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Zum Muttertag

Blumen? Du überlegst und sinnst: Wo­mit ehre ich die Mutter, die meine, die andere, die Mutter überhaupt?... und findet keine frohe Spende? Weil dir jede nicht ganz das ausdrückt, was du mit ihr ausdrücken möchtest? Aber sähest du nie den Kindern auf der sommerlichen Wiese zu, oder jetzt in den ersten Frühlings­tagen? Hast du nie erlebt wie sie Blüte nach Blüte abrupfen und der Mutter in den Schoß legen? Oder hat's dich nur ge­schreckt, weil du die Barbarei darin schauest? Aber ja: Kleine Kinder sind nun mal Barbaren, und Blumen find ihren garten Händen schmeichelnde „Pflück mich ob“. Und die Mutter versteht das: sie ahnt, daß das Kind damit etwas Dank­bares, etwas Liebendes ausdrücken will. Es empfindet irgendwie das Lebendige und Schöne der Blüte — und wohl ganz unbewacht eine gewisie Aehnlichkeit mit der Mutter. Und was kann da schöner die Frau als Mutter ehren, denn ein Strauß frischer Blumen oder ein Topf mit lebend Pflanzen? Magst du ihn hinaus­tragen auf den stillen Friedhof an das Grab einer gestorbenen Mutter — magst du ihn hintragen an das Denkmal irgend einer Frau, die dir irgendwie etwas be­deutet — magst du ihn der Mutter in ihre Kinderstube ttagen, in ihren sttllen Ar­beitsraum — magst du ihn den Tausen­den bringen, die gerade jetzt das Mysterium des Mutterwerdens neu er­leben — magst du ihn irgendeinem alten Bettelmütterlein bringen — es ist ja alles das gleiche! In jeder Gabe liegt ja ein Dank an die eigene Mutter, die dir selbst Leben gab, die dich selbst werden und wachsen ließ, ein Dank, den nichts tiefer und schöner ausdrücken kann als eben die Blume.

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Helft den Müttern!

So lautet die Bitte, die anläßlich des Mut­tertages von der Evangelischen Frauenhilfe an dre Oeffentlichkett gerichtet wird, nachdem sie auch in diesem Jahre wieder die staat­liche Genehmigung zu einer Haus- und Straßensammlung zu Gunsten der Müttererholungsfürsorge erhalten hat. Aus den Mttteln der vorjährigen Sammlung konnte der Kurhessische Landesverband der Frauenhilfe 243 Müttern durch Freizeiten im Erholungsheim zu Loshausen durch Einzelpflege auf dem Hof Reith bet Schlüchtern und durch Kuren in Bädern kör­perliche Erholung, neuen Lebensmut und see­lische Stärkung vermitteln. Zweifellos ist heute die Zahl der Mütter, die überarbeitet sind, deren Leistungsfähigkeit durch die Nöte und Entbehrungen der Gegenwatt oder durch Krankheit herabgemindert wurde, noch größer als in den Vorjahren. Andererseits ist die Möglichkeit einer Erholung aus eigenen Mit­teln, die früher schon vielen versagt war, noch mehr geschwunden. Die öffentliche Fürsorge der Krankenkassen, die sich mit seltenen Aus­nahmen von je her auf die Fälle akuter Ettrankung von Müttern beschränken mutzte kommt heute erst recht nicht für diese Zwecke in Bettacht, so deutlich der Schaden auch ist, der der Volksgesundheft durch schwache, lÄstungsunfähig werdende Mütter droht. So kann nur auf dem Wege einer organisierten freiwilligen Fürsorge, wie die Frauen- hilfe sie handhabt, der Versuch gemacht werden, trotz der Schwere der Zett möglichst vielen solcher Mütter eine Ausspannung und Erholung zu verschaffen. Möge darum die Bitte der Frauenhllfe, ihr Hilfswett durch Gaben zu der Sammlung zu unterstützen, freundliche Aufnahme bei allen denen finden, denen das Wohl der Mütter unseres Volkes am Herzen liegt. Die Haussammlung wttd in der Zett vom 2. bis 15. Mai, die Straßensammlung am 7. und 8. Mat stattfinden. Sind auch die Mittel überall knapper geworden, so barf dennoch die Zu- verficht bestehen bleiben, daß für diese still getragene Not schwach und elend gewordener Mütter von mitfühlenden Herzen so mel ge­spendet werden wttd, daß der Umfang der Hllfe hinter der des Vorjahres nicht allzu sehr zurückhleibt. ________

Oberhesfische Zeittmg. Mar»«« «. L. Freitag. bat 6. Mai 1932

Luftfahrzeuge als Hilfsmittel in -er Polarforfchuns

Man ist dem Institut für Leibesübungen zu Dank verpflichtet, daß es es ermöglichte, daß Hauptmann Bruns, Teilnehmer an der Polarfahrt des „Graf Zeppelin", vor einer großen Zuhörerschaft sprechen konnte. Die Kommentare, die von der Prefie und auch von Gelehrten über das Unternehmen, so führte er einleitend aus, gegeben wurden, waren nicht gerade freundlich. Das Gegen­teil war aber in den Kreisen der Expedition der Fall. Es ist ein Fehler, wenn man glaubt, was geht uns der Nordpol an. In der Arktis harren viele Probleme in meteoro­logischer, biologischer und radiumtechnischer Hinsicht ihrer Lösung. Gerade auf dem Ge­biete der meteorologischen Wisienschaft seien die Forschungen am Nordpol sehr wertvoll für die Wirtschaft der Welt. Die Arktis mit Luft­fahrzeugen zu erforschen stoße auf große Schwierigkeiten, und es siebt fest, daß dieses eher mit einem Luftschiff, als mit einem Flugzeug geschehen kann. Daß Nobile eine Katastrophe erlitten habe, sei auf ganz an­dere Gründe zurückzufllhren. Lange Jahre vorher habe man den Plan, mit dem Luft­schiff „Graf Zeppelin" eine Polarfahrt zu unternehmen, erwogen. In dieser Zeit sei alles so gründlich vorbereitet worden, daß die Expedition mit größter Zuversicht dem Unter­nehmen entgegensah. Man hatte vorerst die Absicht, mit dem Unterseeboot „Nautilus" in der Nähe des Kaiser-Franz-Josef-Landes im nördlichen Eismeer zusammenzutreffen. Nach­dem dies aber infolge Beschädigung ausfiel, habe man eine Vereinbarung mit dem rus­sischen Dampfer „Malykin" getroffen, der dann auch später an der vereinbarten Stelle mit General Nobile angetroffen wurde. Die Absicht, den Nordpol zu erreichen, habe nicht bestanden, sondern man wollte die Frage prü­fen, ob es möglich sei, mit einem Luftschiff in der Arktis zu landen und rote es möglich sei, vom Luftschiff aus wisienschaftliche Forschun­gen aufzunehmen.

An Hand von Lichtbildern zeigt dann der Vortragende die Abfahrt von Friedrichshafen mit 45 Mann Besatzung aus fünf Nationen,

die Landung in Tempelhof und die Wetter­fahrt in Leningrad, wo das Luftschiff mit großer Begeisterung empfangen wurde. Von hier aus ging die Fahrt nach Archangel und dann in nördlicher Richtung auf Kaiser- Franz-Josef-Land (Nordpolarland). Dort an­gekommen, fand man den russischen Eisbrecher vor und es wurde auf freiem Meer zur Lan­dung geschritten, die in jeder Hinsicht glatt oetltef. Innerhalb 11 Minuten wurden 650 Kilogramm Post von dem Eisbrecher ^über­nommen. Dann ging die Fahrt nördlich weiter. Bei dieser Fahrt ergab sich, daß die Orientierung sehr schwierig war, indem die Kompaße versagten und die Führung des Schiffes sich nur auf einen behelfsmäßig an­gefertigten Kompaß verlaßen mußte, denn eine Orientierung nach dem Nordpol ist noch nicht möglich, weil die Achse dort nicht heraussehe. Es wurde eine westliche Schwen­kung vorgenommen und die Insel Nowaja Semlja (Neuland) überflogen. 3m nördlichen Teil dieser Insel wurde eine neue Straße ent­deckt und dann die Straße Matotschkin pas­siert. Gerade auf dieser letzten Fahrt wurden ganz hervorragende wissenschaftliche Aufnah­men gemacht. Hierbei betonte der Redner, daß bas Ergebnis der Expedition im Laufe des kommenden Herbstes der Oeffentlichkeit bekannt gegeben werden soll. Mit der Hebet» fahrung dieser Insel hatte die eigentliche Ex­pedition ihr Ende erreicht, und die Rückfahrt nach Leningrad angetieten. Die beabsichtigte Landung wurde von Dr. Eckener unter­laßen und auf Tempelhof zugesteuert. Hier wurde das Luftschiff von Hunderttausenden von Menschen begrüßt. Dann wurde die Heimfahrt nach Friedrichshafen angetreten. Die Expedition ist mit dem Ergebnis der 7- tägigen Polarfahrt vollkommen zufrieden. Es roar" eine deutsche Expedition, wenn auch fünf Nationen an ihr beteiligt gewesen sind, denn Schiff und Führer waren deutsch. Die Crpe- dition habe gezeigt, so schloß der Redner, daß das deutsche Volk trotz der schwierigen Zeit keine Veranlaßung habe, den Glauben an sein Vaterland zu verlieren. —n.

Zmnmgsausschutz KttiöSanbwerkttbun- Marburgs.

Am 28. April 1932 fand hier, Steinroeg- säle, die Vorstandsroahl zum Jnnungs- ausfchuß statt. Unter Anerkennung der Tättgkeit für das verfloßene Geschäftsjahr wurden wiedergewählt: Schneidermeister Bremer, als Vorsitzender, Schmiedeobermeister Doering als 2. Vorsitzender; als Beisitzer: Malermeister Beyer, Schreinerobermeister Textor, Väckerobermeister Raabe und Flei­scherobermeister Kuhl.

In der hieran anschließenden erweiterten Vorstandssitzung erstattete Syndikus Hof­mann einen eingehenden Kaßen- und Ge- fchäftsbericht. Seine Ausführungen fanden lebhaften Anklang und wurde ihm für das verfloßene Jahr volle Entlastung erteilt. Der Haushaltsplan für 1932/33 wurde angenom­men Eine allgemeine Aussprache über ver­schiedenste Handwerkerfragen rief eine sehr angeregte Diskussion hervor; u. a. beschäftigte sich die Versammlung mit Lehrlings- und Be- rufsschulftagen und Tariffragen im Bauhand- werk.

Am Sonntag, dem 1 Mai, fand in Ebs­dorf (Weidemüller) die erste Generalver­sammlung des Gewerbevereins Ebs- borfer Grund statt. Auch hier erstattete Syndikus Hofmann einen eingehenden Ge­schäftsbericht, der die volle Anerkennung der Versammlung fand. Dachdeckermeister Hof­mann (Wetter), Mitglied des Kreistages, hielt dann ein sehr intereßantes Referat über „Die Handwerksorganisationen und Stellung­nahme zur Politik". Die Ausführungen, von einem Handwerksmeister vorgetragen wurden sehr dankbar aufgenommen. Bäckermeister Schweinsberger und Schneidermeister Kortmann, beide ans Marburg, ermahn­ten die Anwesenden, sich werbend für den Ge­danken der Berufsstandsorganisattonen einzu­setzen. Die Dorstandswahl, unter Leitung des

Schneidermeisters Bremer, ergab Wiederwahl des bisherigen Vorsitzenden Lemmer, unter besonderer Anerkennung seiner Verdienste für den Geroerbeoerein. Weiter wurden gewählt: Peil, Bäckermeister (Heskem) als 2. Vor­sitzender, ferner die Herren Jakob, Heu- t e r und Preiß.

In allen Sitzungen wurde in besonderer Art des Ablebens des Präsidenten der Handwerks­kammer Kaßel, Zimmerehrenobermeister Zim­mermann, gedacht.

• Beamten-Personalltüchrichfe'n. lleb e rtra g en : dem FstS. Bohl zu Woff- gang, gl. OF„ die FstSSt. Frankenberg, gl OF. — Verliehen: dem RBOS. Schade in Marburg eine RBOS-Stelle der BesGr. A 4b. — Bestätigt: der zum Brgmstt. der Stadt Wetter i. H. wieder- gewählte Brgmstr. Heinrich Hikberg das. — Ernannt: Pfr. Wolff in Lohra zum Pff. in Dollmarshausen; a. o. Prof. fite. Hertz- berg in Marburg zum Pff. in Caldern; Pfr. Francks in Hohenrode zum Pff. in Hotz- hausen (Kirchhain).

Bus der Umgegend

«reis Murvurs

Ib Wetter, 6. Mat. Zn eittem An- terhaltungs-und Werbeabend für das „Rote Kreuz" hatte der hiesige Frauen- und Männeroerein die Einwohnerschaft von Wetter und den Nachbarotten für Sonntag, den 1. Mai, in das Gasthaus „Zur grünen Aue" eingeladen. Der Besuch des Abends war berart, rote ihn noch keine der vorherge­gangenen Veranstaltungen dieses Winters er­reichte. Die Veranstalter hatten es verstan­den, ein Programm aufzustellen, das in sei­ner Reichhaltigkeit sich als zugkräftig erwies und auch die verwöhntesten Teilnehmer be-

ftiedigt«. Kttchenchor, Männergesangvcveos .Orpheus und Turnverein hatten srch be- reftroilligst in den Dienst der Sache gestellt und erzielten mit ihren Darbietungen verdren- ten Beifall. Mit großem Interesse wurden die Begrüßung durch Herrn Dr. Löhlein und die Ansprache des Herrn Pfarrer Krause, welche über die Ausdehnung, Zweck und Ziel des Roten Kreuzes und der Sanitätskolon- nen kurzen und doch inhaltsreichen Aufschluß gaben, ausgenommen. Volle Anerkennung fanden auch die von den Darstellern sehr gut gespielten humorvollen Einakter „Zwtege- fvräch" von Edmund Braune und „Spott- vogel in der Schlinge" von P. van Gries- holm. Sehr schön und ergreifend wirkten auch die gut gewählten und zusammenge­stellten lebenden Bilder, welche in ihrem Aus­bau die geübte Hand verrieten. Sehr be­amtet wurde auch die Sanftätskolcmne, welche sich an dem Abend erstmalig m ihrer schmuk- ken Uniform zeigte. Es roar wohl allen Teil­nehmern der Veranstaltung aus dem H^Zen gesprochen, daß Herr Bürgermeister Silbers m feinem Schlußwort in ihrem Ncnnen den Veranstaltern und Mitroirkenden herzlichen Dank aussprach für den genußreichen Abend.

lb Wetter, 6. Mai. In früheren Jahren hatte hier auf der Christian Iunllschnr Scheune stets ein Storchenpaar genistet. Nach­dem das Nest bann einige Jahre unbewohnt geblieben roar, hat nun wieder ein Storchen­paar nach heftigem Kampf mit einem anderen Paar Besitz von dem Nest ergriffen und baut es fleißig aus. Den Begriff des Eigentums- vergehens scheint jedoch der Storchenvater nicht zu kennen, denn ungeniert entwendete er von einem nahgelegenen Bleichplatz ein Hemd und entführte es durch die Lüfte tn jein Nest, um seiner Gattin eine Freude zu machen.

Caldern, 4. Mai. Die kurze Zeit, ble unser Pfarrhaus infolge des Pfarrerwechsels leer stand, benutzten Spitzbuben, um den noch im Keller lagernden Abendmahlswein auszu­trinken. Als der neue Pfarrer den Keller kontrollierte, fand er nut noch leere Flaschen.

-r- Cappel, 6. Mai. Am 4. ds. Mts., vormittags 8 Uhr, fand im Schulsaal die Ein­führung des Hauptlehrers Stahlenberg (ftüher in Roßberg) durch Herrn Kreisfchul- rat Gelbner statt. Als Gäste waren erschienen Herr Landrat Schwebe! aus Marburg, die Ge­meindevertreter, der Elternbeirat und bas hiesige Lehrerkollegium. Nach bem Gesang eines gemeinsamen Liebes ergriff Herr Schul- rat Gelbner zu der Einführung bas Wort. Herr Bürgermeister Wißner entbot namens ber Gemeinbe ben Willkommengruß. Herr Lehrer Eckhardt sprach im Namen des Lehrer­kollegiums. Herr Landrat Schwebe! ermahnte die verschiedenen Körperschaften zu gemein­samer Arbeit, denn nur dadurch würde die Autorität ber Einzelnen gewahrt.

Kreis Biedenkovi

Schafft Nistgelegenheit für bk Störche.

k Aliendorf (Eder), 6. Mai. 3n bem feuchten, saftigen Wiesen zwischen Bahnhof Battendetg und dem Haltepunkt Haine sind alltäglich 10 Störche zu sehen. Fast in jedem Frühjahr der letzten Jahre waren 8 bis 12 Störche zu beobachten, scheinbar wandern jedoch diese Tiere wieder bis aus em Paar, welches auf der Psarrscheune in Röddenau nistet, ab, weil ihnen die N ist gel egen- heit völlig fehlt. Um diese schönen, aber auch nützlichen Tiere hier heimisch zu machen, werden alle Tieffreunde, aber auch die in Beffacht kommenden Gemeinden er­sucht, Ristgelegenheften zu beschaffen.

Aus dem DttMetS

L2 MSI. Mark Fehlbetrag im Dillkreis.

Dillenburg, 5. Mai. Der Kreisaus- schuß des Dillkreises hat in seiner Sitzung am Dienstag den Kreisetat endgültig verab­schiedet. Dieser schließt mit einem ungedeckten Fehlbetrag von 1,2 Mill. Mark ab. Das große Dffizit erllärt sich einmal daraus, daß aus den früheren Jahren ein Fehlbetrag von 455 000 Mark übernommen werden mußte, uzm andern aus dem geroaltigen Ansteigen der Wohlfahrtslasten. Die Zahl der Wohl- fahttserwerbslosen wird im neuen Etat mit 1800 gegenüber 600 im Vorjahr angenom­men. Die Kreissteuer soll in der bisherigen Höhe von 65 Prozent erhoben werden. Der Kreistag ist zur Beratung des neuen Haus­haltsplanes auf den 25. Mai einberufen worden.

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