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Nr. 103

Efctt&efiWe Zettmrg, Marv«g «. L. Diatrtas. bat 3. Mai 1932

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Neue Arbeit für 10 600 Werftarbeiter

Der Stapellaus des Riefen-TanK- DampfersFranz Klasen", der jetzt aus der Deutschen Werst in Hamburg als erster von sechs Tank-Dampfern vom Stapel lief, die von der Deutsch-Ameri­kanischen Petroleum-Gesellschaft bei deutschen Schiffswerften in Auftrag ge­geben wurden. Jeder der Dampfer hat nen Rauminhalt von rund 18 000 Ton­nen, 10 000 Arbeiter sanden bei den Bau­ten Beschäftigung.

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Der Mann, -er Memüge

Das Schöffengericht Berlin-Mitte ver­urteilte den 31 Jahre alten Arbeiter Schwenzseier wegen fortgesetzten Betru- ges an der Reichsunfallversicherung im Gesamtbetrag von über 5000 Mark zu drei Monaten Gefängnis.

Der Angeklagte war als Arbeiter in verschiedenen Akkumulatorenfabriken tätig. In Januar 1929 erkrankte er an Bleivergiftung und erhielt eine Rente von 25 Prozent wegen verminderter Er­werbsfähigkeit zugesprochen. Anderthalb Jahre später erlitt er einen Rückfall, der weit schwerer als die erste Erkrankung war. In seinem Blute wurden Bleimen­gen gefunden, wie sie in der medizinischen Literatur bisher nicht bekannt waren. Gleichzeitig berichtigte die Frau des An- nen dem behandelnden Arzt, datz arm Mennige einnehme. Diese Beschuldigung nahm sie später zurück. Nach den Angaben des Gutachters liegt unzweifelhaft Selbstvergiftung vor.

BttgesseneS 3nfeW

Reise flirr« «ms dem Dodekanes«.

Bon Dr. W. Preibisch-Achen.

(Fortsetzung.)

Unzählige Bewohner dieses unter Frernd- gerrschaft stehenden Jnsellandes, nicht immer die Schlechtesten, sind nun im Mutterlande, verbannt, geflohen oder steiwillig ausgewan­dert. Hier in Athen, sind sie nicht zum Schweigen verdammt, laut tönen die Anklagen in dem von ihnen vor Zähren gegründeten .Kampfblatt *Ay<öv njf ^toiexavijoov (Der Todes­kampf des Dodekanese). Der Resonanzboden freilich ist schwach: nicht mir, weil die Sprache Homers im neugriechischen Gewände über die Grenzen der Heimat hinaus nicht mehr verstanden wird, die bisweilen einge­streuten französischen, englischen oder italieni­schen Aufsätze und Uebersetzungen zu unbe­deutend sind und übersehen werden: Was schert Europa der Kampf einer Minderheit, deren Zahl zu klein ift, um im Zeitalter der Unterdrückung und Ungerechtigkeit en gros, wo Millionenknechtung zum Himmel schreit, das Weltgewissen aufn>rütteln.

Hindurch gleitet das Schift, von Patmos nach Seros der großen Flugzeug- und Ser« vroviantierungsbasis Italiens, dessen Hafen­einfahrt durch zwei mllitärisch hervorragend eingebaute Batterien geschützt ift. Landen ist hier, bei dem unendlichen Mißtrauen der Besatzungsmacht, dem nicht eingeborenen Griechen trotz doppelt kontrollierten und visier­ten Passes kaum möglich, anderen Fremden nur unter Schwierigkeiten gestattet. Scharf bleibt die Kontrolle auch für die, welche in Kalnmnos oder dem herrlichen grünen Kos (K<;>) landen wollen.

Herrlichster Sonnenuntergang über dem grünblauen Meere, in das hinein Palmen und Zypressen ihren glitzernden Schatten werfen. Nahe an der niam'a, sprich Hauptplatz, ankert der Dampfer zwischen Regierungsgebäude, im Prachtsvätrenaissancestil gebaut, und dem ein­zigen großen Lurusalbergo, appetitlich und einladend wie alles, was die Italiener hier ge­schaffen haben. Denn das eine ist sicher: Sauberkeit und Gemütlichkeit stnd erst mit ihnen gekommen: alte, bewußt betonte, Römertradition schuf bi« die Ordnung und

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London, 2. Mai. Ein wissenschaft­licher Versuch von ungewöhnlich großer, in seinen Folgen vorläufig noch nicht ab­zusehender Tragweite ist in dem unter Leitung des weltbekannten Professors Lord Ruherford stehenden Caven­dish- Laboratorium in Cambridge zwei jungen Forschern namens Dr. I. D. CoÄroft, erst 34 Jahre alt, und Dr. E. T. Walton, noch nicht 30 Jahre alt, auf dem Gebiete der Atomzertrüm­merung gelungen.

Lord Ruherford, eine der größten Autoritäten auf diesem Gebiet, erklärt zu der Arbeitsmethode, datz man durch eine hoch evakuierte Röhre Mil­lionen von Partikelchen mit einer Geschwindigkeit von 10000 Kilomter in der Sekunde geschickt habe. Hierbei sei die A t o m- zertrümmerung gelungen. Das Er­gebnis des Versuches sei autzerordentlich wertvoll für die weitere Behandlung des ganzen Problems.

,Sit Leonard Hill, ei« anderer hervor­ragender Wissenschaftler, hob hervor, vitz das Ergebnis des Experiments viel be-

dentender sei, als der Laie sich vorstelle« könne, denn zum ersten Mal sei es gelun­gen, auf die geschUderte Weise mehr Energie zu gewinnen, als man aufgewandt habe.

Dr. Cockroft selbst erklärt, datz er und sein Mitarbeiter bei ihren Versuchen zur Atomzertrümmerung auf elektrischem Wege ohne Zuhilfenahme radioaktiver Mittel Spannungen zwischen 100 000 und 500 000 Bolt anwenden wollten. Bei 120 000 Volt seien von den Atomen ver­schiedener Elemente so des Lithiums Heliumkerne abgespalten worden, und zwar unter Entwicklung von Energiemen­gen, die 100 bis 110 mal so groß waren, wie die zur Spaltung aufgewendeten Energien. Allerdings trete dieser Energie­gewinn nur in einem Falle von 10 Mil­lionen täglichen Fällen ein. Man habe dieses Ergebnis erst in den letzten 14 Tagen erzielt, wisse aber nun, datz man sich auf dem richttgen Wege befinde. Insbesondere bleibe zu prüfen, wie die Versuche bei Anwendung noch höherer elektrischer Spanungen verlaufen würden.

Bo« -er 30. Walpurytsseier auf -em Brocke«

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Abfahrt derHeren" undTeufel" »um Blocksberg (Brocken) auf dem Bahnhof von Wernigerode.

Die diesiährige 30, Walpurgisfeier auf den von alten Sagen umwobenen Blocksberg (Brocken) lockte von fern und nah in der Nacht zum 1. Mai wieder eine große Teilnehmerfchar herbei, die eher fröhlich als von Gruseln erfüllt die Nacht auf der Bergkuvve verbrachte.

Der Mm -es deutschen Nennworts gestorben

Graf Lubbert von Westphalen, der Vorsitzende der obersten deutschen Rennbehörde, ist im 60. Lebensjahr ge. storben.

Sind die modernen Tiinze widerlich?

Ein Londoner Blatt wandte sich an einige hervorragende englische Schrift­steller mit der Frage, wie sie die moder­nen Tänze beurteilen. Dte Antworten waren durchweg abfällig. Bernhard Shaw erklärte:Ich würde gern ein paar witzige und beißende Bemerkungen über die merkwürdigen Bewegungen machen, die heute als Tanz gelten. Meine Abscheu für diese widerlichen Tänze ist aber so groß, daß ich darüber nicht allzu viele Worte verlieren möchte. Ich bin im Grunde genommen kein Gegner des Tanzens. Fox und Rumba, die aus den afrikanischen Negerdörsern nach Europa verpflanzt wurden, haben jedoch mit wahrer Tanzkunst nichts zu tun. Der Schriftsteller Capetown faßte sich kurz:Die heutigen Tänze sind der deut­lichste Beweis für den Niedergang unse­res Jahrhundert. Der auch in Deutsch, land durch seine Bühnenstücke bekannt gewordene englische Schriftsteller Maug­han sagte ironisch:Wenn die moderne Jugend halb soviel Energie ihren Stu­dien widmen würde, so wäre unsere Zi­vilisation zweifellos ein gutes Stück vorwärts gekommen.

Sonnenqebräunle Häuf

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oder aber

NIVEA'ÖL

weckte durch jahrhundettlange Fremdherrschaft und oft maßlose Unterdrückung längst versun­ken« Kultur. Neu-Roms Glanz, bisweilen wohl zu grell oder theattalisch, sein betonter Ko­lonisationswille, sttahlt «auch über die arm­seligsten Lehmhütten, die Gestalt des Diktators steht, ungesehen aber nicht minder deutlich erkennbar, als Riesenschatten hinter dem allen.

Plötzlich ein Schuß! Eine eben noch süd­lich lebendige Menge steht wie angewurzelt mit entblößtem Haupte und lauscht den Klän- Sen derAvanti Savoia". 1 Minute atem- >se Paus«: Die Regierungsftagge wird all­abendlich bei Sonnenuntergang eingeholt. Jeder Verkehr stockt, Luftholen und Schneuzen nur lautlos gestattet, Eeßlers Hut ist neu» garniert, hier grün-weiß-rot. seine anderen Kopfbedeckungen hat man, noch nach 600 Jahren, in die weite Welt geschickt, viel« Herren Länder glauben, ohne sie nicht aus­kommen zu können und haben ihre Frießharde und Leutholde zu ihrem Schutze bestellt. Karabinieri überwachen die verlangten Re­verenzen, mancher Test vermeidet ängstlich, sich um diese Stunde auf der Strafe« zu zeigen. Er dentt heute politisch praktischer als d« Hebere Schweizer. Unnötige Hätte. Mangel an Ettahrung des sonst fraglos so flugen, oft echte Kulturarbeit leistenden Römervolkes un­ser« Tage. Verkennung der Aufgaben, d« gegebenen Verhältnisse: Wohl kann das jung­stolze italienische Reich bas Iangv«Ioschene Licht bies« östlichen Inseln roieb« anzünden helfen. Europa im besten Sinne nach Asten fragen. Kulturarbeit tarnt hier nur gutes leisten, Kolonisationsmethoden sind für die trotz allem Urenkel Homers und Herak­lits, Aristoteles' und Pythagoras', die Fackel­träger des SBeltgeiftes v or des ersten Römi­schen Reiches Blütezeit, nicht nur unange­bracht: komisch für den Beobacht«, schmerz­lich ins6efonb«e für eine bei aller Primitivi­tät so oaterlanbsljebenbe, oft unbewufet, aber boch ganz unb gar historisch-traditionell ein­gestellte Bevölkerung, die nicht gern mit Massaua-Negern oder Senussis in einen Topf geworfen werden möchte.

Nachts an dem Inselchen Nisyro mit feinem noch tätigen Vulkan und einem ganz europäisch eingerichteten Meerhotel vorbei, das, wie all« diese 3nfelunteriünfte, bei dem immerfrischen Lüstchen im Sommer ja ein«

Zufluchtsstätte für den unter brütender Sonne zermürbten Städter aller umliegenden Mit­telmeerländer wird. Das lange grüne Rho­dos wird in d« Frühe angelaufen, eine letzte grofee Kontrolle setzt hi«, dem Mittelpuntt und der Hauptstadt des ganzen Gebietes, ein.

Eingerahmt von den prächttgsten, noch fast vollständig erhaltenen Mauern und Türmen, stilvoll ergänzt durch eine gewissenhaft den Angleich an verklungenes Mittelalter suchende italienische Baukunst, glitzern die 3 Hafenbuch­ten, b«en eine mit ihren Wasserflugzeugen, 2 Kanonenbooten unb einem Zerstörer bas nach Seros zweite kriegerische Arsenal der Zwölfinseln darstellt.

D« übliche Gepäckträger- und Agentenüber­falls Bereits in der Landungsbarre, der wie überall im Orient, wo Handeln, Feilschen, Schreien, ein unglaubliches von freiübungs- mäfeigen Gestikulationen begleitetes Sich- übnbieten Selbstzweck bedeutet, wird mit ein« gänzlich apathischen Ruhe beantwortet. Wo diese auf die Dau« für beide Teile, im Hinblick auf das bei allen Menschen leidlich statte Redebedürfnis, zu «rnüdend wittt, sind di« ebenso trefflichen, wenn auch im Lande des Ueberredens meist ohne vrattische Folgen bleibenden, kurzen Vemeimmaswötter zu empfehlen, die sich in d« Sprache Dantes als No, grazie tonte", besser in d« hi« üb­lichen Volkssprache all'Or«, e»jr«V« nagamlv (sprich ochi, efchattsto parapoll) auszuwirken haben.

Ueberhaupt ist gerade hier wie überall, wo die Nachkommen Homers wohnen, die Landessprache zu empfehlen. Die eben noch leuchtenden Augen d« in Gedanken schon auf einen gespickten amerikanisch-englischen Geld­beutel eingestellten Attentat« verli«en ihren Glanz: Ein rte!xavös (3ermanos)! Wer sollte wohl sonst die fast unbekannte neugriechische Sprache, wenn auch noch so kümmerlich, spre­chen! Da ist nicht viel zu holen, unb bie etwas materialistische Begeisterung ber mober- nen Jünger Hermes, b« nach aller Olympier Untergang seinen Platz als Gott ber List unb kaufmännischen Verschlagenheit fest« als je behauptet, gerät in ruhigere Bahnen: Hotel Zweit« Güte, Auto mit Preisanzeiger, Gepäck­träger nur fm Notfall bei Riesen koffern.

Hüte dich Überhaupt, auf di« als B«- fuchsballon ausaeta&tan «wEfA-u ober ta«.

zösischen Sprachbrocken einzugehen, wenn du bie nötigsten griechischen Umgangswörter kennst! Nicht nur, dafe bei bem sich fast im­mer aut höchstens 2030 Baute erstrecken- ben bürftigen Sprachkönnen, gelegentlich auf­geschnappt, eine richtige Unterhaltung, ver­nünftige Auskunft, gar nicht möglich ist. Schlimmer ist, bafe jebes von bir in fremben Zungen hervorgebrachte Wort getreu bem stets treffsicheren Bädeker:Ein Grieche hält zunächst jeben Fremden für unerhört reich unb glaubt, von ihm bie unglaublichsten Preise forbern zu können", ein« prozentuale Steige­rung all« sonst viel geringeren Preise zur Folge hat.

Bunteste Welt liegt vor bir: Neben ber ganz modernen Gattenstadt mit herrlichen Babeanlagen, den Prachtgebäuden der Re­gierung unb Banken, einer Unzahl von Äon» fulatsgebäuben, einem b« gröfeten Welt­hotels, bem Albergo belle Rose, breitet sich bie Traumstabt des Mittelalters aus: Ein le­bendiges Märchen aus 1001 Nacht: Dollorient mit uralten biblischen Anklängen.

Durch die engen Gassen, in denen eng» geprefet Haus an Haus steht, Eseltreiber, Fruchtverkäufer sich zwängen, Handwerker vor geöffneter Tür ihrem Gewerbe nachgehen, alle Gerüche, alle Laute der Welt Ohr unb Nase bestürmen, schwebt wie ein Traumgesicht über kastellartigen mit uralten Wappen geschmück­ten Vorhöfen unb Arkaden, der Geist grofeer Kulturepochen: Namen streifen dein Auge, bie alten Ordensrjtterglanz, Krenzzugsheldentum, steingeworbene Dauherrlichkeit versunkener Ritterromantik roieb« aufleben lassen, am schönsten in ber gotischen Straba bet Cava­lieri. Juben in uralten zerschlissenen Kaftanen sitzen vor ihren Vorüb«gehenben völlig offen« liegenben Zimmern, bie mit altteitamentan= sch«, Sprüchen geschmückt finb. Dte Umgangs» iptad)« b« Nachkommen Abrahams aber ist, tme überall im Orient, eine ziemlich schwer verständliche Mischung von spanisch-italienisch, das sogenannte jude'o-espagnol, ein Erbteil der Urgroßväter, bie zum Teile aus bem Laube b« katholischen Könige auswandern mußten, um endlich feier, ber Urheimat näh«, ein neues Asyl zu fhoen.

'Schluß folgt)