Aschenregen über Chile und Argentinien
Stoff für den Wahlkampf
Emste Befürchtungen
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Santiago (Chile). 12. April. Das Eebiet der Erdbeben und Vulkanausbrüche erstreckt sich Sber eine Strecke non über 700 Kilometern. Es reicht non Santiago bis südlich von Concepcion. Ein Balkan nach dem andern, die fast alle fät erloschen galten, hat seine Tätigkeit wieder aufge» kommen. Unaufhörlich wird der Loden non starken Erdstößen erschüttert. Die ganze Gegend ist mit Aschenwolken bedeckt. Selbst in Montedideo, das etwa 1800 Kilo, meter non dem nächsten Vulkan entfernt ist, ist dichter Aschenregen gefallen.
Die letzten Meldungen aus dem süd- amerikanischen Katastrophengebiet besagen daß mindestens acht Vulkane in Tätigkeit sind und der gewaltige Aschenregen unvermindert fortdauert. Die Lavaströme der verschiedenen Vulkane haben bereits große Strecken guten Ackerlandes vernichtet ' Hilfszüqe, die aus Mendoza abgin- gen, mußten infolge des Aschenregens wieder umkehren. Hunderte von Menschen sind infolge Einatmens der Schwefelgase schwer erkrankt.
Tausende non Menschen find auf der Flucht. Die ganze Beoölkerung ist non japanischem Schrecken ergriffen.
Alle Züge sind mit Flüchtlingen vollgestopft. Es werden fieberhafte Vorbereitungen getroffen, alle bedrohten Ortschaften in der Provinz Mendoza zu räumen. Es handelt sich um nicht weniger als 80 000 Menschen.
In Argentinien ist die Provinz Mendoza am schwersten heimgesucht worden. Starke Schwefelwolken. Erdrisie und giftige Gase vermehren die Panik. Der La- västrom hat die etwa 100 Kilometer von dem Ausbruchsgebiet entfernt liegende Stadt Saan Raphael erreicht. Das im Mittelpunkt der Stadt gelegene Hotel „El Eommercio" ging in Flammen auf. Viele Anden-Dörfer find von der Umwelt ab- gefchnitten.
Festnahme der Mörder des Stöinet Arztes Dr. Rudenfohn.
Köln. 12. April. Der Akzt Dr. Ruben- >ohn war vorigen Donnerstag in seiner Wohnung ermord« aufgefunden worden. Nachdem vorüb«gehend sein Sohn als der Tat verdächtig festgenommen worden war. sind jetzt als wirkliche Täter ein 33jähriger Dreher und ein 47jähriger Arbeiter festgenommen worden. Der Dreh« hatte ein Verhältnis mit einem jungen Mädchen, das später die Braut des 71jährigen Arztes wurde. Durch dieses Mädchen über die häuslichen Verhältnisse des Arztes unterrichtet, beschlosien die beiden Arbeiter einen Einbruch, der , aber vereitelt wurde. Darauf ging der eine in die Sprechstunde des Arztes, während- der andere gleichzeitig die Wohnung durchsuchen wollte. Der Arzt, der vermutlich Widerstand leistete, wurde gefesselt und geknebelt. Es scheint, datz die Verbrech« nicht die Absicht hatten, den Arzt zu töten.
Der Misti bei Areauipa, der eie erloschen aal*, letzt aber ebenfalls wieder ausgebrochen ist.
(»us Wilhelm Müller ..Das schöne Südamerika-, Detiaa St«ck»r & Schröder Stuttgart.) .
Mittwoch, kn IZ. April IM fete .Oberhessifche Zeitung» er- («beittt sechsmal wöchentlich. Be- ntonatL L Marburg 2.02 ansscht- Zuslellungsgebübr, bet unsren Agenturen 1,93 DM. tu,ügl.3uslestellungSgebübr. Durch Die Post 2.25 GM. Für etnw bttrch Streik, Waschinendefektvder elementare Ereignisse ausfallend« giummern wird kein Ersatz ge* letftet Verlag, Dr. <S. Hitzetvth. Der Unw-Buchdruckeret «vh. Ang. Koch, Mark! 21/23. Fernsprecher: Rr. 54 und Rr.55. Postscheckkonto r Amt Frankfurt M. Rr. 5015. — Sprechet Id Aedaktwn do» 10—M W* —1 Uhr.
«lick auf den Hafen von Valparaiso, der chilenischen Hafenstadt am ■ Rande der Toedilleren, in deren Nähe das Zentrum der furchtbaren Katastrophe iu suchen ist.
Berlin, 12. April.
Der Preußische Landtag trat entgegen den ursprünglichen Dispositionen am Dienstag noch einmal zusammen. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag der Regte- rungsparteien zur Aenderung der ^Geschäfts ordnung Die Aenderung verfolgt den Zweck, die Neuwahl des Ministerpräsidenten nur mit absoluter Mehrheit zu ermöglichen. Das Haus ist nur schwach besetzt; es weist auch bei den Regierungsparteien starke Lucken auf, jedoch sind sämtliche Parteien vertreten.
Abg. Stendel (DVP.) beantragt, den Antrag der Regierungsparteien auf Änderung d« Geschäftsordnung abzusetzen, da der alte Landtag nicht dem neuen Parlament die Geschäftsordnung vorschreiben könne. (Lebhatte Zurufe bei den Regierungsparteien). Der Antrag Stendel (DVP.) wird gegen Kommunisten und Rechtsparteien abgelehnt
Abg B o r ck (Dtn.) beantragt, daß über die Forderung der Regierungsparteien namentlich abqestimmt werde. , .
Als auf die Begründung des Antrages der
3n der Aussprache bezeichnet Abg. Dr. von Winterfeldt (Dtn.) den Antrag der Regierungsparteien als eine starke Herausforderung. Am 24. April werde sich entscheiden, datz di« Regiervugsparteien keine Mehrheit mehr haben. Eine Umgehnng des Willens des preußischen «olles and der «ersuch, sich selbst an der Macht ,u «halten, sei eine unerhörte Schiebung. (Beisallrechts.)
Abg. Stendel (DVP.) betont, seine politischen Freunde seien nicht fceteit, au diesem ausgesprochenen Schwindelmanöver mitpiwir- ken. (Großer Lärm bei den Regierungsparteien.) ,
Abg. Hestermann (Wirtsch.-P.) erklärt, die Weimarer Koalition habe abgewirtschaftet. Seine Partei lehne es ab, durch die beantragte Aenderung der Geschäftsordnung dem Ausfall der Preutzenwahlen vorzugreisen.
Abg. Vollmers (Landvolk) nannte es kaum glaublich, datz sich die Regierungsparteien mit dem Todeszug dieses Landtages durch eine Lebensversicherung für das Weiterbestehen dieser Regierung einsetzeu wollen.
In de. Stabt Malargne befinden sich, wie aus dem bedrohten Gebiet gemeldet wird, etwa 100 000 Einwohner infolge Gasvergiftungen in Erstickungsgefahr.
Bisher unternommene ReSimgsversuche scheiterten. Die Seismologen sagen einstimmig ein vernichtendes Erdbeben in Argentinien voraus.
Beruhigung der «Ulkantätigkeit.
Buenos Aires, 12. April. Die Vulkanausbrüche in Südamerika haben plötzlich nachgelassen. Die Seismologen befürchten aber gerade infolge dieser plötzlichen Beruhigung ein noch stärkeres Einsetzen der Vulkantätigkeit. Der Stadtverkehr in Buenos Aires liegt völlig darnieder. Das ganze Land hat infolge des Aschenregens ein winterliches Aussehen angenommen. Die Aerzte befürchten bett Ausbruch von Epidemien unter den Flüchtlingen. Durch starke Schwefeldämpfe und dichten Rauch wurden die nach dem Erdbebengebiet . entsandten Flugzeuge zum Rückflug gezwungen.
Abg. Lindner 1 (Christl-soz. Volksdienst) erklärt auch der Dolksdienft werde, die fetzigen Pläne der Regierungsparteien auf Erhaltung des Kabinetts durchkreuzen.
Der Antrag d« Regierungsparteien wurde mit 228 gegen 3 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Die Opposttious- parteien hatten sich an d« Abstimmung nicht beteiligt, da jedoch 232 Karten abgegeben wurden, ernt das Haus beschlußfähig.
8 20 der Geschäftsordnung lautet nunmehr nut noch: „Der Landtag wählt mit verdeckten Stimmzetteln den Ministerpräfi- deuten. Gewählt ist. wer «ehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen
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Wenn der neue Landtag diese lßeschöstsord- nungsänderung nicht wieder rückgängig macht und die Rechtsparteien, wie die Regierungs. Parteien hoffen, im neuen Landtag nicht Btc absolute Mehrheit erringen, so wurde auf Grund der neuen Eeschäftsordnungsbestrm- mungen die Regierung Braun vorläufig ge» schäftsführend weiter im Amte bleiben.
Ein kommunistischer Antrag über angebliche Beeinträchtigung der Wahlpropaganda der Kommunisten wurde gegen die stimmen der Antragsteller abgelehnt.
Gegen 2 Uhr schloß der Präsident die Sitzung mit der Erklärung, daß der alte Landtag nun voraussichtlich nicht wieder zusammentreten werde.
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Die „Eermani a", der augenscheinlich bei der Sache recht wenig wohl zumute ist schreibt u a.: „Was die politische Sette betrifft. |o kann es sich, soweit die. Zentrumspartet in Frage kommt, selbstverständlich nicht darum handeln, etwa die bisherige Koalition oder das Kabinett Braun in alle Ewigkeit an oet Macht zu erhalten. Das Zentrum lehnt es ob, ausgesprochene Minderheitsregierungen, noch dazu von radikaler Prägung, zur Macht gelangen und von dieser Macht entgegen der Volks- und Parlamentsmehrheit Gebrauch machen zu laßen. Sie will gerade einen starken Zwang dahin ausüben, daß auch im neuen Landtag eine Mehrheitsregierung unter allen Umständen zustande kommt. Wenn also das Zentrum an der Aenderung mitgewirkt hat, so .ist das keine „Option" für das Fortbestehen
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Vulkanausbrüche in den Anden
Die Bevölkerung auf der Flucht - Die Hilfsarbeiten gefährdet
Anzeiger für (das frühere kurhessische) vberhesfen
««zeige- de- amtlichen Bekanntmachungen fS- Stadt «nd Kreis Marburg
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