen aon irgendwelchem Einfluß stehen. Das Sttaßenbild in Tokio ist unverändert und durchaus ruhig.

Nach dem Anschlag auf den Minister- »rästdenten stellten sich 18 junge Leute freiwillig der Polizei. Es handelt sich um Ans Marineoffizere, mehrere Armee- »ffiziere und Kadetten. Sie gehören

sämtlich der Gesellschaft der schwarzen Drachen an.

Die Mitglieder dieser Vereinigung kämpfen gegen die neue Ordnung. Sie waren insbesondere mit der Polittk der japanischen Regierung in der Mandschurei und Schanghai nicht einverstanden. Gleich­zeitig mit den Anschlägen wurden überall Flugblätter verbreitet mit Aufschriften wieNieder mit den untreuen Elementen! Lang lebe der Kaiser! Beendet die Kor­ruption der Politiker! Nieder mit der Oligarchie Finanzleuten!"

Bei den verschiedenen Anschlägen und Bombenwürfen wurde ei» Polizist getötet, sieben Polizisten, ein Offizier und drei Zivilpersonen verwundet.

Ein weiterer Anschlag in Tokio.

Tokio, 16. Mai. Der politischen Po­lizei ist es gelungen, noch rechtzeitig einen weiteren Anschlag aufzudecken. Unter den Transformatoren rm Elektrizitätswerk wurde Dynamit gefunden. Die Attentäter wollten allem Anschein nach das Werk in

die Luft sprengen, um die Lichtversorgmg zu unterbinden.

Der japanische Kaiser hat der Familie des ermordeten Ministerpräsidenten sein Beileid ausgesprochen. Eleichzeittg über­mittelte das diplomatische Korps der ja­panischen Negierung Beileidskundgebun­gen. In ausländischen diplomatischen Krei­sei wird darauf hingewiesen, daß Inukai ein Anhänger des Verständigungsge­dankens sei.

Einzelheiten zu den Anschlägen in Tokio.

Tokio, 16. Mai. Nachdem der schwer­verletzte Ministerpräsident Inukai ins Krankenhaus gebracht worden war, ordnete er an, daß an seinem Bett eine Kabinettssitzung stattfinden sollte. Die Minister fanden sich auch sofort ein, doch konnte Inukai an den Beratungen nicht mehr teilnehmen, da er während der gan­zen Zeit mit kurzen Unterbrechungen be­sinnungslos war.

Ueber den Anschlag auf Inukai teilte die Schwiegertochter des Ministerpräsiden­ten folgende Einzelheiten mit: Sie befand

Ein Dampfer in Flammen

200 Personen vermißt

ff. Paris, 17. Mai. Der große französische DampferE eo vg e Philippart" ist mit etwa 600 Passagieren an Bord und rund 300 Mann Besatzung im Eolf von Ade» in Brand geraten. Der größte Teil der Pasiagiere und der Mannschaft konnte gerettet werden. Man fürchtet aber, das, die Kata­strophe zahlreiche Todesopfer gefor­dert hat.

Pasiagiere und Besatzung in Sicherheit?

In Paris liegen am Dienstag morgen nur spärliche Nachrichten von Boro derjenigen Schiffe vor. die sich an der Unglücksstelle des George P h i l i p p a r t" im Golf von Aden befinden. Die Agentur Havas veröffent­licht lediglich ein Telegramm aus Aden, nach dem der russische DampferSowjets Kaja" 400 Mann Besatzung und Passagiere übernommen hat, die er am Mittwoch in Aden einschiffen wird. Ein zweites Tele­gramm der halbamtlichen Agentur aus Rom besagt, daß das italienische Marineministe­rium am Sonntag nachmittag eine Nachricht erhalten habe, wonach 765 Mann der gesamten Besatzung des brennenden Schiffes gerettet worden seien. Wie hoch die Zahl der Opfer ist, läßt sich im Augenblick noch nicht festftellen, da die Pasiagierlisten in Marseille noch nicht eingegangen sind. Da jedoch die Besatzung 500 Mann betrug und die Passagiere auf 600 ge­schätzt werden, rechnet man mit insgesamt 11001200 Personen, die nach den Radio­meldungen der englischen Hilfsschiffe fast alle gerettet sein dürften. Der englische Dampfer Kaiser I Hind" sandte einen Funkspruch fol­genden Inhalts:Die gesamte Besatzung und alle Pasiagiere gehen nach Aden." Der rus­sische DampferSowjets Kaja" fünfte seiner­seits, daß er Mittwoch in Aden eintreffen werde und daß der brennendeGeorge Phi- lippatt" verlasien worden sei.

Havas meldet aus Aden, daß den letzten Nachrichten zufolge 134 Pasiagiere sich an Bord des englischen DampfersMahsud" befinden, 129 an Bord des DampfersEontractor" und 400 an Bord des russischen DampfersSowjets Kaja". Der Kapitän des DampfersContrak- tor" teilt durch Funkspruch mit, daß ein von ihm aufgenommener weiblicher Fahrgast den Verletzungen, die er erlitten hatte, erlegen sei. Man nimmt an, daß der Brand in den un­teren Räumen des Schiffes ausbrach und die Flammen sich so schnell verbreiteten, daß die Benutzung der Rettungsboote unmöglich war.

200 Vermißte beim Brand des George Philippart".

fk. Ade«, 17. Mai. Wie Z* de« Brande des französischen Dampfer, George Philippart" gemelvet wird, wer­den von den Passagieren und der Be­satzung des Schiffes 200 Personen vermißt.

SchiffsmfäNe der letzt«, Jahre.

Das katastrophale Feuer an Bord des französischen DampfersGeorges Phillipart" im Indischen Ozean erinnert an andere See­tragödien der letzten Jahre: 3m Oktober 1923 verbrannte der DampferVolturno" im Atlantischen Ozean mit einem Verlust von 133 der 561 Pasiagiere. 1926 erplodierte der italienische DampfetPrinzipessa Mafalda" an der Küste Brasiliens mit einem Verlust von 314 Menschen: 1928 strandete der brasi­lianische TranspottdampferAngames" in der Bucht von Irauco mit einem Verlust von 291 Menschenleben: 1928 sank der btttsiche DampfetVesttts" im Sturm mit einem Verlust von 110 Menschenleben: 1931 sank der französische DampferSt. Philibert" auf der Höhe von St. Razaite. 409 Menschen kamen dabei ums Leben.

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Erotzfeuer bei Krupp

fk. Esse«, 17. Mai. I« den frühen Motgensttmden des Dienstags entstand im Stein wett der Firm« Krupp et da Ftohnhäuser Straße «in Gtoßftua, dar bte 8 Uht morgens noch nicht gelöscht werb«, konnte. Da Sachschaden ist bedeutend. Per­son«, sollen nicht zu Schaden gekommen sei«. Das Eroßfeuer bei Krupp im wesentlichen gelöscht.

Das Großfeuer bei Krupp brach m der sogenannten Stein-Dörre, einem Bau oon 80 Mtter Länge, 40 Meter Breite und etwa 10 Mtter Höhe, aus. Die Kruppsche Feuer­wehr bekämpfte mit 13 Schlauchleitungen das Feuer. Nach einer halben Stunde war der Brand isoliert und die Gefahr für die Nachbarhäuser emgedämmt. Die Ursache des Brandes ist noch unbekannt. Gegen 4 Uhr morgens war das Feuer in der Hauptsache gelöscht. Der Schaden ist sehr aroß.

sich außerhalb des Hauses, als die Atten­täter einbraitgen. Versuche von Dienern und einigen Polizisten, sie aufzuhalten, waren vergebens. Inukai befand sich mit einem anderen Minister in seinem Zim­mer. Die Schwiegertochter eilte zu ihm und bat ihn, zu fliehen. Er weigerte fich jedoch und trat den Eindringlingen ent­gegen. wobei er ihnen zurief:Schießt nicht auf mich, ich werde Eure Forderun­gen anhören. Ihr dürft es nicht wagen, auf mich zu schießen!" Der Führer der Eingedrungenen ließ fich jedoch nicht auf Unterhandlungen ein, sondern befahl, Feuer zu geben. Don mehreren Kugeln getroffen, sank Inukai zusammen. Die Attentäter flüchteten darauf zunächst in Automobilen. Wie noch bekannt wird, trug Inukai seit einigen Monaten eine stählerne Weste, um sich gegen Anschläge zu schützen. Insolgedesien zielten die Attentäter auch in erster Linie aus den Kopf des Präfidenten.

Mtimatu« der japanischen Armee.

fk. Tokio, 17. Mai (Reuter). Die Ar­mee ist mit einem Ultimatum hervor- getrete«, in dem fie die Bildung einer nationalen Regierung verlangt.

Eine nach Japan entsandte Sonderberichter- ftatterin desPetit Pcrrisien" erklärt, di» Nachricht von dem Attentat auf den japani­schen Ministerpräsident sei nicht unerwartet gekommen. Alle Welt habe in letzter Zeit in versüßten Worten von einem militärischen Staatsstteich gesprochen. Allerdings habe nie- mand geglaubt, daß er so nahe bevorstehe. Das Attentat habe nicht Inukai selbst, son­dern dem Regierungschef gegolten, und ge- mimte somit systematische Bedeutung. Es handele sich um ein Glied in der Kette poli­tischer Attentate, denen im Januar und Fe- binar der Finanzminister und ein Direktor der großen Bank Mitsui, Baran Don, zum Opfer gefallen feien. Damals habe man gegen 20 Studenten festgenommen. Sie feien Mit­glieder einer Liga, die den NamenBluts- briiberfdjaft" führt, gewesen. Hebet die Unter» suchung dieser Angelegenheit fei Stillschwei­gen bewahrt morden und man habe sogar an­gekündigt, daß der Prozeß nicht vor 1933 würde stattfinden können.

In Wttklichkeit liege die Sache so, baß mehrere hohe Persönlichkeiten der Armee und der Flotte in die Angelegenhett verwickelt ge­wesen feien. Man habe sogar erklärt, daß die Revolver, deren sich die Attentäter be­dienten, von Offizieren und namentlich von einem hohen populären Marineoffizier gelie­fert wurden. Es handele sich um eine höchst- wichttge Bewegung, die dramafische Ueber- raschungen bringen könne. Ein hochstehender Politiker habe der Korrespondenfin erklärt: Unser Heer ist ausgesprocken. nationalistisch und gleichzeitig an ti kapitalistisch eingestellt, so daß die soziale Umwälzung von Militärperso­nen ausgehen könnte."

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Eorguloffs.

Pari s, 14. Mai. Die Gegenüberstellung verschiedener Persönlichkeiten mit dem Prä­sidentenmörder Gorguloff fand nachmittags in Anwesenheit des Untersuchungsrichters statt. Der Zeuge Astakoff behauptet, daß Vater und Sohn Gotguloft von den Bolschewisten erschossen worden seien: er habe die Leichen gesehen. Bei dem oWeblichen Gorguloff han­dele es sich in WiMchkeit um den 1892 in Sietemenskaja geborenen Metts Zolotarew. Er erkenne ihn wieder. Er habe mit ihm einen Teil seiner Jugend verlebt und ihn vor sechs Jahren in Vichu (Frankreichs wtederge- trvffen. Gorguloff stellte diese Behaupttm- gen in Miede. Er erllatte, Aüakoff «er entweder ein Spitzel, ein Narr oder betrunken.

Zwei weitere Zeugen, ein tscherkesiischet Fürst und ein ehemaliger Kaoalleriemajor er­klärten, weder Gorguloff noch Zolotarew zu kennen.

3m Anschluß an die Gegenüberstellung wur­den die beschlagnahmten Koffer des Atten-