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Den 2. W1932

Di- .Ovrrb-ssischr Seitimg' «> scheint sechsmal wSchentltch. Be- ,ug«prei« monotL L Marburg 2.02 EM ausschl. Austellungsgebühr. bei unsren Agenturen 1.93 GM. zu;ügl- Zustestellungsgebübr. durch die Post 2.25 «M. Mk ettoa durch Streik, Maschtnendefektoder elementare Ereignisse aussalleud« Nummern wird tetn Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. §. Httzerokb. Druck der Unid-Vuchdruckerri Job. Aug. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. M und Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Skr. 5015. Sprech^« xx Redaktion von 1011 enb

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Anzeiger für (das frühere kurhesfifche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Linksruck in Frankreich

Das vorläufige Ergebnis des ersten Wahlganges - Schwere Niederlage Tardieus - Stichwahl in 367 Bezirken am 8. Mai

Eefamteindruck

Die französischen Kammerwahlen haben eine außerordentliche Anzahl von Entschei- dnngen im zweiten Wahlgang not- wendig gemacht. Der zweite Wahlgang spielt sich nicht zwischen zwei Spitzen- kanbibaten ab, sondern wird ein völlig »ener Kampf, weil hier nene Kandi­daten anstreten können. Es werden also die Kombinationen entscheidend sein, die getroffen werden.

Rach dem bisherigen Ergebnis läßt sich folgendes feststellen: Die Extremen links nnd rechts scheinen starke Berlnste er­litten za haben, besonders die Rechts­stehenden. Außerdem hat im ersten Wahlgang die Fraktion Tardien den stärksten Mißerfolg erlitten. Sie bucht be- reits den Verlust von nicht weniger als acht Mandaten. Auffallend ist, daß die Radikalen bis jetzt nur Gewinne und keine Verluste zu verzeichnen habe«, wäh­rend bei tien Sozial! st en sich das Ab­sonderlich« zeigt, datz im ersten Wahlgang vierzig ihrer Kandidaten durchgekommen sind, während sie 1928 im ersten Wahlgang nur 15 Mandate an sich brachten.

Im ganzen genommen, läht sich, soweit der erste Wahlgang einen lleberblick ge­stattet, ein RuckvachLinks feststellen. Ob dieser Linksruck im zweite» Wahlgang noch so stark ausgeweitet werden kann, dah er eine Konstellation der Links­parteien oder eine Konzentration mit bten Rechtsradikalen unter Ausschluh der Maringruppe ermöglicht, steht dahin.

Nach Mitternacht

Um 4 Uhr morgens liegen immer noch keine annähernde endgültigen Wahler­gebnisse vor. Infolge des verwickelten Wahlergebnisses ist erst das Ergebnis aus 4 0 0 von 611 Wahlbezirken be­kannt. 116 Abgeordnete sind bereits im ersten Wahlgang gewählt, während 284 tn die Stichwahl kommen.

Unter den Gewählten befinden sich auch die Führer der Sozialisten-Partei Leon Blum, der ehemalige Präsident des Finanzausschusses der Kammer der ehemalige Handels- und Marine- minister de Cheppedelaine, Fmanz- minister Flandin, der bekannte So­zialist Renaudel, Louis Marin und der Kommunist D o r i o t. Dagegen kommt der französische Vertreter auf der Genfer Abrüstungskonferenz, Oberst Fabry (De­mokratische Aktionsgruppe Paul Reynaud) in die Stichwahl.

Mit dem weiteren Eingang der Wahl- ergebnisie bestätigt sich der erste Eindruck, dah die Radikal-Sozialisten als die Sieger aus den Wahlen her­vorgehen. Man rechnet mit einem Mandatszuwachs von 30Sitzen; die S o z i a l i st e n haben hingegen einige Sitze einbühen müssen, ebenso wie die aus­gesprochenen Rechtsparteien, d. h. die Gruppe Marin-Reynaud. Die ge­mäßigte Linke, insbesondere die Radikale Linke (Gruppe Germain Martin) dürfte nach den bisher vorliegenden Ergebnisien ebenfalls eine Stärkung erfahren, fodah man schon jetzt mit einer Konzentration rechnet, die sich auf die Radikal-Sozialisten

als die zukünftig stärkste Gruppe in der Kammer stützen dürfte.

Die stärksten Verluste hat eigentüm­licher Weise bisher die Gruppe T a r d i e u (Links-Republikaner) aufzuweisen, doch kann man sich vor der Stichwahl noch kein endgültiges Bild machen.

Letztes Ergebnis

Zum Verständnis der Statistik seien fol­gende Parteibenennungen von rechts nach links angegeben:

1. Unter der BezeichnungRechts­stehende" sind zu verstehen: Die Re­aktionären, die Royalisten und die Bona- parti sten.

2. Alsdann folgt zusammengenommen die Partei Marin und die Partei M a-

g i n o t, zu welcher Gruppe auch die katho­lischen Demokraten hinzugezählt werden.

3. Unter der BezeichnungLinksrepubli­kaner" ist die Fraktion T a r d i e u zu ver­stehen.

4. Unter der BezeichnungRechts­stehende Radikale" sind vereinigt: Die Ra­dikale Linke (ehemalige Fraktion Lau­ch e u r), Gruppe Franklin Bouillon und die Gruppe der Unabhängigen Linken.

5. Die Radikalen (Herriot).

6. Sozialrepublikaner zu denen auch die rechtsstehenden Sozialisten gerechnet wer­den (E h a b r u n).

7. Die Sozialisten.

8. Kommunisten.

Um 6 Uhr früh lag das Ergebnis aus 607 von 611 Wahlbezirken vor.

Die Außenpolitik der NSDAP.

Eine Unterredung mit Graf Reventlow

Der Sonderberichtserstaner desPe­tit P a r i s i e n" veröffentlicht am Sonnabend abend ene. Unterredung, die er in Potsdam mit dem Grafen Revent- loro hatte. Auf die Frage, warum man in Deutschland einem so starken gegen Frankreich gerichteten Hatz Begegne, er­widerte der Graf, datz das deutsche Volk seit dem Weltkrieg unter dem nieder­schmetterndsten Bewutztsein des ihm zu- ge fügten Unrechts lebe. Der Versailler Vertrag sei auf der Kriegsschuld- l ü g e aufgebaut und stempele die Deut­schen zu einem Volk zweiter Ord­nung. In der Abrüstungsfrage gestehe man Deutschland nur in der äußeren Verhanölungsform die Gleichbe- rechtgung zu. Deutschland wolle aber gleich anderen Mächten das Recht haben, über den Umfang seiner Detteidigungs- m.ittel selbst zu bestimmen. Deutschland und ganz besonders die nationalsoziali­stische Partei fordere in erster Linie dis Durchführung der allgemeinen und un­eingeschränkten Abrüstung. Wenn die Abrüstungskonferenz ergebnislos bleibe, werde Deutschland sein Recht aus unein­geschränkte Verteidigungswaffen nut allem Nachdruck geltend machen. Die Wehrlosigkeit und gleichzeitige Ver­armung des deutschen Volkes rufe bei ihm immer mehr das Gefühl hervor, in seinem Bestand bedroht und gefährdet zu sein. Auf militärischem, wirtschaftlichem und politischem Gebiet fühle Deutschland stets das Schwert Frankreichs und seiner Verbündeten an einem Faden über sich hängen. Weiter äuherte sich Graf Be- ventlow über den polnischen Kor­ridor und die unhaltbaren Ostgren­zen. Seit 1919 richte Polen sowohl poli­tisch wie wirtschaftlich Angriffe gegen Danzig, Ostpreußen und Oberschlesien und werde in dieser Offensive durch Frankreich ermutigt und unterstützt.

Nach der Haltung der Nationalsozia­listen gegenüber Frankreich befragt, führte Graf Reventlow aus, daß seine Partei nicht den Krieg wünsche. Ihre Aufgabe sei es. in Deutschland den Ge­danken des nationalen Sozialismus durchzuführen. Dazu brauche man Frie­den und möglichst gute Beziehungen zu allen Mächten. Der deutsche National­sozialismus wolle nach allen Richtungen eine Verständigungspolitik treiben. Um das zu ermöglichen, müsse Frankreich je­

doch darauf verzichten, die Deutschen zu einer Nation zweier Klasse herabdrücken zu wollen. Wenn die Hitlerbewegung im Reich zur Macht gelange, werde Deutschland stets bereit fein, über alle Fragen zu verhandeln. Deutschland hasse Frankreich keineswegs von vornherein, doch lasse sich nicht verkennen, daß die Feindschaft in den letzten Jahren immer mehr anwachse. Frankreich habe die Ttittel in der Hand, dem Haß ein Ende zu bereiten. Vorläufig wolle Frankreich immer nur auf der Grundlage des status quo von Versailles verhandeln, obwohl Deutschland diesen status quo niemals als Grundlage anerkennen könne. Er sehe keinen Grund dafür, warum gerade über diese Frage nicht offen gesprochen und ein praktischer Ausweg gefunden werden sollte. Der Nationalsozialismus wolle die Freiheit und die Unantastbar­keit der Ehre der Nation, nicht aber den Krieg.

General Nollet über Deutschlands Entwaffnung

Brüssel, 1. Mai. ©enetal Rollet, der ehemalige Dorsitzende der Interalli­ierten Kontrollkommission, sprach am Sonnabend hier über di« Entwaffnung Deutschlands, llkollet erklärte, was her- dorgehoben zu werden verdient, dah die Kontrollkommission die Dernichtung des Kriegsmaterials in Deutschland erreicht habe, wenn auch, wie er behauptete, ihre Tätigkeit auf allgemeinen Widerstand ge­stoßen sei. 7000 Fabriken seien besichtigt worden. 33 000 Kanonen, 87 000 Maschi­nengewehre und 4,5 Millionen tragbare Waffen seien zerstört worden. Trotz seiner eigenen Feststellungen versuchte Rollet dann aber Deutschland als militärisch ge­fährlich hinzustellen, und zwar indem er wieder mit dem beliebten Begriff des Kriegspmentiells operierte. Man könne nicht das Kriegspotentiell einer Ration, das in ihren Menschemnassen und in ihrer Industrie enthalten sei, vernichten. In einem neuen Kriege werde Deutschland auf Grund der Reichswehr, der militärischen Iugendausbildung und der militärischen Verbände einen neuen Typ von Armee einsetzen. Man müsse den Völkerbund mit einer Waffe versehen, im übrigen aber un­bedingt die nationale Verteidigung aus­bauen.

4 Wahlresultate stehen noch aus. Di« hn ersten Wahlgang endgültig gewählten Ab­geordneten verteilen sich nach der Havas- statistik wie folgt:

Mand. gern. verl.

Rechtsstehende 3

Marin-Maginot-Parteien 72

Links-Republikaner 33

Rechtsstehende Radikale 23

Radikale 60

Sozial-Republikaner 17

Sozialisten 40

Kommunisten 2

0 1

6 8

2 10

4 1

4 0

2 1

3 2

1 1

Unter den gewählten Abgeordneten befindet sich der radikale Abg. Her­riot, der in Lyon gewählt wurde; in Provens ist der radikale Abg. A u g 6 wiedergewählt worden.

Der bisherige Abg. Lorin (Fraktion Maginot) ist gestern abend, während er in feinem Wahlbüro auf die Verkündung der Ergebnisse wartete, plötzlich ge- -ftorben.

Französische Presses-immen

Matin" glaubt nach dem allgemeinen Eindruck der bisher bekannt gewordenen Wahlergebnisse ein ziemlich ausgesprochenes Abgleiten nach Links feststellen zu können. Die Stichwahlen dürften für die Linkspar­teien noch viele Gewinne bringen.

Quotibien (Radikal) ist davon über­zeugt, datz der zweite Wahlgang einen vol­len Sieg der Linksparteien bringen werde.

O e u v r e (Radikal) will zwei Tatsachen feststellen, 1. den beträchrlichen Stimmenver­lust, den die Rechte erlitten habe, und 2. die starke Anzahl der Wahlbezirke, bei denen ein zweiter Wahlgang erforderlich sein wird. Das Blatt meint, datz die Radikalen, wenn fte Disziplin zu wahren wühlen, am kommenden Sonntag einen vollen Erfolg würden feiern können.

Der sozialistischePopulaire" stellt fest, dah die Sozialisten im ersten Wahlgang eine viel größere Anzahl von Kandidaten durchgebracht haben, als im Jahre 1928. Man könnte schon jetzt behaupten, datz die sozialistische Fraktion m der neuen Kammer stärker vertreten sein werde, als in der alten.

Figar o dagegen will den Eindruck ge- wonnen haben, dah die Sozialisten und Kommunisten stark verloren haben, hält es aber für notwendig, dah die Rechtsparteien sich gewaltig zusammennehmen, wenn sie wol­len, datz die nationale Einigung am konz- menben Sonntag nicht in Gefahr gerate.

Dictoire" meint feststellen zu können, dah im Eisatz die Regionalisten einen ekla­tanten Erfolg davongetragen hätten. Hin­gegen glaubtO e u v r e einen Rückgang der Autonomistenstimmen buchen zu können.

Der Memelkonflikt am 9. Juni vor dem Haag.

Memel, 30. April. DasMemeler Dampfboot" meldet: Die Sitzung des In­ternationalen Gerichtshofes im Haag, in der der Memelkonflikt behandelt werden roitb, ist auf den 9. Juni anbeiaumt wor­den. Der Spruch des Gerichtshofes wird schon für den 9. oder 10. Juni erwartet. Ursprünglich war der Zusammentritt des Gerichtshofes für den Juli vorgesehen. Wenn jetzt die Sitzung schon auf den 9. Juni anbeiaumt wurde, so bedeutet das, datz der Gerichtshof den Memelkon­flikt mit einer Beschleunigung behandelt, wie sie größer kaum denkbar ist.