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Rk. 92.

Obetfeffif* Settinm. Mardis <t L. Mittwoch, ben 20. April 1932

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Falsche Einstellung

Die Frage des Verbots der national­sozialistischen Organisationen ist durch de» Brief des Reichspräsidenten an den Reichswehrminister, sowie durch die Aeuherungen des Letzteren zu der Ange­legenheit in ein neues Stadium getreten.

Das Verbot der SA. ist bereits von der gesamten nationalen Presse als das be­zeichnet worden, was es ist, als eine po­litisch höchst btt>enkliche Mahregel, deren Zweckmäßigkeit fast überall verneint wurde, und deren Wirkung ganz überwie­gend anders beurteilt wurde, als offenbar in Berlin. Schon, dah zu dieser Mahregel eine Notverordnung notwendig war, zeigt, wie wenig man an den entscheidenden Stellen sich bewußt ist, dah eine Notver­ordnung heute in Deutschland schon an sich einen Klang hat, der zum Widerstand herausfordert. Bedenklicher erschien es, daß diese Notverordnung in ihrer An­wendung gegen die Gegner des Reichs­präsidenten von 13. März und 10. April, und zwar einseitig, ganz zweifellos den Reichspräsidenten auch bei vielen seiner rechtsgerichteten Wähler in ein schiefes Licht brachte.

Wer zudem in den letzten Tagen die Versuche gesehen hat, Hindenburg als Schirmherr einer Koalition auszurufen, deren wesentliche Teile die Parteien der in Preußen herrschenden Koalition find, der hat hier bedenklich st e Zusammen­hänge oder Beeinflufiungen vermutet, Sen die jetzt der Reichspräsident öffent- das Wort ergriffen hat.

Der Brief des Reichspräsidenten 'von Hindenburg an den Innen- und Wehr­minister gibt offenbar ein Bild von den Bedenken, die Hindenburg mit großem Ernst aus seinen alten Wählerkreisen vorgetragen worden sind. Der Reichs­präsident hat sich zu dem ungewöhnlichen Schritt der Veröffentlichung dieses Briefes an Groener wohl nur entschloßen um zu zeigen, daß der Vorwurf der Einseitigkeit bei Anordnung mindestens nicht ihm ge- macht werden kann. Die darin liegende Kritik des Reichswehrministers ist in vol­ler Schärfe zu verstehen. Aber Hinden­burg würde die Prüfung dieses Materials von dem er spricht, nicht öffentlich'verlangt haben, wenn er nicht von vornherein überzeugt wäre, daß es ausreichte, um ein Verbot der „Eisernen Front", um die es ja im wesentlichen geht, nunmehr auch zu rechtfertigen. Die Sachlage ist klar. Die Unterschiede in der Auffassung sind so be­deutend, daß in früheren Zeiten nur eine Konsequenz möglich gewesen wäre.

Reichsminister Groener spricht davon, daß er bereits seit langem von der Ge­fährlichkeit der SA. überzeugt gewesen sei. In der Tat ist schon öfters von evtl. Verboten die Rede gewesen. Man hat aber früher immer vermutet, daß ein Verbot der SA. nicht war, weil man sonst auch das Reichsbanner hätte verbieten müßen. Groener meint, die Eiserne Front habe einzelne Auswüchse beseitigt und könne nun toleriert werden, und er sieht die Zu­kunft aller der Bestrebungen, wie sie in diesen Verbänden gepflegt werden soll­ten. in einer allgemeinen Wehr­sportbewegung der deutschen Jugend. Nach den Dutzenden von Legalitätserklä­rungen nationalsozialistischer Parteiführer bleibt es unverständlich, warum ausge­rechnet die SA. gefährlicher sein soll als die Eiserne Front, die doch ganz offen mit dem Gedanken des Bürgerkrieges gespielt hatte. Die Einzelheiten sind zu bekannt. Es ist erfreulich, daß der Wehrminister die Notwendigkeit des Wehrsportes anerkennt. Aber man muß sich doch fragen, warum ist denn der Gedanke wehrsportlicher an Par­teien und Weltanschauungen geknüpfter Verbände bei der Deutschen Jugend auf so fruchtbaren Boden gefallest? Doch nicht zuletzt darum, weil die deutsche Jugend eine Förderung dieses Gedankens von sozialistisch-pazifistischer Seite niemals ge­sehen und gefühlt hat. Die „Eiserne Front" und das „Reichsbanner" haben sich immer nur als Schutztruppe der Repu­blik bezeichnet, find mit pazifistischen Ideen durchsetzt unb haben gerade in den Reden ihrer Führer immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß der Kampf vor allem einer nationalen Wehrbewegung gälte. In den Gruppen dieser nationalen Wehrbewegung aber ist gerade der Ge­danke auch der nationalen Stählung in Geist und Körper alF ein wertvolles Gut unseres gesamten Volkes behütet worden. Auch die Führer dieser Bewegung wißen, daß es nicht gilt, einen Krieg vorzube­reiten, daß das ohnmächtige Deutschland uicht in Abenteuer gestürzt werden kann. Aber sie wißen auch, daß ein Volk ver­loren ist. das sich selbst aufgibt.

Den Wehrgedanken in dieser Form will auch Herr Groener pflegen, ein Verbot der Verbände wäre demnach nicht nötig gewesen, wenn man die Kräfte zusam­mengefaßt hätte! Das Volk sieht die Maßregel heute im Zusammenhangs mit den Bestrebungen, die darauf ausgehen, gewißen Parteien und Koalitionen die

Wenn man Ra-io verschluckt

Große Aufregung um einen geheimnisvollen Diebstahl

Dor kurzem war die leitende Aerzte- schaft des Lyoner Stadtkrankenhauses m nicht geringe Aufregung versetzt worden. Das kostbarste Gut des medizinischen La­boratoriums, das Radiumpräparat war auf irgend eine Weise entwendet worden. Nicht nur die Aerzteschaft war in einer großen Aufregung, sondern begreiflich« Weise auch die zum Teil totkranken Patienten, deren allerletzte Lebenshoff­nung auf diesem Präparat des kostbarsten Elementes der Erde hing. Sollte ihre Kur nun plötzlich unterbrochen werden?

Wo so schnell einen Ersatz herbekom- me»? Wo vor allem die Geldmittel da­für aufbringen? Ein Gramm Radium kostet immer noch 250 000 bis 400 000 Mark. Es werden nur wenige Gramm jährlich gewonnen. Die ganze Stadt Ber­lin, in allen *Ijten Krankenhäusern, Kliniken und Laboratorien, besitzt zum Beispiel nur % Gramm dieses Stoffes. Die Radiumausstrahlungen find bisher das einzige Mittel, das erfolgreich gegen die Krebskrankheit angewandt werden kann.

Natürlich herrschte über diesem Lyoner Diebstahl die größte öffentliche Be­unruhigung. Die ganze örtliche Preße

brachte spaltenlange Berichte, und wußte von zurückliegenden Fällen in anderen Staaten zu berichten, wo in Kranken­häusern die Patienten selbst in ihrer Todesfurcht sich des Radiummittels zu bemächtigen versuchten, in der Hoffnung, durch Einnehmen größerer Mengen schneller geheilt zu werden. $um Glück malten die Zeitungen die damit verbun­dene Gefahr der Patienten in_ den grausigsten Bildern aus. In größeren Mengen eingenommen werden die ganzen inneren Gewebe und Organe zerstört.

Kaum war eine dieser Zeitungen in das Krankenzimmer des Lyoner Krankenhau­ses gedrungen und gelesen worden, als mit lautem Aufschrei und in heftigem Tränenkrampf einer der Kranken sich mrt seinen letzten Kräften aufraffend direkt in das Zimmer des Chefarztes lief. Nun hatte er es mit der Angst bekommen, denn er hatte den Diebstahl begangen. Glücklichen Zufällen konnte er es ver­danken, daß er das Element sofort wieder hergegeben hatte. So war er gerettet, und es wird wohl kein Patient des Lyoner Krankenhauses mehr auf den Ein­fall kommen, sich aus eigener Macht­anmaßung dieses so heilsame und doch so gefährliche Medikament einzugeben.

SO Fahre St. Gottbar-Dahn

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Die Süd-Einfahrt des 14 km langen St. Gotthard-Tunnel, des technischen Meisterwerkes der St. Eotthatt>-Vahn. deren Bau 10 Jahre dauerte. 1852 konnte dann die Bahn, die lange Zeit die berühmteste Alvenbahn war. dem Verkehr übergeben worden

Macht zu erhalten und neue Bewegungen 'on dieser Macht fernzuhalten, von denen wir in den letzten Monaten genügend ge­sehen haben. Dafür sprach vor allem auch die Einseitigkeit des Verbots, zu der sich auch der Reichspräsident nunmehr in so klarer und und seinem großen Charakter voll entsprechender Weise geäußert hat.

Uns scheint, als pb alle diese Versuche aus einer völlig falschen Einstellung zu der nationalsozialistischen Bewegung her­vorgehen. Ganz abgesehen von der tn Deutschland üblichen, seit 1918 geläufigen Gleichsetzung von Regierung und Vater­land, die gerade in einer Demokratie nicht zu verantworten ist, muß doch immer wie­der betont werden, daß das Problem seit dem 14. September 1930 für jeden Den­kenden nur darin liegt, daß die national­sozialistische Bewegung nicht in der Nega­tion erhalten werden, sondern zur Ver­antwortung herangelaßen werden soll. Mag man zu ihr im einzelnen stehen wie man will, mag man sie für sich ablehnen, die Politik Des Ganzen verlangt es. Wenn unsere Linkspresse so tut, ob es sich bei den dreizehn Millionen Hitlerstimmen um Narren und Meuterer handelte, so zeigt sie, daß sie in ihrer Ueberheblichkeit von den im Volke herr­schenden Strömungen nicht Notiz zu neh­men gewillt ist. Solche Bewegungen laßen sich nicht tottrampeln. Jeder Versuch dazu führt ihnen nur neue Kräfte zu, die dem Protest des Volkes zum Ausdruck verhel­fen. Es ist auch unsinnig, die nationale Gesinnung dieser Kreise verketzern zu wol­len. Sie muß und wiid fruchtbar gemacht werden. Auf das Wann und das Wie kommt es an. Wir können an dieser Stelle nicht alle die Gründe aufzählen, die das Anwachsen einer Bewegung mit fast elementarer Wucht begünstigt haben. Die Krise der Weltanschauungen, die Krise der Wirtschaft und des Kapitalismus, vor al­lem aber die Not, innere und äußere, un­

seres geknechteten Volkes haben zum Pro­test geradezu herausgefordert. Neue

Wege werden gesucht, das ist das

Wesen unserer Zeit. Auch die Na­

tionalsozialisten werden nicht glauben, daß alle ihre Wähler ihr Programm kennen und billigen. Es handelt sich um die Ten­denz der Richtung. Die politische Situation von heute hat die Bewegung so groß wer­den laßen ohne Rücksicht darauf, ob der einzelne Wähler das Programm für durch­führbar hält oder nicht, und die Preußen- wahlen werden zeigen, daß der allgemeine Unwille werter Kreise des Deutschen Vol­kes sich insbesondere dagegen richtet, wie in dem größten deutschen Staate unter sozialistischer Führung regiert wird, wo­von auch die Nationalsozialisten nicht zu­letzt infolge der falschen Politik ihnen gegenüber den Riesenvorteil haben dürften.

Die Ereigniße der letzten Monate und nicht zuletzt das Verbot der SA. haben gezeigt, daß an den meisten Stellen der jetzigen Regierung der Versuch gemacht wird, den Dingen mit den sogenannten kleinen Mitteln zu Leibe zu gehen. Der Versuch wird fehlschlagen, weil er fehl­schlagen muß. Mit dem „Optieren für die Linke", wie es Herr Groener tut, und wie in einem Berliner Blatte seine Hal­tung bezeichnet wurde, läßt sich das Pro­blem nicht lösen. Es kann die Entwick­lung nur beschleunigen und die Gegen­sätze bis zur Siedehitze verschärfen.

Professor Dochvw gestorben.

Gestern früh ist in Heidelberg im Alter von 58 Jahren der Staats -und Verwal­tungsrechtler Professor Dr. Fran; D o ch o w gestorben, der zugleich nebenamtlicher Dozent an der Handelshochschule Mannheim war.

Aböls Hitler

Am 20. April 1932 wird Adolf HÄ«, der Führer der deutschen Fveiheiisbewe« gung, 43 Jahre alt. An diesem Tage wird Adolf Hitler tn einer Riefenversammlung auch in unserer Stadt sprechen. Bei dies ser Gelegenheit wird es interessieren« etwas über die Persönlichkeit des national« sozialistischen Führers zu erfahren. Hitler, der aus einer Kleinbauernfamilie stammt, wurde in dem altbaherischen Städtchen Braunau im Inn, später Oesterreich zugeschlagen, als Sohn eines Zollbeamten geboren. Der Tod der Eltern zwingt den Siebzehnjährigen, seinen Wunsch, Künstler zu werden, crufzugeben. Er geht nach Wien, wo er sich sein täglich Brot als Tauarbeiter, Betonmischer, später als Zeichner und Kunstmaler für Architekturen verdient. Jahrelang leidet er, der in die­ser Zeit seine ersten politischen Ersah« rungen gesammelt hat, schwere bittere 2Iot. Im Jahre 1912 geht er nach München, um dott unter Arbeit und Entbehrung zu lernen und zu studieren. Im Jahre 1914 meldet er sich, der für den österreichischen Heeresdienst nicht kräftig genug befunden war, als Kriegsfreiwilliger und echält durch einen Immediatgesuch an Kö­nig Ludwig von Bayern die Erlaubnis« in ein daheri'scheS Regiment ein« zurücken. Am 2. Dezember 1914 erhält der fünfundzwanzigjährige Kriegsfreiwil­lige das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Bald macht sich der Gefteite Hitler als Melde­gänger einen Namen. Am 7. Oktober 1916 wird er durch Granatsplitt« verwundet« Wieder genesen, erhält er eine Reihe wei­terer Auszeichnungen, darunter ein Re­gimentsdiplom für hervorragende Tapfer­keit, endlich das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Am 14. Oktober wird Hitler durch eng­lisches GelbkreuzgaS schwer verletzt. Als der vorübergehend der Erblindung Ter« fallene geheilt aus dem Lazarett entlassen wird, beschließt Adolf Hftl« angesichts der Revolution, Politik« zu werden. Im Jahre 1919 tritt er einem kleinen Verein von 6 Mann bei und gründet aus ihm die Rattonalsozialistische Deutsche Arbeiter- Partei. Er skizziert in großen Zügen das Programm, legt Ziele und Wege fest, or­ganisiert Propaganda und erfolgreiche Massenversammlungen gegen den Wahn­sinn von Versailles. 1921 wird der Kampf ber bereits Tausende umfassenden Partei gegen separattsttsche Bestrebungen in Bay« em ausgenommen. Der glühende Käpipscr erregt weiteste Aufmerksamkeit, erhält un­ausgesetzt Geldstrafen und wandert zum ersten Wal ins Gefängnis wegen Störung gegnerisch« Versammlung. Im Sommer 1923 nimmt Hitler einen siegreichen Kampf gegen den die Straße besitzenden Marxis­mus auf. Im November 1923 mißlingt Adolf Hitler der Versuch, das System zu stürzen. Der große Hitlerprozeß in Mün­chen im März 1924 endet mit der sachlichen Verurteilung Hitlers, aber mit einer mora­lischen Rechtfertigung, so dah ihm eine Be­währungsfrist ausg^P rochen wird. Adolf HÄ« kommt nach Landsb«g am Lech tn Festungshaft, während er durch seine Freunde gegen den Dawes-Paft Front machen läßt. Als Adolf Hitler am 20. Dezember 1924 die Festung verläßt, baut er die Bewegung von Neuem auf. Im Dezember 1925 zählt sie schon wieder 27 000 Mitglieder. Zentrum und Sozial* demokratte erlassen nunmehr ein zwei­jähriges Redeverbot gegen den uner­schrockenen Kämpf«, das 1927 wieder auf­gehoben werden muh. In diesem Jahre kann sich die Well erneut von der richtigen Voraussage HÄ«s über die Entwicklung der politischen Dinge überzeugen. Im De­zember 1928 besitzt die Junge Partei 12 Abgeordnete im Reichstag, am 14. Sep­tember 1930 107 Abgeordnete. Zur Zeit wnfaßt die NSDAP, über eine Million eingeschriebene Parteigenossen. Aus eige­ner Kraft hat der arme ^Arbeiter und un­bekannte Frontsoldat eine riesenhafte Or­ganisation geschaffen gegen alle Wider­stände der Parteien, der öffentlichen Mei­nung, der Lüge, des Terrors unb blutig« Verfolgung.

Deutsche Goldmünzen im Auslanb.

Im letzten Jahre sind in größerem Um­fange als in den vorangegangenen Jahren deutsche Goldmünzen, die in Händen auslän­discher Besitzer waren, wieder an'bie Deutsche Reichsbank zurückgekehrt. Im ganzen sind seit 1925 Goldmütyen im Wette von etwa 300 Millionen Reichsmark an die Reich-bcmI zurückgekommen, die von dieser in Barren umgeschmolzen wurden. Andererseits hat die Reichsbank allein im letzten Jahre Gold­münzen im Wette von etwa 60 Prozent aus« geführt.

Leo Falls Villa versteigert.

Auch ein Zeichen der Zett — Leo Fall hatte sich von den guten Kassenerfolgen sei­ner zahlreichen Operetten eine hübsche Villa bei Wien erbaut. Die Villa trug in dank­barer Erinnerung an seinen größten Erfolg, den der „Doliarprinzessin", diesen Namen „Villa Dollarprinzessin". Jetzt bat sie die Witwe, kaum sieben Jahre nach seinem Tode verkaufen müssen, durch Zwangsversteigerung. Der große, sehr gepflegte Garten und die kostbare Einrichtung haben nur 61 000 Matt eingebracht.

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