RkttwoS, Nn»0.aetl!1932
Die ^vberdessische Bettung' tf l^eint sechsmal wöchentlich. Be- MSpreis monoti-t Marburg 2.02 GM. ansschl. ZusielUmgsgebühr» hei unsren Agenturen 1,93 GM. jBjügL ZustestellnngSgebühr. durch hie Post 2.25 GM Für etwa hurch Streik, Maschtnendefekt oder elementare Ereignisse ausfallende glunuuern wird kein Lrsa» ge- leistet. Verlag, Dr. §. Hitzervth, Druck bet Univ-Buch druckeret zoh. Ang. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: £Rt M und Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt
M Rr. 5013, — Sprechzeit wt Aedaktton von »—15 und
•M—1 Ute
ÄötSttffltt
SeMSr
SberheUsche Zeitung
Anzeiger fßr (das frühere kurhessische) Oberhesse«
St. 92 «7.Mkg.
Marburg a. Laba
Der Anzelgenprek« beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimetcr 0.08 ®98„ Familienanzeigen bei Barzapl. 0.07 GAk., amtl. u. ane- wärttgeAu,. 0.10GM.S».-,. kleine Anzeigennach Spezialtarif.Srund- schrist: §olonel. Bei schwierig.Sav. sowie bei Piatzvors»r«st50'/° Aufschlag. — Sammel an,eigen 100% Aufschlag Rcklam.-Mill>m. 0.40 GM. Grundschrift: Petit. Jeder Rabatt gflt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Sffrrtru-Geb-Hrr 25 Pfg^ bei Zustellung der Angebote einschl. Porto —.60 GM. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Braun spricht im Rundfunk
Ein Rechenschaftsbericht des preußischen Ministerpräsidenten über sämtliche preußischen Sender in letzter Stunde
Berlin, 19. April. Der Amtliche Preu- tzische Pressedienst teilt mit:
Ausgehend von dem Stmtbpunlt, daß im Dollsstaal di« Staatsbürger vor der Wahl Anspruch darauf haben, einen Rechenschaftsbericht" der amtierenden Regierung zu erhalten, wird Ministerpräsident Dr. Braun am Sonnabend, dem 23. AprU, 7.30 Uhr. über sämtliche preußischen Sender über die Arbeit der preußischen Staats- regierung in den Jahren 1928 bis Anfang 1932, also bis zum Schlug der Legislatm- periode des jetzigen Landtages sprechen.
Gegen die sozialistisch« Vorherrschaft im Rundfunk.
Die „Landvolk-Nachrichten" wenden sich in scharfen Ausführungen gegen den übermächtigen sozialistischen Einfluh auf den Rundfunk. In dem Artikel heiht es u. a.:
„Der Rundfunk ist fast zur ersten Kulturmacht im Volke geworden. Man mühte eigentlich erwarten, daß Funkgesellschaften und beteiligte Staaten alles daran setzten, um in einer Zeit, wo neun Zehntel der Staatsbürger nicht in der Lage sind, Geld für Bücher oder Theater auszugeben und der Markt auf diesen Gebieten schon aus dem Grunde denkbar schlecht ist. wenigstens durch den Lautsprecher den gequälten Menschen Zerstreuung und Erholung durch qualitativ ausgezeichnete Darbietungen zu vermitteln.
Was jedoch vor allem in Preuhen geschieht, ist nicht mehr „Dienst am Kunden", um ein Wort aus dem Geschäftsleben zu gebrauchen. sondern Zweckpropaganda für „moderne" Kultur- ja Parteipolitik. Wir wollen einmal vom Berliner Rundfunk aus- gehen, weil er ja eine überragende Stellung einnimmt und auch meist für die Darbietungen der überall gehörten „Deutschen Welle" bestimmend ist.
Wen entrüstet nicht beispielsweise, dah ausgerechnet ein Alfred Kerr, der Vorkämpfer des „jungen Deutschland" vor vier Jahrzehnten, der Pazifist von Geblüt und Thea- terkritiler vom „Berliner Tageblatt", mit schöner Regelmäßigkeit Sonntag abends seinen zersetzenden Geist über Millionen von Hörern erziehen darf? Gibt es für „Tages- glossen" keinen christlichen Vertreter des nationalen Deutschlands? Machen sich die Herren des Sendes gar keine Gedanken darüber. dah prompt von allen Seiten ein stürmisches „da capo" ertönt, wewi einmal ausnahmsweise ein „Allberliner Tanzabend" oder em munteres Wander-Potpourri- oder österreichische Militärmusik auf dem Programm stehen? Nein, sie machen sich keine oder dürfen es nicht! Im Gegenteil, von Zeit zu Zeit muh sogar ein roter Gewerkschaftsbonze oder ein ähnliches Individuum revolutionäre Wirtschafts- oder Sozialpolitik schmetternd verkünden. — — — — — . — — —
Hier liegt das Geheimnis der parteipolitischen Abstempelung einer Institution, die von rechts wie links ihr Geld einkassiert, die Kultur verbreiten sollte, dafür aber „hei- lig-unheilige Nüchternheit" als sozialdemokratische Propaganda verzapft. Von christlicher Kultur, von deutschem Gemüt, deutscher Seele ist blutwenig zu spüren, obwohl der preuhischen Koalition eine Partei, das Zentrum angehört, die sich „christlich" uifb „deutsch" nennt. Ja, das Zentralorgan dieser Partei rühmte sich dieser Tage erst, kulturell „seine Pflicht getan" und „keinen Einbruch der Freidenker im die» christlichen Prinzipi-n zugelassen" zu haben. Dafür hat sie aber mehr als ein Jahrzehnt lang entscheidend dafür gesorgt, dah die Partei der Freidenker, die Sozialdemokratie, beinahe unumschränkt in Preuhen herrschen konnte.
Mit diesem Zustand muh Schluß gemacht werden, soll nicht altpreußische Kultur vollends der Vernichtung anheimfallen."
Deutschnationale Minister zu dem Verbot der SA.
Berkin, 18. April. Ein Berliner Blatt berichtet über eine Pressebesprechung der „jungen Rechten", auf der Reichsverkehrs- minijter Trevira nus sich über die Frage
des Verbots der SA. geäußert haben soll. Nach dem Bericht der Zeitung soll Rcichs- oerkehrsminister Treviranus folgendes erklärt haben: „Dah so unzweifelhafte Deutsch- nattonale wie die Minister Gürtner in Bayern und Dehlinger in Württemberg als Rufer im Streite um das SA.-Verbot aufgetreten seien, habe der Reichsregierung die Sache psychologisch etwas erleichtert."
Hierzu läht der württembergische Finanzminister Dr. Dehlinger folgendes erklären: Die Behauptung des Berliner Blattes ist eine glatte Lüge. Wie schon vor wenigen Tagen erklärt wurde, hat sich die württembergische Regierung und das württembergische
Staatsministerium mit der Frage der SA.- Auflösung überhaupt nicht befahl. Dehlinger kann schon aus diesem Grunde nicht ein Rufer im Streit um das SA.-Verbot gewesen sein.
Ebenso erklärt der deutschnationalebayensche Justizminister Gürtner, dah. soweit seine Person in Frage kommt, die Ausführungen des Reichsverkehrsministers durchaus unzutreffend seien. Minister Gürtner wird übrigens, wie wir erfahren, Ijiepu in den nächsten Tagen in aller OeffSittlichkeit Ausführungen machen, nachdem Minister T re- vir a n u s seine Ausführungen ebenfalls öffentlich gemacht hat.
Kein neues Moratorium
Amerika fordert Rüstungsbeschränkung und Revision
ff. Washington, 20. April. Die Ankündigung des britischen Schatzkanzlers im Unterhaus, daß keine Zahlungen an Amerika in das neue Budget eingestellt seien, erregte im Bundessenat Ueberraschung und Unwillen. Senator Reed sagte, er bezweifle, datz England seine Verpflichtungen an Amerika nicht ehrlich zu regeln bereit sei.
Für Amerika jedenfalls komme ein neues Moratorium nicht in Frage.
Senator B o r a h erflürte, das Hoover- Moratorium fei nicht im Interesse Englands, sondern Deutschlands proklamiert worden, und Amerika sehe keine Veranlassung, den Alliierten entgegenzukommen, solange sie nicht ihre Rüstungen herabsetzten, die Reparationsfrage lösten und den Versailler Vertrag revidierten. Weitere Opfer zu Lasten des amerikanischen Steuerzahlers seien • nutzlos. solange die gegenwärtige politische Konstellation nicht geändert werde.
Im Staatsdepartement erklärt man, von der britischen Regierung keine Venach- richttgung erhalten zu haben, daß sie keine weiteren Zahlungen an Amerika leisten wolle. Man legt Chamberlains Erklärung keine erhebliche Bedeutung bei, sondern nimmt an, datz die british Regierung Mr das Ergebnis der L a u -
der Verträge
Jänner Konferenz ab warten will, bevor sie diese Posten dem Budget einfügt. ^Hmerita droht mit Handelskrieg. r ft. Washington, 20. April. Das Staats- und das Handelsdepartement bereiten Noten an europäische und lateinamerikanische Negierungen vor, in denen Vergeltungsmatznahmen gegen Ausnahmezollbehandlung amerikanischer Waren angedroht wird.
Zunächst sollen solche Noten an Frankreich und Spanien und später an Deutschland. Oesterreich und besonders Strgen« timen gesandt werden. Hohe Regierungsbeamte rechnen bei den gespannten französisch-amerikanischen Handelsbeziehungen mit der Möglichkeit eines Handelskrieges.
Deutschland hat allein bezahlt.
sk. Washington, 20. April. Senator Borah stellte in einer bedeutsamen Erklärung über die Schuldenfrage fest, datz bisher kein Dollar Schuldenzahlung von ausländischen Steuerzahlern gekommen sei. vielmehr habe Deutschland für alle bezahlt. Solange für Rüstungen Riesensummen ausgegeben würden, könnte auch eine Herabsetzung der Schulden keine Besierung bringen.
ölt ermann wieder bei Groener
Berlin. 20. April. Reichsinnenminister Groener empfing, der „Vosiischen Zeitung" zufolge, gestern abermals den Bundesführer des Reichsbanners Karl Hölter manu, um die Durchführung des vom Reichsbanner eingeleiteten Abbaus der Sonderorganisationen zu erörtern.
Der braunschweigirche Innenminister Klagges in Magdeburg.
M a g d e b u i g. 18. April. In einer nationalsozialistischen Wahlversammlung sprach heute abend in der Stadthalle bei braunschweigische Innenminister Klagges. Er kam dabei auch auf das Verbot der SA. und SS. zu sprechen. Wenn die SA. und SS., so erklärte der Redner, die Auflösung so ruhig bin« genommen hätten, sei das kein Beweis der inneren Schwäche, wie man es hinge stellt habe, es fei vielmehr ein Beweis für die "Stärke der Bewegung. Die SA. und die
SS. seien nicht ein Verband, auch nicht ein Sportklub, wie ihn jetzt Herr Groener gründen wolle, sondern eine Organisation politischer Kämpfer, politischer Soldaten. Indem man ihre Sonderorganisation verbiete, könne man ihnen nicht verbieten, ihren politischen Kampf mit verdoppelter Energie fortzusehen. Vielleicht bedeute der Brief des Reichspräsidenten eine Art Morgendämmerung. Das deutsche Volk warte darauf, wann Dr. Groener dem Ansinnen des Reichspräsidenten, die Gesetze nach allen Seiten zur Anwendung zu Bringen, nachkommen werde.
Oeffentliche Anklage wegen der Mißhandlung des Prinzen August Wilhelm in Königsberg.
Berlin, 19. April. Wegen der Vorgänge auf dem Königsberger Bahnhof am 31. März 1931, bei denen Prinz August Wilhelm von Preußen von Poli- ^cibeamten mißhandelt wurde, ist jetzt durch Beschluß des Oberlandesgerichts in nwsberg in Preußen die öffentliche
Anklage wegen Körperverletzung im Amt gegen den Hauptbeschuldigten, Polizeimajor Krüger, erhoben worden.
Hitler in Marburg
Vor über 20000 Menschen spricht der Führer der Naiionalsozialistischen Dewe- gung heute abend in Marburg. Arbeiter, Angestellte und Studenten haben in harter ■arbeit auf der Dürgerwiese ein- Riesen« zelt aufgebaut, zu dem den ganzen Nachmittag Tausende und Abertausende wandern werden, um nach langem Warten eine kurze Stunde lang Adolf Hitler zu hören und zu sehen, der auch an feinem heutigen Geburtstag sich keine Mimtte der Rast gönnen will, da fein Leben nur die eine Parole kennt: Kampf für Deutschland« Freiheit!
Man mag zu der Nationalsozialistischen Partei stehen, wie man will, die Bewegung ist eine großartige, umwälzende Tat von geschichtlicher Bedeutung, sie ist das Werk eines Mannes, der vielen Millionen deutscher Menschen den Glauben an die Zukunft, das "Bertrauen zur bahnbrechenden Führung der Persönlichkeit und den Willen zur Freiheit wieder gegeben hat. Es wirk» sehr viel, und in mehr als nur einer Hinsicht mit Recht, über das Programm der Partei gestritten. Aber es ist doch nicht zu verkennen, daß der Politiker Adolf Hitler, der in der Partei nur ein Mittel zur Erringung der Wacht auf legalem Wege sieht, über die engen und bindenden Grenzen eines Parteiprogramms längst hinausgewachsen ist. Gewiß, er wird gerade deshalb vor die schwerste Aufgabe gestellt werden, wenn er als Führer einer durch eine großartige Propaganda riesenhaft angewachsenen Bewegung zur verantwortlichen Tat berufen wird. Gerade der polttische Journalist weiß, daß die zahlenmäßige lieberlegen« heil einer Partei nicht alles bedeutet, daß das Mitläufertum eine bedenkliche, oft eine abstoßende, immer aber eine unsichere und unberechenbare Erscheinung in der poltti- schen Entwicklung ist. Aber über diese Bedenken erhebt uns in dieser Stunde nicht nur die Verpflichtung, einer einzigartigen Bewegung von nationaler Kraft die aufmerksame und, wo eS nur irgend geht, auch zustimmende Beachtung zu schenken, wie wir es immer getan haben; sondern über starke sachliche Bedenken erhebt uns in dieser Stunde auch die menschliche und nationale Pflicht der Dankbarkeit. In einer Zett, in der Halbheit und Furcht, unentschlossener Intellekt und echt deutsche Eigenbrötelei die Aufgaben der Zett, wett entfernt davon, sie zu meistern, nicht einmal mehr zu sehen wagten, hat dieser deutsche Soldat Und Polttiker den Mut gehabt, über alles Trennende hinweg dem Volk große Ziele zu zeigen, neue Wege zu weisen, Vertrauen und Zuversicht in die Hütte des Geringsten und Derlassenen zu tragen.
Wenn jetzt Zehntausende Herbeiellen, diesen Mann zu hören und zu sehen, dann ist das doch nicht nur eine »Sensation" im geringschätzigen Simie des Wottes. Wer Httler, wie der Verfasser häufiger gehött hat, weiß, daß es ihm nicht um Sensationen zu tun ist, weiß, daß er es ehrlich meint, wenn er jede Verherrlichung feiner Person ablehnt und fordett, daß eine Versammlung nicht mit dem Ruf „Heil Httler!", sondern „Heil Deutschland!" beschlossen wird. Denn Hitler lehnt es, trotz gegenteiliger Unterstellung, ab, als ein „Messias" betrachtet zu werden. Er will ein Kämp f e r sein, der den Mut hat, das Selbstverständliche zu sagen und zu wagen, der nicht ruhen und rasten will, bis das deutsche Volk ohne Unterschied des Standes und Berufes wieder einig ist in dem Willen, vor das eigene