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Anzeiger Mr (das frühere kurhessrsche) Oberhessen

Anzeiger der amtliche» Bekanntmach»nge« für Stadt «nd Kreis Marburg.

Frankreichs PräsidentDoumerf

Staatspräsident Doumer, der als Finanzminister bei der Londoner Konferenz von Deutschland 232 Milliarden Reparationen forderte, bei einem Attentat eines geisteskranken Russen tödlich verletzt

ft Paris. 7. Mai. Staatspräsident Doumer ist heute morgen um 4.40 Uhr {einen schweren Verletzungen erlegen.

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Auf den Präsidenten der französischen Republik war gestern nachmittag, als er ausfuhr, oon einem Russen ein Re, volverattentat verübt worden. Der Rusie gab zahlreiche Schüsse auf den Wa­gen des Präsidenten ab, von denen einige Doumer trafen. Präsident Doumer wurde schwer verletzt.

Paul Doumer

Paul Doumer wurde am 13. Mai 1931 /um französischen Staatspräsiden­ten gewählt, hätte also in wenigen Tagen auf eine einjährige Amtszeit zurückblicken können. Am 22. März 1857 wurde er in Aurillac als Sohn eines Ar­beiters geboren. Er war von Hause aus Professor und Publizist, wandte sich dann der Politik zu und war über 40 Jahre Deputierter für das Aisne- Departement. Seit 1912 war er bis zu seiner Wahl zum Staatspräsidenten Se­nator für Korsika. 18951896 hatte er das Ministerium der Finanzen inne. Bekannter wurde er jedoch erst später als Eeneral-Eouverneur von I n d 0 ch i n a, wo er, wie auch sonst, eine außerordent­liche Staatskraft entwickelte. Bereits 1906 kandidierte er bei der Wahl zum Präsi­denten der Republik, unterlag jedoch gegen Falleres. Während des Krieges trat er nicht weiter hervor. In dem 7. Kabi­nett Briand war er von 19211922 Finanzminister und setzte als sol­cher auf der Pariser Konferenz außer­ordentlich hohe Entschädi­gungsforderungen gegen Deutsch­land durch. Auch in dem November-Ka­binett Briands von 1925 hatte Doumer das Amt des Finanzministers inne. Bon 1927 bis zum Mai 1931 war Doumer Präsident des Senats. Seine Wahl zum Staatspräsidenten vollzog sich unter besonders großer Anteilnahme der ganzen Welt, da im ersten Wahlgang auch Briands Name auf der Kandidaten­liste stand. Nachdem Briand bereits im ersten Wahlgang eine Niederlage erlitten hatte, verzichtete er auf eine Kandidatur im 2. Wahlgang, sodaß Doumer mit 504 Stimmen gegen den radikalsozialistischen

Kandidaten Meeraud, der nur 334 Stimmen erzielen konnte, zum Staats­präsidenten der französischen Republik ge­wählt wurde.

Der Anschlag auf Doumer ist nicht der erste Anschlag auf einen französischen Prä­sidenten. Am 24. Juni 1894 wurde Präsi­dent Carn 0 t von einem Italiener durch Dolch st iche ermordet. Am 14. Juli 1922 fand ein erfolgloses Revolverattentat eines Kommunisten auf den Präsidenten Millerand statt.

Mißglücktes Attentat in Kakro.

Kairo, 6. Mai. Auf den Sonderzug des ägyptischen Ministerpräsidenten wurde in der Nähe non Kairo ein Bombenanschlag verübt. Di« Bombe explodierte jedoch vorzeitig, so daß zwar die Schienen aufgerissen, zwei Lahn­beamte getötet und drei verletzt wurden, aber der Zug, in dem sich der Berkehrsminister, der Erziehnngsminister, der Vizepräsident der Kammer und andere bekaunte Persönlichkeiten befanden, unbeschädigt »lieb.

Vor einem Jahr...

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Die Fahrt de» veuvewSHVen Naatsvräfkdenlen Doumer mit dem damaligen Ministervräsidrnten Laval zum Elusüe nach der Eidesleistung.

Wie das Attentat geschah

Heber Vas Attentat avf PräsiSdnt Drrn- mer wurden zuerst folgende Einzelheiten bekannt: Der Präsident der Republik, begleitet von einem Mitglied des Militär- kabinetts, begab sich nachmittags in eine von der Vereinigung der Schriftsteller, die am Kriege teilgenommen haben, veranstal- tete Buchausstellung. In dem Augenblick, als er, begleitet von einem größeren Gefolge, den zweiten Aus- stellungssaal betrat, wurden aus ihn fünf Schufse abgegeben, von denen drei'chn und ein weiterer den bekannten Schrift­steller Claude Farr ar« verletzten. Dem Direktor der Pariser Sicherheitspolizei, der sich hn Gefolge des Präsidenten der Re­publik befand, gelang es, den Atten­täter zu entwaffnen. Der Atten­täter ist bereits identifiziert. Es handelt sich um einen Doktor der Medizin russischer Rationalität namens Paul G orgii* off. Er ist festgenommen worden. Der Präsi­dent wurde sogleich in das nächst gelegene Hospital transportiert, wo man die not­wendigen chirurgischen Eingriffe vornahm. Jedoch hatte der Präsident so schwere Verletzungen erlitten, daß kaum Hoffnung für sein Aufkommen bestand.

Als Darblew gestern ab-end gegen 5 Ahr das Krankenhaus verließ, erklätte er Pressevertretern, der Zustand Doumers sei weniger ernst als man anfänglich glaubte. Er habe seine Besucher erkannt und sich mit seiner Frau unterhalten kön­nen. Als Professor Gosset an sein Bett trat, habe er auch ihn erkannt und gesagt: »Da kommt ja Gosset!" Als Doumer von den Schüssen getroffen wurde, soll er aus- gernfen haben:Ist das denn mög-

Schilderung eines Augen­zeugen

Ein bekannter Schriftsteller, der Augen­zeuge des Anschlages auf Doumer war, teilte dem Pariser Vertreter des W. T. B. folgende Einzelheiten mit:

Ich befand mich in unmittelbarer Nähe der Gattin Claude Farröres, der be­kannten Schauspielerin Henriette Rod­ges, und unterhielt mich mit ihr. Sie machte mich auf einen Mann aufmerksam, der nach ihrer Angabe von 9 Uhr vormit­tags an sich in den Ausstellungsräumen

aufgehalten und wiederholt nach dem Präsidenten der Republik gefragt hatte. Dieser Mann war der Attentäter. Sein stark russischer Akzent war besonders aus­gefallen. Als die Tat geschah, entstand ein ungeheurer Aufruhr. Im ersten Augenblick glaubte man, daß der Präsident Doumer auf der Stelle getötet sei. Er stürzte zu Boden und blieb eine Zeitlang regungslos liegen. Der Blutverlust war außerordentlich stark. Der Täter, der zu flüchten versuchte, wurde von den zahlrei­chen Besuchern umringt. Sie versuchten ihn zu lynchen. Es gelang ihm aber, sich einen Weg bis zum Ausgang zu bahnen, wo er oon der Polizei festgenommen wurde, die genötigt war, ihn gegen die Wut der Menge zu schützen.

Genaue Einzelheiten

Heber den Revolveranschlag auf den französischen Präsidenten wurden später noch folgend« genaue Einzelheiten bekannt: Nachdem der Präsident kurz vor 15 Uhr das Au^stellungsgebäude betreten hatte, hielt er sich zunächst geraume Zeit im ersten Saale auf, um die dort auslie­genden Bücher zu betrachten. Während dieser Zeit hatte der Mörder E 0 rgu - l 0 f f vor dem Bücherschrank des bekann­ten Schriftstellers Claude Farröre Aufstellung genommen.

Die Gattin des Schriftstellers verkaufte dem Muffen zwei Bücher, für die er 50 Franken zahlte. Nachdem ihm Claude Farröre noch eine Widmung in die Bücher geschrieben hatte, zog Eorguloff noch 20 Franken aus der Tasche und reichte sie der Gattin des Schriftstellers mit ver Erklärung, daß 50 Franken für eine Wohltätig, keitsverauftaltung zu wenig feien. Er entfernte sich auch daun noch nicht von dem Bücherstand, fonbern beschäf­tigte sich damit, einen Blick in die von ihm erstandenen Romane zu werfen. Als schließlich der Staatspräsident mit seinem (Befolge de« Saal betrat, forderte die Gat­tin von Claude Farröre den ihr inzwiichen unheimlich gewordenen Käufer auf, sich zu entfernen, und machte sogar den Chef de, Pariser städtischen Polizei darauf aufmerksam, als Eorguloff ihrer Aufforderung nicht nachkam. Inzwischen hatte der Staatspräsident den Bücher­schrank erreicht und betrachtete die Auslage. Er wechselte einige Worte mit der Gattin des Schriftstellers, bereit Trau­zeuge er gewesen war, und erstand schließ­lich einige Bücher. Dann grüßte er und rief der jungen FrauAuf Wieder­sehen- zu und wollte sich gerade entfernen, als 5 Revoloer- schüsse krachten. Der Präsident sank zunächst in die Knie, richtete sich aber dann noch einmal auf und brach schließlich unter dem RufOh lala zusammen.

Während er in seinen Kraftwagen ge­tragen wurde. stürztesichdieMenge auf den Mörder, der fast ge­lyncht w u r d e. In seiner Tasche fand