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DtetfMmdfe ZeMma, Marburg t L. Freit«. Mm 22. SprS 1932

- Bette 9

DBP. un- Preußenwahlen

3m 5trtei Freidhvf sprach gestern abend für die Deutsche Volkspartei Landgerichts- direktor Stendel, M. d. L. und Spitzen- kandidat m der Laudesliste zur Preußenwahl.

Laudgerichtsdrrektor Stendel kam zu­nächst auf die Reichspräsidenten- wahl zu sprechen, die emmak bewiesen habe, daß m Deutschland trotz der schweren Wirt­schaftslage eine Uebertraguug des bolschewistt- schen Systems nicht möglich ist, andererseits gezeigt habe, datz Adolf Hitler, der große Trommler von München, nicht die Mehrheit erlangen konnte, wie man in Wahlversamm­lungen angekündigt hatte. Und wenn die NSDAP, bei der kommenden Preußemoahl selbst 40 Prozent der Stimmen auf sich ver­einigen könnte, sei sie gezwungen, eine Koa­lition mit der DNVP. und der DVP. ein­zugehen. Man dürfe im Wahlkampfe keines­wegs die Schlagkraft der SPD. und des Zentrums unterschätzen, die es fertig gebracht hätten, bei der Reichspräsidentenwahl ihre Wähler restlos Hindenburg zuzuführen. Das Ziel der k ommenden Preuhen­wahl müsse sein, eine bürgerliche Mehrheit rechts des Zentrums zu erreichen. Hitler müsse lernen, auch auf die übrigen Parteien Rücksicht zu nehmen, denn nur so könne die DVP. mit ihm zusam­mengehen. Derständlicherweise habe Hitler bisher eine Auseinandersetzung über Wirt­schaftsfragen abgelehnt, jedenfalls enthalte das Wirtschaftsprogramm der NSDAP, so­zialistische Gedankengänge, die seine Partei nicht hilligen könne. Als eine vollkommene Verkennung der rechtlichen Verhältnisse müsse man es bezeichnen, wenn NSDAP, und DNVP. eine Kandidatur Hindenburgs bil­ligten unter der Voraussetzung, datz er nach ferner Wiederwahl den Kanzler verabschieden müsse. So sei es tragisch für Hugenberg, datz er im zweiten Wahlgang/s seiner Stimmen Hitler zuführen muhte. Autzer- ordentlich zu bedauern sei es, datz bei der Reichspräfidentenwahk keine Zusammenfassung des Bürgertums möglich war, trotz wieder­holter Anregungen und Verhandlungen der DVP. Keine Partei könne verlangen, datz die andere Partei in ihr aufgeht, sondern Zu­sammenarbeit müsse zum Ziele führen. Oft höre man in Wahlversammlungen sagen, die Politik der DVP. sei nicht sicher. Hierzu sei folgendes zu sagen. Seine Parte: habe für H ind enburg gestimmt, weil eine Zu­sammenfassung des Bürgertums nicht möglich war, sie sei aber ein Gegner des Systems Brüning. Das seien zwe: Fragen, die man nicht miteinander verbin­den dürfe. Mit einer Rechtsregierung m Preuhen werde auch eine Aenderung im Reiche kommen, so dah auch die Stellung des Reichspräsidenten, der jetzt durch das System von der SPD. abhängig ist, geän­dert werde. Schon im August 1930 habe die Deutsche Volkspartei den Kanzler immer wieder darauf hingewiesen, dah er die deut­sche Wirtschaft nur erhalten kann, wenn er sich von der SPD. loslöst. Eutgegentreten müsse man aber der utopistischen Auffassung der NSDAP, m Wirtschaftsfragen, denn man dürfe niemals vergessen, dah z. B. die Tertik-, Eisen- und Stahlindustrie ihre Roh­materialien aus dem Ausland beziehen müsse. Die deutsche Wirtschaft könne nur dann wieder lebensfähig werden, wenn die sozialen Lasten gesenkt und die Steuern herabgesetzt werden. Sebenfafe sei es richtiger, die so­ziale Fürsorge den wirtschaftlichen DerhÄt- nisseu anzupasssn. als dah sie ganz zur Er­logen kommt. Für Hitler sei es jeoensaSis nicht schwer, bet den jetzigen wirtschaftlichen Verhältnissen die Massen hinter sich zu brin­gen. So sei es gut, wenn die NSDAP, bald die Mitverantwortung übernehmen müsse, damit es sich zeigt, ob Hitler wirklich der grohe Mann ist. Niemals dürfe sich aber das wiederholen, was sich in Thüringen abgespielt hat, wo die DPV. gezwungen worden sei, sich von der NSDAP, wieder loszukösen. Auf keinen Fäll dürfe sich die Parteibuch- wirtschaft wiederholen, wie wir sie seit 1918 erduldet haben. Landvolkspartei und Wirtschaftspartei mit ihrem reinen Wirt- Ichaftsvrogramm seien seiner Auffassung nach nur Augenbkickserschemungen. Die DVP. aber sei eine Weltanschauuugspartet und müsse darum allein in den Wahlkampf gehe«.

Das Ziel des Wahlkampfes sei, wieder ein christliches, sauberes und spar­sames Preuhen herzustellen, in dem aber auch

die leben solle», die anderer politischer Mei­nung sind. Mit der Staatsform habe der Kampf gegen die preuhische Regierung nichts zu tun. Objektivität und Gerechtigkeit mühten wieder (oberster Leitsatz sein. Unverständlich sei ». B. der Erlah Groeners, dah Mit­glieder der NSDAP, in die Reichswehr aus­genommen werden formen, und auf der an­deren Seite wieder Beamte ihres Postens ent­hoben werden, weil Re Mitglieder dieser Be­wegung sind. Zu dem Verbot der SA und SS. führte der Redner aus, dah diese Verbände zweifellos eine Gefahr für den Staat bedeuteten, man hätte aber auch am gleichen Tage die Eiserne Front und das Reichsbanner verbieten müssen. Und wenn der preuhische Ministerpräsident Braun Adolf Hitler Landesverrat vorwerfe, so müsse man sich nur darüber wundern, dah Hitler nicht schon lange im Gefängnis sitzt. So dürfe man es niemanden mehr verdenken, wenn man den Veröffentlichungen der Polizei sehr skep­tisch gegenübersteht. Unverständlich fei weiter die Stellungnahme des Kul­tusministers Stimme in der Frage der Auslandsschulen und in der Kolonial­frage, die in der Schule nurproblematisch" zu behandeln sei. Grimme sei der Gefangene seiner Partei und müsse gleichzeitig RüMcht nehmen auf das Zentrum, das ihn gewählt.

1 Jahr Gefängnis.

Im weiteren Verlauf 'der gestrigen Sitzung gegen den Angeklagten Hinn aus Nieder­hörlen gab der Sachverständige, Medizinal- vat Dr. Mahler, sein medizinisches Gut­achten über die Todesursache. Er betonte, datz der Stich in die Herzkammer eingedrungen sei und durch die starke Blutansammlung im Herzbeutel sich das Herz nicht mehr ausdehnen konnte, und dadurch zum Stillstand gekommen ist. Der Tod des jungen Mannes ist auf einen Messerstich zurückzuführen.

Assistenzarzt Dr. Baumann gab dann ein Gutachten über die beiden Verletzten ob, die in die Klimt nach Marburg eingeliefert worden waren. Bei dem einen sei die Ver­letzung nicht so schwer gewesen wie bei dem zweiten. Hier habe es sich um einen Messer­stich gehandelt, der mit großer Gewalt aus­geführt worden sei und sehr tief in die Bauch­gegend eingedrungen sei. Wenn der Stich etwas tiefer gewesen wäre, dann wäre auch in diesem Falle der Tod eingetreten.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft legt den Grund der Anklage dar und ist der Ansicht, dah der Angeklagte auf keinen Fall sich in der Notwehr befunden habe. Wenn auch der eine Verletzte den Streit angefangen habe, so sei der Angellagte aber nicht berech­tigt gewesen, sofort mit seinem Mesier den Angriff zu erwidern. Er sei der fahrlässigen Tötung und der schweren Körperverletzung schuldig. Er beantrage für alle drei Fälle ein Iahr 2 Monate Gefängnis, Anrechnung der Untersuchungshaft. Einziehung des zur Tat benutzten Mesters, und bitte in Anbetracht der Höhe der beantragten Strafe die Haft weiter aufrecht zu erhalten.

Der Verteidiger ist über den Antrag des Staatsanwaltes erstaunt und versucht festzu­stellen, dah die Tat in einem ganz anderen Lichte betrachtet werden müsse. Der eine Verletzte habe ben Streit angefangen und die anderen hätten sich auf ben Angeklagten ge­stürzt. Aus liefern Grunde liege Notwehr vor. Er bitte den Angeklagten freizusprechen. Sollte das Gericht aber anderer Ansicht fein» dann bitte.« um eine bedeutend geringere Bestrafung.

Nach kurzer Beratung verkündet bas Ge­richt folgendes Urteil: Der Angellagte wird wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung zu einem Jahr Ge­fängnis verurteilt. Das Mest« wird einge­zogen und der Haftbefehl wird aufgehoben. Die Untersuchungshaft wird voll angerechnet.

vor dem Emzetrichter fanben einige Straf­taten ihre Erledigung. So wurde gegen einen Automobilbesitzer aus Westfalen ver­handelt, der auf der Straße einen Kraftwa­gen aus Neukirchen, der aus der anderen

Fordern müsse man «eit« ein christliches Preußen, ht dem seichte Kunst, Gottlosen­propaganda usw. unmögllche Dinge sind. Man muffe unter allen Umständen Schluh mache» mit der Parteibuchwirtschaft, bfe bis in die Kommunen übergreift. Was man bisher üb« die geplante Berwallungs- ref orm gehört hat. fei sehr mäßig zu nen­nen. Wirtlich gespart werde hi« nicht, und es habe doch bestimmt keinen Sinn, wenn man auf der einen Seite Kulturämtn auf­heben und auf bet anderen Seite Oedland kultivieren will. *

Schließlich streifte der Redn« bte jyrage der preußischen Finanzpolitik, die man ebenfalls nicht billigen könne. Er erinnerte an die enormen Zuschüsse für Staatstheater, durch die diese heute zum Erliegen kommen. Er erinnerte ferner an die großen Bauten, die nach Stresernanns Ansicht jegliche Ver- handlungen über Einstellung bzw. Äfltjung der Reparationsverpflichtungen außerordent­lich erschweren mußten. Der Redner schloß mit dem Wunsche, den Glauben an Deutsch­lands Zukunft nicht zu oerlieren. Der Wunsch der DVP. sei der. daß sich nach ber Preußenwahl alle bürgerlichen Parteien in sachlicher Arbeit zusammenfinden. Warm« Beifall banfte dem Redner.

Der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Herr Du la. bat $um Schluß bei ber Preußen wähl ber DVP. bie Treue zu halten.

Richtung kam, angefahren und den Führer verletzt hatte. Er wurde wegen Kramahr­zeugfrevels in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung zu 50 Mark Geldstrafe ver­urteilt.

Zwei junge Leute aus Groß-Seelheim .de­nen ein Hund zugelaufen war, hatten diesen nicht wieder abgegeben. Der eine muß we­gen Unterschlagung und der andere wegen Hehlerei 20 Mark Geldstrafe bezahlen.

Eine öftere Dame in ber Mainzer Gasse war in eine Geldstrafe von 15 Mark genom­men worden, weil sie drei Polizeibeamte mrt Worten so beleidigt hatte, daß diese Straf­antrag stellten. In der gestrigen Verhand­lung wurde sie freigesprochen, weil das Ge­richt der Ansicht war. daß die Frau sich 'ber Tragweite ihrer Handlung nicht bewußt und auch geistig nicht ganz auf der Höhe sei.

Zwei junge Leute hatten die Schaukästen beim Sporthaus Budde zertrümmert und hatten dafür eine Geldstrafe von je 30 Mark erhalten. Der eine bezahlte und der andere legte gerichtliche Entscheidung ein. Er hatte kein Glück. Es bleibt bei den 30 Mark.

n.

Mahlzeit nur dis 17 Adr

Wie dauernde Anfragen zeigen, find sich viele Wählerinnen und Wähler noch nicht darüber klar, daß bei ber Wahl zum Preußi­schen Landtag am kommenden Sonntag, dem 24. April, im Gegensatz zu ben beiden Reichs- prästdentenwahlen die Wahlzeit von 817 (8 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmZ dauert!

Bitte metlen und weitersagen: Wahlzeit am Sonntag, dem 24. April, nur von 817 Uhr!

* Der Mittelweftdeutsche Steno­graphenbund Stolze-Schrey, der Hessen, Hesien-Nasiau und Waldeck umfaßt, hält anläßlich der 50jährigen Jubelfeier des Frankfurt/Main-Bockenheimer Stenographen- vereins Stolze-Schrey seinen 46. Bundestag vom 30. April bis 2. Mai in Frankfurt/Main- Bockenheim ab. Nach internen Beratungen und einem Begrüßungsabend am Samstag wird Sonntag, ben 1 Mai, 9 Uhr, ein großes Bundeswettswreiben mit Lesen stattfinden, dem sich als Höhepunkt der Veranstaltung eine öffentliche Festoersammlung um 11.30 Uhr anschließen wird, in der Studienrat Prof. Dr. Mager-Wiesbaden ben. FestvortrabFür welche Zwecke können wir die Kurzschrift ver­wenden^ halten wird. Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Goethestadt und ein Festball mit Preisverteilung am Abend wer­den die Schlußakte bilden.

Aus dem Gerichtssaal

Aus der Umgegend An Mt Lan-bevvlkermrs!

Arbeit tut not, das Land, bet Weinberg braucht sie im Som­mer. Ab« die harte Arbeit allein, ohne jede geistige Ablenkung, macht allzu leicht stumpf. Man müßte es einmal versuchen, ob einige Minuten Zertunglesm am Tag mittags ht der Ruhepause und abends die Arbett für den Landmann nicht viel leichter, ange­nehm« w«den lasten. Man fühlt sich da­nach geistig frisch und viel eher aufgelegt zu neu« Arbeit. Man müßte es einmal oer- suchen und die Zeitung zum Frühjahr nicht abbeiteilen.

weis Marburg

Aus dem Kreise Marburg, 22. April. Für die De u tsch n a ti o nsa l c Volks­partei sprachen in Fortsetzung der Werbe- m* Versammlungs-Tätigkeit Buchhändler Sonnenschein -Marburg in Fronhausen, ein Mitglied der Hochschulgruppe in Nieder­walgern, raub. jur. Koch in Wollmar unb Bürgermeister Wolff in Ebsborf, Betzies- borf unb Treisbach Großes Interesse, an­regende Fragen unb stärkster Beifall ber Zu­hörer zeigten, baß bie Worte der Redner auf guten Boden sielen

h Lobra, 24. April. In einer offent. lichen Wahlversammlung ber Deutschen Dolkspartei sprach hier gestern abenb He« Koch- Eotzfelben. In sachlicher Weise zeigte er bie Ursachen ber heu­tigen Rot unb des politischen Rabikalismus. Dem Kampf mit Schlagworten stellte er ben Kampf mit oer Macht ber Sbeen unb bes Gei­stes entgegen. Für bie 3bee ber Freiheit bes beutjchen Rheins habe sich bie D. D. P. ge- opfert. Sie werbe auch weiterhin kämpfen ?egen jeben Sozialismus von rechts unb links ür bie Rettung bes bobenftänbigen Mittel­standes in Gewerbe unb Lanbwirtschaft unb für die Pflege unserer christlichen Religion, wie sie uns' auf reformatorischer Erunbläge überlief«! sei.

KreiS Kirckimln

21 ns bem Kreise Kirchhain, 22. April. Bürgermeister Wolff- Marburg sprach für bie Deutschnationale Volkspartei in zwei außerordentlich stark besuchten Versammlungen in Eroß-Seelheim unb in Rauschenberg. Er entwickelte bie Ziele ber Deutschnationalen unb forberte auf. für sie einzutreten unb dem Führer Hugenberg zu folgen Nur ein gemeinschaftlicher Kampf ber gesamten nationalen Front rönne am 24. April bie Befreiung bringen. Stürmischer Beifall gab den Willen ber Anwesenden, mitzu, kämpfen, kund.

Kreis Niedenkovf

0 Biedenkopf 22. Avril. Svinmneister Fisch« von hi« vollendete gestern das 80. Lebensjahr.

Aus dem Kreise Biedenkopf, 22. April. Eine rege Tätigkeit entwickelte bie Deutsch nationale Volkspart e'i in unserem Kreise. Es würben Wahlversamm­lungen abgehalten in Wallau und Breiden­bach mit Abgeordneten Hein als Redner, in Hartenrod und Weidenhausen mit Pfarrer Zeidler - Kastel, in Wommelshausen, Bot- tenhorn unb Dautphe mit Buchhändler Son­nenschein- Marburg und in Erdhaufen, Rennertshausen und Buchenau mit Bürger­meister Wolff- Marburg. Der Erfolg war gut, bie Ausführungen der Redner löste leb­hafte Zustimmung und oft große Begeisterung aus.

0 Gladenbach, 21. April. Das Orts­netz war seither immer Mittelpunkt der Be­ratungen in den Sitzungen der Gemeindever­tretung. Nunmehr hat man durch einen Sachv«ständigen das Netz nachprüfen lasten. D« Sachverständige ist der Ansicht, das Netz ausbestern zu lasten und es damit in der Regie der Gemeinde zu erhalten. In der nächsten Eemeindev«tretersitzung soll hierüber beschlossen werden.

- Verlag Dr. E. Hitzeroth.

Hauptschrr.ileiler un. neranlworluu |üt Po­litik und Feuilleton: Dr. Ernst Scheller; für Kommunalpolitik. Proviin unb Lokales Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

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