Eonmbew, MM. April ISW
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberheffen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Große Pause in Genf
Nächster Akt nicht vor dem 1. Juni — Opfert Deutschland auch seine Panzerkreuzer auf dem Altar der Abrüstung?
Die deutsche, amerikanische, englische, französische und italienische Delegation haben gestern ein gemeinsames Lom- «uttiqud ausgegeben, in dem es heitzt:
5» der Billa Besiinge, de« gegenwärtigen Wohnort des amerikanischen Staatssekretär Stimsou. hat heute nachmittag unter dem Borfitz von Ramsaq M a c - douald eine Besprechung zwischen den gegenwärtig in Genf weilenden Hauptdelegierten Deutschlands, Amerikas, Groh- britannieus, Frankreichs und Italiens stattgefunden. Es herrschte Einverständnis darüber, bass es dringend erwünscht fei. datz die mit der Aussicht ans gute Ergebnisse zwischen den Führern dieser Dele- gatioa eingeleiteten Unterredungen so bald wie möglich wieder ausgenommen würden, nachdem sie dadurch unvermeidlicherweise unterbrochen wurden, datz der französische Ministerpräsident Tardieu i« Augen- blick nicht nach Genf zurückkehren konnte. Es ist beabsichtigt, datz die Wiederaufnahme der Unterredungen innerhalb der nächsten 14 Tage stattfindet. Der genaue Zeitpunkt wird dieser Tage festgesetzt.
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Es ist jedoch noch nicht gesagt, datz innerhalb der vorgesehenen vierzehn Tage, also gleich nach Pfingsten, etwa am 18. Mai, die politischen Besprechungen in Genf wieder ausgenommen weiden, denn Macdonald wünscht die politischen Gespräche nicht vor dem 1. Juni wieder fortzuführen, da er selbst an diesen teilnehmen will und es ihm zu einem früheren Zeitpunkte als dem 1. Juni unmöglich ist, wieder in Genf zu sein. Es besteht der Eindruck, datz die technischen Ausschüsse ihre Arbeiten über die Begriffsbestimmung der Angriffswafsen bis zum L Juni hinauszögern werden, somit also an dem von Macdonald vorgesehenen Termin für den Wiederbeginn der politischen Aussprachen festhalten werden und die prinzipiellen Fragen der Abrüstung im Mai noch nicht zur Verhandlung gelangen.
' Die Fabel vom Wolf und vom Lamm
Genf, 29. Arpil. Im Flottenausschutz Oer Abrüstungskonferenz gab am Freitag Staatssekretär z. D. vonRheinhaben eine grundsätzliche Erklärung über die bisherige Flottenpolitik Deutsch- l a n o s ab, in der er mit großer Entschiedenheit den insbesondere auf französischer Seite gegen das Panzerschiff .Deutschland" erhobenen Vorwürfen cnigegentrat und den reinen Verteidigungscharakter des Schiffes hervorhob.
Er erklärte u. tt.: Die deutsche Abordnung sei den Vertretern Frankreichs ganz besonders dankbar, daß sie auf diese Weise Gelegenheit gäben, vor aller Oeffentlich- keit die M ä r ch e n , die um dieses Schiff entstanden seien, zu widerlegen, v. Rheinhaben führte als Marinesachoerständiger den Nachweis, datz entgegen allen Vorwürfen und allen Behauptungen, die in der Oeffentlichkeit, in Parlamenten und sogar auf der Londoner Flottenkonferenz erhoben worden seien,
das neue deutsche Panzerschiff keineswegs eine« besondere« Angriff—
Das Attentat in Schanghai
Das erste Todesopfer
ff. Schanghai. 30. Apttll Am Sonnabend früh starb Dr. Kowabata, der Präsident vrs japanischen Vereins von Schanghai, als erstes Opfer des Bombenanschlages an feinen Wunden. Die Nachforschungen über die Urheber des Anschlages werden fieberhaft fortgesetzt. Japanischen Kreisen zufolge war der Koreaner, der die Bombe geworfen hatte, der Freund des Führers des sogenannten „chinesisch-koreanischen Nationalverbandes" und gleichzeitig Sekretär eines bedeutenden kantonefer Politikers.
Schanghai, 29. April. Zu dem Bombenanschlag während der Parade der japanischen Truppen im tzongkrupark ist im einzelnen folgendes zu berichten: Die javanischen Truppen, die in einer Stärke von 10 000 Mann an der Parade teilnahmen, hatten ihren Vorbeimarsch gerade beendet. Eine Anzahl japanischer Kinder sammelte sich um die Tribüne, wo der japanische Generalkonsul und die anderen Würdenträger Ansprachen hallen wollten. Als zu deren Einleitung die japanische Nationalhymne gesungen wurde,
«vlodierte plötzlich eine Bombe.
Die japanischen Truppen besetzten sofort alle Ausgänge des Parkes. Die Polizei riegelte die Anschlagstelle ab und nahm sieben Personen fest, die sich verdächtig gemacht hatten. Unter den anwesenden 15 000 Zuschauern entstand eine ungeheure Aufte-
gung. Einer der Verhafieten, der.25 Jahre alte Koreaner Y i n h o k i t s u, der angeblich die Bombe geworfen hat. wurde von der Menge beinahe gelyncht. Als ihn japanische Polizisten festnahmen, strömte Blut von seinem Gesicht. Es konnte noch nicht festgestellt werden, ob seine Verletzungen von Bombensplittern oder von dem Angriff der Menge hcrrühren. In der Nähe der Tribüne fand man eine zweite Bombe, die anscheinend von einem zweiten Attentäter fallen gelassen wurde.
Von den Verletzten ist das Befinden des des Generalkonsuls M u r a i autzerördentlich ernst. General Schirokowa wurde im Krankenhaus sofort operiert. Admiral Nomura erlitt eine schwere Augenverletzung und mutz mit dein Verlust seines rechten Auges rechnen. Auch der Gesandte S ch t g em i t s u erlitt schwere Verletzungen.
Wie verlautet, gehört der Koreaner, der die Bombe geworfen haben soll, zu der p ro- koisorischen koreanischen Regierung , die angeblich mit der Kuomintang im Einvernehmen steht. Der Attentäter soll im Auftrage dieser Gruppe, die sich die Bekämpfung der Japaner in China mit allen Mitteln zum Ziele setzt, gehandelt haben.
Das japanische Auhenmmisterium hat sofort einen Bericht von den japanischen Behörden in Schanghai angefordeft. Wie noch bekannt wird, hatten der englische, der ftan- zösische, der ituuemschc und der amerikanische Marineattache, die der Parade beigewohnt hatten, die Tribüne kurze Zeit vor dem Anschlag verlassen.
charatter trage, sonder« lediglich ei« ausgesprochenes Verteidiguagsmittel
düs deutschen Bottes fei.
Dem deutschen Kreuzer würde besonders seine Geschwindigkeit vorgeworfen, obwohl gerade die Geschwindigkeit in erster Linie eine Verteidigungswaffe sei, um sich damit den Angriffen der weit überlegenen Erotz- schiffe entziehen zu können. Der Vorwurf eines autzerördentlich grossen Aktionsradius sei ebenso wenig stichhaltig. Ein Land wie Deutschland, das in der Zahl seiner Kriegsschiffe äusserst beschränkt ist, habe nur Nutzen von einem Schiff, das sich möglichst lange auf See halten kann. Der größte Vorwurf sei jedoch, dass der Bau des Schiffes ausserordentliche Geldsummen verschlungen habe. Wenn ein Land wie Deutschland gezwungen sei, einem Schiff von 10 000 Tonnen einen gewissen Kampfwert zu geben, dann müsse ein solches Schiff nur aus allerbestem Material gebaut werden. Hohe Kosten seien daher unvermeidlich.
Zum Schluss seiner Ausführungen stellte Freiherr von Rheinhaben mit grossem Nachdruck fest, datz das deutsche Panzerschiff halb so teuer sei, als die dreimal so grossen Kampfschiffe der anderen Mächte. Wenn in den seit dem Versailler Vertrag abgeschlossenen Flottenabkommen Begriffsbestimmungen gemacht würden, die mit denen des Versailles Vertrages nicht übereinstimmten, so könne niemand behaupten, datz Deutschland daran schuld gewesen sei. Die Behauptung, datz Deutschland mit seinem Panzerschiff die Begriffsbestimmungen von Versailles verwirre, sei daher ein typisches Beispiel für die gegen das deutsche Panzerschiff geführte Propaganda.
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Deutschland sei bereit, auch diese» Schiff auf dem Altar der Abrüstung zu opfern, jedoch nur unter der Bedingung, dass auch die anderen See, «ächte sich bereit fänden, das gleiche mit ihren Erosskampfschiffen zu tun. Deutschland sei bereit, sogar unter die für Deutschland i« Versailler «ertrag festgesetzte Grenze zn gehen, wenn sämtliche übrigen Mächte sich den gleichen Bedingungen unterwürfen.
Die Ausführungen Rheinhabens fanden in den Kreisen des Ausschusses grösstes Interesse und Aufmerksamkeit und besonders in angelsächsischen Kreisen <tne weitgehende Anerkennung.
Amerika gegen Abschaffung der Linienschiffe.
Der amerikanische Senator S w a n s o n gab eine viel beachtete Erklärung über die Haltung der amerikanischen Regierung in der Flottenfrage ab. Er erklärte, dass die amerikanische Regierung unter feinen Umständen ein Abrüstungsabkommen unterzeichnen werde, das zu einer Abschaffung der Linienschiffe führe. Das gesamte Berteidignugssystem der Vereinigten Staaten beruhe auf der Flotte und in erster Linie auf den grossen Linienschiffen. Die Linienschiffe bedeuten jedoch keine Drohung für irgend einen anderen Staat. Eine wesentliche Herabsetzung der Flottenrüstungen sei nur denkbar, wenn die französische und italienische Regierung dem Londoner Flottenabkommen beitrete. Im übrigen würde im Jahr 1935 die nächste Flottenkonserenz stattfinden, auf der dann über die weiteren Massnahmen verhandelt werden würde.
Die Wahlen in Frankreich
An den. beiden folgenden Sonntagen (1. und 8. Mai) wird die französische ®e#u* ttertenkammer neu gewählt. Frankreich hat bekanntlich kein Proporttonalrecht, sondern kleine Wahlkreise, in denen einzelne Kan drdaten um den Sieg kämpfen, der in einem zweiten 'Wahlgange ausgetragen wird, sofern kein Bewerber die absolute Mehrheit erreicht hat. Dieses Verfahren und der Mangel eines straf- fen Patteiwesens bringt es mit sich, dass eigentlich von einer einheitlichen Wahlparole in Frankreich nicht viel zu metten ist. Der Kampf spielt sich in den über 600 Wahlkreisen unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten — vielfach persönlicher Art — ab. Als gemeinsame Grundstimmung der Wählerschaft ist, darüber stimmen alle Berichte überein, die Furcht vor neuen a tssen- polittschen Konflikten vorhanden, die von den nationalistischen Kreisen ausgenutzt wird, indem sie damit die Aotwendigkeit einer starken Rüstung gegen Deutschland beweisen wollen. Der Hinweis auf die Hitlerwahl fehlt kaum in einer französischen Wahlversammlung, gleichgültig welcher Pattei. Als politische Parteien, die den Derhältnissen anderer Länder vergleichbar sind, können nur die Sozialisten und Kommunisten genannt werden. Doch sind beide Gruppen verhältnismäßig schwachorganifiett, da der konser- vattve französische Geist im allgemeinen keine Neigung hat, sich int grossen Umfange organisatorisch zu betätigen. Die bürgerlichen Parteien rechts und links zeigen verschiedene Aamen, unterscheiden sich aber nicht allzu statt von einander. Sie nennen sich fast sämüich »republikanisch" oder »radikal" oder „demokratisch" oder „sozial", ohne daß diese Bezeichnungen einen besonderen programmatischen Inhalt zu bedeuten hätten. Zunächst werden die Abgeordneten im zähen Kleinkampf des Wahlkreises gewählt, dann gruppieren sie sich in Potts in eine der Fraktionen, die zwar einen klangvollen Ramen tragen mag. deren Haltung aber mehr von der politischen Linie des Führers abhängt. So steht die Rechte unter Marin, die bürgerliche Mitte (Radikale) unter He rri oft die Linksradikalen unter Loucheur usw. Zwischen den einzelnen Gruppen wechselt der Mandatsbestanü int Laufe der Wahlperiode leicht herüber und hinüber, immerhin ergab eine Statistik nach den Wahlen von 1928 folgende Zusammensetzung:
Rechtsrepublikaner
(Gruppe Mattn) 119 Sitze
Demokraten 19 „
Linksrepublikaner 95 „
Rechtsradikale 67 „
Radikalsoziale 131 „
Republikanische Spiellisten 45 „
Sozialisten 100 „
Kommunisten 14 „
Rechtskommunisten 2 „
Autonomisten 4 „
Diese Verteilung wird sich selbstver- ständlich am nächsten Sonnlag ändern, wenn auch keine großen Uebertaschun- gen zu erwarten sind. Die letzte Entscheidung wird erst im zweiten Wahlgange, am 8. Mai, gefällt. Die Radikalen rechnen allerdings daraus, ihre Ziffer erheblich zu verstärken, um bann in der Lage zu sein, eine Mehrheitsbndung ourchzusühren, die sie von der reaktionären Gruppe Marin unabhängig macht. Ob diese Rechnung stimmt, wird sich bald zeigen. Doch darf nicht übersehen werden, datz der radikale Führer Herr'iot, der in früheren Jährens in seiner Autzen-