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Die Mermächte-Konserenz
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Ugland und Frankreich gegen Deutschland und Aalten - Wirtschaftliche oder finanzielle Unterstützung der Donaulander?
Gefahr im Verzüge
Maßnahmen gegen die S.A.?
London, 8. April, «enter meldet: Wie in später Abendstunde verlautet, hat sich auf der heutigen Sitzung der Sier« Miichtekonferenz eine Meinnngsver- schiedenheit zwischen Frankreich und Großbritannien einerseits nnd Deutschland und Italien anderer« seit» herausgestellt. Der erste Ausschuh der Konferenz, der aus den Delegation«« führern besteht, wird sich morgen früh bemühen, diese Meinungsverschiedenheiten auszugleichen. Die beiden zur Diskussion stehenden Fragen find:
1. Muh Bulgarien in die Donau- föderatiati einbezogen werden, und
2. sollen die Donauländer für sich Mrhandlungen führen?
Die Vertreter Frankreicks und Groß- britanniens find dafür, die itt der Sier« Miichtekonferenz erarbeiteten Vorschläge der Konferenz der Donaustaaten vorzulegen, während die deutschen und italienischen Vertreter es für notwendig halten, eine Vollkonferenz der neun beteiligten Staaten einzuberufen. Sie deutschen und die italienischen Vertreter sind der Ansicht, e6 sei wenig wahrscheinlich, dah eine richtige Lösung auf einer Konferenz der Donaustaaten allein gefunden werden könne und dah ein dort ausgearbeiteter Plan Oesterreich und Ungarn verhältnismähig gegenüber der Kleinen Entente schwerer belasten müsse. Die Vorschläge für eine den Donaustaaten zu gewahrende Hilfe bewegen sich, was Frankreich und Großbritannien anbelangt, im Rahmen finanzieller Unterstützungen; soweit Italien und Deutschland in Frage kommen, find sie auf Zollerleichterung abgestellt.
Heber die gestrigen Verhandlungen selbst gibt das über sie veröffentlichte Kommunique völligen Aufschluß. Die Delegierten haben in der recht lebhaften Debatte ihre Standpunkte präzisiert, die schon aus den verschiedenen Memoranden der beteiligten Länder bekannt sind. Daraus ergibt sich naturgemäß ein Gegensatz zwischen der französisch-englischen und der deusch-italienischen Auffassung. Es muß jedoch davor gewarnt werden, darin nur einen politischen Gegensatz zu sehen. In Erscheinung treten vielmehr die Gegensätze zwischen den Eeldgeber- staaten und den durch wirtschaftliche Erwägungen beeinflußten HandeIsländern. Die französischen Vorschläge gehen dahin, daß in erster Linie finanzielle Hilfe notwendig ist und daß für diese Hilfe gewiße Sicherheiten nötig sind. Deutscherseits ist man dagegen der Auffassung, daß finanzielle Hilfe ohne gleichzeitige wirtschaftliche Unterstützung nur von vorübergehendem Nutzen ist. Deutschland hat vitales Interesse daran, daß der Dalkanmarkt nicht zerstört, sondern gehoben wird. Es ist nicht wahrscheinlich, daß schon in London eine Antwort auf die Fragen gefunden werden wird, die technischer Naiur sind. Deutschland hat darum auch den Vorschlag unterstützt, bald mit den Vertretern der zu unterstützenden Länder zu
sammenzukommen. In ähnlicher Lage befindet sich Italien. Deutschland kann sich nicht den osteuropäischen Märkten ausschließen lassen. Deutschland befindet sich in anderer Lage als die Geldgeb er- länder, die natürlich noch stark den finanziellen Zusammenbruch dieser Länder be« fürchten. Ein solcher Zusammenbruch wäre für Deutschland natürlich auch mit Opfern und Verlusten verbunden, nicht aber in demselben Maße wie für die beiden Eeldgeberländer, Deutschland auf der , einen und England und Frankreich auf . der anderen Seite. •
Reichskanzler Brüning in Erfurt.
Erfurt. 6. April Reichskanzler Dr. Brü- ntng sprach am Mittwoch nachmittag in einer großen Wahlversammlung im Reichshallen- theater Erfurt. Angesichts der Behauptung daß die Reichsregierung neue Beamtengehaltskürzungen vorhabe, verwies der Kanzler darauf, daß die Reichsregierung kein Interesse an neuen Gehaltskürzungen oder an einem Abbau der sozialen Leistungen Howe, und daß sie alles daran setzen werde, die Politik so zu leiten, daß neue schwere Opfer möglichst vermieden werden. Wir haben, sagte der Kanzler, wiederholt die Erklärung abgegeben, daß wir nicht daran denken neue Maßnahmen im Sinne einer Deflationspolitik zu ergreifen, weil wir der Ansicht sind daß die Kaufkraft der breiten Maste der Konsumenten schon zu sehr geschwächt worden ist und daß diese Schwächung dazu führt, daß beispielsweise trotz aufs höchste gesteigerter Lebensmittelzölle keine Preise erzielt werden können, wie sie der Landwirt wünsche, und daß es nur möglich gewesen ist, die Getreidepreise durch Maßnahmen der Zollpolitik so hoch zu halten, daß die deutsche Landwirtschaft nicht zerbricht.
Set Reichskanzler in Weimar.
Weimar, 6. April. 3m Anschluß an die Erfurter Wahlveranstaltung begab sich Dr. Brüning im Kraftwagen nach Weimar, wo er in der bis aus den letzten Platz gefüllten Weimarhalle stürmisch begrüßt wurde.
Hätten wir die Notverordnungen nicht erlassen, erklärte der Kanzler im Lause seiner Ausführungen, hätten wir eine erfolgreiche Reparationspolitik nicht betreiben können. Hätten wir mit unseren Maßnahmen gezögert und gewartet, bis die Krise in der ganzen Welt da war, dann hätte in der Repa- rationsfrag« von keinem Kanzler, welcher Parteirichlung et auch angehören möge, ein Nein ausgesprochen werden können. Nur durch eine sichere wirtschaftliche und finanzielle Basis in der Heimat ist es uns in Paris möglich gewesen auf das Angebot einer Anleihe mit unmöglichen und demütigenden Bedingungen für unser Vaterland höflichst Nein zu sagen. (Stürmischer Beifall.) Ich halte es aber für meine vordringlichste Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß der Kampf um Reparationen und Abrüstung von uns eine ernsteste Nervenprobe verlangt. Der Kanzler richtete dann noch einmal einen Appell an alle, die Kraft aufzubringen, sich zu wehren hegen falsche Bilder und Lockungen und sich hinter den Mann zu stellen, der auch als Staatsoberhaupt einer im Kriege unterlegenen Nation die Achtung der ganzen Well genießt.
Severing-Kundgebunge« in Hamburg.
Hamburg, 6. April. 3n zwei Wahlkund- qebungen des Reichsbanners sprach heute abend hier der preußische Innenminister Sevcring, der sich sehr scharf mit dem Na-
Berlin, 5. April. Nach -er Veröffentlichung seiner umfangreichen Verlautbarung über das bei den Nationalsozialisten beschlagnahmte Material am Dienstag hat der preußische Innenminister Severing einen Preste- empfang veranstaltet, bei dem die Vertreter von Zeitungen aller politischen Richtungen außergewöhnlich zahlreich erschienen waren. Severing machte auf dieser Pressekonferenz weitere erläuternde Mitteilungen über das beschlagnahmte und dem Oberreichsanwalt zu- geleitete nationalsozialistische Material, so daß man sich nunmehr ein ungefähres Bild über dessen Beschaffenheit sowohl als auch über die innenpolitischen Hintergründe der ganzen Mion machen kann.
tionalsozialisinus und insbesondere mit der Person Hitlers auseinandersetzte. Es gehe jetzt nicht um einen größeren Erfolg am kommenden Sonntag, sondern um die Bekundung des republikanischen Willens am 24. April.
In bet einen Kundgebung führte vor dem Minister der Hamburger Polizeisenator Schönfelder u. a. aus, das Reichsbanner sei bereit, den legalen wie den illegalen Faschismus ganz legal niederzurin- gen. Die Regierung brauche nur den Arm zu erheben, und es stehe zum Schutze der Republik bereit.
Aufruf de« Zentrums zur Hindenburg- wahl.
Berlin, 6. April. Die Deutsche Zentrumspartei verbreitet heute einen Aufruf zur Hindenburgwahl, in dem es u. a. hecht:
Am 10. April wird der Sieg Hindenburgs vollendet! Die Gefahr des Augenblicks ist die Saumseligkeit bei denjenigen, die im ersten Wahlgang ihre Pflicht getan. Die Erreichung des Wahlzieles erfordert, daß niemand aussetzt, niemand zurückbleibt.
Hindenburg ist der Treuhänder des deutschen Volkes und die Bürgschaft für eine ruhige Entwicklung zum Ausstieg. Darum darf keine einzige Stimme am 10. April fehlen. Es gilt neue Stimmen zu werben in den Städten und Dörfern. Hindenburg muß siegen, weil Deutschland leben will!
Die Propagandaaktionen für Hindenburg.
Berlin, 6. April. Die „Vereinigten Hindenburg-Ausschüsse" haben beim zweiten Wahlgang diesmal ihr ganz besonderes Interesse auf die Werbung in den ländlichen Bezirken gelegt, die vor der ersten Wahl nur zum Teil ausreichend bearbeitet werden konnten. Die ländliche Werbearbeit ist diesmal zu einer Reichsaktion ausgestaltet worden, die von Berlin aus in die Wege geleitet worden ist. Diese Reichsaktion arbeitet mit etwa 150 Propagandakolonnen auf Lastkraftwagen, die mit 100 Lautsprecherwagen Zusammenwirken. Die Besatzungen hat im wesentlichen der Iungdeutsche Orden gestellt. Die Propagandakolonnen der Reichsaktion sorgen in den kleinen Städ- tey und aus bejn Lande für die Flugblattverteilung, führen den Einsatz von Klebekolonnen durch und veranstalten Wahlversammlungen, wo die örtliche Werbearbeit unterstützt werden muß.
Grundsätzlich muß zu der ganzen Angelegenheit gesagt werden, daß sie im Interesse Deutschlands nicht tief genug bedauert werden kann. Denn die unausbleibliche Folge bet Veröffentlichung dieses Materials, mag es in präzisen Angaben, in bet wörtlichen Wiedergabe von Befehlen, Dokumenten usw. oder nur in Andeutungen geschehen, wird einmal fein, baß eine neue Woge innenpolitischer Hetze sich über Deutschland ergießen wird. Schon seit langer Zett konnte man große Teile des von Severing bekannt gegebenen Materials fast wortgetreu in den Spalten der Linkspresse lesen. Seine Ausbeutung an die- sei Stelle bewies klar und deutlich, baß damit ein gewisses innerpolitisches Ziel, nämlich die Schmähung und Schwächung des Gegners tm Wahlkampf, erreicht werden soll. Unzweifelhaft wird die Stellungnahme Severings aber allen jenen einen neuen Auftrieb geben, die in der Herabsetzung und Schmähung des innenpolitischen Gegners einen Weg sehen, um bas eigene Ansehen zu steigern. — Zum zweiten werden aber unzweifelhaft zahllose ausländische Berichterstatter in Berlin die Gelegenheit wahrnehmen, um wieder einmal i» alle Welt hinauszuposaunen, daß Deutsch land sich innenpolitisch weiter selbst zerfleischt, daß von einer der stärksten deutschen Parteien der Bürgerkrieg vorbereitet wird, baß die zwei großen Lager in Deutschland sich in unversöhnlichem Haß gegenüberstehen usw. Ob dies angesichts der im Gange befindlichen und noch bevorstehenden wichtigen außenpolitischen Verhandlungen zu einer Erhöhung unseres Kredits führen und unseren Unterhändlern die nötige Autorität geben wird, die Interessen Deutschlands so zu vertreten, wie es notwendig ist, erscheint zumindest fraglich.
Nicht verboten und im Interesse bet Oef- fentlichkeil, ja, bes gesamten politischen Lebens in Deutschland notwendig ist eine Stellungnahme $u der Art. wie das Material bereits jetzt zu innenpolitischer Wahlmache benutzt wird. Es muß ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß ein Beweis für die ungeheuerlichen Behauptungen, die zudem, wie betont bereits im vorhinein aus durchsichtigen wahlmacherischen Gründen von der gesamten Linkspresse gebührend ausgeschlachtet worden sind, bisher vollkommen fehlt. Wenn eine Partei, wie in diesem Falle die NSDAP., sich gegen die bestehenden Gesetze vergeht, so mag sie auch die Schwere der Gesetze treffen. Es bleibt aber fraglich, ob die Strafe selbst von so hoher Stelle, wie vom preußischen Innenministerium, schon vorsorglich der Partei zudiktiert werden darf, wenn die Berechtigung der Vorwürfe noch in Wirklichkeit keineswegs erwiesen ist. Das Material, bas, wie gesagt, dem Oberreichsanwalt übersandt wurde, wird tatsächlich erst dann als Maßstab für die Beutteilung der Straffälligkeit gelten können, wenn eine Entscheidung bes Leipziger Gerichts vorliegt. Vorher sollte man sich hüten, den Stab über die ganze Angelegenheit zu brechen.
Bei näherem Zusehen ergibt ein Großteil des veröffentlichten Materials nur Dinge, die eigentlich auch einer größeren Oesientlichkeit schon längst bekannt gewesen sind. Es ist außerdem schon ziemlich klar erwiesen, daß auch bas Reichsbanner zur Wahl Alarmvorbereitungen getroffen hatte, bie zum^Tell noch umfangreicher waren als bie der NSDAP, und die auch von dem Reichsbanner nicht in Abrede gestellt werden. Insbesondere soll bie Nachrichtenorganisation bes _ Reichsbanners noch weit umfangreicher gewesen sein als die der NSDAP., die Severing der Partei so schwer verübelt.
Aber erst die Prüfung des M io.ials durch die Gerichtsbehörden wird hier volle Klarheit bringen. Zweifellos hat Seo. ring im Prinzip nicht Unrecht, wenn er von der Schädlichkeit der „Privatarmeen' spricht; aber wenn man der Gerechtigkeit freien Lauf lassen und nicht noch größeres Unheil anrichten will, so verbiete man auch das Reichsbanner, die Eiserne Front
Dr. Brüning im Wahlkampf
. Wahlreden m EM,und A^imat ^, y