Dienstag, oenB FMuartW Dtk .Sbrrhrssisch« Zeitung' er- scheint sechsmal wöchentlich. Be- ^igsprets monatl.t. Marburg 2.02 @5R ausschl. Zustellungsgebühr. bei unsren Agenturen 1,93 GM. ^izügl. ZustestellungSgebühr. durch die Post 2.25 GM. Für etwa durchEtreik, Maschtnendefrktoder elementare Ereignisse ausfallende «Nummern wird kein Ersatz geleitet. Verlag, Dr. §. Hitzerotb, Druck der Untv-Buchdruckeret Zob. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54 und Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt g. M. Nr. 5015. - Sprech,eit »er Redaktion von 10—11 und »/»!-! Ubr.
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die Kandidaten der Rechten
Hitler für die Nationalsozialisten — Duesterberg füy Teutschnationale und Stahlhelm — Heute Reichstagsbeginn
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Der Kampf um Schanghai Ernste Entscheidungen
fl. Schanghai. 23. Febr. Der Kampf nm Schanghai hat am Montag über an der ganzen Front angedawert. Zn einem Bezirk tarnten die Chinesen beträchtlich .an Boden gewinnen.
Schwierige Lag« der japanischen Truppen.
Am Montagabend rannten chinesische Zeitungsjungen mit Sonderausgaben durch die Strafen Schanghais, die die fette Heber* schrift trugen: „Großer chinesischer Sieg". Am Dienstagmorgen gab das chinesische Hauptquartier eine Verlautbarung heraus, in der es heißt, daß die japanischen Truppen, die verstärkt worden seien, auf der ganzen Linie zurüdgetrieh en wurden. Die Chinesen würden nicht ruhen, bis sie die Japaner in b'.e internationale Niederlas,ung zurückgetrieben hätten. Wenn die chinesischen Berichte auch außerordentlich übertrieben sind, so wird dcch auch von den neutralen ausländischen Beobachtern allgemein zugegeben, Z>atz der gestrige ^Tag den Chinesen gehörte. Die Lage der japanischen Truvpen wird als schwierig betrachtet und dahingehend beurteilt, daß sie ohne weitere Verstärkungen nennenswerte Fortschritte nicht erzielen dürften. .
Die Kämpfe haben sich nunmehr in der Hauptsache auf S ch a p e i konzentriert, während von den anderen Fronten wenig entscheidende Bewegungen und Kampfhandlungen gemeldet werden. Die Beschießung des Hongkinbezirks und damit auch der internationalen Niederlassung dauerte am Montag noch lange fort. Am Dienstag, 5 Uhr morgens Ortszeit, wurde auf beiden Seiten das Artilleriefeuer aufgenommen. Im Hongkin- bezirk waren in wenigen Minuten an der neuen Front durch chinesische Granaten große Brände zum Ausbruch gekommen. Der chinesische Angriff richtete sich gegen die internationale Niederlassung, wo sich das japanische Hauptquartier befindet. Das Bombardement dauerte drei Stunden. Auch die amerikanische Niederlassung wurde von chinesischen Granaten beschossen. Auf einen Protest hin erklärten die Chinesen, daß es sich um ein Mißverständnis gehandelt habe, da die blauen Uniformen der Amerikaner als die der Japaner angesehen worden wären. Um 22.50 Uhr begannen ein auf einem Panzerwagen aufgestelltes chinesisches 30-Zentimeter-Ge chütz, sowie Feldgeschütze di« abermalige Beschießung der internationalen Niederlassimg, wo sich das japanische Eene- taliommanbo befindet.
lieber Schapei, wo ausgedehnte Brände wüten, liegen dichte Rauchwolken. Um 930 llhr vormittags überflogen acht japanische Flugzeuge den Flugplatz H u n g j a v, 16 Kilometer westlich der internationalen Niederlassung, und warfen Bomben ab. Sämtliche chinesische Flugzeugschuppen gerieten in Brand. Alle darin untergebrachten Flugzeuge wurden vernichtet.
Ein halbamtlicher japanischer Bericht besagt, daß die Chinesen während der Nacht nördlich von Kiangwan eine flankierende Bewegung ausführten, wobei sich schwere Kämpfe entwickelten. Die Japaner geben tu, daß sie 20 Tote und 60 Verwundete verloren haben und sich zurückziehen.
Di« Japaner rücken langsam »«der vorwärts.
Die japanischen Truppen sind jetzt fieberhaft bemüht, die chinesischen Stteitkräfle in Kiangwan anzugreifen und sie von den Haupttruppen abzuschneiden. In langsamem Dor- kücken gelang es ihnen, den östlichen Teil des Dorfes wieder zu besetzen und »en Kreis der Truppen um das Dorf enger P> schließen. Die Chinesen find noch immer vn Besitz des westlichen und größeren Teiles des Dorfes. Sie haben ihre Hauptstellung beim Hongkin-Kanal, der etwa 800 Meter hinter Kiangwan liegt. Don dort aus beschießen sie die japanischen Stellungen erfolgreich. Don Mautang aus sind die japa- dischen Truppen etwas näher an Talung herangerückt. Ihre Bewegungen werben jedoch durch den htnuxfioen Bode« unb
das schwierige Gelände stark gehemmt. Tanks und schwere Artillerie können kaum noch nach vorne geschafft werden.
Am Montagmorgen um 10 llhr Ortszeit kam es zu heftigen Nahkämpfen bei Tasang, über deren Ausgang noch nichts bekannt ist. Schwere Kämpfe sind auch um das Dorf Miachung, nördlich von Kiangwan, entbrannt, wobei die Japaner außerordentlich große Verluste erlitten haben.
Die Morgenblätter bekräftigen sich heute morgen gleichzeitig mit den beiden wichtig- sten Themen des Tages, der Neuorganisation der Danken und der Entscheidung der Harzburger Front zur Reichspräsidentenfrage.
Welche Bedeutung die Blätter der Dan- ■ kenreform beimessen, geht schon daraus I hervor, daß die meisten von ihnen nicht
6» sieht es in Schanghai ans.
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Japanische Marinesoldaten haben sich an der Grenze der javanischen Konzession hinter Barrikaden verschanzt, um die Zusammenziehung der Division zu decken, die jetzt die General-Offensive gegen die chinestschen Stellungen begann.
Keine Einheitskandidatur
Berlin, 22. Febr. Die Verhandlungen der Führer der in der Harzburger Front zu- sammenzeschlossenen Organisationen über die Stellungnahme zur Reichsprästdentenwahl haben zu dem Ergebnis geführt, daß von der Aufstellung eines Einheitskandidaten zunächst abgesehen worden ist. Sn einer Eeneralmit- gliederoersammlnng des Gaues Berlin der NSDAP, dir am Montag abend im Sportpalast ftattfand, teilte der Berliner Gauleiter, Reichstagsabgeordneter Goebbels, unter stürmischen minutenlange« Heilrufen den Anwesenden mit. daß Adolf Hitler al» Kandidat für die Reichspräsidenten- w a h l aufgestellt wird. Die Deutschnationalen und der Stahlhelm werden im ersten Wahlgang für die Reichsprästdentenwahl den zweiten Bundgesführer des Stahlhelms, Oberstleutnant Duesterberg. aufstellen. Sn Kreisen der Deutschnationalen Bolkspartei und des Stahlhelms wird betont, daß man auch weiter an dem Gedanken der Harzb-rger Front festhalte nnd hofft, im zweiten Wahlgang zu einer Einheitskandidatur zu gelangen. Die Aufstellung der Kandidatur Duesterberg hat den Zweck, »eben der Kandidatur Hitler alle Stimmen zu erfassen, die a«f der äußersten Resbte« aetuihrinnen Ruh-
Sos Kuratorium der Hindenburg-Ausschüsse.
Berlin, 22. Febr. Das Kuratorium der Hindenburg-Ausschüsse ijt heute abend zu einer konstituierenden Sitzung zusammenae- treten. Den Vorsitz des Kuratoriums hat Geheimrat D u i s b e r g, Leverkusen, übernommen. Es wurde ein Arbeitsausschuß unter dem Vorsitz des Landrates a. D. Eereke. M. d. R., gebildet. Das Kuratorium fordert zur Bildung von Landes- und Ortsausschüssen auf, soweit dies noch nicht geschehen ist. Durch eine Volkssammlung soll weitesten Kreisen Gelegenheit gegeben werden, die Wiederwahl des Feldmarschalls durch Geldspenden zu fördern. Zu diesem Zweck ist bei der Bank Delbrück, Schickler u. Co., Berlin, Mauerstr. 61/65, das „Konto Hindenburg-Wahl" und das Postscheckkonto Berlin 2626 „Hindenburg-Wahl" eingerichtet worden. Die Hauptgeschäftsstelle des Arbeitsausschusses befindet sich in Berlin, Prinz-Albrecht-«ttaße 9.
Noch kein Zeitpunkt für die französischen Wahlen festgesetzt.
Paris, 22. Febr. Havas n . bekannt, daß entgegen allen ande ~ ten- ben Nachrichten die Regierung n ' neu Zeitpunkt für die Wahlen festge n 1 be. Bei verschiedenen Fraktionen ...'s'' ste- rungsmehrheit macht sich heute c die Tendenz bemerkbar, die Wahle Hst
bis nach den Wahlen i x-
ien hinauszujchieben.
rtnr im Handelsteil, sondern auch im Leit? arttkel dazu Stellung nehmen.
Die „Vossische Zeitung", die von „repariertem Verttauen" spricht, ist der Auffassung, daß es verfehlt wäre, von einer „Sozialisierung" des Bankwesens $u sprechen. Die öffentliche Hand habe die Beteiligung an den Banken nur getan, nm Schlimmeres zu verhüten. — Das „Berliner Tageblatt" ist der Ansicht, daß eine Vertagung des Problems größere^ Aachteile gebracht hätte, als eine Lösung' mit mehr oder weniger großen Fehler- quellen.
Der „Vorwärts" begrüßt es, daß die öffentliche Hand nicht nur zum Gläubiger, sondern zum Kapitalttäger der Banken- wirtschaft geworden ist.
_ Der „BörsenCourier" betont die Notwendigkeit der Konzentrierung gegenüber einer Dezentralisation.
Die „Börsenzeitung" sieht die Ziele bei der Lösung der Bankenfrage darin, die Banken so stark zu machen, daß sie chren großen volkswirtschaftlichen Aufgaben in vollem Umfange niachkvmmen können, und fordert, daß der staatliche Einfluß bei den Banken sobald als möglich wieder ausgeschaltet werde.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" betont die einschneidenden Wirkungen auf den Kapttalmarkt, ist aber der Auffassung, daß die Erhaltung der freien privatwirtschaftlichen Selbständigkeit diesen Preis wohl wert sei.
Der „T a g" spricht von dem Cannae der deutschen Bankenpolitik. Versagt habe nicht das System der Banken als solches, versagt habe das System der Regierung.
Der „Lokal-Anzeiger" ist ebenfalls der Ansicht, daß die Verluste der Banken überwiegend das Ergebnis einer verkehrten Politik seien.
Die Aufstellung Hitler« und Due- fterborge als Kandidaten der Harz- burger Front wird von der „Germania" als ein Zeichen dafür gewertet, daß diese Bewegung nur solange eine Einheit sei, als es gelte, Opposition zu machen, daß sie aber restlos illusorisch werde, sobald es gelte, auch nur den Ansatz zu einer ersten praktischen Aufbauarbeit zu leisten.
Der „Vorwärts" bezeichnet die Kandidatur Duesterbergs als die „schwächlichste Zählkandidatur, die es überhaupt gebe". Die Kandidatur Hitlers zeige, daß der Na- ttonalsozialismus alles auf die Katte der Reichspräsidentenwahl setze.
Der „Lokal-Anzeiger und der „Tag", die zu dieser Frage noch keine Kommentare bringen, berichten, daß Deutschnationale und Stahlhelm in den Beratungen an der Einheitskandidatur festgehalten hätten.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt, bei aller Sympathie für den nationalen Schwung und die polittsch organisatorische Großtat, die sich an den Namen Hiller knüpfen, verhehlen wir die stärksten^Bedenken gegen seine Kandidatur nicht. Sein Sieg, an den wir nickst glauben, ebenso feine Niederlage, die uns wahrscheinlich scheint, bedeuten schwere Be- laftimsen für die Nation.