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Oder-effische Seitens. Marders «. Mittwoch, den 11. Mai 1932

Nr. 11)9

Roch einmal die Feftfviele

Auf unsere letzten Ausführungen über die Festspielfrage teilt uns jetzt das Verkehrsamt mit. datz zwischen der Stadt Marburg und dem Leiter der Festspiele tatsächlich ein Vertrag abgeschlossen worden ist des In- Inhalts, datzDr. Budde die Spiele in eigene Regie und auf eigene Verantwortung übernommen hat unter Ausschluß jeder wei­teren Unterstützung", nachdem die Stadt den einmaligen Zuschutz von 3000 Mark gegeben hat. Dr. Budde hat gleichzeitig die Ver­pflichtung übernommen, mindestens 16 Vor­stellungen zu bieten. Es ist bekannt, datz die Stadt ferner das Schlotzparktheater spielfertig mit den bereits vorhandenen Kulissen über­gibt. die Beleuchtung kostenfrei stellt und gleichzeitig die Propaganda übernimmt.

Zwischen der Stadt und Dr. Budde be­steht also ein Vertrag, von dessen Eristenz wir jetzt erfahren. Wohl war in den letzten Sitzungen vonVerein­barungen" wiederholt die Rede, aber nicht von einem Vertrag, und wenn wie uns gesagt wird auch die Stadtverordneten von diesem Vertrag Kenntnis hatten, so ist es uns eigentlich nicht recht verständlich, warum Stadtverordnete noch in der letzten Sitzung fordern konnten,eindeutig die Tat­sache herauszustellen, datz der Stadt autzer der Beihilfe auf leinen Fall ein Risiko er­wachsen darf" und warum wiederum von an­derer Seite ausgeführt wurde,datz an der ganzen Vorlage der Umstand am unange­nehmsten sei, datz man nicht wisse, was nach den Festspielen lomrnt" womit also auf die Möglichkeit eines weiteren Risikos für ine Stadtverwaltung angespielt wurde.

Was soll nun eigentlich die Presse bei dieser doppesseitigen Auffassung der Oeffent- lichkeit berichten? Die Aufgaben der Stadt­verordnetenversammlung und der Presse sind in gewissem Umfang die gleichen. Beide sol­len einerseits der Bürgerschaft die Entwick­lung der heimischen Kommunalpolitik, an­derseits also auch der Verwaltung die Stim­mung der Bürgerschaft und die dort ge­pflogene Kritik übermitteln. Die Presse kann dies aber nur tun, wenn die Verhandlungen ein klares Bild ergeben. Für die Presse und auch die Oeffentlichkeit ist es sehr wich­tig, zu wissen, datz ein schriftlicher Vertrag zwischen beiden Parteien und keine lose Der- enbarung besteht. Und wo dieser Vertrag be­stand, hätte man die überflüssige Debatte ab- biegen sollen, besser noch hätte man aber der Presse offiziell von diesem Vertrag Mittei­lung gemacht.

Wir berichtigen heute gern und stellen noch einmal fest: Es besteht also der Verttag.

sr.

RMsbunr -er striegsbeMdtgten

Am Sonntag, dem 8. d. Mts. hielt die hiesige Ortsgruppe des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen im Kamerad­schaftsheim Restauratton Becker eine Mitgliederversammlung ab. Rot, Rot und nochmals Not war es, was sich in den Re- I den der Versammlungsteilnehmer wider- | spiegelte. Unheilvoll wirken sich die Not­verordnungen für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen aus. B i s z u 30 Prozent und mehr sind die Renten durch die Notverord­nungen gekürzt worden. Nun kommt noch die Entziehung der Jnvildenrenten teilweise und bei vielen auch die re st lose Fortnahme. Undenkbar find hier die Folgen, wenn nicht so schnell wie möglich Hilfe geschafft wird. Trotz dieser Matz- nahmen ist die hiefige Ortsgruppe im Auf­wärtssteigen begriffen und konnten seit der Generalversammlung mehrere neue Kameraden wieder begrüßt weichen Dem ersten Vorfitzenden Fritz Kleinberg, welcher den Vorsitz 10 Jahre ununter­brochen führt und zu gleicher Zeit Kreis­vorsitzender und Beisitzer bei der Spruch­kammer ist, wurde ein vom Bundesvor­stand verliehenes Diplom überreicht.

Die Lase -es Arbeitsmarktes

Im Laufe des Monats April ist die Zah. der männlichen Arbettsuchenden um 623 = 10,1 Prozent, die der weiblichen Arbeitsuchenden um 78 = 15,8 Prozent gegenüber dem Vor­monat zurückgegangen. Die Belebung setzt sich in diesem Frühjahr nur allmählich durch. Es sind in der Hauptsache die Saisonberufe, die eine Entlastung des Arbeitsmarktes her­beiführten. Die Zahl der männlichen Arbett­suchenden betrug am 30. April noch 5210, die der weiblichen Arbettsuchenden 353. Bei den Unterstützungsempfängern ging die Zahl der aus der Arbettslosenoersicheruna unterstützten Personen um 533 zurück und d« Zahl der aus der Krisenfürsorge Unterstützten stieg um 59. Die Zahl der Wohlfahrtsurtterstüt- zunasempfänger verringerte sich in der Be- richrswoche um 3.

Am 30. April wurden 1191 Personen in der Arbeitslosenunterstützung, 1854 Personen in der Krisenfürsorge und 1282 Personen aus Mitteln der Wohlfahrtspflege unterstützt.

Bei Notstandsarbeiten waren 12 Arbetts- lose tätig. Als Fürsorgearbeiter arbeiteten 12 Wohlfahrtserwerbslose. Bei Mahn ahmen des freiwilligen Arbeüsdienstes waren 104 Arbeitsuchende, vorwiegend Jugendliche, be­schäftigt. Im einzelnen ist über die Äerufs- gnippen zu berichten:

Land- und Forstwirtschaft.

Die Frühjahrsbestellung brachte keine nen­nenswette Entlastung des Arbettsmarftes. Die Nachfrage nach landwirtschaftlichem Personal

ist infolge des diretten Angebotes in den Ottichaften ganz unbedeutend. Die Forst- wittschaft brachte, zum Teil Arbeitskräfte zur Entlassung. Einige Oberförstereien nahmen Neueinstellungen vor.

*

Industrie der Steine und Erden.

Die Beschästigungsverhältnisse in der Steinindusttte haben sich nur wenig gebessert. Einige Unternehmer haben noch Arbeitskräfte eingestellt. In der Berichtszett haben fast sämtliche Ziegeleien im Bezirk die Arbett wie­der aufgenommen. Die Beschäftigungen sind voraussichtlich nur kurzfristig« Art.

Metallgewerbe.

In der Berichtszett machte sich eine schwache Abwanderung von Mttallarbettern mich dem Rheinland und Westfalen bemerkbar.

Baugewerbe.

Etwa 250 Bauarbeiter haben die Arbeit in ihrem Beruf wieder aufgenommen. Auch sind die Beschästigungszetten nur kurzfristig. Die bei den Unternehmern vorliegenden Auf­träge werden keine länger anhaltende Ent­lastung des Arbettsmarttes bringen.

Derkehrsgewerbe.

Bei einem Gleisumbau in der Nähe von Kirchhain sind zur Zett etwa 120 Arbeits­lose beschäftigt.

AeberflüMve Nochilfe?

Man schreibt uns:

Der Winter mit seiner Kälte und der bitter­sten Arbeitslosennot seither ist vorüber und dank der Opferwilligkeit vieler Mitfühlender §ottlob besser überstanden, als anfangs er- offt werden konnte. Nicht nut durch öffent­liche Hand gelang es, die Schärfe der Not zu mildern; gerade auch den freien Woblfahrts- verbänden, Vereinen und den zahlreichen Einzelspendern ist es zu verdanken gewesen, in manches trostlose Dasein eines Erwerbs­losen etwas spürbares Licht der Nächstenliebe bttngen zu können, schweres Leid und härtestes Elend so mancher vielköpfigen Familie oder des einsamen Alters in ein erträgliches Matz zu lindern. Doch dürfen wir uns mit diesen gewiß erfreultdjen Ergebnissen nicht vorzeitig zufrieden geben und uns, beeinflußt vom lang­ersehnten Einzug des strahlenden Frühlings, bmu verleiten lassen, zu meinen, mit Winters Abzug sei auch die Not plötzlich behoben. Das wäre ein großer und gefährlicher Trugschluß. Wohl ist jetzt mehr Aussicht auf Arbeit und Erwerb als in den grauen, frostigen, boff- nnngsarmen Wintermonaten; die Arbeits­losennot aber ist damit keineswegs schon be­hoben. Solange der regelmäßige Verdienst ausbleibt, und vom Lande her nicht wieder durch Gelegenheitsarbeiten billige Lebens­mittel von der neuen Ernte zu erhalten find, so lange wird auch in unserer Stadt die ernste Sorge um's tägliche Brot bei zahlreichen armen Familien nicht aufhören, und an vie­len Tischen bet Hunger als ungebetener East sein Standquartier aufschlagen. Wäre es da nicht möglich dem einen oder anderen der besser gestellten Miteinwohner unserer Stadt, ein wenig Lebensmittel ober vom Winteroorrat übrige Kartoffeln zur Linberung bieser offenbaren Notlage unsererNächsten" als Liebesgabe zur Ver­fügung zu stellen? Der Evgl. Vohlfahrtsdienst tmPhtlippshaus" wäre diesen freundlichen Tebern herzlich dankbar dafür und würde die Taben wohl zur Zufriedenheit bet Spenber zu verwerten wissen. Auch bie Kleidernot hält noch an und bleibt, wenn auch in weit beschränkterem Maße als zur kalten Jahres- zeit, fernerhin bestehen. Auch hierzu wäre bet eben schon erwähnten Stelle gute Ge­legenheit gegeben, durch abgelegte aber noch brauchbare wachen Hilfe zu leisten. Ein sehr

stark ins Auge fallender Notstand ist endlich der Mangel an heiler Fußbekleiduim. So z. V. hatte wohl gut die Hälfte aller Bittstel­ler, die sich während des vergangenen Win­ters in großer Zahl um Hilfe an den Evan­gelischen Wohlfahrtsdienst wandten, schadhaf­tes ober auch schon völlig zerrissenes Schuh­werk, so baß einzelne bieser wirklich Hilfsbe- bürftigen buchstäblich auf Strumpfsohlen ober gar auf nackten Füßen nut mit Lumpen um­wickelt gingen. Wir möchten baher an alle biejenigen, bie ausrangiettes aber noch tragbares Schuhzeug haben (auch Kinderschuhe) hiermit die herzliche Bitte richten, dasselbe freundlichst dem Büro des Evangelischen Wohlfahrts­bien st es im Philippshaus, llniver- sitätsstr. 30/32 während der Sprechstunden vom 912 und 35 Uhr, gütigst zukommen zu lassen, um wie bereits in so reichem Maße auf anderem Gebiete uns auch hier die Mög­lichkeit zu geben, zu helfen, wo Hilfe Not tut.

* Sommerfahrplan am 2 2. Mai. Noch vor Pfingsten werden die neuen Kursbücher und Taschenfahrpläne, die für den diesjährigen Sommerfahrplan Ö find, im Handel erscheinen. Mit hrung des Sommerfahrplans, der am 22. Mai beginnt, wird die deutsche Reichsbahn die Herstellung der Fahrpläne und Kursbücher wesentlich vereinfachen. Im ganzen Reichsbahngebiete erhalten die Fahrplanentwürfe, die Tafchenfahrpläne und Kursbücher ein einheitliches Format. Die Aushangfahrpläne auf den Bahn­höfen werden nicht mehr nach Direkttons­bezirken, sondern nach Derkehrsgebieten gegliedert sein. Sie werden zusammenge­stellt nach den Bezirken: Ostdeutschland, Mitteldeutschland, Westdeutschland, Süd- Westdeutschland und Bayern. Die Strek- kennummern der Aushangfahrplane wer­den mit den Streckennummern in allen anderen Veröffentlichungen über Fahr­pläne übereinstimmen. Anstelle der bis» herigen Stattonsverzeichmsse und der lleberfichtskarten der Direktionsbezirke treten ferner llebersichtskarten der ge­nannten fünf Verkehrsgebiete.

* Fernsprechteilnehmer vermeiden während der Sommerreife Unzuttäglich- feiten, die aus der nicht rechtzeitigen Bezah­lung der Fernsprechrechnungen entstehen kön­nen, wenn sie bie Begleichung der Rechnung einem Familienangehörigen oder Angestellten übertragen oder ihre Nachsendung beim Fern­sprechamt beantragen. Es genügt aber auch, einen für die Deckung der fällig werdenden Fernsprechgebühren ausreichenden Betrag auf das Postscheckkonto des Fernsprechamts einzu- zahlm, wobei auf dem Abschnitt der Postan­weisung oder Zahlkatte die Fernsprechvermitt­lungsstelle und die Nummer des Anschlusses anzugeben find.

Das FrmWter Sniie-Srogtnmm

Donnerstag, bat 12. Mai.

6.00: Wetterbericht. Anschließend: Mor- gengmnnastik. 7.00: Konzert des Kur- ovchesters Bad Bertrich. 12.00: Konzert des Frankfurter Rundfunkorchesters.13.00: Konzert. 15.30: Stunde der Jugend. 17.00: Unterhaltungs-Konzert. 1825: Neue Forschungen über menschliche Erblehre und Eugens, 23ertrag. 18.50: »Staats« Verfassung der Völker: Oesterreich", 23ertrag. 19.30:Die Pilger von Mekka", Ko­mische Oper. 20.50:Aus Kindermund", Gedichte in badischen Mundarten. 21.00: Orchester-Konzert des Philharmonischen Or­chesters Stuttgart 22.20: Zeitangabe, Wetterbericht Tagesnachrichten, Sportbericht. 22.45: Tanzmusik.

Wetterbeobachtungen 10.11. Mai.

Höchste Temperatur am 10. Mai 9,4 Celsius

Niedrigste Temperatur letzte Nacht 1.4 Eelssus

Zett

Barometerft. reduziert auf N N

Tempe-

Relativ Luft- feuchtig- kett

10.5. 2 Ubt nachm.

10. 5. 9 Uhr nachm.

11. 5. 7 Uhr vorm.

757.9 nm

761.9 mm

762,8 imn

8.4 Gell.

5.0 Teil.

4FTelf.

841.

961.

MX

PHOTO-BÖHLER - BRILLEN-BÖHLER

Marburg/Lahn

Wettergafie 30 «ahnhofitr. 0

Fernruf 248

*

Wetterbericht.

Bei kräftigem Druckanstieg, der durch die Zufuhr kalter Luftmasien über Deutschland entsteht, entwickelt stch ein Hochdruckkeil. In seinem Bereich wird die Witterung Mittwoch tm wesentlichen niederschlagsfrei und vielfach aufgeheitert fein, wobei mittags auch erheb­lich höhere Temperaturen eintreten. Nachts kühlt es sich jedoch noch sehr stark ab. Ein neuer starker Tiefdruckwirbel kündigt sich bei Irland bereits unter lebhaftem Barometer» fall und Niederschlägen an, jedoch werden uns diese zunächst nut mit ihren Ausläufern be­rühren. Die dadurch veranlaßte südliche Luft­zufuhr schafft aber stärkere Erwarmung.

Aussichten für Donnerstag: Bei meist süd­lichen Winden anfangs noch aufgeheitert, später Trübung und vereinzelt Regenfälle, im ganzen wärmer.

Verlag Dr. C. Hitzeroth. Hauptschttftletter und verantwottlich für Po- IttfE und Feuilleton: Dr. Ernst Scheller: für Kommunalpolttik, Provinz und Lokales Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

Kaffee Hag dient der Se» sundheit, aber Sie zahlen nur für den Senutz. Kaffee Hag und Qualität sind eins.

hastige. So umfaßt der Holzschneider Men- schengestalt bet Erzählung mit bet sonstigen unentbehrlichen Ausstattung bes gesehenen Szenenbtldes, kernhaft, batum so einprägsam tn bet Oekonomie der Gesamtfläche.

Man weiß nicht: hat bet Dichter die un> uberbtetbare Treffsicherheit ber Expositionen aus jener sinnlichen Besinnlichkeit des Holz­schneiders überkommen oder gleicht dieser sich im Feldbesetzen der Anlage auf weite Sicht im Arbeiten jener an. Jedenfalls: was Eoetbe Ecketmann als höchste Kunst des Dra. «atikers so dringlich nahelegt, das Finden der tragenben Exposition, statt gleich ,n die Handlung hineinzustürmen, das ist selten be- sonn euer wahtgenommen worden als von Barlach, wieder mit einigen gang wenigen Strichen.

Solcher Einführung ermangeln wohl bie Einzelgestaltem geschnitzte wie gebrannte unb gegossene bes Bildners unb so fühlen wir uns nicht so unbeirrbar und unausweichlich in ihren Lebenskreis, ihr Gebaren, ihre Seelen- Äi eingesogen. Nau hört ost vor den ohneBeschriftung- die Beschauet sich fragen: was soll bas nun wieber? Unb nach Lesen ber Katalogaufklärnng: Ach, bas soll es also bebeuten! Unb dazu ist gar nichts von klassischer" EchönAit an diesen Gebilden. Barlach kam ttef ernüchtert aus Florenz heim, d. h. nach DeutschlaÄ, so wie *? iv" oA nicht einmal frt Patts lange ge- Ittten. So kann man wohl annehmen, daß, wenn sich unter den holzbildhauerischen Ein- -zelgestalten der sitzende Steppeuhitt (1906), die

russische Bettlerin (1907) finden, wenn bet Schwertzieher (1911), bie beiben Buchleser (1923 !), ber lesende Klosterschüler (1931 !), wie ber Zechet von 1909, bie am wahrschein­lichsten aus Anschauen russischer Besonderheit ten entstanden, diese wohl kaum nur Reise­erinnerungen in Eenregestalten sein sollen wie in E. Bellinis ober P. Coeckes Türkenstudien. 1905 nahm ihn nach dem Fehlschlagen seiner Hoffnung auf das Ergebnis feinet Arbeit in der Berliner Sezession fein Bruder mit nach Rußland. Es geht ihm auch in diesen Ge­stalten mehr um andres. Tieferes: In bet bortigen leeren, einsamkeitgeladenen Lanb- schaft bas erdverwachsene Volk ohne Zivili- sattonsanfänge, es lebt sich ungehemmt trieb­haft aus, und aus der weiten Sturheit flackert jäh ein Licht hoher Begabtheit halbartikuliert auf, aus bet Seelengedrücktheit eines Auf­strebenwollens ohne Anleitung.

Das ist es, was bet norbdeulfche Wesens­schauer schnell ergtünbet. Unb hier bietet sich auch am utwerbilbeten Erdenklos bie dürftige Kleidung in langen Bahnen unb breiten Flä­che», bie bas urtümlich Plastische herausgibt unb nicht in bie Dutzende von Faltenzügen sich zu versenken nötigt unb gerade bei der Arbeit in &oli unb Bronze bas große Leiten unb Gleiten von Licht unb Schatten ermöglicht. Das sickett ben Verkörperungen tiefer Ent- betfungen auch bei geringen Ausmaßen unb gedrungenen Leibern die Wirkung bet Erotz- frrmigfeit

Mit bet Einfachheit ber Thematik der bild- künstlettschen Wesensschau dieser Menschlich- kttststt-peq gehört solche (Sa&Ksuafett

stilistisch unausweichlich zusammen. Auch un­geschlacht plump sind sie wiederum nut, wo die expressive Wahrhaftigkeit es mit sich bringt (sitzendes Weib, 1907, der Einsame, 1911). Was Vlockgebundenheit zur Verfestigung der Gestalten einfetzt, das ist ebensowenig als Plumpheit erwirkend zu werten. Steht es doch dem Bildhauer uneingeschränkt frei, das Werkstück hoch unb schmal ober breit unb niedrig zu nehmen. Die Richtung zum ersten setzt sich bestimmt seit 1927 durch: das nnver- geßlich geroaltige Ehrenmal im Güstrower Dome, ein gültiges Beispiel, wenn schon aus Bronze. Mir will es sogar untunlich erschei­nen, es in Aufnahme vonvorne" und zu wenig tief darzustellen. Die Seitenansicht gibt das nrcht zur Ruhe kommende Fortwesen, die­ses tief romantisch lastende Leid und Er­lösung durch die andachtstarke Tat Heischende ohne Gefühlsduselei mit spröder Herbheit allein her (vgl. die Vision, 1912). Hebet diese Ansichtsforderung kann im genannten Falle so wenig gestritten unb gefeilscht werden, weil es ja einePlastik" fei, wie das akademische Ehrenmal in Kiel (1928), trotz gleichet Be­schaffenheit es an eindeutigen Richtungs- fattoren nicht fehlen läßt. Unb sogar bie breit entwickelte Phantasmagorie bes memento von Magdeburg bestätigt die Richtung in bas Hochschlanke bes Gestaltabfassens, was Carls ben Einfall der gotischen Erscheinungsweise Barlachscher Werke beikommen läßt. Auch ber Fries ber Lauschenden für St. Katharinen (1930) entworfen, vorbereitet durch die Sockel­gestalten am Becihovendenkmalmobell (1927) ttaaea uns nicht zu ber Ansicht gewinnen, das

Wesen dieser Kunst fei gotisch. Weder um bei äußerlichsten zu beginnen ist alles Hohe, Schlanke gotischer Artung; sie stehen ganz fest in mitgesehenen Raumbeziehungen. Roch zeigt sich itgenbs das Streben ober innere Gebot, unter Vernachlässigen bet leben« stchsrnben Proportionalität, bas Gehäuse ber Leiber dem inneren Seelendrange zu über­lassen. ober unb bas ist bie anbre unb nicht zu mtterfchätzenbe Richtung ber Gotik bas Gewachsene unb Gewordene in ben Bann höfischer Schönheit unb Feinheit zu legen. Die Gefaßtheit auch solcher Barlachscher Prä­gungen wie der letztgenannten ist tiefer be» gründet und hat deshalb mehr Hoheit auch im nichtschönen Antlitze und trotz unb in ber er« funbenen zettlos schlichten Kleidung.

Vor dieser Kunst gedenken mir des er­läuternden Theorems vominneren Klange" bet Aufgabe, bet bem Künstler bas zu bear« beitenbe Gegebene zum künstlerischen Gegen­stände macht, wie es Pousfin bem Ritter Chantelou verständlich zu machen sucht und Kandinsky im Blauen Reiter unb Goethe sei­nem Ecketmann gelegentlich ber ersten Mit­teilung ber Marienbaber Elegie unb Hummel demselben ganz allein unb die gleichzeitigen Romantiker, z. B. Pforr mit ber Schönheit vom unsichtbaren Punkie aus meinen. Aber wenn Goethe vom Steigern besfelben in sei­nem Gentüte spricht, so haben wir bas andre Elementare im Schaffen Barlachs damit be­stimmt unb bas berichtigt, was manche als Karikieren darin anfprechen zu dürfen meinen: Die romantische Ironie gibt ben Einschlag, der so mißdeutet wird. H-t.