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Anzeiger fHr (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.

> Das Sicherheitsproblem in Genf

Ein amerikanischer Vorstotz gegen Frankreich Für Abschaffung der schweren Angriffswaffen Tardieus Gegenstoß

Dens, 11. April. Nach mehr als drei, wöchiger Pause hat die A b r ü st u n g s - Konferenz heute Kachmittag mit einer Sitzung des Hauptausschusses ihre Arbeiten wieder ausgenommen. Der Ausschuß weist die gleiche Zusammenset­zung aus wie vor den Ferien.

Die Verhandlungen wurden mit der Diskussion über Artikel 1 des Konven­tionsentwurfes, d. h. über

den Begriff der Abrüstung eröffnet.

Der amerikanische Botschaf­ter Dibson legte den Entwurf einer Entschließung über die Abschaffung von Tanks, beweglichen schweren Geschützen unb Giftgasen vor und begründete ihn eingehend mit der Notwendigkeit, zu- M)ft einmal einen Ausgleich zu finden zwischen der Forderung nach Abrüst- ung und dem ebenso berechtigten, wenn auch logisch nicht zu begründenden Ver­langen nach Sicherheit. Zu Be­ginn des Weltkrieaes habe sich gezeigt, daß für uneinnehmbar gehaltene Festun- S in rascher Folge durch bewegliche ere Artillerie überrannt werden konn­ten. In einem neuen Kriege mürben die Festungen rasch durch schwere Artillerie zerstört werden, während Drahtverhaue und Gräben mit Hilfe von Tanks und Giftgasen ziemlich leicht überrannt wer­den könnten.

Da» Gefühl der Sicherheit werde erst wiederkehren, wenn die Berteidi- gung wieder ihre frühere Ueberlegen- heit über den Angriff erhalte.

Der amerikanische Vorschlag verlange ge­wiß schwere Opfer, aber auch den USA falle es nicht leicht, auf ihre Eisenbahn­geschütze und auf ihre hochentwickelte Tankausrüstung zu verzichten.

Der englifche Außenminister Sir John Simon begrüßte den amerikanischen Vorschlag.

Der deutsche Delegierte,

Boffchaster Nadolny,

Erklärte, der amerikanische Vorschlag ver­diene die volle Aufmerksamkeit der Äon» rerenj. Es stehe in vollem Ein­klang mit den von der deutschen Dele­gation vertretenen Ideen, wenn er auch weniger weit gehe, als die deut­schen Vorschläge.

Er könne von Deuffchland nur als Eine erste Etappe der Abrüstung und als ein erster Schritt im Sinne iws Artikels 8 der Bölkerbunds- satzung betrachtet werden. Das deutsche Volk sei sich darin einig, daß bos Ergebnis der Konferenz nicht nur in einer Festlegung bet Rüstungen aus ihrem jetzigen

Stand bestehen dürfe.

fr deutsche Vertreter beantragt demge­mäß den einleitenden Artikel des Kon­ventionsentwurfes entsprechend der Sat- ^ng, d. h. im Sinne einer stärkeren Be- 7'ung des Abrüstungsgedankens umzu- ° be.ten. Botschafter Nodolny ließ kei- nPn Zweifel darüber,

daß ein Konferenzergebnis, das ledig, lich in der Verwirklichung des ameri- konischen Vorschlages bestehen würde, für Deutschland nicht an­nehmbar wäre.

, Der französische Ministerpräsident T a r- *c« erklärte, der amerikanische Vor­schlag habe das Interesse und die Sym- i^thie Frankreichs» aber Frankreich halte

ihn nicht für ausreichend, da et keine Kontrolle und keine Sanktio­nen vorsehe. Alle bisher eingebrachten Vorschläge, auch diejenigen Deutschlands und Frankreichs, müßten jetzt zur Dis- kufsion gestellt werden. Tardieu forderte, daß die amerikanischen Vorschläge nicht wie corgeschlagen, sofort zur Durchbera­tung gelangten, sondern gemeinsam mit den in gleicher Richtung liegenden Vor­schlägen, insbesondere den französischen Vorschlägen auf Schaffung einer inter­nationalen Streitmacht des Völ­kerbunde« behandelt würden.

Auf diese Weise dachte Tardieu die so­fortige Durchberatung und Annahme der amerikanischen Abrüstungsvorschläge un­möglich zu machen und hat die An­nahme der amerikanischen Vorschläge von der Annahme der französischen Sicherheitsvorschläge abhän­gig gemacht.

Der Vorstoß rief unverzüglich den Ver­treter der italienischen Regierung, Gene­ral C a v a r e l l o aus den Plan, der die volle Zustimmung der italienischen Regie­rung zu den amerikanischen Vorschlägen erklärte und auf die kürzlich eingereichte neue italienische Abrüstungsdenkschrift an die Konferenz hinwies.

Der amerikanische Botschafter Gib- s c n beschränkte sich auf die Erklärung, daß er den anderen Plänen in keiner Weise habe vorgreifen wollen, und es wurde demgemäß beschlossen, daß das Büro des Hauptausschusses im Lichte der heutigen Aussprache Vorschläge für das weitere Verfahren machen soll. a

Die nächste Sitzung des Hauptausschus- ses ist für morgen anberaumt.

Der Hauptausschuß beschloß, die ameri­kanischen Vorschläge gemeinsam mit sämt­lichen in gleicher Richtung liegenden An-

ZumWahlausgang

Das Urteil der Berliner Preffe

Das Wahlergebnis wird in den Blättern der Linken mit großen Schlagzeilen gewürdigt. Allgemein wird betont, daß trotz dieses vor­ausgesehenen Ergebnisses die Tatsache der ab- Kluten Mehrheit für Hindenburg ein berner- nswertes Zeichen für die Erkenntnis der Wähler sei, daß Hindenburg der einzige ge- eignete Führer des deutschen Volkes sei. Der Wahlerfolg Hitlers wird von den meisten Blättern auf das Abwandern der Duesterberg- wähler zurückgeführt.

DasBerliner Tageblatt" fordert, daß der Angriff weitergetragen werden müßte, umdas Gespenst des Faschismus" endgültig zurückzuschlagen. Die Preußenwahl werde die erste Gelegenheit dazu sein.

Auch derA b e n d" weist auf diese Wahlen hin und meint, daß die Aussichten der Rechten, im Landtag zur Herrschaft zu kommen, durch die kommunistische Niederlage sehr verschlech­tert und wahrscheinlich vernichtet seien.

DieGermania" schreibt: Das deutsche Volk hat sich selbst geehrt, wenn es dieser ein« Ettigen Persönlichkeit, der es in Krieg und den alles zu verdanken hat, in seiner gro- Mehrheit die Treue hielt. Ein besonderes t des Dankes für den glücklichen Ausgang des Kampfes gebührt den Hindenburgaus- schüsien und dem Reichskanzler Dr. Brüning. Run ist der Weg frei und der sichere Boden geschaffen, auf dem die Arbeit an unseren gro­ßen außenpolitischen Aufgaben wieder fortge­führt werden kann.

DieV o s s i s ck e Zeitung" sieht in dem Zuwachs der Hinvenburgstimmen einermuti­gendes Ergebnis" angesichts der Eesamtlage, das weit höher zu bewerten sei als die Stei­gerung der Hitlerziffer. Die Staatsfront sei nicht schwächer, sondern breiter und tiefer ge­worden.

DieDeutsche A l l g e m. Zeitung" begrüßt an sich ebenfalls den Sieg Hindenburg, geht dann auch in aller Ausführlichkeit auf die kommenden Preußenwahlen ein und sagt, gerade Reichspräsident von Hindenburg, un­beirrt durch parteipolitische Bindungen und in seinem Innersten gewiß nicht derRoten Fahne" verpflichtet, werde für die Notwendig­keit Verständnis haben, dem Protest großer Teile der Nation, wie er sich auch jetzt wieder in dem Stimmenzuwachs für Hitler zeige, die ftaatspolitische Berücksichtigung nicht zu ver­weigern.

Die Rechtspresie, die ausführt, daß das Er­gebnis des zweiten Wahlganges keine Ilcber- raschung gebracht habe, geht im wesentlichen auch aus die kommenden Landtagswahlen ein. DieDeutsche Tageszeitung" bezeich­net als innerpolitische Wirkung des Wahlaus­

falles, daß Hindenburg nun auch äußerlich, wie es seinem innersten Wesen entspreche, stärker als bisher als überparteilicher Reichs­präsident erscheint. DieBörsen-Zei­tung" nennt die starke Steigerung der Hitlerstimmen einen Prestigeerfolg der natio­nalen Opposition, der nicht ohne Einfluß auf den 24. April und die gesamte politische Ge­staltung der Zukunft sein könne.

DieK r e u z z e i t u n g" meint, wie man auch denken wolle, der Erfolg war beim zwei­ten Wahlgang auf Seiten der Opposition.

DerL o k a l a n z e i g e t ist der Ansicht, daß der Stimmenzuwachs für Hindenburg hinter den Erwartungen um ebenso viel zu­rückblieb als der für die Gegner sie übertraf, gleichgültig, wie er sich aus Nichtwählern, aus Duefterbergwählern und auch aus irregewor- denen Kommunisten rekrutiert haben mag. All das sei aber von untergeordneter Bedeu­tung, soweit es nicht Schlüße auf den Aus­gang des nunmehr einsetzenden eigentlichen Kampfes, des Kampfes um Preußen, zulasie.

DerTag" schreibt, am 10. April siegte Hindenburg doch die Parteien, die hinter ihm Deckung suchten, müßen schon heute ungeschützt und nur für sich ins Kampffeld treten, auf dem die Entscheibung über die Politik in den Ländern fallen wird.

DerAngriff" bezeichnet den Erfolg der Narionalsozialisten als eine Entscheidung der Wähler gegen Hindenburg und die Regierung Brüning. Jetzt beginn der Kampf um Preu­ßen, er müße mit demSturz der schwarz­roten Koalition enden".

3nj*r<ffente Feststellungen.

Hindenburg erhielt den H ö ch st - satz an abgegebenen Stimmen wiederum im Wahlkreise N i ed e r b a n e r n 72 v. H. (am 13. März 1932 69,9 v. H.), den Niedrigst- satz der auf ihn entfallenen Stimmen wie­der im Wahlkreise Merseburg mit 37 d. S. (33,1 v. H.). Dm Höchstsatz von Stimmen erhielt Hitler diesmal in P o m - mern mit 53 v. H. (37,4 v. H.), während er beim erstm Wahlgang in Schleswig-Hol­stein seine meistm Stimmen erhielt (42,7 v. H.). Den kleinsten Anteil hatte er wie­der im Wahlkreis Köln-Aachen, 20 v. H_. (17,2 o. H.). Bei Thälmann wurde wiederum der Höchstsatz erreicht in Ber­lin mit 26 v. H. (29,2 v. H.), der Niedrigst­satz wieder in Franken mit 4 v. H. (5,9). Die Wahlbeteiligung war wie im ersten Wahlgang im Kreise Leipzig mit 90 v. H. (91,2 v. H.) am höchstm. Die niedrigste in Oppeln mit 77,5 v. H. (80,2). Durch­schnitt der Wahlbeteiligung 83,6 v. H. (86,2 v. H.).

trägen zunächst im Präsidium zur Der« Handlung zu stellen. Der Hauptausschutz wird jetzt in zwei Sitzungen täglich die Hauptaussprache über sämtliche grundsätz- liche Anträge der Abrüstung weiter fort- setzen und tritt am Dienstag früh zu einer neuen Sitzung zusammen.

Die Vorschläge der amerikanischen Re- gterung sind in weiten Konferenzkreisen mit größter Genugtuung als ein erster entscheidender Schritt zur Behandlung praktischer Abrllstungsfragen begrüßt worden und sanden auch aus deutscher Seite warme Unterstützung. Dagegen wird der Versuch Tardieus, eine Be­handlung der amerikanischen Vorschläge unmöglich zu machen und die Verbindung mit den französischen Sicherheitsvorschlä- gen herzustellen, allgemein dahin bewer­tet, daß die französische Regierung die ihr äußerst unbequemen amerikanischen Vor­schläge, insbesondere durch die Einbe- Ziehung der für die amerikanische Regie­rung unannehmbaren Kontroll- und Sanktionsmaßnahmen zu Fall zu brin­gen sucht. , t..-

Verstimnmng in Paris

Der amerikanische Vorschlag auf der Genfer Abrüstungskonferenz, die schwe­ren Tanks als reine Angriffs- waffe zu verbieten, wird in den französischen Blättern als ein Manöver gewertet, das sich direkt gegen Frank­reich richte. Man wirft vem amerikani­schen Vertreter außerdem vor, entgegen den Bestimmungen keine der beteiligten Mächte von seiner Absicht unterrichtet und nicht den üblichen Weg über das Büro eingeschlagen zu haben, das allein befugt sei, Anträge auf die Tagesordnung zu setzen. Man habe die ftanzösischen Vertreter überraschen wollen, so schreibt bei außenpolitische Berichterstatter des E ch o d e P a r i s", und es sei gerade- zu ungehörig, daß einige Vertreter es nicht einmal der Mühe wert gehalten hätten, die am meisten interessierten Staaten von ihrer Absicht zu unterrich­ten. Amerika habe sich außerdem wohl gehütet, in feinem Vorschlag auch die Flugzeug-Mutterschiffe und die fchweren Bombe nflugzeuge aufzu­nehmen, deren es eine fo große Anzahl besitze. Tardieu habe es jedoch auf meisterhafte Weise verstanden, den ame­rikanischen Botschafter abzuweisen. Er habe seinen Erklärungen vom Montag nichts hinZuzufügen und werde Genf am heutigen Dienstag abend verlassen und erst gegen Ende nächster Woche nach dort n-r'ickkehren.

Vorläufig kein Reichstag.

Berlin. 11. April. Der Aeltesten- rat des Reichstages beriet am Montag abend über den Wiederzusarnmentritt des Reichstages. Präsident L o e b c schlug vor, jetzt noch keine Entscheidung darüber zu treffen, sondern den Aeltesten­rat für den 26. oder 27. April von neuem zufammen zu berufen. Staatssekretär Pünder teilte mit, daß die Vorarbeiten am Reichshaushalt und die außenpoliti­schen Verhandlungen noch nicht so weit gefördert seien, daß der Reichstag schon letzt mit seinen Beratungen über diese Angelegenheiten beginnen könnte. Dem­gegenüber verlangten die Kommunisten die (Einberufung des Reichstages selbst für den 26. April. Dieser Forderung ichtos- sen sich die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten an. Die übrigen Par­teien, die die Mehrheit bilden,"nahmen jedoch den Vorschlag des Präsidenten an.