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Donnerstag, Mn 21. Steril W32 - «t,t ,Vd«rh«ssts»e Settunfl- «- fcfxittt fed><mal w«ch«tlich. S3e- monati.t Marburg 2.02 g<®. <ur«schl. ZuNrllungSgrbükr, bei untren Agemureu 1,93 AM. , zuzügl. ZustestelUrngogebühr. durch hi« Post 2.25 GM. Für etwa durch Streit, Maschinendefeki oder elementar Lreigniste auffallende Ammnern wird kein Srfad ge­lastet. Verlag, vr. §. -ltzeroch, Druck der Univ-Buchdruckerei goh. Ang. 3koch, Markt 21/23. gcrnsprecher: St. 54 ee» 9t«. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «.M. St. 5015. Sprechet der Redaktion bee 1011 und

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Tardieu eilt nach Genf

ALrüstung, Schulden und Reparationen - Frankreich ist besorgt -Nadolny vertritt noch einmal den deutschen Standpunkt

Genf 20. April. Der Hauptausschutz der Abrüstungskonferenz hat heute vormittag die Entschlietzung über die Abrüstungsmatznahmen in der gestern beschlossenen Form angenom­men. Gegen die Entschlietzung stimmte Rußland.

Der Ausschuh behandelte dann

die Frage der qualitativen Abrüstung. Henderson wies darauf hin,1) die heute angenommene Entschlietzung rasche prak­tische Arbeit zur Pflicht mache und dem­gemäß die amerikanischen, italienischen und französischen Vorschläge über die Ab­schaffung bestimmter Waffen bezw. ihre llebertragung auf ein internationales Organ gemeinsam erörtert werden sollen.

Der englische Außenminister Sir John Simon

eröffnete die Aussprache, der zwei Ent- schlietzungsentwürfe zu Grunde lagen, ein englischer, der sich für den Grundsatz der qualitativen Abrüstung ausspricht, und ein jugoslawischer.

Der englische Entschlietznngsentwurf hat folgenden Wortlaut:

Unbeschadet anderer Vorschläge, die im weiteren Verlauf der Tagesordnung zur Erörterung gelangen werden, erklärt sich die Konferenz mit dem Grundsatz der qualitativen Abrüstung einverstanden, d. h. dem Herausgreifen gewisser Waren­arten oder Typen, deren Besitz oder Ver­wendung jedem Staat durch ein inter­nationales Abkommen verboten wer­den soll."

Sir John Simon erklärte, e? sei an der Zeit, den Grundsatz der Abschaffung ge­wisser, näher zu bestimmender Anariffs- wasfen fesizulegen. Die Frage der Inter­nationalisierung sei bei gewissen Waffen, z. V. den Giftgasen und dem chemischen Krieg überhaupt nicht aufgeworfen wor­den. und auch für die anderen Waffen brauche sie erst später entschieden zu wer­den. Der Entwurf der jugoslawischen Delegation wolle 4 oder 5 verschiedene Punkte gleichzeitig erledigen. Das wäre unaefähr. io. als wenn alle Genfer Auto­mobile auf einmal durch das gleiche Por­tal -ahren wollten.

Unter größter Aufmerksamkeit der ganzen Versammlung ergriff nach Sir Iobn Simon der deutsche Vertreter,

Botschafter Nadolny, das Wort.

In einer Rede, die von der Konferenz mit grobem Interesse verfolgt wurde, und deren Wirkung sich bis zum Schluß in auberordentlich starkem Beifall bei einem großen Teil der Delegierten äußerte, setzte sich Botschafter Nadolny für die Ab- s4iaffuna der schweren Angriffswaffen ein, wobei er insbesondere ausführlich die Deutschland durch den Versailler Friedens- Vertrag auserleate einseitige Abschaffung dieser Waffen heranzog und an diesem Beispiel den Nachweis führte, daß

die Fordern«!» nach Abschaffung dieser Waffenkategorien praktisch durchführ­bar ist.

Der deutsche Vertreter behielt sich seine endgültige Stellungnahme zu den fran­zösischen Vorschlägen vor. die darauf aus­gehen, diese schweren Angriffswaffen zu internationalisieren und dem Völkerbund zur Verfügung zu stellen. Er ließ aber keinen Zweifel, daß schon eine vorläufige Prüfung der französischen Vorschläge er­geben habe, daß ihre Durchführung zu

einer wirklichen Abänderung nicht beitra­gen würde.

Nadolny schloß seine Ausführungen mit einem Appell an die Konferenz, in dem et nachdrücklichst betonte, daß die Entscheidung über diesen ersten Schritt, den die Kon­ferenz auf dem Gebiete der Abrüstung zu tun habe, von deutschen Volke als ein Prüfstein dafür empfunden werde, ob die Konferenz tatsächlich den Willen habe, zn wirklichen und entscheidenden Abrüstungs- maßnahmen zu gelangen.

Die südslawische Abordnung hat als Wortführer der französischen Staatengruppe gegen den Antrag der englischen Negierung auf Annahme der qualitativen Abrüstung, somit gegen die Abschaffung der schweren Angriffs­waffen, einen Gegenvorschlag eingereicht, der deutlich die französischen Wünsche zum Ausdruck bringt.

Wichtiger als die Aufhebung der einzelnen Rüstungskategorien sei die Schaffung wirksamer Sanktionsmaß- nahmen. Im Kriegsfälle soll der Völker­bundsrat ermächtigt werden, die schwere

Arttllerie und di« Tanks der kriegführen­den Mächte zu beschlagnahmen und sie zur Verfügung des angegriffenen Staates zu stellen. Die Verwendung von Bomben­flugzeugen und chemischen Kriegswaffen soll auch im Falle rechtmäßiger Verteidi­gung verboten sein.

Die Abrüstungskonferenz steht somit jetzt mitten in der entscheidenden Aussprache über die Abschaffung der schweren An­griffswaffen, in der sich eine scharfe Tren­nung zwischen der englischen, italienischen, amerikanischen und deutschen Auffassung auf der einen Seite und den Forderungen der französischen Staatengruppe auf der anderen Seite abzeichnet.

Der Kampf um die von England, Italien, den Vereinigten Staaten und Deutschland gemeinsam geforderte Fest­legung der Abrüstungskonferenz auf den Grundsatz des Verbotes und der Ab­schaffung aller schweren Angriffswafsen geht unter großer Spannung und Auf­merksamkeit des Saales vor sich. Der italienische Außenminister G r a n d i gab eine kürze Erklärung ab. ht ^etTet sich un­eingeschränkt auf den Boden des eng­lischen Antrages stellte.

Plötzliche Abreise

Vermutungen der Pariser Presse

Die Unterredung, die der englische Ministerpräsident Macdonald am Mittwoch abend im französischen Außen­ministerium mit dem Ministerpräsidenten Tardieu hatte, dauerte etwa dreivier­tel Stunden. Im Anschluss an die Be­sprechung gab Tardieu ein« Erklärung folgenden Inhalts ab:

Er habe mit de« englischen Minister­präsidenten eine sehr interessante Be­sprechung gehabk, die sich besonders auf die in Genf auf der Tagesordnung stehenden Fragen erstreckte. Er habe den Wunsch, die Unterredung mit Macdonald fortzu- setzen und sei aus diesem Grunde zu dem Entschluß gelangt, um 21.20 Uhr gemein­sam mit dem englischen Ministerpräsiden­ten nach Genf abzureisen."

Die Gründe für die plötzliche Reise.

lleber die Gründe des plötzlichen Ent- schlusies des französischen Ministerpräsi­denten Tardieu. gleichzeitig mit Mac­donald die Reise nach Genf anzutreten, berichtetJournal", der Entschluß Tardieus habe diejenige» nicht überrascht, die die Vorgänge der letzten drei Tage in Genf verfolgt und verstanden hätten. Man stehe vor einer Entschließung, die der englische Vertreter im Einverneh- ( men mit dem amerikanischen Vertreter in Genf verteidige, und die, wie das Blatt schreibt, der internationalen Sicherheit zuwiderlaufe. E« sei klar, daß dieser Vorschlag Gegenstand der gestrigen Besprechung zwischen Mac­donald und Tardieu gewesen sei. Da der Verlauf dieser Aussprache dem franzö­sischen Ministerpräsidenten nicht die Be­ruhigung gebracht habe, die er davon er­

warten zu könne» geglaubt habe, habe sich Tardieu entschlossen, selbst nach Genf zu reisen.

M a t i n" berichtet dagegen, daß der ame­rikanische Botschafter E t g e Tardieu den leb­haften Wunsch be? Staatssekretärs Stim- s o n übermittelt habe, die in Paris ange­bahnten Besprechungen mit ihm wieder auf- zunehmen.

Echo de Paris" schreibt, die Stunde sei zu wichtig, als daß die französische Re­gierung am Sitz des Völkerbundes jetzt nicht lOOprozentig certreten sei.

,A v enir" erflärt, der plötzliche Ent­schluß Tardieus beweise, daß die Anwesen­heit des Führers der französischen Delegation in Genf notwendig sei. Man wisse, daß die härteste Arbeit jetzt begonnen habe. Man brauche nur auf die Bedeutung der Unterredung hrnzuweisen, die zwischen Stimson, Macdonald, Brüning und Gr an di stattfinde und sich nicht nur auf die A b r ü st u n g, sondern auch auf das Kriegsschulden - und Reparations- probkem, also auf die Vorbereitung der Konferenz von Lausanne, bezöge.

,L'Ordre" schreibt sogar, Paul Bon- cour hätte Tardieu telephonisch zu Hilfe gerufen.

4pro,«nttge Zinsen für die gestundeten europäischen Kriegsschulden an die Vereinigten Staaten.

ft. Washington, 21. April. Der Zinssatz für die von den europäischen Staaten an Amerika zu zahlenden und durch das Hoover-Moratorium gestundeten Krieqsschuldenbeträge wurden auf 4 P r o- zent für die nächsten zehn Jahre festgesetzt.

Kardinal Dr. Pifft t.

ft. Wien, 21. April. Kardinal Dr. Pifft ist um 1.30 Uhr nachts gestorben.

Um das Reichsbanner

Kein Länderantraa auf Verbot des Reichs­banners.

Berlin, 20. April. Die Blättermekdun- ?en, wonach das Staatsministerium von Meck- enburg-Strelitz seine Gesandtschaft in Berlin beauftragt haben soll, beim Rcichsinnenmini» fterium oas Verbot des Reichsbanners zu be­antragen, tieffen nicht zu. Weder ist zur Stunde bei den zuständigen Reichsstellen von der Angelegenheit etwas bekannt, noch liegt bei der Gesandtschaft von Mecklenbuig-Strelrtz ein solcher Antrag bis jetzt vor. Die gleich­zeitig aufgestellte Behauvtüng, daß vier andere Länder einen entsprechenden Antrag gestellt hätten, ist ebenfalls unrichtig. Den Reichs­stellen liegt lediglich ein Brief des sächsischen Ministerpräsidenten vor, der sich ganz allge­mein unter Berufung auf die Notverordnung dafür ausspricht, daß alle Verbände, die ähn­lich wie die verbotenen nationalsozialifttschen Formationen einen Staat im Staate zu bil­den geeignet wären, wie dje erwähnten Or­ganisationen behandelt werden sollten.

Da nach neueren Meldungen Mecklenburg- Strelitz sich lediglich einem Berbotsantraq anschließen wollte, so wäre also bisher auch formell für den angeblichen Schritt her Re­gierung von Mecklenburg-Strelitz {eine Eirund» läge vorhanden.

Untersuchung über dos B-tz-hen einer T'cke?« im Braunen Haus.

München, 20. April. Halbamtlich wird bekannt gegeben: Zu dem Artikel .Tic Tscheka im Braunen Haus Merkwürdige Justizmethoden" in Rr. 90 derMünchener Post" vom 19. April wird mitgeteilt:

Schon bevor dieMünchener Post" vom 8. April das Bestehen einer Tscheka-Organi- sation im Braunen Haus behauptet hat, war gegen einen der NSDAP, nicht mehr äuge- hörenden Fabrikanten ein Ermiltlungsverfab- ren wegen eines Vergehens der Auftorderung zur Beseftigung von bestimmten Angehörigen der NSDAP, emgeleftet. Die Ermittlun­gen führten am 7. April zur Festnahme von sechs Personen. Gegen den erMhnten Fa­brikanten hat das Amtsgericht München we­gen dringenden Verdachtes eines Vergehens nach § 49a StGB. Haftbefehl erlassen.

Nach dem Erscheinen des Artikels der Münchener Poll" vom 8. April wurden bte Ermittlungen auf das dort behauptete Be­stehen einer Tscheka innerhalb der NSDAP, ausgedehnt. Die Erhebungen sind noch nicht abgeschlossen. Begründete Anhalts­punkte für das Bestehen einer Tscheka im Braunen Haus haben sich bisher nicht ergeben.

Die Reichsleituug der NSDAP zu den bessischen Matrialoeröffentlichungen.

München, 20. April. Ein- Mitteilung der Reichsleitung der NSDAP zu den Er­klärungen der hessischen Regierung über neu- entdccktes Material zu dem sogen.Box- Heimer Dokument" besagt, daß ihr von dem Voxheimer Entwurf nicht das geringste be­kannt gewesen sei, ehe er seinerzeit amtlich der Oenentlichkeit übergeben worden sei. Das sogen. Boxheimer Dokument stelle nach wie vor die Privatarbeit einiger Mitglieder der NSDAP in Hetzen dar.

DerRote Frmitkämpferbmid" wurde illegal fortgeführt.

Berlin, 20. April. Der Polizeipräsi­dent teilt mit: Die nach längeren Beobach­tungen am gestrigen Tage vorgenommenen Haussuchungen bei Funktionären desAnti­faschistischen Kampfbundes" und des sog. Roten Frontkümpferbundes" haben ergeben, daß der verboteneRote Frontkämpferbund" illegal fortgeführt wurde, lieber den Um­fang und die Bedeutung des Fortsetzungs- versuches kann im Augenblick noch nichts ge­sagt werden. Festgestellt wurde, daß der Tischler Emil Paftrath. der Maler Wilhelm Mohn und der Reichstag-ahgeordneie Paul Hornick maßgebend an den Verbuchen beteiligt gewesen sind, den RFB. illegal sottzuführen. Cb die oben genannten Organisationen, der Antifaichistiichc Kampfbund" und derAr- beiterschutzenbund" mit den Angelegenheiten des verbotenen Rotfrontkämpserbundes zu tun hatten, wird noch geprüft.