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DI« ,Ob-rh«fsifch« Seihmg* er scheint sechsmal WSchentlich. Be- jugsprei« monall. t Marburg 2.02 SM. ausschl. Zustellungsgebühr. bet unsren Agentur«» 1,93 SM. zuzügl. Zustestellungsgebühr, durch bk Post 2.25 GM. Für etwa durch Streik, MaschInendef«Nod«r elementar« Lr«tgniffe ausfallend« Rümmer» wird fein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. §. Hitzrroth. Druck der Unib-Buchdruckerei Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54 u»d Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und '/,!! Uhr.

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Angeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stabt mtb Kreis Marburg.

Deutscher Sieg im Memelland

Trotz aller Schikanen starke Zunahme der deutschen Stimmen Vernichtende Niederlage der Litauer

ÄoiDito, 5. Mai. Das vorläufige Endergebnis der gestrigen Memelland­wahlen liegt aus sämtlichen 205 Wahlbe­zirken vor. Danach sind 82 888 Stimmen abgegeben worden, Wahlbeteiligung 95

Prozent, Wahlkoeffizient 2168.

Landwirtschaftspartei 22 819

Volkspartei 17 650

»Litauische Arbeiterpartei und

Litauische Bolkspartei 6 888

»Litauischer landw. Block 4 509

Arbeiterpartei (Kommunisten) 5 271

Sozialdemokraten 4 921

Splitterparteien:

Liste der Hauswirte 231

Verband der Landwirte 605

Es haben Mandate erhalten: Landwirtschaftspartei 10

Bolkspartei 8

Litauischer Block 5

Sozialdemokraten 2

Arbeiterpartei 1 2

Die Aenderuag des § 72 des litauischen Wahlgesetzes, vie durch Stimmensplitte­rung gegen die Mehrheitsparteien gerich­tet war. hat sich gegen die litauischen Wünsche gerichtet. Die Splitterparteien, zu denen die Liste der Hauswirte und de« Verbandes der Landwirte zählen, sind zu einer hoffnungslosen Bedeutungslosigkeit gesunken. Da die Landwirtschaftspartei die höchste Ziffer an Reststimmen mit 1239 aufweist, muhte ihr «och ein Mandat, ebenso den darauf folgenden Kommunisten mit 935 Stimmen ein Mandat gegeben werden.

DasMemeler Dampfboot- zu den Wahlen.

<3tt denk Wahlergebnissen bemerkt das ^Msmeler Dampfboot": Die Wah­len sind ein großes, gewaltiges und er­hebendes Bekenntnis der Memelländer für die Autonomie des Memel-Gebietes und für die rnemelländische Heimat geworden. Der großlitauische, mit Gewalttätigkeiten aller Art und in einem bisher nicht ge­kannten Ausmaß an Agitation geführte Generalangriff ist aus allen Fronten sieg­reich abgeschlagen worden. Das Ergeb­nis muß als ein ganz überwältigender Er­folg der Mehrheitsparteien betrachtet wer­den. Sehr stark ist der Rückgang der Dor» chertas-Listen (Grvßlitauer), die trotz der starken Zunahme der Zahl der Wahl­berechtigten und der außerordentlich starken Wahlbeteiligung von 6856 Stimmen auf 4509 Stimmen zurückgegangen sind. Dieser Verlust der Dorchertas-Listen wird mehr als wettgemacht durch die Zunahme der Listen der großlitauischen Angestellten und Arbeiter was in der Hauptsache auf die Masseneinbürgerungen zurückzuführen ist die von 1961 Stimmen bei den letzten Wahlen auf 6868 Stimmen gestiegen sind. Der großlitauisch eingestellten Splrtterüfte Adomeit-Rassawitz ist die verdiente Schlappe Mell geworden.

Die Wahlbeteiligung war außerordentlich stark, sie betrug in vielen Orten praktisch 100 Prozent. Wenn der großlitauische Sturmangriff abgeschlagen worden ist, ist dies vor allem dieser geradezu einzig da­stehenden Wahlbeteiligung zu verdanken, die auch den letzten Memelländer an die Arne gebracht hat.

») Diese beiden Parteien bildeten im Memellaudtag die Litauische Fraktion.

Wo bleiben die Litauer?

Die litauischen Parteien verfügten im letzten Memelländischen Landtag über insgesamt fünf Ätze. Da aber bei der jetzigen Wahl durch die widerrechtliche Einbürgerung von Grvßlitauern noch etwa 9000 litauische Stimmen hinzugekommen sind, was bei der für das jetzige Ergebnis errechneten Wahltellungszahl von 2100 mindestens vier Mandaten entsprechen würde, so hätten die Litauer rein rech­

nerisch neun Sitze erhalten müssen. In Wirklichkeit aber stehen ihnen nach dem Wahlergebnis auch diesmal nicht mehr als fünf Mandate zu. Stimmt man an, daß die neu Eingebürgerten geschloffen für die litauischen Listen gestinänt haben, so ergibt sich die Frage, wo die b i s h e r i g e n An­hänger der Litauer im Memelgebiet ge­blieben sind. Bei der Landtagswahl im Jahre 1930 schielten die Litauer insge­samt, also ohne die Einbürgerung, 10054 Stimmen. Wenn sie jetzt aber chre Stim-

Hoover wird energisch

Er fordert umgehende Vorlage eines Sparprogrammes

fk. Washington. 8. Mai. Präsident Hoover hat überraschend den Kongreß in einer unmißverständlichen Botschaft anfge- fordert, ven Ausgleich des Haushaltes um- geheud fertig zu stellen. Die Haltung des Kongresies löse im Land Furcht und Alarm aus. Hoover verlangt, daß ein umfasiendes endgültiges nationales Pro­gramm mit weiteren Einsparungen vor dem 1. Juli fertig gestellt wird.

Di« unerwartete Botschaft Hoovers hat in Kongreßkreisen großen Eindruck ge­macht. Der Präfideut verlangt in der Erklärung im Einzelnen «ne entschiedene Verminderung der Ausgaben in Höhe »en 700 Millionen Dollar. Ex sagt, eine solche Berminve- ruug würde zusammen mit der Steuervor­lage, die über 1 Milliarde Dollar erbrin­gen soll, das Budget ausgleichen, das Se-

schäftsleben in Gang bringen, der Land­wirtschaft Hilfe gewähren und die Arbeits­losigkeit vermindern.

Senator Borah fordert Schuldenregelung und Abrüstung.

Washington, 5. Mai. Senator Bo- rah erklärte im Senat, die Reparationen müßten geregelt werden, damit Europa den Weg des wirtschaftlichen Wiederauf­stiegs beschreiten könne, und die Rü­stungen müßten vermindert und dem Sil­ber der Platz zurückgegeben werden, den es vor dem Jahve 1925 innegehabt hatte, sonst würde es keine Rückkehr zur Pro­sperität geben. Borah fügte hinzu, es sei unmöglich, die Schulden in Gold zu be­zahlen, solange 70 Prozent des Weltgold- vorrates im Besitze Frankreichs und der Bereinigten Staaten seien, und es sei offensichtlich, daß durch den amerikanischen Zolltarif Zahlungen in Waren unmöglich gemacht würden.

Sinkende Steuereinnahmen

Eine Mindereinnahme von 385 Millionen

Berlin, 4. Mai. Nach Mitteilung des ReichsfmanMmisteriums betrugen die Ein­nahmen des Reiches im März 1932 (m MM. RM.) bei den Besitz- und Derkehrs- steuern 474,4, bei den Zöllen und Ver­brauchsabgaben 239,8, mithin im ganzen 714,2. 3m Januar bis März 1932, dem vierten Viertel des Rechnungsjahres 1931, sind an Besitz- und Derkehrssteuern aufge­kommen 1295,5, an Zöllen und Verbrauchs­abgaben 708,3, im ganzen 2003,8.

3n der Zett vom 1. 4. 31 bis 31. 3. 32, mithin in den 12 Monaten des Rechnungs­jahres 1931, sind im ganzen 7787,0 (im Rechnungsjahr 1930 9025,6) aufgekommen. Hiervon entfallen auf die Besitz- und Derkehrssteuern 5000,3 (5961,0), auf die Zölle und Verbrauchsabgaben 2786,7 (3064,6). Dieses Aufkommen wird voraussichtlich bis zum Abschluß des Rech­nungsjahres nur noch geringe Aenderungen durch das erforderliche Zu- und Absetzen von Beträgen, die noch nicht haushaltsmäßig nachgewiesen werden konnten, erfahren, und fteKt daher ungefähr das endgültige Aufkom­men des ganzen Rechnungsjahres 1931 dar. Da der Haushaltsansatz für 1931 8172,0 be­trägt, ergibt sich im ganzen eine M i n - dereinnahme von 385,0, von der auf die Besitz- und Verkehrssteuern 72,2 und auf die Zölle und Verbrauchsabgaben 312,8 entfal­len. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß seit Aufstellung des Haushaltsplanes nn Syttember 1931 noch verschiedene Gesetzes­änderungen vorgenommen worden sind, ohne

die di« Mindereinnahme noch höher gewesen wäre.

Vergleicht man die Gesamtsumme 1931 von 7787,0 Mill. RM. mit dem gesamten Steuereingang 1930 von 9025,6 Milt. RM., so ergibt sich ttotz namhafter Erhöhungen bei einer ganzen Reihe von Abgaben in dem Rechnungsjahr 1931 eine Verminderung der Steuereinnahmen von fast 1250 Mill. RM.

Mitzftinnmmg in der Schweiz wegen der deutsch« Devisenausfnhrdrosselnng.

Bern, 4. Mai. Zur Verschärfung der deutschen Ausreisebestimmungen bemertt der Bund u. a.: Diese Verschärfung der Devisen­abgabe kommt einer vollkommenen Drosse­lung des Reiseverkehrs nach dem Auslande gleich, wobei bie Schweiz besonders stark be­troffen wird. Das verschlechtett unsere Zah- lungsbilam mit Deutschland neuerdings, so daß sich die Frage der Einführung eines Kompensationsoerkehrs mit diesem Lande un­ter teilweiser Verwendung des Einfuhrüber­schusses zur Schuldenverzinsung und Amorti­sation aufdrängt. Es ist auf die Dauer wirt­schaftlich unmöglich, datz wir trotz Einfuhr­beschränkung den Deutschen ein guter Kunde bleiben, während sie uns andererseits keine Einnahmen (durch Import und Reiseverkehr) verschaffen. Die Kapitalbilanz ist infolge der Stillhalteabkommen ohnehin für uns un­günstig. Unsere Handelsbeziehungen mit dem nördlichen Nachbarn werden durch die deut­schen Devisenmahnahinen vor neue Notwen- «gkett«, gestellt. . L ,

menzahl trotz der hohen Wahlbetelligung und der 9000neuen Memelländer" nur auf 12005 Stimmen steigern konnten, so ergibt sich daraus die Tatsache, daß den Litauern ihre ganzen bisherigen gebiets­ansässigen Anhänger davongelaufen sind. Wären die Masseneinbürgerungen also nicht erfolgt und wäre die Wahlbe­teiligung nicht eine höhere gewesen, so hätten bie Litauer wahrscheinlich über­haupt kein Mandat erhalten.

Im einzelnen erhielten der im Memel­gebiet ansässige Großlttauer Borchert 45Q9 Stimmen, bei der Landtagswahl 1930 jedoch 6856, die übrigen großlitauischen Li­sten unter Führung der litauischen Schützen­vereinigung 6886, 1930 1961, der litauisch­orientierte Verband der Landwirtschaft 610, 1930 jedoch 1237, einen Gewinn also haben lediglich die ausgesprochen groß­litauischen Listen unter Führung der Schüt­zenvereinigung erhalten. Aber auch hier betrügt der Gewinn noch nicht einmal 5000 Stimmen, während die Zahl der Reueingebürgerten etwa 9000 beträgt. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß auch ein Dell der Reueingeburgeiten für die memel- ländischen Liften gestimmt hat.. Fest aber steht, daß bie Zahl der ortseingesessenen Anhänger der Litauer bis auf einen Bruchteil zusammengeschmol­zen ist.

Bestürzung in Kowno

Kowno, 5. Mai. Das memelländischs Wahlergebnis hat in Kownoer politischen Kreisen wie eine Bombe eingeschlagen. Den Ursachen der selbst für die stärksten Pessimisten überraschend gekommenen Nie­derlage steht man in Regierungskreisen vorläufig »och völlig ratlos gegenüber. Wie verlautet, wird das Kabinett noch am Donnerstag beim Staatspräsidenten zu einer Sitzung zusammentreten, um über die Lage zu beraten. Der Ausgang der Wahl, der als ein völliger Zusam­menbruch der bisherigen Me- melland-Politik der Regierung bezeichnet wird, dürfte, so glaubt man in politischen Kreisen, ohne Zweifel schwer­wiegende innerpolitische Folgen haben und wahrscheinlich auch Personalveränderun­gen im Kabinett und eine Abberufung des Gouverneurs Merkys nach sich ziehen. Allem Anschein nach denkt man auch daran, unter Umständen die Wahl für un­gültig zu erklären, da in Kowno behauptet wird, es hätten 76 Reichsdeutsche (?) bei bet Wahl mitgeftimmt.

Pressestimmen

Englische Blätter über die Memelland- Wahlen.

Morning Poft" nennt das Ergeb­nis der Abstimmung int Memelgebiet einen schweren Schlag für Litauen. Der Berliner Korrespondent des Blattes sagt: Die Bevölkerung hat mit Nachdruck erllätt, daß sie nicht litauisch geworden ist.

DerTimes"-Korrespondent bench- tet: Zn Berlin sieht man in dem großen Erfolg der Memelpatteien einen klaren Beweis dafür, daß der Widerstand gegen die litauische Politik nicht, wie behauptet, das Werk einer kleinen Gruppe ist, son­dern daß er die tief eingewurzelte Ent­schlossenheit der Bevölkerung bezeugt, die Verletzung ihrer Autonomierechte nicht zu dulden.