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Anzeiger für (bas frühere kurhessifchej Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Auch die Hitlerjugend verboten
Wird der Staatsgerichtshof angerufen? — Lebhafter Protest der nationalen Presse gegen die Verbote
i und ergie, ngen.
Lahrscheinlich wird der Staatsge- richlshof ««gerufen werden. Bor allem «uch deshalb, weil vielfach von der Polizei Material beschlagnahmt wnrde, was nicht j der SA. sondern ter Partei gehört.
Hitler-Jugend verboten.
8 e r l i n, 14. April. Wie wir erfahren, ist heute auch die Hitler-Jugend ver, i boten wordlen. Das Verbot erstreckt sich vorläufig nur auf den Eefamtbezirk Berlin. Es ist jedoch anzunehmen, daß fauch in anderen Teilen Preu-
Die Führer der NSDAP, beraten.
Berlin, 14. April. Die Führer der NSDAP, find fast vollzählig in Berlin versammelt und beraten zur Zeit mit Hitler und ihren Juristen im „Hotel Kaiserhof", welche Schritte gegen das SA- Perbot unternommen werden sollen.
jene das Verbot für das Weiterbestehen der Hitler-Jugend ausgesprochen wird.
Dieses Verbot ist umso unverständlicher, als es sich bei der Hitler-Jugend bekanntlich um 14- bis 18jährige Personen handelt, von denen niemand behaupten wird, daß sie eine Gefahr für den Staat darstellen könnten. 2m übrigen nimmt man an, daß dieser Verschärfung des SA.-Ver- dats in Berlin durch den Polizeipräsidenten Erzesinski das Verbot der Hitler-Jugend in anderen Teilen Preußens folgen dürfte. Von feiten der preußischen Regierung soll überhaupt beabsichtigt sein, alle nationalsozialistischen Sport- und Turnvereine unter dem Vorwande zu verbieten, daß sie als Fortsetzung der SA. und SS.-Formationen anzusehen seien. Offenbar glaubt man in preußischen Regierungskreisen mit diesen Verboten, Zwangsmaßnahmen, Haussuchungen usw. die nationalsozialistische Bewegung erfolgreich zu bekämpfen. Die Nationalsozialisten können sich jedoch damit trösten, daß politische Bewegungen im Lause der Geschichte noch niemals durch Zwangsmaßnahmen irgendwie dauernd geschädigt, bzw. besiegt worden find. 5m Gegenteil, politischer Druck hat fich immer in gegenteiliger Richtung ausgewirkt sodaß auch im vorliegenden Falle die polizeilichen Maßnahmen der NSDAP, nur neue Anhänger zuführen dürften. Dies wird sich am 24. April zeigen.
Nationalsozialistischer Bericht über die Aktionen im Reich.
Berlin, 13. April. Von nationalsozialistischer Seite wird erklärt, daß nach aus ollen Teilen des Reiches etngelaufenen Mitteilungen die Polizei die ihr durch die Notverordnung gegebenen Rechte weit überschreite und die Aktion nicht auf die SA. und SS. beschränke, sondern auch die politischen Stelzen der NSDAP, durch Haussuchungen be- östige und in ihrer Arbeit behindere.
So sei in München die Reichspressestelle der
SDÄP. von Beamten der politischen Po- izei besetzt und der dort anwesende außen- litische Referent Oberst a. D. Hasel- eyer mit der Pistole bedroht worden, ie Beamten hätten Oberst Haselmeyer auf« esordert, die Hände hochzu heben, was ieser mit der Begründung abgelehnt abe, daß er dies als alter Offizier nicht ge- rnt habe. In allen Teilen des Reiches seien ^ferner Reichstags- und Landtagsabgeordnete .der Panei festgenommen, die Arbeits- triume der Abgeordneten durchsucht und durch- »ühlt worden. Ein Ueberblick über die bisher durchgeführte Aktion lasse insgesamt er-
kemen, daß die NSDAP, von der Polizei als Freiwild betrachtet werde. 3n liebet« schreitung der durch das Gesetz vorgeschriebenen Grenzen der polizeilichen Befugnisse seien u. a. Wahlmaterial. Wahlunterlagen und anderes mehr der politischen Leitung der Partei beschlagnahmt und fortgeschafft und damit die NSDAP, der durch die Verfassung vorgeschriebenen Wahlsreiheiten verlustig erklärt worden.
Sobald sich ein genaueres Bild der Lage gewinnen lasse, werde die NSDAP, ihre Stellungnahme der Oeffentlichkeit übermitteln.
Ruhiger Fortgang der Aktion gegen di« SA. in München.
München, 14. April. Das Braune Haus in München ist von der Landespolizei um die Mittagsstunde noch immer besetzt. Die Polizeibeamten sind damit beschäftigt, das umfangreiche beschlagnahmte Material aus Lastautos zur Landespolizei zu verladen. In der Umgebung des Braunen Hauffs muß die Polizei dauernd die sich ansammelnden zahlreichen Neugierigen zerstreuen. 3m übrigen herrscht jedoch vollkommene Ruhe und Ordnung.
Die Durchführung des Verbots der S. A.
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Polizei zerstreut Ansammlungen vor dem Ausrüftungsladen lFeldzeugmeifterei) der Berliner 6.91.
Maßregelung von Beamten.
Karlsruhe, 14. April. Die badische Regierung kündigt scharfe Maßnahmen gegen die nationalsozialistischen Beamten an. Gegenüber den widerruflich angestellten planmäßigen Beamten werde die Regierung den Widerruf der Anstellung aas- sprechen und das Dienstverhältnis kündigen. Die unwiderruflich planmäßigen Beamten hätten diejenigen Folgen zu tragen, die sich wegen Verletzung der Treuepflicht gegen den Staat auf Grund von Disziplinarverfahren nach Maßgabe der bestehenden oder Zünftigen Gesetze ergeben. Im übrigen seien die sogenannten politischen Beamten in den einstweiligen Ruhe st and zu versetzen. Bei dem Abbau nach der badischen Haushaltsnotverordnung sind die betreffenden Beamten vorzugsweise in Aussicht zu nehmen.
Die ASDAP. hat beim Staatsgerichtshof eine einstweilige Verfügung gegen die badische Regierung beantragt au,'Ante rla s sung der in der Regie- rungSerklärung am Donnerstag an» gedrohten Strafe für Beamte, die sich bei der RSDAP. betätigen.
Kein« Ettkutiomatznahmtn gegen di« SA. in Mecklenburg.
Schwerin, 14. April. 3n Mecklenburg hat die Regierung von Erekutivmaßnahmen gegen die einzelnen SA.-Organisationen in der Weise, wie es in Preußen geschehen ist, abgesehen. Wie der Dezernent des mecklen- burgüchen Polizeiwesens, Ministerialrat 3 e ß, mitteilt wird selbstverständlich auch in Mecklenburg das Verbot der Reichsregierung befolgt werden. Es werden sich jedoch die
Maßnahmen auf die Muß-Vorschriften beschränken. 3n gewifier Hinsicht wird auch die Haltung der SA.-Formationen selbst bestimmend für die Maßnahmen der Polizeiorgane des Landes sein, die im übrigen mit der genauen Befolgung der Reichsrichtlinien betraut sind.
Kem« Mitwirkung der sächsischen Regierung am SA.-B«rbot.
Dresden, 13. April. Wie von unterrichteter Seite verlautet, hat der sächsische 3nnenminister an der Länderbesprechung über die Auflösung der nationalsozialistischen Formationen in Berlin nicht teilgenommen, weil der sächsischen Regierung bekannt geworden sei, daß die Entscheidung der Reichsregierung bereits vorher festgestanden habe.
Auflösung« der SA. und SS. in Thüringen.
Weimar, 13. April. 3n Durchführung der Verordnung über die Auflösung der SA. und SS. nahm die Poltzei eine Haussuchung in der Gauleitung Thüringen der NwDAP. vor. Es wurde keinerlei Material beschlagnahmt.
Weiter« 50 Berliner Büros geschlossen.
Berlin, 14. April. Die Schließungsaktion bei den Berliner SA.-Heirnen und -Büros, die gestern abend um 22 Uhr vorläufig beendet wurde, wurde seit heute vor- mittag 8 Uhr fortgesetzt. Snsgeiamt wurden heute bisher 50 Büros geschlossen. Das Vorgefundene Material wurde beschlagnahmt. Die Schließungsaktion selbst hat sich auch heute reibungslos abgewickelt. Lediglich in zwei Fällen ist von SA.-Leuten versucht worden, 3nventar in sogenannte Ausweichguar- tiere zu- schaffen, was aber durch die Polizei verhindert wurde.
Mit Hilfe des Reichsbanners!
Weimar, 14. April. Auf ungewöhn- liche Art schritt der sozialdemokratische Bürgermeister Worch in Langewiesen, Landkreis Arnstadt, zur Auflösung der SA.- und SS.-Formatiouen. Er nahm, wie vom thüringischen Innenministerium bestätigt wird, das Reichsbanner zu Hilfe und bewaffnete es, da ihm nur ungenügende Polizeikräfte zur Verfügung gestanden haben sollen. Es wurden Haussuchungen durchgeführt, Verhaftungen vor- genommen und Waffen beschlagnahmt. Bürgermeister Worch leitete die Aktion persönlich und hatte sich, wie er auf Anfrage bestätigte, zu seiner Sicherheit mit einem Revolver bewaffnet, lleber dieses Vorgehen des Bürgermeisters herrscht im Orte große Erregung.
Die Hamburger Nationalsozialisten wieder auf freiem Fuß.
Hamburg, 14. April. Die bei der Durchführung der Polizeiaktion gegen die Hamburger NSDAP, am Mittwochnachmittag verhafteten 20 Nationalsozialisten wurden im Laufe des Donnerstags nach längerem Verhör sämtlich auf freien Fuß gesetzt.
Keine Verhandlungen Hitlers mit tem Reichsinneuminister.
Berlin, 14. April. Zu den verschiedentlich umlaufenden Gerüchten, Reichsinnenminister G r o e n e r habe gestern nachmittag eine Besprechung mit Hitler gehabt, wird vom Reichsinnen- ministenum erflärt, daß von derartigen Verhandlungen dott nichts bekannt ist. Anscheinend handelt es sich um eine Verwechslung. Im Anschluß an die Besprechung der Länderminister hatte nämlich der nattonalsozialisttsche Abg. Hauptmann Göhring gebeten, mit dem Reichsinnenminister wegen der Ausführuugsbesttm- mungen zu dem Verbot der SA.- und SS.-Abteilungen sprechen zu können. Der Reichsinnenmimster hat diese Unterredung aber abgelehnt mit dem Hinweis, daß er nicht in der Lage sei, mit einem Beauftragten der Pattei darüber zu sprechen Und hat ihn an die Länderregierungen verwiesen.
In diesem Zusammenhang wird vom Aeichsinnenmimstenum auch die Behauptung zurückgewiesen, daß der braunschweigische Innenminister K l a g g e s das Verbot in Braunschweig nicht durchführen wolle. Minister Klagges ist gestern nachmittag vom Reichsinnenmiiiister empfangen worden. Es besteht nach Auffassung unterrichteter Kreise nicht die ge- ttngste Veranlassung, anzunehmen, daß die Rotverordnung in Braunschweig nicht genau so wie tn den anderen Laudern durchgeführt wird.
Hitler über die Preußenwahlen.
In einer Unterredung mit dem Berliner Sonderkorrespondenten des „Evcnrng Standard" erklärte Adolf Hiller dem Blatt zufolge: Bei den Präsidentenwahlen haben wir einsam eine Schlacht ausgefoch- ten. Ich werde nichtsdestoweniger zufrieden fein, wenn wir die 8'ch Millonen Stimmen, die wir bei den Präsidentenwahlen in Preußen erhielten, beibehatten. Dann würden wir 160 Sitze im Preußischen Landtag erhalten und die NSDAP, würde dort die stärkste Partei sein. Es ist keine Frage, daß die bürgerlich-nationalen