Sette 3
OderdeMSe Bettnnfl, Marburg a. S- SoimaSend, den 5. März 1932
Nr. 55
Litauisch-deutsches Zwischenspiel
Eine polnische »Amazonen Armee'
für
herangezogen zu werden.
Otte am Mje
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Puppenspiele sind heute wieder recht beliebt, nicht allein bei den Kindern, auch mancher gebildete Erwachsene sieht heute die dramatische Kunst wieder, die einstmals allein die Volksunterhaltung war. The Hans Sachs und Jakob Ayrer ihre Schwänke und Fastnachtsspiele schrieben, haben die Puppen allein unser Volk er-
die auf eigenen Wunsch in die Heimat zurückbefördert wurden. *
In diesen Zahlen äußert sich die außerordentlich schlechte wirtschaftliche Lage, in der sich die Vereinigten Staaten von Nordamerika zur Zeit befinden. Die Zahl der Arbeitslosen ist nach den Schätzungen der Gewerkschaften auf über 9 Millionen gestiegen. Die Zahl der Kurzarbeiter abzuschätzen hat sich als unmöglich erwiesen. Von der Arbeitslosigkeit werden aber nicht nur die Arbeiter und Angestellten, nicht naV der gesamte Mittelstand, sondern auch die oberen Zehntausend ersaßt. Denn in den letzten beiden Jahren haben in USA. mehr als 3500 Banken bankerott gemacht.
jedoch, daß ein solches Gebilde organisch von unten herauf geschaffen werden mutz. Die geplante Zusammenlegung birgt die Gefahr einer schweren Schädigung für die überwiegende Mehrzahl der Studierenden in sich, da diese nach Abschluß ihres Studiums im Wettbewerb mit jungen Diplomingenieuren reiner Technischen Hochschulen. in den Hintergrund gedrängt werden.
Die Bolloersammlung ist der Ueberzeugung. daß durch diese Maßnahme in kurzer Zeit eine fortschreitende Minderung im Bestände des Lehrkörpers ein treten muß und somit die Anziehungskraft der Hochschule auf die Studierenden mehr und mehr schwinden mutz.
Es besteht daher die große Gefahr, datz die einzige Technische Hochschule des deutschen Ostens neben Danzig zur völligen Bedeutungslosigkeit herabsinkt und somit ein weiteres Bollwerk deutscher Kultur im bedrängten Grenzlande verloren geht.
Angesichts der Tatsache, daß bereits die pädagogische Akademie und die Kunstakademie in Breslau ein Opfer der Notzeit geworden sind, forde " wir Rektor und Senat der Technischen Hochschule sowie die Provinzial- und Landesbehörden und die städtischen Behörden und alle die Kreise, die an der Erhaltung der Technischen Hochschule interessiert find, guf, sich gegen diesen Plan eines Experimentes mit sehr fraglichem Ausgang mit allen zu Gebote stehenden Mitteln einzufetzen.
RüSEHmr aus Anmlka
Das Einwanderungsamt der Vereinigten Staaten von Nordamerika macht soeben bekannt, daßimKalenderfahr 1931 insgesamt 46 217 Ausländer mehr in die Heimat zurück k e h r en . als Einwanderer in USA. zugelassen wurden. Die Zahl der Einwanderer belief sich auf 43 353, die der zurückwandernden Ausländer auf 89 579.
Die Zahl der Ausländer, einschließlich der Touristen, Reisen uthb Besucher, dre im letzten Kalenderjahr in USA. ankamen, belief sich auf 199 964. Die Zahl der auswandernden Ausländer, alle Klassen eingeschlosien, betrug 294 438. Bon letzteren waren 204 868 Nichteinwanderer.
Verglichen mit dem Jäher 1930 nahm die Einwanderung um 75,9 Prozent ab. Die aus Europa war um 91783 oder 78 Prozent geringer, die aus Kanada um 31877 oder 77.1 Prozent, die aus Mexiko um 4234 oder 66,4 Prozent, die aus anderen Ländern um 9004 oder 60,3 Prozent.
Im Monat Dezember des letzten Jahres wurden 1336 Ausländer ausgewiesen. Die Zahl der Ausqewiesenen belief sich im letzten halben Jahr auf 9234. Unter den letzteren befanden sich mittellose Ausländer,
W erinntrirg an den 12 5. Geburtstag Franz Alki (7. März 180?).
stücken — wir nennen nur seine „Zaubergeige", sein „Eulenschloß", sein „Kasperle als Porträtmaler", „Kasperle bei den Leuwutschen" oder „Kasperle als Prinz".
Franz Pocci ist am 7. Mai 1876, 69 Jahre alt, in München gestorben, wirklich betrauert von allen Volksschichten.
Prof. Dr. Ernst Friedrichs.
Eugen d'Albert
der große Komponist, Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, ist, wie gemeldet, in Riga im Alter von 68 Jahren gestorben. Von den zahlreichen Oper«, die d'Albert schuf, war „Tiefland" die bekannteste.
Die litauische Regierung protestiert über jede Kleinigkeit bei der deutschen Regierung oder bei Redaktionen. Bei uns hört man
enllWung ter SetWhtn SvMchute zu Breslau
Die Versammlung der Studierenden an der Techn. Hochschule zu Breslau hat soeben von näheren Einzelheiten der geplanten Zusammenlegung der Technischen Hochschule und der Universität Kenntnis genommen und folgende Entschließung gefaßt: «
Sie verkennt nicht, datz die Schaffung einer Universitas literarum das ideale Endziel hoch- fchulpolitifcher Bestrebungen darstellt, glaubt
„Wie im Morgenglanze Du rings mich anglüyst Frühling, Geliebter.
Mit tausendfacher Liebesmonne, Sich an mein Herz drängt Deiner ewigen Wärme Heilig Gefühl, Unendliche >—,öne!
Hinaus! Hinaus strebfs Aufwärts an Deinem Dusen Mieden der Vater."
W e tz l ar und seine Umgebung waren es, wo der 23jährige, das Bild Lottens im Herzen „die Leiden des jungen Werthers" erlebte Varbenheim ist das ..WaIbeim", das
1932.
Gegen alle „feierlichen Erklärungen" nimmt man den deutschen Landespräsidenten des Memellandes unter lächerlichen Vorwänden fest. Innerpolitisch geht es natürlich um die Beseitigung der memelländischen Autonomie. Die Deutschenhetze hat durch die fast täglich msammengetrommelten großlitauischen Mas- fenversammlungen in Memel und Litauen selbst eine bisher unbekannte Schärfe erreicht. Am 24. Januar dieses Jahres wurde das geflügelte Wort geprägt: „W,r müssen uns von den Parasiten befreien und sie über die Memel jagen!"
Mit diesen Parasiten sind natürlich die memelländischen Deutschen gemeint.
Tie Demonstration der litauischen Studenten vor der deutschen Buchhandlung von Fischer
qötzt und sind dann auch mit dem Erwachen des wirklichen Dramas nicht teil, sie sind während der Zeit des 30jäbrigen Krieges sogar wieder die einzige Dolks- unterhaltung und, sagen wir ruhig. Las Volksbildungsmittel gewesen. Nachdem sind sie dann allerdings immer mehr zu- rückqetreten und schließlich ganz vergesien worden, bis in der Mitte des vorigen Jahrhunderts Franz Pocci sie wieder zu neuem Leben erweckte. Franz Pocci, oder richtiger Franz Graf von Pocci, war im alten München der 50iger und 60iger Jahre eine sehr bekannte Persönlichkeit, schon durch seine äußere Stellung als königlicher Zeremonienmeister und Hofmusikintendant. Er war geborener Münchner, (1807) der Sohn eines eingewanderten und in den bayerischen Heeresdienst getretenen italienischen Generals. Als wohlhabender Mann hatte er Jurisprudenz studiert, aber nie Gebrauch davon gemacht, sondern sich den schönen Künsten zuacwondt. In München und dann bald über München hinaus war er als hübscher Zeichner — seine Radierungen zu „Grimms Märchen" und zu „Andersens Märchen" haben bleibenden Wert — und als Dichter damals sehr bekannt. Er hat Dramen geschrieben, Opern komponiert, Lieder gedichtet und vertont, hüblch sind besonders seine lustigen Studenten- und Jägerlieder, Romane usw. geschrieben. 1 Teheran ist er da am besten, wo er dem übermütigen Humor die Zügel schießen lasten kann. Zu diesem etwas derben, banerischen Humor gehören denn auch seine Puvvenspiele. Es gibt von ihm eine ganze Reihe von solchen Kasperl-
in Kowno zeigt den Deutschenhaß der Litauer. Im Schaufenster der Buchhandlung war das Werk von Dr. Werner-Eessen über Litauen ausgestellt. Die Studenten rotteten sich zusammen, verlangten die Entfernung des Buches und be- fchmiertendas Fen ft er mit Teer (eine beliebte Methode in Litauen, die indischen Schaufenster zu kennzeichnen). Natürlich suchte die Polizei vergeblich nach den Studenten, die wahrscheinlich em deutsches Werk nicht geistig zu erfassen imstande sind. Eme Kownoer Zeitung bemerkte dazu: Dr. Essen hat das Memelland für Deutschland okkupiert, die litauischen Studenten haben es mit dem Teerpinsel wieder erobert.“
uns aus dem „Leiden" bekannt ist. Hierhin ging, ritt ober fuhr man in der „Kutsche" anno 1772. Im Gasthaus an der Straße „unter zwei Linden, die mit ihren ausgebrei- teten Besten den Platz bedeckten", faß dre Wetzlarer Gesellschaft bei Kaffee und Kuchen, indeß Goethe sich mit den Knaben der Wirtin vergnügte. Allwöchentlich kam er hierher, oft reitend, meistens spazierend, und gar manches Lied mag unter den kühlenden Linden entstanden fein. Parallelen zu dem „Westöstlichen Divan", der mit gedämpfter Glut 43 Jahre fnäter, um die Gerbermühle bei Frankfurt a. M. sich wob.
Von Wetzlar kam Goethe am 9.5.1772 nach Frankfurt a. M., um seinen Geburtsort wiederzusehen. Er schreibt darüber: „An der großen Linde, die eine Viertelstunge vor der Stadt nach S. zu fleht, ließ ich kalten, stieg aus, und hieß den Postillion fortsahren. um zu Fuße jede Erinnerung ganz neu, lebhaft, nach meinem Herzen zu kosten. Da stand ich nun unter der Linde, die ehedem, als Knabe, das 9iel und die Grenze meiner Spaziergänge gewesen." Der Ort, wo Goethe ausstieq, ist die nachmalige „Goetherube". drüben überm Main, in Sachsenhausen. Heute ragt dort ein stattlicher schängefügter Holzturm in 43 Meter Hohe weit über den Stadtwald hinaus. Das schöne Maintal liegt zu unseren Füßen und fernher grüßen Odenwald, Spefsart. Rhön und Vogelsberg. Von einem Goethe-Verehrer ,nm Gedächtnis an bas Jahr 1832 gestiftet, bildet er allfonntäglich das Wanderziel vieler Taufenden.
Die Goetkesche Naturnähe und -frcub*wollen wir uns bewahren und mit ihm sprechen:
„Wie sehn' ick mich, Natur, nach Dir, Wirst alle Deine Kräfte hier
Zu meinem Sinn erheitern Und dieses enge Dasein mit Zur Ewigkeit erweitern."
SB. Geisel«
nichts von Protesten. Was nützmr die Ver br'berungen deutscher und litauischer Studenten? Jagt die Parasiten über die Memel!, ist bas Grundmotiv litauischer Handlungen. Die Deutschen im Memellanbe leben unter Kriegszustand und Pressezensur — bei uns kümmert sich kein Mensch um bie Geschäfte des litauiscken Konsuls in Tilsit, trotzdem die Litauer ihm öffentlich für seine Unterstützung dank sagen. Unbehindert können die Litauer im deutschen Tilsit ihr Versammlungslokal benutzen und ihre Konzerte abhalten. Dort, im „L i e t u w i u - S a 1 e“ — Saal der Litauer, dies ist übrigens die einzige litauische Inschrift, die in Tilsit existiert,) tagt der litauische Frauenverein alle 14 Tage und dort ist auch eine litauische Lesehalle. — Dieser kleine Ausschnitt genügt, um zu zeigen, wie bei uns Minderheiten geachtet werden, aber auch, um allen Deutschen die Augen zu öffnen über die Propaganda der Litauer — und nun vergleiche man auf Grund der letzten Vorgänge im Memelgebiet die Behandlung der Deutschen durch die Litauen.
Der Gewaltstreich der Litauer in Memel bestätigt wiederum nicht nur das besonders dunkle und unklare Schicksal des Memellandes, sondern auch den unaufhörlichen krassen Widerspruch zwischen litauiscken Worten und Taten. Nehmen wir aus dieser dauernden Tragikomödie ein paar vergessene Tatsachen heraus um sie vor die Welt zu stellen und auf die schmachvolle Lage unserer uns gründend sinnlos entrissenen, nordöstlichsten Grenzmark hinzuweisen.
1915.
Der deutsche Pfarrer Gaigalat, später offener Großlitauer, schrieb: „Die preußischen Litauer haben nicht die mindeste Lust, einet anderen Verwaltung als gerade der preußisch- deutschen anzugehören. Sie würden niemals ihre gegenwärtige hochentwickelte, wirtschaftliche Sage gegen eine zweifelhafte Zukunft iintauschen wollen!"
1917.
Mitten im Krieg schrieb derselbe Dr. Gai - gal a t sein Buch über Litauen, worin er schon seine litauifcfje Ansprucksgrenze durch Nord-Ostpreußen zog. Bald daraus wurde er mit einem fertigen Entwurf zur Sitauifierung Nordostpreußens abgefangen. Schon 1918 gehörte er dem'überraschend in Erscheinung getretenen „Litauischen Nationalrat" an, dielen wenigen deutsch-litauischen Renegaten, die fast alle deutsche Beamte waren und ihren Ehrgeiz und Egoismus mit dem Mäntelchen „nationaler Minderheiienreckte" deckten und den Vorwand für die S?;sreihung des Memellandes konstruierten. Nach der endgültigen Los- reißung wurde er befragt, was "Litauen mit den deutsche Renegaten und deutschbleibenden Beamten angefangen würde. „Vorläufig brauchen wir diese Leute noch: hernach bekommen sie einen Fußtritt!"
Der jetzige Pfouifcbe Landespräsident Sme ton a behauptete bei der Selbftändig- heitserhlärung Litauens im Jahre 1917, die nur durch Deutschlands Vormacht in Rußland möglich mar: „Litauen ist darauf angewiesen, mit Deutschland enge V—whungen zu pflegen!“
1923.
Am 9. und 19. Januar 1923 gab der vor- §efcbobene „Zentralausschuß zur Verteidigung es Memelgebiets" die „feierliche Erklärung" ab: „Ab heute gelten als gleichberechtigt beide hier gebräuchlichen Sprachen... der Ausschuß wird dafür sorgen, daß die Wahlen für bas Parlament nach demokra'i'chem Wahlrecht bald stattfinden... Wir erfüllen diese große Aufgabe im Namen des Rechts... und die heilige Gerechtigkeit sei bei diesem Unternehmen unsere Stärke!" Bald darauf erklärte ein Minister aus Kowno, Haurstfache sei „die Annäherung des M e m e (I a n b e s an ben fpamcitifefren Ru11ur$uftanb!'1
1925.
Die Landtaasmahlen ergaben 95 Prozent deutsche Wahlstimmen. Selbstverstönblich würbe baraus eine „beutsche Wablmache" konstruiert, unb dje litauischen Schikanen steiger-
-ten sich. „-a.- v
1926.
Ein angeblicher „beutfeher Putschversuch" mürbe in bie Welt hinauspofaunt, obwohl bie Memellänber keine Ahnung baoon hatten.
1927.
In Genf gab ber bamalige allmächtige Woldemaras He Erklärung ab: „Die litauische Regierung ist fest entschlossen, alles zu tun, bannt bie Autonomie bes Mernellan- oes wirksam wirb. Die Rechte ber juristischen unb natürlichen Personen werben von ihr in vollstem Maße gewährleistet!" Natürlich glaubte kein Mensch barem, benn bie fortgesetzten Ausweifn'-^en unb Beamtenmaßregelungen. L'tauif'e "ung unb Presseknebelungen unter ber Auslösung bes Lanbtages unb unter A"snahnw-"stand straften alle Versprechungen Lügen. Aber bet Völkerbund nahm mit „Freuden Kenntnis van bet litauischen Erklärung!" Kürze — Würze!
Wöchentlich ein- bis zweimal gingen wir, Wetzlarer Gymnasiasten, nach Garbenheim in breüyertelftünbigem Spaziergang, um „unter zwei Linden" im Gasthausgarten Goethe zu erleben. Es war besonders frühjahrs ein reizvoller Weg entlang ber silbernen Lahn, bie über Wasserfälle braufenb, durch buntbeblümte Ufer von Gießen kommt. Immer wieder suchten wir ben Ort, die Stelle, da Jung-Goethe, der Reichskammetgerichtsreferendat, Natur- unb Weltsehnsucht im Herzen, hingestreckt am sanbburchzogenen Wiesenrain, bitfe Worte "~ oen Aether fanbte:
Übungen der Frauen mit der Gasmaske.
Neben der Schuljugend werden in Polen jetzt auch die Frauen zu Ausbildungskursen den militärischen Hilfsdienst herangezogen. In allen Städten und größeren Dörfern werden Frauen in militärüdjen Lagern ausgebildet um in Notfällen zur Unterstützung des Mrlttars
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