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Anzeiger für (das frühere knrhesfifche) Oberhesse«
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Italien gegen die Reparationen
Italien gegen Reparationen und unhaltbare Verträge — Frankreich fordert Einhaltung der Verträge, und Sanktionen
Völliger Mißerfolg
Die Londoner Konferenz vertagt
Die wirksame Schuldfrage
Tardieus Abficht erreicht
Wie ans dem nach Schluß der Donau- Konferenz der vier Mächte veröffentlichten Comumniqu^ hervorgeht, hat die Kon, ferenz kein greifbares Ergebnis gehabt. Die Erörterungen haben fo weitgehende Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Zusammensetzun« einer Donaukonferenz. der Meistbegünstigungen, sowie in der Frage der Präferenzen ans Licht gebracht, daß eine gründliche Borbe- reitung im Sinne des veröffentlichten Eommuniquck notwendig ist, bevor eine endgültige Lösung des Donau-Problems in Aussicht gestellt werden kann.
Das KommuniguL
Aach Abschluß 0er gestrigen Sitzung der Wiermächtekonferenz wurde folgendes Kommunique ansgegeben:
Die auf der Konferenz vertretenen Regierungen find darüber einig, daß die finanzielle und wirtschaftliche Lage der Donauländer raschest planmäßiges Handeln sowohl seitens der Donau-Länder als auch anderer ©taaten erfordert, wenn sie auf eine gesunde Grundlage gestellt werden soll. Sie sind ferner darüber einig, daß ein solches Handeln rm Interesse der wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas liegr und ein erster Schritt auf diesem Wege sein kann.
Als Ergebnis der Beratungen der Konferenz sind eine Anzahl wirtschaftlicher Punkte aufgetaucht, die weitere Prüfung und weitere Erhebungen erfordern. „ Die bevorstehenden Genfer Tagungen würden in der nächsten Woche aus alle Falle die Fortsetzung der gegenwärtigen Beratungen vechindern. Anter diesen Am« ständen hat jede der vier Regierungen zu- gesagt, den drei anderen sobald als möglich eine eingehende Darstellung ihrer Aus- sassungen über die zurückgestellten Punkte uno über die beste Art des weiteren Borgehens zuzustellen.
Ein Rückblick auf die Londoner Konferenz
Von zuständiger deutscher Seite wird der Auffassung, daß die Londoner Vier- Mächte-Konferenz ein außerordentlicher Mißerfolg sei, entgegengetreten. Eine derartige Sache könne nicht in einem Zug zu Ende geführt werden. Man müsse erneut zusammenkommen und wahrscheinlich wiederholt tagen. Eine Lösung könne nur in Etappen erreicht werden. Von deutscher Seite wäre allerdings ein etwas hoffnungsvollerer und freulicherer Aus- B gewünscht worden, der den Donau-
rrn einige Aussicht auf eine baldige Regelung geboten hätte. Die Memoranden, die die vier Regierungen ausarbei- ten sollen, werden sicherlich technischer Natur sein: denn das Prinzipielle sei bereits gesagt worden. Die Memoranden werden dann ausgetauscht werden. Man dürfe aber nicht glauben, daß damit alle Probleme gelöst oder auch nur behandelt find. Vielmehr muffe man damit rechnen, daß bei weiteren Diskussionen neue Probleme austauchen. Die deutsche Delegation habe ffaj" wiederholt gegen Vorschläge wenden müssen, die darauf hinaus- liefen, daß mit Deutschlands Beteiligung und mit auf deutsche Kosten Experimente mit ungewissem Ausgang unternommen würden, die erheblichen Schaden oder Opfer von Deutschland fordern
Auch der Völkerbundsrat wird voraussichtlich nicht zu einem vollständigen Ergebnis kommen können und wird die Angelegenheit auf einer späteren Sitzung wieder aufnehmen müssen.
„$ i m es", die auch mit Deutschlands Haltung nicht restlos einverstanden sind, gebest immerhin zu. daß die Opfer, die man Deutschland und Italien zmnuten wollte, besonders schwer sein würden. Aeberdies hätte der deutsche Vertreter konstruktive Vorschläge unterbreitet.
Die Londoner Diermächtekvnferenz ist mit ihrer Schlußsitzung am Freitag ausge- gangen, wie man es nach der völlig ungenügenden Vorbereitung und der überhasteten Durchführung erwarten muhte. Frankreich hat außerordentlich geschickt operiert und bereits einen taktischen Vorteil damit erzielt, daß es Tardieu gelungen war, noch vor Eröffnung der Konferenz Macdonald unter hier Augen zu bearbei- ten-und damit zu erreichen, daß sein Plan
Mit Frankreich oder Italien?
Argumente zur Verständigungspolitik
fk. Rom, 9. April. In der zweiten Sitzung einer Apriltagung hat der Große faschistische Rat nach einer umfassenden Prüfung der internationalen politischen und wirtschaftlichen Lage die Tätigkeit des Außenministeriums gebilligt. In einer Entschließung wnrde zum Ausdruck gebracht, daß zur lleberwindung der Weltkrise notwendig sei:
1. der Verzicht auf die Reparationen und die Streichung der zwischenstaatlichen Kriegsschulden,
2. die Beseitigung der Fesseln des internationalen Verkehrs,
3. die Ordnung der Lage der Donau- und Balkanstaaten, die etwa 70 Milliopen Menschen vertreten.
4. die Revision der Klauseln der Friedensverträge, die die Gründe für die Unruhen der Völker und folglich die Gründe für einen neuen Krieg in sich tragen,
5. der Verzicht aus die allzuhäusigen internationalen Konferenzen, die bei den Völkern immer wieder Hoffnungen erwecken, denen immer schwerere Enttäuschungen gefolgt find und die Reibungsflächen vergrößern.
Der Große faschistische Rat hat sich vorbehalten, in seiner Oktobertagung die Frage tter Stellung Italiens im Völkerbund zu prüfen.
Der internationale Gendarm
fk. Paris, 9. April. Die Rundfunkrede Tardieus am Freitag abend, die besonders für Amerika bestimmt war, hatte die Form einer Unterredung mit einem amerikanischen Journalisten. Seine Ausführungen bezogen sich nicht auf Wirtschaftsfragen, die angesichts der Kontingentierungspolitik Frankreichs in höchstem Maß die Aufmerksamkeit der amerikanischen Handels- und Jndustriewelt erwecken, sondern allgemein auf Nationalismus und Internationalismus. Auf die Frage, welche Bedeutung Frankreich der Frage des Internationalismus beimeffe, erwiderte Tardieu, die Nationale Bewegung komme in Frankreich deshalb so stark zum Ausdruck, weil es erst nach langen Kämpfen zu der heutigen Einheit gelangt sei. Die Hauptfrage sei nur, wie weit dieser Nationalismus die Opfer bringe, die im Interesse einer internationalen Zusammenarbeit der Völker notwendig seien.
Frankreich habe die r' ne Schiedsgerichtsbarkeit im Jährt 1 anerkannt und wünsche, daß über denjenigen, der das Recht verletzt, Sanktionen verhängt werden. Frankreichs Ziel sei seit 13 Jahre«, den nationalen Regierungen
einen „internationalen Gendarmen- znr Seite zu stellen. Schon i« Jahre 1919 habe Frankreich die Schaffung einer internationalen Streitmacht vorgeschlagen. Di« Vorschläge, die er als französischer Ministerpräsident auf der Genfer Abrüstungskonferenz »nter- breltet hab«, vrrsolgteu das gleiche Ziel.
Weiter betonte Tardieu, Frankreich sei Verfechter der S i ch e r h e i t s f r a g e, weil es „soviel Lberfallen" worden sei (!) Wenn Newyork und Washington nur 200 Kilometer von einer so oft bedrohten Grenze entfernt lägen wie Paris, und wenn die Gruben und Stahlwerke von Pennsylvanien so dicht an einer Grenze lägen, von der aus llebergriffe erfolgt seien, deren Wiedergutmachung Jahre brauche, so würde Amerika vielleicht verstehen, was für Frankreich die Sicherheit bedeutet.
Frankreich verlange dke Gleichheit mit keinem Staat. Es verlange lediglich di« Sicherheit «nd eine Abrüstung, die durch die Festigung der Solidarität gegen Verletzung des internationalen Rechtes «öglich sei.
auch noch am Donnerstag die Grundlage der Verhandlungen war. >
Was an der Inszenierung dieser Kon- ferenz falsch war, hat sich jetzt mit aller Deutlichkeit gezeigt. Es hat sich herausgestellt, daß Macdonald und ein Teil der englischen öffentlichen Meinung sich vorzeitig den französischen Auffassungen zugeneigt haben, daß man sich jetzt aber nach den Einwendungen Grandis und des Staatssekretärs von Bülow in der unangenehmen Lage sieht, sich berichtigen zu müssen. Da dies aber ein blamables Eingeständnis der eigenen Anorientiertheit wäre, ist man leider nur allzu geneigt, wie üblich, sich auf die Suche nach den „Schuldigen" zu begeben. And ein Reutertelegramm bringt auch schon, wenn auch nur zwischen den Zeilen, zum Ausdruck, wo diese Schuldigen gesucht werden sollen, wenn es sagt, daß „einige der Regierungen mehr Zeit zu haben wünschen, ehe sie auf bestimmte Punkte sich endgültig festlegen können"'. Mit diesen Staaten sind offensichtlich Deutschland und Italien gemeint, und auf französischer Seite geht man sogar noch einen Schritt weiter und behauptet, daß die Viermüchtekonferenz nur deshalb schon jetzt als tot anzusprechen sei, weil Deutschland wegen der bevorstehenden Wahlen sich nicht binden wolle und nur deshalb seine Zustimmung zum Tardieu- plan ablehne. >.
Englische Preffestimmen.
„Daily Telegraph" ist über den Abbruch der Diermächtekonferenz keineswegs erstaunt. Die einfache Wahrheit, schreibt das Blatt, liege in Bülows Bemerkung auf der Schlußsitzung, „bk Lage war diel zu kompliziert, um in der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit behoben zu werden".
„Daily Herald" bezeichnet die Konferenz als ein ideales Vorbild dafür, wie man es nicht machen dürfe. Der gordische Knoten habe sich nicht von Macdonalds zweischneidigem Schwett durchhauen lassen.
„^ar'lh Expreß" schreibt: Zusam» menarbett ist oft ein Wort auf den Lippen der französischen Staatsrnäyner. Aber ehe es nicht etwas anderes bedeutet, als An- terstützung französischer politischer Interessen, Wirdes keine Begeisterung bei anderen Nationen geben.
„Mornr'ng Post" sicht den einzigen Erfolg der Konferenz darin, daß die Mächte die gegenseitigen Standpunkte kennen gelernt hätten.
„Financial Rews" urteilt, berauscht von Tardieus Londoner Erfolg hätten die französischen delegierten eine Haltung eingenommen, die jede Verständigung ausschloß. Der französische Plan habe fast jeden Fehler enthalten, den man sich vorstellen könne, wie z. D. den Richi- einbezug Bulgariens, wodurch er sofort zu einem Zeugnis des französischen Chauvinismus gestempell worden sei. Die Moral ist, daß England eigene europäische Politik braucht und keine französische, keine aus zweiter Hand!
Di« Pariser Presse.
Wie nicht anders zu erwarten war, werden Italien und besonders Deutschland iv der großen Pariser Presse für das Scheitern der Londoner Verhandlung-n ver- antwortlich gemacht. Sie versucht di«