Sonnabend, wn 26. März 1932
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Osterbotschaft Frankreichs
Tardieu über die „Heiligkeit-der Unterschriften"-Frankreich v
denkt nicht daran, in der rkeparationsfrage nachzugeben
MParis, 25. Der Senat nahm Mstein nachmittag die Beratung des Mudgetvora nschlages für 1932 in Wagriff.
WDer Generalberichterstatter Senator Wardeh betonte die Notwendigkeit einer Wigorvsen Ausgabeneinschrän-- Wng und forderte dle Negierung auf, an- Wsichts der Deflationsbewegung in der Welt weiter unbedingt die H e r st e l - Wugs Preise zu senken, damit Wankreich konkurrenzfähig bleibe.
MZu der allgemeinen Aussprache erklärte Wenator Berenger, die Budgetdefla- Kn könne gewisse Ergebnisse haben, aber W genüge nicht. Dor allem müsse'man Mgen den Nationalismus auf zollpoliti- Wem Gebiet ankämpfen. Berenger for- Wte besondere Beachtung für die durch Ws Hoover-Moratorium geschaffene Lage. Mwa 2 Milliarden würden auf diesem Wege dem französischen Budget entzogen. W>m Ausgang der Lausanner Konferenz Werde teilweise das Gleichgewicht der Wftigen Budgets abhängen, da die Mahlungen Deutschlands eine Wunahmequelle darstellen. Die Regierung Wsse deshalb erllären, lvelche Haltung sie W Lausanne einnehmen wolle.
WNach 'Berenger verteidigte Senator Wh e r o n die Thesaurierungspolitik, die er W Finanzminister getrieben habe.. Es Weibe nur eine rücksichtslose Ausgaben- Wschneiüung übrig.
■ Darauf sprach Finanzminister Fladin, Wssen Ausführungen zunächst auf eine Mtalllierte Würdigung der Dudget-Ein- Wd Ausgaben abgestellt waren. Flandin Wandte sich dann den Erklärungen Be- Wngers zu und betonte, daß Frankreich Wert darauf gelegt habe, auf die Tages- Mdnung der Lausanner Konferenz die Lö- Wng der die Welt beunruhigenden wirt<- Maftlichen und finanziellen Schwierigkei- W zu setzen.
■ Zur Reparationspolitik Frankreichs ■ lei zu lagen, daß Frankreich sich an ■ die Schlußfolgerungen der Baseler ■ Sachverständigen halte, die erklärt M hätten, daß ein Verzicht auf die Re- M paratiouen nur bedeuten würde, die »Last auf andere Schultern zu legen. I Wir können auch nicht vergessen, M fuhr Flandin fort, daß Frankreich die W Ausgaben für den Wiederaufbau sei- f ner verwüsteten Gebiete hat oor- | schießen müssen!
tole Welt erkennt an, daß sogar eine Mreichung der Reparationen und Kriegs- Mulden die Wirtschaftskrise nicht lösen Wirde. Allgemeinere Lösungen sind not- Wendig, und man wird zu einer*Politik des Wiederausbaues (!) gelangen müssen.
$ Zunächst muh man den langfristig Ben Kredit wieder Herstellen und zu Mesem Zwecke erreichen, daß die ein- Begangenen Verpflichtungen Respektiert werden.
I Ministerpräsident Tardie u hielt dann Iflti der Diskussion des auswärtigen Budgets eine hochwichtige Po- Wische Rede, in der er auf die gestrigen lBvsführungen von Senator Berenger und pif die heutigen Ausführungen des Se- Mtors Lemerh einging. Der französische «»orschlag sei logisch und praktisch. Das Vertrauen. in die Abrüsiungs- L»nferenz sei durch den chine- kisch-japanischen Konflikt erschüttert. Das Bündnissystem sei nicht
besonders glücklich, well es letzten Endes doch zum Kriege führe. Deshalb müsse man die internationale Politik organisieren. deren Grundlage die Entente Eordiale zwischen England und Frankreich sei.
Sechs Monate lang seien in Paris und Genf Aussöhnungsversuche vom Völkerbund in einem Konflikt gemacht worden, der fast unlösbar schien, weil die Bereinigten Staaten dem Völkerbund nicht angehörten und well England es nicht liebe, sich im Fernen Osten fest-
zulegen, ohne das Einvernehmen mit Amerika sicher zu sein.
Der Bölkerbundsrat habe keinen Erfolg gehabt, weil man seit 13 Jahren daran gearbeitet habe, die Rolle bee
Völkerbundes zu verdünnen.
Immerhin hätten auf den letzten Appell ?es Ratspräsidenten die Kanonen geschwiegen. Nachdem nach vielfacher Ansicht die Organisierung eines mter- inationalen Machtfaktors nicht das er-
Eine Zusammenkunft zu Vieren?
Macdonald - Brüning - Erandi - Tardieu
Paris 25. März. Obgleich eine amtliche Bestätigung für die aus englischer Quelle stammende Meldung von einer bevorstehenden Zusammenkunft zwischen Tardieu und Macdonald noch nicht vorliegt, scheint es, als ob die Begegnung grundsätzlich bereits fest beschlossen ist. Der gewöhnlich gut unterrichtete „Te m p.> - erklärt, man werde sich in erster Linie über den Donauplan und über die bevorstehende Lausanner Konferenz unterhalten. Außerdem sei beabsichtigt, eine Viererkonferenz zwischen Frankreich, England. Deutschland und Italien vorzubereiten, damit nach der Einigung der Donaustaateft keinerlei Verzögerungen mehr eintreten.
Havas bestätigt, daß Ministerpräsident Tardieu gestern eine Mitteilung der englischen Regierung betreffend den französischen Pkan der wirtschaftlichen Restaurierung der Donauländer erhalten und hierauf bereits geantwortet habe. Wahrscheinlich werde Tardieu in allernächster Zeit mit Macdonald und Sir John Simon zu einer Besprechung über diese Angelegenheit Zusammentreffen.
Damit würde die Möglichkeit einer späteren Aussprache zwischen Macdonald, Brüning, Erandi und Tardieu nicht aus
geschlossen. Möglicherweise weide dann die Begegnung zu vieren in Genf erfolgen, wenn anläßlich der Wiederaufnahme der Abrüstungskonferenz die Außenminister der verschiedenen Länder dort versammelt seien.
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v Oesterreich !kann keine politischen Bindungen in' Mitteleuropa eingehen. Auf einer Tagung des Landesbauernrates von Niederöfterreich sprach Bundeskanzler Dr. V u r e s ch u. a. über die Handelspolitik der österreichischen Regierung.
Er führte dabei aus, daß die österreichische Regierung auf dem Standpunkt stehe, daß sie in der Zeit der schweren Wirtschaftsnot und der Zeit der völlig ungeklärten wirtschaftlichen Lage in ganz Mitteleuropa keinerlei politische Bindungen eingehen könne und werde. Gerade jetzt seien erfolgverheißende Anzeichen dafür vorhanden, daß es zu einer Klärung der unhaltbaren Lag« in Mitteleuropa komme. Die Lage sei zum Reißen gespannt, nicht nur bei «ns, sondern auch bei anderen Staaten im mitteleuropäische« Raum.
wartete Ergebnis gehabt habe, stehe man vor folgender Tatsache: Entweder werde man auf den Völkerbund verzichten. oder man müsse sich entschließen, diese Organisationzu einer Realität zu machen.
Wir verlangen, fuhr Tardieu fort, daß man dem Völkerbund eine Streitmacht zur Verfügung stellt, ferner pl^itisch« Bedingungen insofern, als mau dem Völkerbund, wenn man ihm die Streitmacht zur Verfügung stellt, ihm auch eine geeignete Organisation geben muß, um sich dieser Streitmacht zu bedienen. Zn Schanghai war eine internationale Streitmacht, und doch nützte sie nichts, well der Völkerbund nicht die Macht besaß, sich ihrer Kl bedienen. Der Arm existierte, aber das Gehirn, ihn handeln zu lassen, fehlte.
Tardieu ging alsdann zur
Reparationsfrage
Mer. 3m Einnahmebudget von 1932 ständen 1 173 000 000 Franc, die der Wiederaufnahme der deutschen Zahlungen am 1.3ult entsprächen, abzügl ich der französischen Zahlungen an England und Amerika. Man habe Die Aufnahme dieses Betrages in das Einnahmebudget anscheinend bedauert. Aber das Gesetz habe dazu gezwungen. Andernfalls hätte das Parlament der Regierung einen Vorwurf machen könne«, denn das hätte gewissermaßen der
Verzicht auf die Zahlungen Deutschlands bedeutet. Niemand hätte das der Regierung verziehen. Hoffenllich würden diese 1 173 Millionen sich eines Tages auch in den fran^sischen Kassen befinden, wie sie ins Budget eingeschrieben seien.
3« der Reparationsfrage, so fuhr Tar- die« fort, ist Frankreich zu freiwillig eiu- gegangenen Angleichungen bereit, es lehnt aber die Verleugnung der Unterschriften ab. Das bedeutet, dhß wir auf der Lausanner Konferenz unsere Ansichten den Ansichten der anderen anzunähern haben, aber mit dem Willen, fest zu bleiben, weil dies unser Recht ist, ««d weil wir, da wir die Sicherheit von morgen aus der Unterschrift aufbauen wollen, nicht die Abkommen von gestern, die auf der Unterschrift begründet fi«d, zerbrechen lasten wollen. Frankreich wird bis zum Ende für die Respektierung der Unterschriften eintreten, aber niemals zulasten, daß die Unterschrift auf irgend ein Gewinn- oder Verlustkonto geschrieben werden könnte, wie irgend ein eingefrorener Kredit. Wenn nicht während der zwei Monate bis z»r Lausanner Konferenz Maßnahmen ergriffen werden, könnten ernste Ereigniste ein« treten. Die Länder Mitteleuropa» befinden sich gegenwärtig im Zustand We» Moratoriums. Man muß also schnellstens für die Rettung Mitteleuropas etwas tu«.
„Tolf werden!"
Bon Reichsminister a. Tk Dr. Eeßl e r.
Es wäre falsch, die Bedeutung innerpolitischer Kämpfe und Entscheidungen für das Gesamtschicksal des Volkes, d. h. für die Außenpolitik übersehen zu wollen. Aber der innerpolitische Streit uno die so begreiflichen wirtschaftlichen Sorgen des Alltags drohen immer wieder durch ihr wucherndes Eigenleben die wichtigsten Fragen der Gesamtnation zu überdecken . Erne rein staatliche oder gar örtlich verengte Betrachtungsweise ist in dieser Zeit völlig unangebracht, in der wieder oder besser getagt immer noch das ganze deutsche Volk nicht nur in seinen staatlich zusammengefaßten Kernbestandteilen, sondern ebenso in seinen Grenzfronten und Vorpostenstellungen sich dem unerbittlichen Kampf ums Dasein als Station gegenüber« sieht. Es war kein Zufall, daß die französische Politik gerade in dem Augenblick einen Borstoß in das mittel- und siideuropsiiscke Problem hinein unternahm, als die Wellen des innerpolitischen Kampfes besonders hoch gingen. Es ist kein Zufall, daß im Mewel- land, in Polen, ja sogar in Lettland zielbe- wußte Vorstöße gegen den Bestand bcutfd'en Landes und deutschen Volkes gemacht werden, daß in Nordtirol eine ausgesprochen reichsfeindliche und sranzofen freundliche Legiti- wisten-Propaganda sich röhrt, während das Reich und Oesterreich bu^ta innere Spannungen und wirtschaftliche Kesten bedroht sind. Das deutsche Volk sollte in seiner geP'ci'-bcten Lage allmählich gelernt Haben, alle diese Ereignisse in ihrem inneren Zusammenhang zu leben, um in feiner Geltung imd seinen Entschlössen als Volk sich zu wehren, wie es als Gesamtvolk ohne Rücksicht auf innerrmsststche Emftell'mg gher politische Staatsangehörigkeit angegriffen ist.
Sjimmec noch gibst es "in Deutschland Kretfr? die in den Bestrebungen, die auf eine Verbindung mit dem Autzendeutschtum hinzielen, eine Art „Wohltaligkeitspflege" sehen und achselzuckend meinen, man müsse diese Dinge auf ruhigere und bessere Zeiten aufschieben. In Wirklichkeit ist die Lage so, daß wir, d. h. die Reichsdeutschen, gerade in dieser Zeit nicht darauf verzichten dürfen, etwa ein Drittel unserer Volksgenossen draußen in unserem Kampf um den Wiederaufstieg unbeachtet zu lassen. Das Außen- volkstum, d. h. die deutschen Bastionen rings an unseren Grenzen, die Volksinseln im weiten Osten und Siidosten Europas, die Millionen von Deutfcken in den US^., die zahlenmäßig recht beträchtsschen deutschen Siedlungen in Südamerika seine halbe Million allein in Siibbrafilien), die zahlreichen deutschen Kaufleute, Ingenieure, reckniker, Lrzle und Lehrer, die rings in der Welt deutsches Wesen und deutsche Arbeit zur Geltung bringen, sind für den Wiederaufstieg des deutschen Gelamtvolkes eine so beachtliche Kraftmielle. daß eigentlich nur ein politisch so zerrissenes und durch innere Hader von sich selbst abge- lenktes Volk, wie das deussche. ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht werden muß. Die Fcanzofen bellten, abgesehen von Kanada, den Kolonien und dem verstreuten Auslands- franzosentum, ein Außenvolkstum von der zahlenmähig und wesensmäßigen Bedeuiung des Auslandsdeutschtums nicht Sie erhalten trotzdem mit sehr erheblichen staatlichen Mitteln die Alliance sraneaise, die französische Kulturpropaganda im aggressiven Sinn betreibt. Während der Verein für das Deutschtum im Ausland sich ausdrücklich darauf be- fchränkt, deutsche Menschen mit den Mitteln der Äulturpflege deutsch zu erhasten, wirbt Frankreich mit allen Methoden em er reich dotierten Propaganda um die Nicht- franzosen.
Ein gerade setzt sehr zeitgemäßes Beispiel läßt die Bedeutung des Außenvolkstums besonders deutlich hervortreten. Der Kampf um die Gestaltung Mitteleuropas und Südosteuropas, der in feinem augenblicklichen Entwicklungsstände in erster Linie als wirtschaftliches Problem aufoefaßt wird, der aber in Wirklichkeit ein Ausschnitt um die Geltang des europäischen Loerr^ckatfs- anfpruches Frankreichs ist, bietet Deutschland neben den natürlichen, zugunsten Deutschlands sprechenden Wirtschaftserfordernifsen den Vortest, daß akoefehen von Oe^erreich selbst, annähernd 6 Mi^ionen Deutsche in diesem von Frankreich als Gegenoewicht aeaen Deutschland gebuchten Raume leben. Es handelt fick bei diesen Deutschen außerdem um die fortgeschrittenste, rührigste Pev-lk-e-nngs- schicht, deren hulturener. und wirtfchostsicher Einfluß so stark ist/ daß die deussche Sprache, gesssitzt auch auf die geschichtliche Pmhm-Mimq in der früheren habsburgischen Monarchie, die Handelsverkehrs- und Kultursprache des europäischen Osteps iiberbaunt ist Auch in den Parlamenten der Tschechoslowakei, Süd-