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^oerdeMiide Fettung. Mardnra a. 1!_ Mittwoch, den 24. Februar 1932
Nr. 46
Marburger Etabizeitung
Aie Au-dungsruns ter Gemeinden
Der Vorstand des Reichsstädtebundes tagte unter dem Vorsitz des Bundespräsidenten, Oberbürgermeister Dr. Selten, in Berlin, um zu den aktuellen Fragen der kommunalen Finanzpolitik Stellung zu nehmen. In einer Entschließung bedauert der Reichsstädtebund, daß trotz seiner wiederholten Anträge die Reichsregierung keinen Anlatz genommen hat, die infolge einer unabsehbaren Lastenvermehrung und eines katastrophalen Einnahmerückganges von Monat zu Monat gesteigerte Finanznot der mittleren und kleinen Städte fühlbar zu mildern. Die Politik der Aushungerung der Gemeinden und einer beschränkten Reichshilfe, bei der die kreisangehörigen Städte praktisch leer ausgehen, sei für die Dauer unerträglich. Die für letztere allein in Frage kommende Unterstützung aus unzulänglichen Ausgleichsfonds, aus denen eine beschränkte Zahl von Städten nach subtilem Nachweis des drohenden Kassenzusammenbruchs mit Mühe über Wasser gehalten werde, könne die fortschreitende Zerrüttung« der Eemeinde- finanzen nicht aufhalten. Wenn nicht unverzüglich Mittel und Wege gefunden würden, um durch eine systematische Vereinfachung der Arbeitslosenhilfe unter angemessener Beteiligung des Reichs an ihren Gesamtlasten die Gemeinden fühlbar zu entlasten, werde der allgemeine Zusammenbruch der mittleren und kleinen Städte öffentlich erkennbar werden. Die Verantwortung für die daraus entstehende Gefährdung der Sicherheit und Ordnung falle den zuständigen Reichsstellen zur Last.
Seronftolhmsen in 1932 anmelden!
Wie in den Vorjahren soll auch in diesem Jahre vom städtischen Verkehrsamt ein Verzeichnis über die diesjährigen Veranstaltungen zusammengestellt werden, damit diese so festgesetzt werden können, daß eine gegenseitige Beeinträchtigung vermieden wird. Anmeldung hat bis zum 1. März an das Stadtverkehtsamt im Rathaus zu erfolgen.
Auf die Anzeige in der heutigen Ausgabe wird besonders verwiesen.
* Ein Menschenauflauf entstand gestern am Pilgrimstein, als Mitglieder der „Eisernen Front" ein Schild, in dem zum Besuch der am Sonntag stattfindenden Kundgebung aufgefordert wurde, ausgerechnet vor der Geschäftsstelle des „Sturm“ ontiringen wollten. Nachdem die Polizei eingeschritten war, wurde das Schild entfernt.
• Schnell tritt der Tod den Menschen an. Die Ehefrau des Schreiners F i n k in der Hofstadt, die schon längere Jahre krank war, hatte heute früh auf dem Markt Einläufe besorgt. Auf dem Nachhausewege erlitt sie m der Nähe des Hauses Möbus-Zeitz (Hofstadt) einen Herzschlag. Der Arzt konnte nur den Tod feststellen.
Turm«; Spiel UN- Sport
Alarburger Schwimmverein.
In dem Bericht über den letzten Klubwettkampf mutz bei dem Damenjugendbrustschwi- men an 2. Stelle Frl. L. Böker gesetzt werden, statt Frl. Weingarten.
Fußball.
Cappel 1. — Wehrda 1. 3:2 (2:1).
Rach den letzten zwei schweren Niederlagen wartete Die Cappeler 1. Elf wieder mit einem sehr guten Spiel auf und siegte gegen den Eruppenmeister der Gruppe III. verdient. Das Spiel wurde von Cappel zeitweise drückend überlegen durchgeführt, zahllose Torchancen wurden von dem sonst nicht schlechten Sturm ausgelasien. Cappel mutzte das ganze Spiel mit 10 Mann durchführen. Der Hauptverdienst an dem systemvollen Spiel dürfte dem alten Kämpen L. Schäfer zufallen, der heute wieder den Mittelläuferposten bei Cappel inne hatte. Das Spiel wurde von dem Schiedsrichter Pfeil in guter Manier geleitet.
Vorboten zum Länderspiel gegen die Schweiz. — Die beiden Mannschaften.
Das am 6. März auf dem Leipziger VfV.-Platze stattfindende 17. Futzball- Länderspiel Deutschlands gegen die Schweiz begegnet einem Jnteresie, das bisher für diese Begegnungen nicht mehr zu verzeichnen war. Leipzig hat bereits gut gerüstet, die Eintrittskarten sind aus- verkauft und die Schweizer haben ihr Interesse an diesem Spiele dadurch dokumentiert, daß bereits sechs Sonderzüge angemeldet sind. Besonderes Rätselraten ist auch über die Aufstellung der deutschen
Mannschaft im Gange. 5m Süden fordert man kategorisch die Aufstellung einer vorwiegend süddeutschen Elf. Innerhalb des süddeutschen Verbandes sind aber die Meinungen über diese Mannschaft keineswegs ' einheitlich. Die jüngsten Erfolge der jungen süddeutschen Mannschaft gegen Norddeutschland, Brandenburg und zweimal gegen Zentralungarn, zuletzt am Sonntag in Budapest, führen zu einer Vermehrung der Stimmen, die den DFB. auffordern, die Vertretung seiner Interessen für den Länderkamps gegen die Schweiz dieser gleichen Mannschaft zu übertragen, die sicherlich auch in der Lage sein wird, gegen die Schweizer gut abzuschneiden. Inzwischen wird bereits halbamtlich eine deutsche Mannschaft bekannt, die zum Teil die jungen süddeutschen Spieler berücksichtigt. Ob diese Mannschaft endgültig Deutschlands Vertretung bilden wird, ist abzuwarten. Die vorgesehene Aufstellung hat folgendes Aussehen: Kretz (Rotweitz Frankfurt); Schütz, Stubb (beide Eintracht Frankfurt); Grämlich (Eintracht Frankfurt). Leinberger (Spvg. Fürth), Heidkamv (Bayern München); Langenbein (VfR. Mannheim), Rutz (Rotweitz Frankfurt), Rohr (Bayern München). R. Hofmann (Dresden), Ko- bierski (Fortuna Düsseldorf).
Die Schweizer Elf wird wie folgt spielen: S<?chehaye (Servette Genf); Mi- nelli, Weiler (beide Erashopver Zürich); Hintermann (St. Gallen), Imhof (FC. Biel); Eillardoni (Lugano); Kramer (Lausanne), T. Abegglen (Erashopper Zürich), Frigeria (Lugano), Ducommin (Chaux de fonds), Jaeck (Servette Genf).
* Der neue Kreispfarrer. Herr Pfarrer S ch m i d t m a n n, der fast drei- B Jahre dem Kirchspiel Caldern vorge- ttben hat, ist gestern mit seiner Familie nach Marburg übergesiedelt, um hier das Amt des Kreispfarrers zu übernehmen. Das Scheiden des Herrn Pfarrer Schmidt- mann wurde in seinem Wirkungskreise in den Ortschaften Caldern, Kernbach und Brungershausen allgemein bedauert.
* Ostersonntagsrückfahrkarten vom 23. März b i s 4. April. Wie die Presiestelle der Reichbahn mitteilt, wird die Reichsbahn im Hinblick auf die günstigen Erfahrungen in der Weihnachtszeit auch zu Ostern Sonntagsrückfahrkarten mit verlängerter Geltungsdauer ausgeben. Die Karten sollen von Mittwoch, den 23. März bis Montag, den 4. April Gültigkeit haben. Außerdem wird Vorsorge getroffen werden, dah zur Erleichterung des Reiseverkehrs in noch stärkerem Matze als zu Weihnachten nach allen beliebten Reisezielen Karten aus- gegeben werden.
* Bestellung von Wirtschaftsprüfer. Die Industrie- und Handelskammer zu Kassel teilt mit, datz der Herr Minister für Handel und Gewerbe den
vereMgten Bücherrevisor und Diplomkaufmann, Herrn Adolf Ludewig, Kassel, zum Wirtschafsprüfer öffentlich bestellt habe. Die Bestellung gilt für das ganze Reichsgebiet. Herr Ludewig ist daraufhin in der letzten Sitzung der Industrie- und Handelskammer als öffentlich bestellter Wirtschaftsprüfer vereidigt worden.
* Was kostet eine Reichspräsidentenwahl? Die Kosten der Reichspräsidentenwahl dürften sich, wenn zwei Wahlgänge erforderlich werden, auf etwa 4, bei einem Wahlgang auf 3 Millionen Mark belaufen, wohingegen Reichstagswahlen billiger zu fein pflegen; die Reichstagswahl 1928 kostete etwa 1,8 Millionen Mark.
Tagesanzeiger.
Mittwoch, den 24. Februar.
Eafe Spangenberg, Bahnhofstr.: 20 Ahr: Konzert.
Dass Markees, Reitgasse: 20 Ahr: Ko.rzert.
Lass Vetter, Reitgasse: 20 Ahr: Konzert.
Stadtkeller: 20 Ahr: Konzert.
Capitol, Diegenstraße: 17 und 20.15 Ahr: »Der Stolz der 3. Kompanie".
Kamera, Kasernenstr.: 17 und 20.15 Ahr: Stürme der Leidenschaft".
Versammlungen, Vortrage, sportliche Veranstaltungen usw.
Volkshochschule: 15 Ahr im Kunstmuseum Dr. Kippenberger: 3. Führung (Waffen). Ferner 17.30 Ahr in der Südschule: Schulrat Daldner: Letzter Vortrag über Fragen der Geopolitik.
Schützenverein Marburg a. D.: 20 Ahr: Zimmerstutzenschiehen.
Stitteilungtü mrt dem MrkrrA
Dir NeuLefestigung der Wridenhäuser Straße
Der Magistrat der Stadt Marburg gibt in der Sonnabend-Nummer der „Ooer- hessischen Zeitung" bekannt, datz Re Neubefestigung und Verkabelung der Weidenhäu- ser Stratze einen Kostenaufwand von 104 000 Mark verursacht und daher zurück- gestellt werden mutz. — Datz heute vielleicht die Mittel für die Instandsetzung der Werden- Häuser Stratze fehlen oder zum mindesten sehr schwer zu beschaffen sind, darüber ist sich wohl jeder flar. Man vermißt aber bet der Erklärung des Magistrats die Auskunft darüber, welche Kosten die geplante Autostraße zum Schloßberg verursachen wird und warum man sie gerade für so dringend nötig hält?
Die Stadtverwaltung wird doch ohne weiteres zugeben müssen, daß wir heute in einer Zeit leben, in der es erste Pflicht sein sollte, Bestehendes zu erhalten und sich nicht in neuen Projekten zu verlieren.
Jedenfalls haben wir Weidenbäuser kein Verständnis für den Bau einer Autostraße, die in der heutigen Zeit absolut nicht nötig ist, solange wir nicht restlos Auskunft erhalten. Sollte es denn nicht möglich fan, seitens des Bezirksverbandes in Kassel Mittel für den Ausbau der WeidenhSuser Stratze zu erhalten? Es handelt sich schließlich doch um eine Arbeit, die einfach nicht länger bin« ausgezögert werden kann. E. R.
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r. Berlin, 24. Febr. Die Marktlage im Brotgetreide ist ausreichend und das Angebot nicht dringend und andererseits liegt auch keine Kauflust vor. Die Lieferungspreise für Weizen und Roggen lauten zum Vortagskurs. Brief-Hafer stetig.
r. Frankfurt, 24. Febr. Der Frank- futter Getreidemarkt ist weiterhm freund- lich, aber sehr ruhig. Das Angebot von Jnlandsbrotgetteide ist weiterhin knapp. Beim Konsum zeigt sich etwas Kauflust. Die Obet- rhemiiche Kommission hat 0,25 JK. höhere Preise für den Doppelzentner notiert, putter- mittel zeigen weiterhm befestigte Tendenz. Umsätze kommen aber fast keine zustande, auch zeigt das Preisniveau keine werteren Veränderungen.
r. Frankfurt, 24. Febr. Im Heuti« gen Vormittagsverkehr war eine zuversichtliche Tendenz an der Börse noch nicht erkennbar, nachdem schon gestern eine Schwächungswelle aufgetaucht war, die ihren Ausgangsmarkt von den ReichSbanL- anteilen nahm, gab Veranlassung, daß Realisationen vorgenommen wurden. Die wenig erfreuliche Debatte im Reichstag trug auch zur Abschwächung bei und ließ ein Geschäft nicht aufkommen. Auch oie schwache Haltung der gestrigen Reuhorker Börse und die rückgängige Tendenz der deutschen Werte im AuÄande fanden Beachtung. ■
Memel
Skizze von Gerhard von Gvttberg.
Extrablätter der Zeitung, Extrablatt vom „MemÄler Dampfboot": »Präsident Bötticher verhaftet".
Ein wirres Laufen auf den kleinen Straßen . . .
Die Menschen sammeln sich; Peter Wardein, der lange, blonz« Vierziger, steht unter ihnen, die Fäuste hält er geballt. ®r ist Schmied von Beruf, gewöhnt, den Hammer zu führen, wird niemals Amboß fein. Peter Wardein spricht zu den Menschen. Seine Stimme ist hatt wie Eisen, seine Wotte sind wie Funken seiner Schmiede: „Kameraden, Deutsche! Wir müssen ihn befreien, wir dulden's nicht von dem Raubvolk. Gewall gegen Gewalt, Trotz gegen Tyrannei!" — Ein Schrei unter den Menschen, geballte Fäuste, dann ein Rufen. Litauer Soldaten eilen im Laufschritt heran, ihre Kolben sind erhoben, ihre Bajonett aufgepflanzt. Die Masse flüchtet, peitscht auseinander. Rur Peter Wardein steht, hat die Hand auf die Schulter seines Vierzehnjährigen gelegt.
Zwei, drei Litauer drängen auf ihn ein: „Pascholl ... zurück ... oder ...“ Furchtlos steht Peter Wardein: „Ober . . .“
Da fassen sie ihn, Lederriemen kerben sich in seine Fäuste: „Marsch nach Kowno!" Einen Blick wirft Peter Wardein auf seinen Slchn: „Geh . . . Deutschland ist nah . . . warne, melde!" — —
Die Telephone sind gesperrt. Die Schiff- fahtt ist abgeriegelt Die Eisenbahnen und di« Post sind geschossen.
Ein Grab über der Stadt ein weites, erstickendes Tuch über jenem kleinen Land, wo einst Preußens unglückliche Königin Zufluch suche.
And neue Rachrichen: „Die Polizei £ft entwaffnet Die Mitglieder des Direk
toriums setzte man gefangen. Die Schaulu Sajunga (Zungschützen) rüden ein. Toli- schus, der Großlitauer Tyrann, wird alle Deutschen vertreiben!"
Es ist Rach. Von St. Marien fchägt die Ahr, aber sie schlägt irich Sturm unter dem Dröhnen litauischer Soldaten- sttsfel unten, in der ihr ändert rauten Stadt. Es ist wie ein Massengrab dieses Land Memel, als gäbe es keinen ArMveg . . . nicht« . . . nicht«.
Zürge Wardein, PeterS Sohn, hat die Stadt verlassen. An jeder Landstraßen- kreuzung stehen litauische Posten, an jeder Drücke ist eine Wache. Doch Zürge brauch die Drücken nich; das Eis ist ja da, das Eis als Helfer des Deutschtums.
Stunden vergehen. Der eiskalte Rord- wind fauch von der See, und die Dünen ind wie zu Stein erstarrt Totensttlle in >en Dörfern, würgende, erstickende Ab- tumpfung, geballte Fäuste hinter geschlos- enen Fensterläden. Zürge Wardein hat Drawohnen erreicht. Am Krug sieht er Helle Fenster, hört lautes Lärmen. Pferde sind dott angebunden. Litauische Gendarmen . . .
Brennender Durst ist in ihm, er kaut Gisstückchen; er muß ja weiter. Hinüber zur Grenze, hinüber zu den Brüdern, bet denen es einmal hieß: „Einer für alle — und alle für einen!“ Sie wissen noch nichts.
Beim Aebergang im Dünengewirr, als die Sonne schon längst wieder scheint knallen Schüsse der Duanen hinter ihm her, einer streift seinen Arm, doch er spürt's nich. Mit langen Sätzen hat er die Grenze überschritten; trifft auf deutsch Zollbeamte; berichtet. Die Männer an der Grenze haben ernste Desiche, sie haben Fäuste, durch die bei jedem Satz des Zungen das Blut aufpulst. Die Männer 6er Grenze sehen die Todesgefahr des
Deutschtums. Sie wissen genau, warum fein Fahrzeug von drüben mehr herüber kommt; sie verstehen jetzt alles.
Drei Stunden später steht Zürge Wardein vor dem Eskadronchef in der ersten deutschen Garnison an der Grenze. Zn dem übernächigen Gesich des Zungen zucken die ausgestandenen Anstrengungen nach. Mit ernstem Blick steht der Rittmeister vor ihm, in dem beherrschten Gesich des Offiziers ein tiefes Mitgefühl und wie unwillkürlich geht sein Dlick zur Waffe.
Er trat an den Fernsprecher, kurz und knapp erstattet er Meldung, erläutert des Zungen Rach richt mit dem, was schon bekannt wurde, zu einem Bilde. — And wieder geht'S weiter! Todmüde sitzt Zürge in einem grauen Kraftwagen der Reichswehr.
Es ist die zweite Rächt eingefallen, als er Königsberg erreicht. Doch er sieht mit offenen Augen. Hier flutet das Leben, hier an der Grenze ist man ja deutsch. Zn Kleinstädten und Dörfern überall Fragen, überall Menschen wach überall Männer, die noch nich angekränkelt sind, überall Schag von seines Vaters Art . . . Leute, die lieber Schmied sind als Amboß, denen Deutschand und Deutschtum noch Lebens« inhatt bedeutet.
Zn Königsberg kurze Rast in einer Dienststelle. Zwei, drei Offiziere in Ani- form. Ernste, sttaffe Gesichter, die nich genug hören können; die diesem Zungen ihr deutsches Herz zeigen; Männer, die schon 1914 jenes Lied sangen: „Gen Ostland woll'n wir reiten!“ Keine Federfuchser . . .
Dann geht es weiter. Zivilstellen; es ist Mitternacht. Zürge Wardein berichtet. Regierungsräte sitzen am Tisch; auch sie ernst unb mitfühlend, auch hier das deutsch Herz. Ostpreuße^geistl
Ein Telephon schrillt. Einer der Herren spricht, immer drängender, immer härter. Das Biut steigt chm zum Kopf; Stahl kommt in seine Stimme, Steinernes, wie damals, da der Regierungsrat bei Tannenberg seinen Zug zum Sturm führte.
Depeschen schwirren. Zürge Wardein geht, morgen soll er wiederkommen. And er jubelt fast; denn morgen werden, morgen werden, morgen müssen ja die grauen Dataillone entteten, um das deutsche Rech im deutschn Memelland zu schützen. Wie oft hat Vater Wardein, der Schmied, von Deutschland erzählt, von der Losung: „Einer für alle und alle für einen!“ —
Als Zürge Wardein am nächsten Tag sich auf der Regierung meldet, sprechn Fremde mit chm. Stternd fragt er: „Wann marschieren die Deutschen, wann retten sie uns?"
„Gar nicht! “
„Was geschieht, es mutz oo.y, n.an rann uns doch nicht so verlassenl“
Zuckende Achseln.
„Aber Gewalt geht doch nur durch Gewalt zu fesseln?"
Der alte RegierungScat sicht mitleidig auf das Kind. Er muß sich zusammenreißen; denn er ist nicht nur DegierungSrat und Abhängiger DerlinS, sondern auch Deutscher, Ostpreuße, denkt wie der ganze Osten Deutschlands, sieht Folgerung auf Folgerung: Memel . . . Danzig . . . Marienburg . . .
„Also keine Hilfe?“ fragt der Zunge und scheint in dieser 6tunix gereift, gesotten durch Erfahrung.
„Berlin hält eS nicht für dringend, man wird in Genf . . .“
Da geht der Vierzehnjährige, er kann nicht mehr sprechen. Berlin und Genf haben chm heute Glaube, Deutschtum und Vertrauen zerschlagen.