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Sberhessische

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Anzeiger für (das frühere kurhessrsche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marbnrg.

Polnischer Handstreich auf Danzig?

Sensationelle Enthüllungen der englischen Presse Frankreich hiell den richtigen Zeitpunkt noch nicht für gekommen

wtb. London, 2. Mai.Daily Expreß" veröffentlicht in fenfationeller Anfmachnng einen Bericht feines Sonder­korrespondenten in Danzig, in dem es «.a. heißt, Polen habe seine Pläne für die Be­sitzergreifung des Freistaates Danzig fer­tig gestellt. Rur ein in elfter Stunde er­folgter Schritt Frankreichs habe verhin­dert. dah die polniche Flagge gestern abend über Danzig wehte.

Auch der Danziger Korrespondent des ArbeiterblattesDaily Herald" sagt in einer nicht ganz so sensationell gehal­tenen Meldung, die radikalen Elemente in Deutschland und Polen warteten nur darauf, dah die andere Seite die Feind­seligkeiten eröffne. Eine Katastrophe sei gestern vermieden worden. Aber die Lage bleibe ernst und bedürfe einer sorgfältigen Behandlung.

Danzig sei vollkommen von polnische« Truppe^ umgeben.

Der Sonderkorrespondent derDaily Mail" in Zoppot berichtet ebenfalls, dah eine internationale Verwicklung mit knapper Not vermieden worden sei.

In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, dah die Danzig-polnischen Ab­machungen über das Anlegerecht polnischer Kriegsschiffe im Danziger Hasen am gestrigen Tage abgelaufen find. In Zu­kunft gelten für die polnischen Kriegs­schiffe, die den Danziger Hafen anlaufen wollen, die internationalen Bestimmungen für das Anlaufen fremder Häfen. Bisher konnten nämlich polnische Kriegsschiffe ohne vorherige Anmeldung im Danziger Hafen vor Anker gehen. Das Abkommen über dieses polnische Sonderrecht war be­reits im vorigen Jahr abgelaufen und ist seinerzeit bis zum 1. Mai dieses Jahres verlängert worden.

Angeblich soll schon der Oberkommissar Graf Eravina den Sekretär des Völ­kerbundes Sir Eric Drummond auf die Gefahr aufmerksam gemacht haben, die dem Frieden Eurovas durch einen vol- nffcken Einmarsch in Danzig drohe. Der Zweck dieser Mitteilung sei gewesen, den Völkerbundsrat und die Erohmächte vor lleberraschungen zu bewahren. Gras Era­vina stellt jedoch die Nachrichten, soweit fie sich mit seiner Person befafien, entschie­den in Abrede.

Eine

amtliche Danziger Erklärung

zu der Angelegenheit besagt nach einer Tll-Meldung aus Danzig:

Die heutigen Meldungen englischer Zeitungen, deren Wortlaut hier noch nicht vorliegt, knüpfen offenbar an die Nachrich­ten polnischer Blätter an. die seit Wochen und Monaten ohne jede Hemmung Danzig angreifen, die Beseitigung von Hoheits­rechten der Freien Stadt Danzig verlan­gen, offen zur Gewaltanwendung gegen Danzig auffordern und in unerhörter und völlig unberechtigter Weise den Hohen Kommiffar des Völkerbundes schmähen. Die englischen Prefiemeldungen find ficht- lich weiter die Folge des Verhaltens der polnischen amtlichen Stellen gegenüber der Danziger Wirtschaft, die in ihrer Konse­quenz zum völligen Erliegen der Danziger Wirtschaft führen muffen und die wieder­holt zu Anträgen auf Entscheidung beim Hohen Kommiffar des Völkerbundes ge- fichrt haben."

Ein polnisches Dementi.

London, 2. Mai Laut Mitteilung der hiesigen polnischen Botschaft hat der polnische Botschafter heute im Foreign Office vorgesprochen, um die Aufmerk­samkeit auf die völlig unwahren Be­richte dreier Londoner Zeitungen über angebliche aggressive Abfla/len Polens aus Danzig zu lenken.

Es mag sein, daß die polnische Regie­rung selbst offiziell mit den Plänen nichts zu tun hatte, wie das ja auch bei dem Wilna-Raub des polnischen Generals Zeligowski der Fall war. Auch damals rückte die polnische Regierung non dem Handstreich in der Oeffentlichkeit ab, im Stillen aber billigte sie ihn. Und als dann die Botschafterkonferenz den Raub der litauischen Hauptstadt stillschweigend sanktionierte, wurde Zeligowski zum Nationalheros erklärt. Es spricht viel dafür, daß die Dinge diesmal ähnlich liegen und daß für den Handstreich auf Danzig nicht reguläres Militär, sondern nationalistische polnische MilNärorgam- sationen verwandt werden sollten. Der

Danziger Völkerbundskommissar, Graf Gravina, scheint aber frühzeitig genug von diesen Plänen erfahren zu haben, worauf Frankreich sich aus seine Börstel- hingen hin entschloß, in Warschau abzu- winken, weil den Franzosen offenbar die Zeit zu solchen Abenteuern noch nicht ge­kommen zu sein schien.

Daß Polen etwas gegen Danzig im Schilde führte, haben die gerade in letz­ter Zeit sich häufenden Uebergrifse und Drohungen gegen die freie Stadt deut­lich gezeigt. Immer wieder hat man in Warschau nach Vorwänden gesucht, wo­bei man sich in den letzten Tagen auch auf das SA-Verbot im Reich berief und ein gleiches Verbot auch in Danzig ver­langte. Danzig ist diesem Ansinnen nun zwar nicht nachgekommen, wohl aber hat die Danziger SA., um allen Weite­rungen vorzubeugen, freiwillig auf das Tragen ihrer Uniformen verzichtet. Den äußeren Anlaß zu dem Ueberfall sollte offenbar der Ablauf des bisherigen Haienabkommens bilden. Diefer Ver­trag, der den polnischen Kriegsschiften im Danziger Hafen besondere Rechte

DasWahlergebnisinFrankreich

Noch stärkerer Linksruck am 8. Mai?

Paris, 2. Mai. Aus einer vom In­nenministerium herausgegebenen Stasistik, die sämtliche in Frankreich und Algerien zu vergebenden 605 Mandate umfaßt, geht hervor, daß in 248 Fällen die Entscheidung int gestrigen ersten Wahlgang gefallen ist, während in 3 5 7 Fällen Stichwahl stattfinde. Die im ersten Wahlgang ge­wählten Abgeordneten verteilen fich auf die einzelnen Parteien wie folgt:

Rechtsstehende 3

Marin-Partei 44

Unabhängige Republikaner 13

Katholische Demokraten 10

Linksrepublikaner 37

Rechtsstehende Radikale 25

Radikale 63

Rechtsstehende Sozialisten 4

Sozialrepublikaner 5

Sozialisten 40

Kommunistische Sozialisten 3 Kommunisten 1.

Die Pariser Presse zum Wahlausgang.

Zum Ergebnis der Wahlen am vergan­genen Sonntag schreibtO r d r e", So­zialisten und Kommunisten hätten ebenso wie die Radikalen einen beunruhigenden Erfolg davon getragen. Wenn fie am kom­menden Sonntag ihre Stimmen so zusam­men tun würden, dann würde die revolu­tionäre Gruppe die stärkste in der Kammer sein.

Petit Parifien" zieht die Schlußfolge­rung, daß die französischen Wahlen sich für eine Konzentration der republikanischen Kräfte mit Orientierung nach Links aus­gesprochen hätten.

Ein französisches Dorf beteiligt sich nicht an den Wahlen.

ff. Paris, 3. Mai. Ein ganzes Dorf in der Nähe von Perpignan hat sich ge­weigert, an den französischen Wahlen teil­zunehmen. Es handelt fich um die kleine in den Bergen gelesene Ortiäah Man­

tel, die infolge Fehlens von Straßen keine Verbindung mit anderen Ortschaften besitzt. Als Protest gegen diese Lage haben die Dorfbewohner sich geweigert, an den Wahlen teilzunehmen, daß die Bildung eines Wahlbüros überflüssig war.

Herriots Abfichten.

fk. Paris, 3. Mai. Herriot ist nach Paris abgereist, um mit seinen politt- schen Freunden über die künftige Haltung der Partei zu beraten. Dor seiner Abreise erklärte er, daß nach dem ihm von der Pa­riser Parteileitung zugegangenen Infor­mattonen 70 Sozialisten bei der kommen­den Stichwahl beste Ausficht auf Erfolg hätten, während in 88 Wahlbezirken ein radikalsozialistischer Kandidat an der Spitze stehe und sicherlich gewählt werde. Daraus ergebe sich als wahrscheinliches Endergebnis ein sozialistischer Block von 145150 Abgeordneten. Die Sozialisten würden fich nunmehr mit der Frage der Beteiligung an der Regierung beschäftigen müssen. Die Redikalsozialisten würden auch in Zukunft an dem Pro- Cim fefthalten, das er während des lfeldzuges entwickelt habe. Diejeni­gen, die schon jetzt an der Börse allerhand Manöver versuchten, würden besser tun, fich ebenso ruhig zu verhalten, wie er und seine polittschen Freunde. Auf die Frage, ob er fich an einer etwaigen Konzentra­tion beteiligen werde, erklärte Herriot, er werde die Verantwortung für die Bildung einer Regierung nach dem Muster von 1924 nicht noch einmal übernehmen.

Der welthistorische Kehlkopf

Jetzt ist Tardieu wieder gesund.

Paris, 2. Mai. Wie aus polittschen Kreise« verlautet, ist der Sesundheitszu- stand T a r d i e « s vollkommen zufrie­denstellend. Er werde seine amtliche Täügkeit vermutlich am Dienstag wieder aufnebmeu.

einräumte, lief am 1. Mai ab und an feine Stelle trat ein Abkommen, das den polnischen Kriegsschiffen lediglich die fonst üblichen internationalen Rechte zubilligte. Demonstrativ sollte- nun wohl die polnische Flotte, die aus zwei Torpedobooten, einem U-Boot und einem ehemaligen französischen Kreuzer besteht, in den Danziger Hafen einlau­fen und gleichzeitig sollten von der Landseite her die polnischenFreischa­ren" in Marsch gesetzt werden.

Ob nun diese Pläne endgültig aufge­geben worden sind, scheint noch keines­wegs sicher. Fest steht, daß die Polen im Weichselkorridor Truppen zusammen­gezogen haben und auch von den eng­lischen Journalisten wird bestätigt, daß Danzig durch polnische Truppen voll­kommen eingekreist ist. Hinzu kommt, daß die polnischen Nationalisten durch das klägliche Versagen des Völkerbun­des im Memelkonflikt und ebenso in Ostasien zu Gewalttaten geradezu er­muntert werden.

Berliner Blätter zu den polnischen Putsch- planen.

Die Meldungen über die polnffchen Pvtsch- pläne werden von den meisten Berliner Abendblätter in größter Aufmachung ge­bracht. Ein großer Teil von ihnen nimmt in schärfster Form dazu Stellung.

DerBörs'en-Courie r" schreibt unter Bezugnahme auf die Dementis der polnischen Regierung: Auch alsabenteuerliche Putschi­sten, denen die Warschauer Regierung fern» stand", einen Staatsstreich in Wilna unter­nahmen. wusch die polnische Regierung ihre Hände in Unschuld. Das Mißtrauen der Reichsregierung und erst recht des deusschen Volkes ist durch die Antwort der Regie­rung keineswegs Beseitigt.

DieDossische Z eitu ngT' sieht in der Möglichkeit, die ganze Welt durch derartige Meldungen zu alarmieren, ein sehr bedenk­liches Sumptom für die unerttägliche Span­nung, die durch das verlragswidrige Eingrei­fen Polens in die Handelsfreiheit Danzigs er­zeugt worden ist.

DieDeutsche Allgemeine Zei­tung" verweist ebenfalls auf das Beispiel Wilnas und sagt, so einfach liegen die Dinge Bei Danzig und Ostpreußen nicht. Zwar ermutigt das schandBare Benehmen des Gen­fer Völkerbundes im ostasiattschen Konflikt die Putschisten jenseits der "Grenzen. "Immerhin würde nicht einmal dieser Genfer Bund den Bruch des Friedens mitten in Europa »Ben« fo passiv hinnebmen können, wie eswe*c hin­ten m der Mandschurei" geschah. Die deutsche Regierung muß überdies auf das ernsteste überlegen, ob sie in der Lage sein wird, durch ihren Vettreter in Genf im Herbst dieses Jah­res den nichtständigen Ratstitz Polens verlängern zu lassen. WirlliHe Hille gegen einen polnischen Angttff aber wird gewiß nicht vom Völkerbund kommen, sondern in erster Linie auf den Widerstand der deutschen Verteidigung Beruhen.

DieDanziger Allgemeine Zei­tung" Weißt, die Meldungen seien kenn­zeichnend für die Spannung im Osten und die ^Beurteilung der friedensstörenden Ten­denzen Polens durch das Ausland.

Die .Danziger "Neuesten Nach- richten" Weißen, die überaus mazlose Sprache der polnischen Presse haße die volni- sche Oeffentlichkeit und die Bevölkerung in Polen in einer gefährlichen Weise erregt und Gedankengänge erzeugt und populär gemacht, die sich bis zu den Meldungen offener An- gttffsabsichten gegen Danzig steigerten. Mehr­fach und von polnischer offiziöser Seite sei immer wieder aßgesttttten worden, daß solche Absichten bestünden. Aber diese Dementte- rungert seien nicht in einer so schlagkräftigen Weise erfolgt, daß sie diesen g-tährlichen Stimmungen wirllich endgültig den Garaus gemacht hätten.