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Nr. 62

ü»<i»em»e Zettung. Marburg «u L. Montag. bett 14. März 1932

Die Aerhälimsfe auf -en Rhiiippmen

(Schluß.)

Unterstützung erforderlich.

Politische Unabhängigkeit ohne sinanzielle Stütze seitens der Bereinigten Staaten und Zolllreiheit für ihre Produkte würde für die Philippinen ein Danaer-Geschenk sein, das sie Bankerott in wirtschaftlicher Beziehung oder der Annexion durch eine der Großmächte des Fernen Ostens in die Arme treiben würde. Die Handelskammer für die Phi­lippinen, deren Hauptquartier in Newyork ist, der Sprecher des Hauses der Philippinen- Legislatur Roxias, der kürzlich vor dem Senatsausschutz für Territorien und Insular- Zngelegenheiten vernommen wurde, und aste Freunde des Welffriedens haben gegen Un­abhängigkeit ohne finanzielle und wirffchaft- liif.c Garantien protestiert.

Die genannte Handelskammer erklärt unter anderem, daß die vom Kriegsdepartement der Vereinigten Staaten ausgegebenen Bonds der Phstippmen-Regierung zum Betrage von nahezu hundert Millionen Dollars ernstlich gefährdet würden, fostten die Inseln den 6d)ug dieser Republik verlieren. Das amerikanische Volk würde die PHUippinen dem Unheil überantworten, wollte es unter der Maske des großherzigen Wohltäters und Menschenfreundes ihnen Unabhängigkeit geben. Nur selbstffche Motive bestimmen die Unabhängigkeitsbewequng seitens eines Teils des Kongresses, erklärt die Philippinenhan­delskammer in Newnork. Sie beabsichtigen nur eine weitere Hilfe für die angeblich not­leidende amerikanische Landwirtschaft.

Verkauf an Deutschland?

Andererseits verschließt sich die Regierung nicht der Erkenntnis, daß es am besten märe, für die Philip-nnen einen Abnehmer zu finden, der ihre wirtschaftliche Fortentwick­lung garantieren könnte. Es bleiben in der Pkilippinen-Frage nur zwei Wege offen: ent­weder werden die Inseln an eine andere Macht abgetreten, oder der Kongreß ent­schließt sich, sie in solcher Weise zu unterstützen und ihre Zukunft sicher zu stellen, daß die Pkilipvinen-Frage aufhört, die Gemüter zu beunruhigen.

Große Kolonialbesitzungen im fernen Osten besitzen die Briten, die Holländer und die Franzosen, aber sie haben an dem, was sie besitzen, gerade genug und dürften kaum willens sein, sich weitere Lasten aufzubürden.

Eine Abtretung der Inseln an Japan würde in den Bereinigten Staaten nicht zu­lässig erscheinen, und einen sehr beunruhigen­den Eindruck auf die Holländer auf den gro­ßen Sunda-Inseln und die Australier machen, die sich vor nichts mehr fürchten, als vor einer weiteren Asdehnung der japanischen Macht­sphäre.

Kürzlich wurde allen Ernstes vorgeschlagen, die Philippinen zu einem nominel­len Preise an Deutschland zu ver­kaufen. Folgende Gründe wurden dafür ins Feld geführt: Deutschland hat Erfahrung im Kolonialwesen, es hat einen Bevölkerungs­überschuß, der nur in Kolonien untergebracht werden kann, es war eine politische UnKlug­heit. dem Deutschen Reiche seine Kolonien zu nehmen, weil eine Ueberschuß-Bevölkerung, — eingeschlossen in einem kleinen Lande, für sie zu klein, — ein den Frieden störendes Ele­ment ist, da es naturgemäß auf territoriale Expansion auf Kosten von Nachbarländern bedacht fein muß. Eine andere germanische Macht im fernen Osten würde eme weitere Friedensgarantie sein. Unter Deutscher Ver­waltung könnten die Philippinen ein Gebiet für profitable Kapitalanlagen für den Fili­pino sein, und das wären sie zur Zeit nicht unter amerikanischer Oberhoheit.

In der Untersuchung der Zucker-Lobby wurde mitgeteilt,' der frühere amerikanische Hotsckafter in Havanna. General Enoch H. Crowder habe mitgeteilt, er hätte in Washington gehört, die Heeresleitung beab- sichtige, im Falle eines Krieges mit einer fernöstlichen Macht (Japan) die Philippinen ihrem Schicksal zu überlassen. Die Mitteilung, die natürlich nicht für die Oeffentlichkeit be­stimmt war, erregte hochgradige patriotische Entrüstung, ist aber nichts anderes als die Feststellung einer höchst unliebsamen und für nationalen Jingoismus beschämenden Tat­sache.

Die Insel« schlecht geschützt.

Die amerikanische Flottenmacht in afiatb schen Gewässern besteht aus einem alten Äre- zer, zwanzig Zerstörern, einer Untersee­boot-Division, einer Minenlegungsabteilung, Zwei Flugzeuggeschwadern, einigen Hilfsschis- fen und zehn Kanonenbooten, die haupffäch- lick zur Jagd auf chinesische Seeräuber ver­wandt werden. Die Flott? könnte von einer Modernen Seemacht ohne weiteres vernichtet werden. Die nächste Flottenstation auf den Hawaiischen Inseln ist 6000 Meilen entfernt Eine wirkungsvolle amerikanische Flotten-

Konzentration zum Schutze der Philippinen könnte erst in langer Zeit erfolgen.

Die Garnison von Manila und anderer Städte besteht aus 11 000 Mann, der Mehrzahl nach Filipinos, die von Amerika­nischen Offizieren kommandiert werden: sie gelten als loyal. Als loyal galten auch die eingeborenen Truppen der Engländer in In­dien, bis sie sich 1857—58 gegen die britische Herrsckaft erhoben. Der Aufstand wurde be­kanntlich blutig unterdrückt.

Die Eorregidor-Insel an der Einfahrt zur Manila-Bai ist als das „Gibraltar des Ostens" bezeichnet worden, aber als das geschah, ar­beitete die militärische Taktik nicht mit Flug­zeugen und Gasbomben. Der Flottenab­rüstungsvertrag, der in Washington verein­bart wurde, verbietet aber den Vereinigten Staaten, weitere Befestigungen in und um Manila anzulegen, also auch nicht bomben­sichere Kasematten. Die Einnahme von Corregidor und Manila würde also nur eine Frage von Wochen, wenn nicht gar Tagen fein. —

Um die Inseln wiederzuerobern, müßte die ganze amerikanische Flotte eingesetzt und eine

Expeditionsarmee nach den 12 000 Meilen vom amerikanischen Festlande entfernt lie­genden Philippinen entsandt werden, wo Jungmannschaften tropischen Krankheiten aus­gesetzt sein würden und im besten Falle nichts weiter erreichen könnten, als die Wieder­eroberung eines Besitzes von zweifelhaftem Wert . Es ist fraglich, ob nicht auch einem hochgespannten amerikanischen Nationalismus das Opfer zu groß erscheinen würde .

Das sind alles Tatsachen, auf die sich Gene­ral Crowders Indiskretion stützte. Sie geben kein erfreuliches Bild der Situation für die Vereinigten Staaten.

Allerdings hat der Kellogg-Pakt die Kriegs­gefahr vermindert, aber auch die japanischen Inseln sind ein übervölkertes Gebiet. Japan hat die im Kriege mit China eroberte Insel Formosa, die ihm 1895 zufiel, ertragreicher und profitabler gemacht, als es die Phi­lippinen jetzt sind. Wir das Reich des Mi­kado, das aus der Mandschurei ausgeschlossen zu sein scheint, sich auf die Dauer der Zeit enthalten können, die Philippinen zu begeh­ren, wenn seine Bevölkerung in demselben Verhältnis zunimmt, wie in den letzten Jahren?

Blutige Anruhen am allin-ifchrn Kvnvreßtas

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In ganz Indien wurde ein allindischer Kongreßtag gefeiert, der eine Demonstra­tion gegen die englische Herrschaft bedeu­ten sollte. Im Bombay versuchte die Po­lizei, diese Demonstrationen mit allen Mit­teln zu verhindern, sie verhaftete die Füh­rer und trieb die Menge mit Stockhiebe auseinander, wobei zahlreiche Personen schwer verletzt wurden.

Deutsche Tierärzte in russischen Diensten

Wie wir aus Kreisen der Tierärzte er­fahren, hatte vor kurzem ein in der Tages- presie erscheinender Artikel bei der deut­schen Tierärzteschaft die Hoffnung er­weckt, daß für eine ganze Reihe von Tier­ärzten die Möglichkeit bestehe, in Ruß­land gut bezahlte Arbeit und Beschäfti- a zu finden. Im weiteren Verfolg e sogar später von einer Aktion der russischen Regierung gesprochen, die die Anstellung deutscher Veterinär« beabsich­tige. Von der zuständigen Stelle erfahren wir, daß das n l ch t der Fall ist. Tat­sache ist allerdings, daß durch die deutsch- russische Transport- und Handelsgesell­schaft dem einen oder anderen deutschen Tierärzte Stellen in Südrußland angeboten worden find die monatlich mit 300 Rubel bezahlt werden. Das ist an und für sich eine geringe Summe, auch wenn sie etwa 660 „M, im Vergleich entspricht. Man muß dabei immer berücksichtigen, daß ja in

Rußland die Binnenwährung eingeführt ist und dementsprechend die Preise festge­setzt sind. Das Reichsgesundheitsamt hat einen Vertreter als Beobachter des tier­ärztlichen Wesens in Moskau. Nach den Erfahrungen liegen tatsächlich die russi­schen Verhältnisse in Bezug auf Tier- arzneikunde und tierärztliche Behandlung sehr im Argen. Und es hat auch schon einmal so ausgesehen, als wolle die russi­sche Regierung deutsche Tierärzte in größe­rem Umfange zur Besserung der dortigen Verhältnisse heranziehen. Dazu aber ist es nicht gekommen. Nach russischen Sta­tistiken würde Sowjetrußland etwa 50 000 akademisch-gebildete Tierärzte benötigen, tatsächlich sind aber etwa nur 4000 vor­handen. Man behilft sich vorläufig in Rußland damit, Techniker auf tierärzt­lichen Sondergebieten, wie z. B. Impfen, tätig sein zu lassen.

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Auch Stabte stottern

Die Düsseldorfer Stadtverwaltung be­absichtigt, die in einem Vorort gelegenen unvollendeten Wohnhausbauten in den nächsten Monaten fertigstellen zu lassen. Da nun die nötigen Mittel fehlen, ist man auf den Ausweg verfallen, die Leistungen „abzustottern". Nach einer Meldung der Düsseldorfer Presse wurden die Arbeiten von der Stadtverwaltung un­ter der Bedingung ausgeschrieben, daß die Bezahlung in 12 Monatsraten erfolgen soll, beginnend vier Wochen nach Fertigstellung der Arbeiten. Die Hand­werker würden also dann 13 bis 14 Mo­nate warten müssen, bis sie in den Besitz ihres Geldes gelangen. Naturgemäß hat sich in den Handwerkerkreisen gegen dieses Borgehen starker Widerstand bemerkbar gemacht. Die Zimmerer-Zwangs-Innung erhob in einer Entschließung schärfsten Protest gegen die Geschäftsmethoden bet der Ausschreibung. Es sei nicht angängig, in der heutigen schweren Zeit von dem Handwerker zu verlangen, die Arbeiten tüjne eine Zahlung fertigzustellen, und die Bezahlung in 12 Monaten vorzunehmen. Die Verwaltung verlange von dem Hand­werker, der nur notdürftig sein Leben fristet, pünklliche Zahlung der Steuern und sozialen Beiträge.

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-Deutsch envlifcher Klub

Im Frühjahr 1931 ist in London der Anglo German Club ins Leben getreten. Er will die Annäherung und Verständigung zwischen Deuffchland und England fördern und einen unpolitischen Treffpunkt für die Freunde bei­der Länder bilden. Maßgebende Persönlich­keiten Deuffchlands und Englands aus allen Berufsklassen und Gesellschaftsschichten haben ihre Mitwirkung in den Dienst der Sache ge­stellt.

Jetzt soll auch in Deuffchland eine Zweig­gruppe unter dem Namen „Deutsch-Englischer Klub" gegründet werden. Die Gründung wird in Wiesbaden erfolgen, das wegen feines

Seite 3

Das Lmbdersh Baby

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Die letzte Aufnahme des Lindbergh- Babys, die 14 Tage vor dem Raub ge­macht wurde. — Ganz Amerika ist noch immer auf der Suche nach dem kleinen Söhnchen des Ozeanfliegers Lindbergh, das in der Nacht von bisher unbekannt geblie­benen Räubern aus dem Landhaus feines Vaters entführt wurde. Aber trotz der verzweifelten Suche der gesamten Polizei der Vereinigten Staaten ist noch immer keine Spur entdeckt worden.

internationalen Badelebens besonders geeignet hierfür ist. Von hier aus wird sich der Klub über ganz Deutschland Derbretten. Er hat die­selben Ziele wie die Muttergriindung in Eng­land und ist bestrebt, Persönlichkeiten beider Länder aus dem kulturellen und wirtsckasl- lichen Leben in persönliche Fühlung zu brin­gen. Besonders wird er auch oen Austausch­gedanken — Schüler, Studenten, Arbeiter und Angestellte — pflegen. Für den bevorstehen­den Sommer ift eine Englandwoche unter Führung deutscher Englandkenner vorgesehen; im Herbst werden Mitglieder des Londoner Klubs Gäste der deutschen Organisation sein.

Der Erfinder der Osrnmlampe gestorben. Bayrisch-Zell, 12. März. Im As­ter von 67 fahren ist hier Dr.-Ing. Her­mann Remanee von der Technischen Hochschule Berlin einem Herzschlag er­legen. Remanee ist der Erfinder der welt­bekannten Metall-Drahllampe (Osram - Lampe), die die Kohlenfadenlampe fast vollkommen verdrängt hat.

Indiens neuentdeckte Goldfelder.

Gerade rechtzeitig, um dem gefährdeten eng­lischen Pfunde betzuspringen, sind in Indien „Goldseider" besonderer Art entdeckt und nutz­bar gemacht worden. Das Riesenland zwischen Ganges und Indus war während der letzten Jahrzehnte der größte Abneymer für Gold, Aber bas gelbe Metall wurde nicht etwa zum Prägen von Münzen oder zur Deckung der Banknoten gebraucht, sondern jeder wohl­habende Inder legte einen Teil feines Ver­mögens in Gold an, weil es ihm als da» sicherste erschien. Niedrigen Schätzungen zu­folge sind im Verlaufe der letzten dreißig Jahre in Indien nickt weniger als fechs Mil- liarden Mark in Gold aufgespeichert wordeit- Mit der Ausgabe der Goldwährung durch England hat sich nun die Lage völlig ver­ändert. Die Hamsterer haben das Vertrauen zum Gold als der unbedingt sicheren Kapitals­anlage verloren. Die Folge davon ist eine all­gemeine Flucht aus dem gelben Metall, für das man sich alle nur irgendwie brauchbaren Gegenstände und Waren kauft. Das Gold gehl nach Newyork und Paris, wo er gegen Dollars ober Franken verkauft wird. Letztere werden wieder geaen englische Noten umgetaufebt. Auf diese Weise stieß Indien kürzlich in einer einzigen Woche für mehr als sechzig Millionen Mark Gold ab. Die damit im Zusammenhang stehende starke Nachfrage nach engliscken No­ten hielt die bedrohliche Abwärtsbewegung des Pfundes sofort auf und führte zu einer merklichen Erholung. Die Ausbeutung der neuen indischen „Goldfelder" hält unvermin­dert an und ist zur Zeit bedeutend größer als die Goldausfuhr Südafrikas.

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Verlag Dr. C. Hitzeroth. Aaupffckr l Iciter und nerantroorfli-h fgT Pg. litil und Feuilleton: Dr. Ernst Scheller; für Kommunalpolitik, Provinz und Lokales Lothar Schneider iä—tiiin War wrg<

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