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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Deutschland und der Donaubund
Die deutiche Antwort auf Frankreichs Vorschläge — Keine Verhandlungen ohne Beteiligung der Großmächte
B e r l i n. 16. Marz. Die deutsch« Antwort auf deu Tardieuschen Donaubundglan ist dem französischen Botschafter in Berlin, Francois Poncet, am Dienstag zur Weiterübermittelung an die französische Regierung Übergeben worden.
Die deutsche Note geht davon aus, daß sich die Reichsregierung in der Beurteilung der Dringlichkeit einer entschloßenen Hilfsaktion für die notleidenden Donaustaaten mit der franzstschen Regierung in voller llebereinstimmung befindet.
Die deutsche Regierung ist immer der Meinung gewesen, daß die beste Lösung zur Ueberwindung der Schwierigkeiten die Schaffung eines Wirtschaftsraumes .wäre, der nach seiner Größe und seiner wirtschaftlichen Struktur den Absatz der landwirtschaftlichen UeberschLsie ans den stdostenropäischen Agrarstaaten innerhalb seiner Grenzen sicherstellt. Dieses Ziel würde jedoch lediglich durch eine Zusam- «ensasinng der Donaulander unter sich, wie dies französischerseits vorqeschla- gen wird, nicht erreicht werdet» können. Vielmehr wird ein solcher Wirtschaftsraum auch die grossen landwirtschaftlichen Zuschusiqebiete Europas mitumfassen müssen. Ein auf die Donaustaaten beschränkter wirtschaflicher Zusammenschluß würde überdies für die ebenfalls stark bedrohte deutsche Wirtschaft eine schwer erträgliche Verengung ihres Absatzmarktes zur Folge haben.
Mit der Verwirklichung der durchgreifenden Lösung durch Schaffung eine« solchen großen europäischen Wirtschaftsraumes wird jedoch sobald nicht gerechnet werden können, wie dies für eine rechtzeitige Hilfe unerläßlich ist. Deutschland hat deshalb seinerseits nach Wegen gesucht, auf denen die notwendige rasche Abhilfe' gegenüber dem gegenwärtigen außergewöhnlichen Krisenzustand geschaffen werden kann, ohne einer späteren Gesamt- löfung vorzugreifen.
Schon die italien-ische Regierung hat in ihrer, nach Auffassung der Reichsregierung durchaus zutreffenden Beurteilung der Lage darauf hingewiesen, daß in der schwierigen Situation Oesterreichs und Ungarns ein Eefahrenmoment liegt, dessen Beseitigung vordringlich erscheint.
Oesterreich kann nach Auffassung der deutschen Regierung eine wirksame und raiche Hilfe dadurch gewährt werden, daß, entsprechend der Anregung des Finanzausschußes des Völkerbundes, seine Nachbarländer und andere Staaten für die Aufnahme der österreichischen Ausfuhr b e- vorzugte Bedingungen schaffen.
Ungarn und den übrigen Donaustaaten mit überwiegend agrarischer Erzeugung wird ebenfalls zunächst dadurch eine wesentliche Erleichterung gebracht werden können, daß ihre Eetreideüber- schüße von den europäischen landwirtschaft- lichen Zuschußgebieten unter günstigeren Bedingungen ausgenommen werden. Diese beiden Maßnahmen entsprechen insbesondere völlig den Vorschlägen, die von der französischen Regierung selbst am 16. Mai 1931 in dem sogenannten „Konstruktivplan" dem Europaausschuß des Völkerbundes mit dem Ziele einer sofortigen u'std unmittelbaren Hilfe für Oesterreich und die Agrarländer des Donauraumes vor- gelegt wurden.
Auch die Reichsregierung sieht in einer Einigung aller beteiligten Staaten auf der Basis dieser Vorschläge den besten Weg für eine rasch wirkende Hilfe für die in Frage kommenden Donauländer. Sie hat sich in ihrer Antwort auf den Appell Oesterreichs bereits vorbehaltlos auf diesen Boden gestellt. Sie hat überdies ebenso wie die französische Regierung die praktische Verwirklichung der Vorschläge durch Abschluß von Verträgen mit Ungarn und Rumänien über die bevorzugte Abnahme von Getreide aus diesen Ländern schon in Angriff genommen. Sie ist tm gleichen Geiste der Hilfsbereitschaft und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit bereit, sich an der weiteren internationalen Behandlung dieser Frage zu beteiligen.
'Genf, 16. März. Die Regierungen dir vier llnterzeichnermächte de« Memel- abkommens, England, Frankreich, Italien und Japan, haben einen gemeinsamen Schritt bei der litauischen Regierung unternommen, bei dem nachdrücklich auf die letzte Entschließung de« Völkerbundsrates zur Memelfrage hingewiesen und von neuem die unbedingte Notwendigkeit der Bildung eines verfaßuugsmäßigen Direktoriums im Memelgebiet erklärt wirt». Die vier llnterzeichnerstaaten machen die litauische Regierung ausdrücklich dq^auf aufmerksa. r, daß die eben vollzogene Bildung des Direktoriums im Memelzehiet in keiner Weise der letzten Ratsentscheidung des Völkerbundes entspricht und nicht als genügend angesehen werden kann. Wenn nicht in kürzester Frist ein Direk-
Das Echo der deutschen Antwort in der Pariser Presse.
Die deutsche Antwort aus den französischen Vorschlag zur Schaffung eines Donaubundes gibt der französischen Presse wieder Gelegenheit, gegen Deutschland ins Feld zu ziehen. Der außenpolitische Berichterstatter oes „Echo de Paris", Pertinax, erklärt, daß sich T a r d i e u über die Antwort keineswegs überrascht gezeigt habe. Es frage sich, ob Deutschland stark genug sei, eine solche Oppositionauf- rechtzuerhalten.
Oesterreich und Ungarn ständen vor de« finanziellen Zusammenbruch und Deutschland werde nicht in der Lage sein, sie zu unterstützen.
Die französische Regierung habe ihrerseits deutlich zu »erstehen gegeben, daß sie nur lütter der Bedingung zu finanzieller Hilfe bereit sei, wenn Er Sraatenbund geschaffen würde. Was den deutsch-rumänischen Vertrag angeh«, so werde Bukarest sehr wahrscheinlich ein Mittel finden, sich wieder frei zu machen, umio- mehr als es die Inkraftsetzung von der 1 Zustinupung der drei .Staaten abhängig
Ebenso wie der italienischen Regierung erscheint es schließlich auch der Reichs- regieruna nicht zweckmäßig, den vorgesehenen Meinungsaustausch auf die Vertreter der interessierten Donaustaaten zu beschränkend Da das dringendste Erfordernis darin besteht, den notleidenden Donauländern den Absatz ihrer Erzeug- niße auf aufnahmefähigen europäischen Märkten zu erleichtern, könnte man sich von Abmachungen der Donaustaaten untereinander einen durchgreifenden Erfolg nicht versprechen. Es liege vielmehr gerade im Jntereße der Donauländer selbst, bei dem Gedankenaustausch von vornherein die Vertreter der Hauptabsatzländer, insbesondere Frankreichs. Englands, Italiens, Deutschlands hinzuzuziehen. „
torium gebildet wird, das sich auf das Vertraue« der Mehrheit des Memellandtages stützt, würden die vier Unterzeichnermächte gezwungen sein, den Fall unverzüglich vor den Haager Gerichtshof zu bringen.
Die Note der Signatarmächte ist heute nachmittag in Kowno durch einen Kollektivschritt der Mächte überreicht worden.
Der Schritt der vier Mächte entspricht den von der deutschen Regierung in der letzten Zeit mehrfach unternommenen Vorstellungen bei den vier Unterzeichnermächten. In den deutschen Noten an die vier Mächte ist besonders darauf hingewiesen worden, daß eine Auflösung des Memellandtages lediglich dazu führen werde, daß der gegenwärtige vertraglose Zustand und das verfassungswidrige Direktorium des litauischen Gouverneurs im Memelgebiet weiter aufrecht erhalten wird.
gemacht habe. Schon jetzt hätten mehrere Länder ein Beto eingelegt, und Frankreich habe berechtigten Grund zuversichtlich iti die Zukunft zu blicken.
Antwort die Schlußfolgerung, daß die Reichs-
Das „Journal" zieht aus der deutschsn regierung bereit sei, an jeder Hilfsaktion für Oesterreich und Ungarn mitzuarbeiten unter der Voraussetzung, daß dadurch der Weg nach Wien nicht versperrt und der wirtschaftlichen Ausdehnung Deutschlands nach dem Südosten Europas keine Schranken entgegengesetzt würden.
England und bet Donauplan.
3m Anschluß an die Erörterung des Donauplanes durch das englische Kabinett am Mittwoch, veröffentlichen die „Limes" die folgende Stellungnahme Englandszu diesem Plan: „Die englische Regierung begünstigt jeden Plan, der nachweislich die wirtschaftliche Rot in Westeuropa erleichtert, sofern er keine Hätten für andere Länder mit sich bringt oder ihnen nicht unfaire Einschränkungen auferlegt." Sie habe selbst vor einem Monat in nicht amtlicher Form vorgeschla- gen, daß die Votteile einer Zollvereini
gung für die fünf Donaustaaten — Oesterreich, Ungarn, Südslawien, Rumänien und die Lschechoslowaker — nachgeprüft werden sollen. Da dieser Vorschlag von einigen Regierungen, die befragt worden waren, als ungeeignet angesehen wurde, so sei die englische Regierung bereit, jeden praktisch durchführbaren Plan zu unterstützen, der anscheinend die besten Aussichten habe, eine baldige Erleichterung zu bringen. Es sei angeregt worden, daß die geeignete Körperschaft zur Erwägung dieser Angelegenheit der Europa-Aus- schuß des Völkerbundes sei, der in Genf im Mar Msammentreten soll. Dieser Ausschuß würde zu entscheiden haben, ob seine 26 Mitglieder die Frage erörtern sollen oder ob es am besten sein würde, einen Untersuchungsausschuß der am meisten betroffenen großen und kleinen Mächte gu bilden, wozu Deu tschland, Italien, Frankreich, England und die fünf Donaustaaten gehören würden."
Südslawien lehnt ab
Belgrad, 16. März. Das Blatt des Außenministers, die „Prawda", berichtet aus Genfl daß der südslawische Außenminister Marinkowitsch dem französischen Ministerpräsidenten Tardie« mitgeteilt habe, daß Südflawien auf keinen Fall der Schaffung eines Vvrzugszollbundes zwischen Oesterreich, Ungarn und der Tschecho- flvwakei zustimmen würde.
Südslawien sei auch gegen die Dorzugszollverhandlungen Italiens mit Oesterreich und Ungarn. Für Südslawien sei es eine Lebensfrage, Absatzmärkte für seine lanw wirtschaftlichen Erzeugnisse zu finden. Es sei daher der Ansicht, daß der derzeitige Zustand günstiger sei, als wenn eine enge Verbindung zwischen Prag, Wien und Budapest bestünde.
Zugleich berichtet die „Prawda" über große Schwrerigkeiten, auf die Tardieu in Genf gestoßen sei. Es könne keine Rede davon lein, daß sich der französische Plan in ab- sehbarer Zeit verwirklichen lassen werde. Es bestünden in dieser Hmsicht noch immer dieselben Hindernisse, die seit zehn Jahren jeden Versuch einer Neuregelung der mitteleuropäischen Verhältnisse zum Scheitern gebracht hätten.
Bulgarien wünscht Teilnahme an bet Donau- Union.
fk? London, 17. März. Wie.„Times" berichten, hat die bulgarische Regierung in Paris formell mitgeteilt, daß Bulgarien an der geplanten Donau-Union teilnehmen wolle. Die britische und italienische Regierung sind von diesem Schritt verständigt worden.
Amerikanischer Besuch in Berlin.
B e r I i n, 16. März. In der Industrie- und Handelskammer zu Berlin fand ein Empfang zu Ehren des Präsidenten der Amerikanischen Handelskammer in Washington, Mister Silas Strawn statt, an dem u. a. der amerikanische Botschafter Mister Sackett und Reichswirtschaftsminister Warmbold teilnahmen. Franz von Mendelssohn begrüßte Herrn Strawn, indem er aus die schwierige gegenwärtige Lage, die eine nachhaltige internationale Zusammenarbeit erfordert, hinwies und die Bedeutung der Vereinigten Staaten hervorhob.
Herr Strawn antwortete mit einem warmen Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit der Wirtschaft. Er wies daraus hin, daß Deutschland der zweitbeste Abnehmer amerikanischer Waren im Auslande jahrelang war und daß die Erhaltung der Wirtschaft in einem Lande von der wirtschaftlichen Bedeutung wie Deutschland für die ganze Welt höchst bedeutungsvoll sei. Er betont«-daß er bei einer Sitzung der Internationalen Handelskammer in Paris die deutschen Reparationen als einen der hauptsächlichsten Gründe für die Stagnation des Han - .dels und für bie wirtschaftliche Depression bezeichnet habe.
Die Warnung an Litauen
Die Signatarmächte greifen endlich ein
Politik der Erpressung