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Rach Feierahen-

Unterhaltungs-Beilage der Oberhessischen Zeitung

Ein MM wird gesucht

Pluto war nicht der richtige. Wer stört die Bahnen non Uranus und Neptun? 3e 650 Jahren einmal am die Sonne.

Von H. Ernst Uhde.

Störungen in den Bahnen der Planeten Uranus und Neptun hatten die Astronomen schon seit geraumer Zeit mir den Gedanken gebracht, daß die Ursache dieser Unregel­mäßigkeiten im Vorhandensein eines noch un­bekannten Wandelsterns zu suchen sei, der durch seine Masse die genannten Planeten von ihrem berechneten Laus ablenke. Groß nxir daher die Freude, als es im März 1929 gelang, etwa an der von dem Astronomen Lowell berechneten Stelle am Firmament in der Tat einen bis dahin unbekannten Plane­ten festzustellen. Er wurde unter dem Namen Pluto als neunter in die Familie der die Sonne umkreisenden Wandelsterne aufge- uommen.

Inzwischen haben sich nun starke Zweifel erhoben, ob Pluto tatsächlich der so lange Kchte Störer der Neptun- und Uranus- nen ist. Wenn er auch an dem von Semen berechneten Ort gefunden wurde, so lassen doch verschiedene Umstände die erwähn­ten Zweifel berechtigt erscheinen.

Der verhältnismäßig geringe Sonnenab- stand spielt dabei die nebensächlichste Rolle: umläuft doch auch der nach dem gleichen Ver­fahren wie Pluto errechnete Neptun unser Zentralgestirn in viel kleinerem Abstand als zuvor angenommen.

Nun verhält ssch aber Pluto in mehr­facher Hinsicht anders als die übrigen Plane­ten. Im Gegensatz zu deren nahezu kreis­förmigen und in derselben Ebene liegenden Bahnen ist die Plutos stark elliptisch: seine Entfernung von der Sonne schwankt zwischen 4,5 bis 7,5 Milliarden Kilometern. An ein­zelnen Stellen schneidet die Pluto- Bahn so­gar die Neptuns. Da aber beide um 17 Grad gegeneinander geneigt sind, die beiden .Sterne sich daher nie näher als etwa eine Milliarde Kilometer kommen, besteht nicht die Gefahr eines Zusammenstoßes.

Als diese Elemente seiner Bahn bekannt wurden, hielt man den süngsten Planeten viel­fach für einen Kometen: indessen hat sich seine Planeten-Eigcnschafl inzwischen zweifelsfrei herausgestellt, wenn er auch der gesuchte Wan­delstern nicht sein kann. Dagegen spricht in erster Linie die zu geringe Größe und damit zu Heine Masse, die unmöglich die Bet Uranus und Neptun beobachteten Unregelmäßigkeiten verursachen kann. Die ursprünglichen Berech­nungen hatten eine Masse mindestens gleich der unserer Erde erwarten lassen, in Wirk­lichkeit dürfte sie bei Pluto kaum ein Zehntel davon ausmachen. Wenn wir sie auch nicht genau messen können, so läßt sie sich doch auf mittelbarem Wege recht zuverlässig er­mitteln. Pluto erscheint uns als Stern 14. oder 15. Größe. Mangels eigenen Lichtes kommt von ihm nur reflektiertes Sonnenlicht zu uns. Wissen wir aber, wie viel von dem auf ihm einfallenden Licht der Planet auf die Erde zurückstrahlt, so können wir auch seine Größe berechnen. Angenommen, Plutos Oberfläche werfe das Licht ebenso schlecht zurück wie der Mond, dann kann der Planet nicht viel größer sein als Merkur. Rellektiert er aber besser, d. h. strahlt sedes Quadratkilo-.

500 Fahre Genter Altar

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Singende Engel, ein Ausschnitt aus einem Flügelbild des weltberühmten Genter Altars, der am 6. Mai 1432 in der Kathedrale zu Gent aufgestellt wurde. Die wertvollsten Tafelbilder des Altars, dessen Hauptteil von Hubert van Eyck und dessen Flügelbilder von '

Ian Eyck gemalt sind, waren früher in dem Berliner Kaiser-Friedrich-Museum ausgestellt, sind aber seit dem Frieden von Versailles wieder mit dem übrigen Altar in Eent vereinigt.

meter seiner Oberfläche mehr Licht zurück als die des Mondes, etwa soviel wie die des Jupiter oder gar Uranus, so muß der lctzt- entdeckte Wandelstern natürlich noch Reiner sein. Der für ihn berechnete Durchmesser von 6000 Kilometern dürfte eine Hvchstzahl dar­stellen, und da man annehmen darf, daß die Dichtigkeit etwa der der übrigen Planeten entspricht, also ungefähr um die des Wassers liegt, kann seine Masse unmöglich viel mehr als ein Zehntel jener der Erde ausmachen, und Pluto kommt als Störer der Uranus» und Neptun-Bahnen nicht länger in Frage.

Wer ist dann aber der Sünder, den man seit einem Vierteljahrhundert sucht und den man noch nicht fand, da man in Pluto offensichtlich den Falschen erwischt hat. Es besteht nur die Möglichkeit, daß unser Sonnen­system noch einen zehnten vielleicht noch weitere? Planeten besitzt, den die Astro­nomen nur noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Aber-wenn auch noch kein mensch­liches Auge den Unbekannten erblickte, wir wissen über ihn doch schon ganz gut Bescheid.

Vor htrzem gab der bekannte Astronom W. H. Pickering, der gleich Lowell schon seit Jahren den transneptunischen Planeien sucht, die Ergebnisse seiner jüngsten Berechnungen bekannt. Seine Arbeiten sind um so interes­santer, als er sich eines ganz neuen Verfah­rens bediente. Pickering stützt seine ^Berech­nungen nämlich nicht allein auf die Störun­gen in der Neptun- und Uraiuisbahn. sondern

auch auf das Verhalten von etwa 16 Ko­meten. Diese, mit einer mittleren Umlaufs­zeit um die Sonne von 500 Jahren, bilden anscheinend eine sogenannte Kometenfamilie, wie sie fast jeder Planet aufweist, sind mit­hin vermutlich Opfer der Anziehungskraft eines unbekannten Planeten, dessen Entfer­nung von der Sonne rund elf Milliarden Kilometer betragen muß. Daraufhin hat nun Pickering berechnet, daß der gesuchte zehnte Planet sich gleich Pluto in stark elliptischer Bahn um das Zentralgestirn bewegt, dazu aber 650 Jahre braucht fPluto nur 250), während die Entfernung von der Sonne zwi­schen acht und vierzehn Milliarden Kilometern schwankt.

Bei einer so ungeheuren Entfernung, die etwa dem fünfundsiebzigfachen Abstand der Erde von der Sonne entspricht, kann der un­bekannte Planet die beobachteten Störungen nur aut Grund einer sehr großen Masse Her­vorrufen. Pickering nimmt den Durchmesser dieses Planeten daher auch mit 70 000 Kilo­metern an, also dem Fünffachen des der Erde. Während Pluto selbst in den stärksten Fern­rohren nur als Lichtpünktchen erscheint, muß der Unbekannte, obwohl doppelt so weit ent­fernt, deutlich das Bild einer Scheibe zeigen. Er wird vermutlich zur 13. Größenklasse ge­hören. Wie man sieht, wissen wir schon aller­lei über den noch nie gesehenen Himmelskör­per: jetzt gilt es nur noch, ihn auch zu finden. Aber das kann nur eine Frage der Zeit sein.

ffianterang und Mattierung een Suchen

Von Wilhelm Hochgreve.

Bei den Fischen ist die Hauptursache des Wanderns der Fortpflanzungstrieb, daneben das Suchen nach nahrungsreicheren Gewäs­sern. Viele Arten gehen gerade nach dem Laichen auf die Reise, weil das durch den Fortvflanzungsvorgang gesteigerte Nahrungs­bedürfnis sie dazu zwingt. Die Frage, wes­halb die Fische zur Ablagerung des Laiches oft ungeheuer weit entfernte Gewässer auf­suchen, ist nicht schwierig zu beantworten. Strömungs- und Wasserstandsänderungen. Ab- und Zunahme des Salzgehalts. Aende- rungen der Wassertemperatur und des Sauer­stoffgehalts zwingen vor der Laichzeit zu einer Veränderung derStandorte" und können auch die Ursache der Minderung der Nah- rungsmöglichleiten fein.

Mit der gleichen Sicherheit wie die Vögel wissen die Fische zur Zeit der Fortpflanzung ihreHeimat" aufzufinden. Die größten Wandlungen kennen wir bei den Aalen und Lachsen. Weshalb sie so außergewöhnlich weit führen, vermag ssch die wissenschaftliche Forschung, die sich gerade diesem Phänomen besonders gewidmet hat, nicht zu erklären. Die Aale wandern vorder Laichzeit aus den Flüssen in der Meerestiefe viele Taulende von Kilometern weit, um in der Nähe des Golfs von Meriko zu laichen, und die jungen Aale brauchen drei Jahre, um den Ozean Bts zu den Küsten Europas zu durchqueren.

Entgegengesetzt verläuft die Entwicklung des Lachses, der sich im Meerwasser zum Laich- fisch entwickeln und dann ebenfalls bis mehrere tausend Kilometer zum Laichen in die Flüsse hinaufsteigt, deren Quellgebiet selbst ihm nicht zu weit entfernt ist. Wanderer sind auch fast alle Süßwasserfische, so Forellen, die ge­wöhnlich zum Laichen ihre Standorte (tm weitesten Sinne zu verstehen!) wechseln, eben­falls die Weißfischarten, so wie Stör und

Neunauge.

Die Forschung hat es außerordentlich schwer die Wanderwege, Schnelligkeit und Ziele der reisenden Fische genauer festzustellen, well der sehr empfindliche Wasserbewohner sich nicht so leichtmarfieren" läßt wie der Vogel oder das Säugetier. Hinzu kommt, daß Mar- kierungsversuche durch Beschneidung von Flos­sen, Durchbohrung von Kiemendeckeln und andere, sofern sie überhaupt erhalten Bleiben, weit leichter übersehen werden als em Ring am Dogelfuß oder eine Ohrenmarke am Löf­fel des Hasen. Trotzdem ist es im Laufe der Zeit gelungen, auf 'diese Weise festzustellen, daß z. B. der Aal in 24 Stunden rund 35 Kilometer wandert. Sehr verschieden ist die Geschwindigkeit bei der Meerwanderung des Lachses. Es wurden in einem Monat 270 Kilometer, in einem andern Fall für 8 flöge 450 Kilometer festgestellt. Sollten die m der letzten Zeit vorgenommenen Marfierun- gen durch MetallblSttHen an Kiemendeckeln und Flossen sich ohne Schaden für die Tiere weiter durchführen lassen, so wären Ergeb­nisse zu erwarten, die uns vor allem wichtige Aufschlüsse über die Schnelligkett des Wachs- tums gebön könnten.

Friedrich MM. der Kindrrsreund

(Zu seinem 150. Geburtstage am 21. April.)

Von Professor Dr. Gerhard Budde.

Man hat von Friedrich Fröbel nicht mit Unrecht gesagt, er habe das Werk Pestalozzis fortgesetzt. Er berührt sich mit diesem in sei­ner Liebe zur Kinderwelt: auch stellt er wie dieser als Erziehungsziel die Entfaltung der angeborenen Kräfte und Anlagen auf und «nacht die Anschauung zur Grundlage der Er­kenntnis. Aber während Pestalozzi das Kind mehr als ein wahrnehmendes Wesen ansieht und behandelt, erkennt Fröbel in ihm vor allem die darstellende, schaffende Tätigkeit. Dieses Wesen zeigt das Kind schon im frühe­sten Alter beim Spiel.

Mit diesen Gedanken kam Fröbel nach sei­ner Rückkehr aus der Schweiz, wo er Direktor des Waisenhauses in Burgdorf gewesen war, nach Blankenburg bei Rudolstadt in Thürin­gen. Vor hier aus trat derKindergarten" später seinen Siegeszug durch die ganze Welt an. Fröbel kleidete damals diesen Gedanken in die Worte:Der Geist bedarf notwendig, um sich durch Selbstdarstellung zur Selbst­erkenntnis zu erheben, des Stoffes: er, der Geist, bedarf des Stoffes, um sich durch Dar­stellung an und durch denselben, durch Bear­beitung desselben zu entwickeln... Der Er­ziehung Erstes muß darum jein: dem Men­schen als Kind angemessenen Stoff zur Ge­staltung zu geben."

Aus solchen Erwägungen sind die Spiel- und Beschäftigungsmittel heroorgegangen, die Frö­bel für die Kinderwelt ersonnen und zur Ver­

fügung gestellt hat. Vom Jahre 1838 an ent­standen zunächst seine sogenanntenGaben". Die erste von ihnen ist der Ball als einfachste Körpergestalt, die zweite eine hölzerne Kugel von der Größe des Balles und ein hölzerner Würfel, dessen Kanten so groß sind wie die Achse der Kugel; die dritte Gabe ist ein nach jeder Seite hin einmal geteilter Würfel und besteht aus acht Teilwürfeln, die vierte Gabe besteht aus einem in acht flache Bauklötzchen geteilten Würfel, die fünfte Gabe aus einem zweimal in jeder Richtung durchschnittenen Würfeln, also aus 27 Teilwürfeln, und die sechste umfaßt 27 Bauklötzchen, von denen mehrere in doppelter Weise geteilt sind. Zu diesen Gaben tarnen Hann noch andere Beschäf­tigungsmittel hinzu, so z. B. Kästchen mit 4 bis 56 Legetäfelchen oder mit verschieden lan­gen platten Hölzchen zum Stäbchenlegen, Holz­stäbchen für die Erbsenarbeiten. Später fügte Fröbel noch weitere Beschäftigungsstoffe hinzu wie das Flechten, das Falten, das Ausschnei­den, das Schnüren und Verschränken.

Zu diesen Kinderspielen sollte in einer be­sonderen Anstalt Anleitung gegeben werden, die FröbelAnstalt zur pflege des Veschäs- tigungstriebes für Kindheit und Jugend" nannte und zu deren Begründung ihm die Fürstliche Regierung in Rudolstadt die Ge­nehmigung erteilte. 2n dieser Anstalt wur­den besondere Kurse für Kinderführer abge­halten. Mir dem ersten Ausbildungskursus eröffnete Fröbel aber zugleich im Juni 1839 eineSr.tel und Beschäftigungsanstalt", in der bald 40 bis 50 Kinder aller Stände Aufnahme fanden. Damit war der Grund zu demKin­dergarten" gelegt, der einmal eine Er­ziehungsanstalt für noch schulpflichtige Kinder

und andererseits eine Schule zur Ausbildung von Kinderführern ober, wie man nachher sagte, vonKindergärtnerinnen" sein sollte. Als Geburtsjahr dieses Fröbel'schen Kinder­gartens setzt man das Jahr 1840 an. lieber die Einweihung des ersten Kindergartens in Blankenburg berichtet Prüfer in seiner Frö- bel-Viographie u. a. folgendes:Der Keil­hauer Anstaltschor trug zunächst den Verg- mannsgruß von Anacker vor. An das letzte Glück auf!" desselben schloß bann Fröbel seine Festrede an. .Einladende Worte' nannte er sie selbst. Die ganze Feier bezweckte im Grunde nur, die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf das geplante große Erziehungswerk zu lenken... Rach der Rede führten die Kin­der der Blankenburger Spiel- und Beschäf­tigungsanstalt eine Anzahl Fröbel'scher Spiele vor."

Run wurde es Fröbels Hauptstreben, überall in Deutschland solche Spielanstalten, die er jetztKindergärten" nannte, ins Leben zu rufen.

Der Zweck der Kindergärten sollte nach sei­ner Meinung sein,Kinder des oorschulpslich- tigen Alters nicht nur in Aufsicht zu nehmen, sondern ihnen auch eine ihrem ganzen Wesen entsprechende Betätigung zu geben, ihren Kör­per zu kräftigen, ihre «inne zu üben und den erwachenden Geist zu beschäftigen, sie finnig mit der Natur und der Menschenwelt bekannt zu machen, besonders auch Herz und Gemüt richtig zu leiten und zum Urgrund alles Le­bens (Gott), zur Einigkeit mit sich zu führen."

Fröbel erstrebte also mit seinen Kindergär­ten hohe Ziele. Da kann man verstehen, wie niederschmetternd es ihn treffen mußte, als plötzlich die damalige preußische Regierung die

Gründung von Kindergärten verbot. Man hat diese unverständliche Maßnahme auf eine Namens-, Personen-, Sach- und Bestrebungs­verwechselung zwischen Karl Fröbel und Friedrich Fröbel zurückführen wollen, und diese mag auch anfangs mitgewirkt haben. Aber hauptsächlich war sie doch wohl dadurch veranlaßt, daß in gewissen reaktionären Krei­sen Preußens Friedrich Fröbel tatsächlich in dem Verdacht atheistischer und sozialiftischer Bestrebungen stand und als Demagoge"^ ge­fürchtet wurde; und nur so ist es zu erklären, daß auch nach Fröbels eingehender Recht­fertigung das Verbot nicht aufgehoben wurde. Der Kummer darüber hat an Fröbels Lebens­kraft gezehrt und seinen Tod beschleunigt. ,

So hat er es leider nicht mehr erlebt, dag feinKindergarten" nicht bloß in Deutschland, sondern bald auch in der ganzen Welt Ver­breitung fand. Fröbel würde in der Ge­schichte der Pädagogik schon auf Grund seiner allgemeinen pädagogischen Gedanken, die er in seinem WerkeMenschenerziehung" nteber- gelegt hat, als einer ber großen deutschen Er- zieher weiterleben, aber den Weltruf, den er hat und auch in Zukunft behalten wird, Der» dankt er doch in erster Linie dem aus seiner Liebe zur Kinberwelt unb seinem fiinen Ver- stänbnis für biese entsprungenenFröbel'schen Kindergarten".

Fröbel starb in Marienthal bei Eisenach. Auf seinem Grab auf dem Friedhof des Dorfes Schweina bei Liebenstein errichtete man aus Würfel, Kugel und Walze ein Denk­mal, das die Inschrift trägt:Kommt, laßt uns unfern Kindern leben!" Das hat Fröbel, der Kinderfreund, in vorbildlicher unb auf­opfernder Weife getan.