Eroener für Hindenburg
Litauischer Größenwahn
Berlin, 11. März. Reichsinnemni- nister Groeue r betont in einer längeren Veröffentlichung über den Reichspräsidenten, daß die Liebe und Verehrung des ^deutschen Volkes für diesen Führer auf dem Vertrauen in seine einfache und edle Desinnung, seinen Mut zur Verantwortung und sein unerschütterliches Pflichtgefühl beruhen. Er hat dieses Vertrauen in keiner Stunde getäuscht.
Die Ereignisse, die das historische Bild Hindenburgs bestimmen, zeigen die tiefe Tragik, die über dem Leben dieses Führers liegt. Er war vom Schicksal bestimmt, an entscheidender Stelle immer dann die Verantwortung zu übernehmen, wenn es galt, in Stunden höchster Gefahr die letzten
Zollinren getrennter Wirtschaftsgebiete, der Rückkehr zu den Grundlagen der indrmdua- listischen Form der Eütererzeugung und -Verteilung seiner Ansicht nach die Welt schnell wieder zurückführen werde zu dem W o hl- st a n d, wie er vor dem Kriege bestand.
Ein Spielball seiner Feinde
Polen fordert Auslieferung der Danziger Zollverwaltung — Ein Antrag beim Völkerbundskommissar
Vorstoß Polens gegen die Danziger Zollverwaltung.
Danzig. 11. März. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat Polen am | £ März beim Völkerbundskommissar einen Antrag auf Entscheidung gestellt, der nicht »ehr und nicht weniger als die völlige Auslieferung der Zollverwaltung an Polen fordert. Polen beansprucht für sich auch auf Dauziger Gebiet das Recht der Durchführung der polnischen Zollmatz- aahmen. Das umfangreiche polnische Schriftstück umschließt 15 Punkte. Der Senat hat sich heute damit besaht.
Polen und der Donaubundplan.
Warschau, 11. März. Wie Gazeta ssolska meldet, hat vo_i 7.—10. März im | polnischen Außenministerium eine Kon- M>f e r e n z sämtlicher polnischer Gesandter ” der Donauländer stattgefunden, an der die Gesandten aus Prag. Belgrad, Wien, Pudapsst, Bukarest und Sofia teiluahmen.
Memel, 11. März. Die Mehrheitsparteien haben zu morgen ^vormittag k 11 Uhr die Fraktion zusammengsrufen, um . zu der durch die Ernennung von T o l i s ch u s zum Landesdirektor geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Dieses wurde auch Simmat und dem Gouverneur mitgeteilt und beide nahmen diese Mitteilung ohne Widerspruch entgegen. Nunmehr hat Herr Simmat den Führern der Mehrheitsparteien ein Ultimatum gestellt und Entscheidung der Partei bis Sonnabend vormittag 9 Uhr, also zwei Stunden vor Zusamurentritt der Fraktion, verlangt, obwohl er genau weih, das? die auswärtigen Abgeordneten um diese Zeit noch nicht in Memel sein können.
Ein Ulitmatum
Die Elta bestätigt die Nachrichten, dah Präsident Simmet 'die Mehrheitsparteien ultimativ aufgefordert habe, bis Sonnabend 9 Uhr vormittags drei Personen als Landesdirektoren für das neue Direktorium oorzufchlagen, andererseits er »hne weitere Verhandlungen die drei Laa- desdirektorea aus Personen seines Vertrauens ernennen »erde.
Die Elta-Meldunc, versucht, den Mehrheitsparteien die Schuld an einem. etwaigen Scheitern der Bildung eines Direktoriums Beizumessen. Wie aus Kreisen der Mehrhsitsparteien verlautet, hat man dort den festen Eindruck, dah Simmat ein dem Memel-Statut entsprechendes parlamentarisches Direktorium nicht zu bilden gewillt ist.
Die Trawerfeier für Briand.
fk. Paris, 12. März. Tie Kammer verabschiedete am Freitag abend einstimmig den bereits vom Senat verabschiedeten Gesetz- entmurf, wodurch dem verstorbenen ehemaligen Außenminister Briand als höchste Ehrung bts französischen Staates das Verdienst um das Vaterland zugesprochen wurde.
Der llhrensaal des Auhenministeriums, in dem der Sara mit den sterblichen Resten des Ehemaligen Aubenministers ausgebahrt ist.
D« Messe-Frettag.
Leipzig, 11. März. Sn den Messehäusern der Leipziger Altstadt flaut die Messe ab. Konnte die Mustermesse naturgemäß keine grohen Aufträge bringen, so hat in den meisten Branchen doch die Zahl kleinerer Bestellungen der deutschen Industrie wenigstens auf Wochen Beschäftigung gebracht. Besonders grobes Interesse zeigt sich für Dieselmotoren und alle Kraftmaschrnm. Eine für Leipzig immer wichtiger werdende Sondermesse ist die Bugra-Maschinen- messe int Buchgewerbehaus. Sehr gut von deutschen Firmen beschickt, hacke sie während der ganzen Woche eine konstant dauernd grohe Besucherzahl, unter der alle europäischen Länder, aber auch rote gewöhnlich, die asiatischen Staaten vertreten waren. Besonders grob war das Interesse für photomechanisches Druckverfahren. Kanada,, Italien und Spanien, Frankreich und Belgien und der europäische Norden, Indien und China haben namhafte Aufträge erteilt.
Fortsetzung der FleischverbMgimg.
Berlin, 11. März. Amtlich wird mitgeteilt: Zur Fortführung der F l e i s ch v e r -- Billigung für Arbeitslose und andere Hilfsbedürftige und zugleich als Weiterführung der Hilfsaktion für die,Landwirtschaft hat die Reichsregierung weitere Mittel zur Verfügung gestellt,. Es wird em weiterer Bezugschein mit drei Wochenabschnitten ausgogeben und damit die Durchführung zunächst bis Ende April dieses Jahres gesichert. Der Bezug vom frischen Rind- und Schweinefleisch zu einem Preise, der 30 Pfennig unter dem Tagespreis liegt, ist damit weiter gesichert für den Preis der bisherigen Be-icher. Tie Geltungsdauer der noch zur Ausgabe gelangenden Abschnitte ist so bemessen, daß in der Osterwoche zwer'Bezugsscheine verwendet werden können. Die Ausgabestellen der Fleischbezugsscheine sowie die Fleischverkaufsstellen bleiben die gleichen roie bisher.
Die polnische Presse und bie Rundsunkau- spräche des Reichspräsidenten.
Warschau, 11. März. Die polnische Presse veröffentlicht die gestrige Rede des Reichspräsidenten in längeren, durchweg kom- mentarlosen Auszügen,
Paris, 11. März. Der Derwaltungs- rat der Internationalen Handelskammer hat in seiner heutigen Sitzung auf Vorschlag von Herrn Duchenun-Paris und Sir Arthur Balfour-London yerrn Franz von Mendelssohn zum Ehrenpräsidenten und Herrn Abraham Frömern, Vorsitzenden der deutschen Gruppe, emstim- mig zum Präsidenten der Kammer ernannt. Die Vorschläge wurden einstimmig ratifiziert.
Im Anschlub an die Wahl erstattete Fro- wein m seiner Eigenschaft als Präsident ein Referat über die allgemeine Wlttschofts- lage. Er erklärte u. a.:
Mit Ihnen allen stimme ich sicherlich überein, wenn ich auf das Entschiedenste alle die Angriffe zmückweise, die die Krisis der letzten Jahre einzig und allein unserem Wirtschaftssystem, dem sog. kapitalistischen System der Eütererzeu- gung und -vertellmg, zuschreiben
Mit Ihnen halte ich auch heute noch dieses individualistische System der Eütererzeugung und -Verteilung für das beste. Die gewaltige Aufwärtsbewegung der 100 Jahre vor 1914 sei nur dem individualistischen System der Gütererzeugung und -vetter- lung zu danken gewesen.
Im Anschlub daran behandelte der Redner die Verwüstungen, die der Weltttieg hinterlieb. Es sei nach seiner Ileberzeuaung nicht schuld unserer Wirtschaftsform, wenn es nicht gelungen ist, nach dem Kriege das richtige Funktionieren der so schwer erschütterten Weltwirtschaft wieder her- zustellen, es ist, lassen Sie es mich offen aussprechen,
ein Versagen der Regierungen.
Diese These wurde dann im einzelnen begründet. Der Redner beschäftigte sich dann mit der Schrumpfung der Güter- e r z e u g u n g, für die er emzetne erschreckende Zittern gab. Anschließend daran wandte sich Präsident Frowem dem
Problem der zwischenstaatlichen Schulden zu. Man müsse die Frage aufwerfen, ob in ein« so gestörten Welt die Begleichung von Schulden noch möglich sei, denen ökonomische Gegenwerte überhaupt nicht mehr «egenüberstehen.
Zu den Schulden gehörten ganz gleichmäßig interalliierte Schulden wie Reparationen, zwischen denen ein wirtschaftlicher Unterschied nicht bestehe. Frowetn verwies schlieblich auf die Notwendigkeit einer Abrüstung, die zusammen mit der endgültigen Regelung der zwischenstaatlichen Schuld«*, der Bildung grober, nicht durch
steht auch am heutigen Sonnabend vormittag noch für die Bevölkerung offen. Punkt 2 Uhr heute nachmittag wird die sterbliche Hülle Briands vor dem Aubenministerium aufge- bahtt, worauf Ministerpräsident Tarbieu sofort das Wort zu seiner Trauerrede ergreift, die in ganz Frankreich durch Rundfunk verbreitet wird. Nach den Ausführungen bes Ministerpräsidenten findet der Vorbeimarsch der Truppen statt, worauf der Trauerzug gebildet wird, der den Leichenwagen über die Hauptstrabeii und Plätze der Stadt bis zum Friedhof geleitet. Auf Anordmmg des Unter- ttchtsministeriums haben sämtliche Schulen Anwe snng echnlt u. am heui gen wonnabend- vormittag eine Stunde dem polck'schen Leben Briands zu widmen, und den todjülern das grobe Friedenswerk des ehemaligen Anßen- ministers vor Augen zu führen.
Möglichkeiten einer Rettung gn schaffen. Er war vom Schicksal bestimmt, seinem Volke in einer Zeit zu dienen, in der ess nach einem großen begeisternden Aufstieg einen erbitterten Kampf um die Grenzest seiner Heimat, um seine Existenz und unt die Grundlagen für einen neuen Aufbau zu kämpfen gezwungen war. Der Sieger! von Tannenberg hat vvr keiner Qtufgabc gescheut, seinen Ruhm zu opfern und das Ansehen seines Namens in neuer Derant- Wortung einzusetzen. Er hat das Volk, das dem Befreier Ostpreußens zujubelte, auch in den Stunden tiefster Not nicht verlassene Wenn sich der Reichspräsident von Hindenburg am Ende eines solch unvergleichlichen Lebensweges erneut eittschlossen hat, seinen Namen und seinen Ruhm dem Vaterlande zu opfern, dann können wir ge-z wih sein, daß dieser Entschluß in der ernsten Sorg« um den Zukunftsweg des deutschen Volkes bgmndet ist. Das deut!Ha Volk ist heute in Gefahren, an der Politischen und wittschafllichen Knebelung seiner Entwicklung und an den unerträglichen Lasten zu verzweifeln und den klaren Weg des mühsamen Wiederaufbaus zu verlassen.
Noch einmal ist der Führer aus dem Kriege bereit, seinen Ruhm zu opfern. Wir kämpfen für ihn, well wir wissen, daß nur eine von Stimmungen unbeirtte, starke, unabhängige, stettge, verfassungstreue Führung das deutsche Volk vor schwerste^ inneren Kämpfen bewahren kann.
Die groß« Kundgebung des Hindenburg- Ausschusses.
Berkin, 11. März. Der Sportpalast, in dem heute aBenb bie grobe Kundgebung des Hindenburg-Ausschusses stattsanb, was schon gegen 7.30 Uhr fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Grünichmuck und Tannengtr- landen zietten das Haus, und hinter item, Podium war ein gewaltiges, lebensgrobes Bild des Reichspräsidenten aufgerichtet.
Als kurz vor 8 Uhr Reichskanzler Dr. Brüning erschien, wurde er mit lebhaftem Beifall begrübt. Schon vor Beginn Ur. redneri'chen Veranstaltung, der Musikvotträsq und Lichtbilder mit Ansprachen Hindenburgs vorangegangen waren, war der letzte Sitzplatz vergriffen. ... .
Nach dem Landrat Ger ecke ergriTT der Reichskanzler das Wort, der mit ungewohnter Schärfe und Leidenschaftlichkeit sprach.
Nach dem Kanzler sprachen Graf Westarp und Generalleutnant a. D. Str ecctus. >
Die NSDAP, und die Berhastungen in Berlin.
München, 11. März. Der .,Vrwische Beobachter" meldet: Die Rechtsabteilung der NSDAP, erklärt zu den Verhaftungen In. Berlin, daß die NSDAP, in der Angelegenheit des Polizeiofsiziers oöllig unbeteiligt sei. Es handele sich lediglich um ein Wahlinanöver. Die Rechtsakte,lung habe gegen Polizeipräsident ®rzestnfkl Anzeige wegen Beleidigung und falscher Anschuldigung erstattet.
Der Vorfitzende des Verbandes preußischer Pollzeibeamten, dessen Mitgnev der unter dem Verdacht des Hochverrats verhaftete Polizeiwachtnieister -chuIz-Briestn ist und bei dem die gleichfalls verhaftete Braut des Beamten, Gertrud Müller, in Stellung war, der fozialdemokratifche Landtagsabgeordnete Schrader, hat dem „Lokal- anzeiger" auf Anfrage mitgeteilt, daß feinet Ansicht nach von Hochverrat niemals die 5R.be fein könne. Es gebe bei der preußischen Polizei keine Geheimnisse, di« verraten werden könnten. Alle Ein-elheiten über Zahl, Bewaffnung und Ausrüstung der Beamten, über die Polizeikasernen und Reviere feien genau bekannt, Er, Schrader, neige der Ansicht zu,daß es sich bei der Angelegenheit znn eine Wahlmache handle«
Versagey der ^Regierungen“
Die Schuld am Wirtschaftlichen Zusammenbruch
Anzeiger für (das frühere kurhessische) LSerhefsen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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