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Marburger TageAmreiger
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen sirr Stadt und Kreis Marburg.
Der Tanz auf dem Vulkan
Die Schlacht um Schanghai hat wieder begonnen - Der Völkerbund lagt sich Zeit - Frankreichs Sicherheit ist bedroht
Schwere Kämpfe
fk. Schanghai, 20. Febr. Am Sonnabend morgen um 7.20 Uhr Ortszeit gab der japanische Oberbefehlshaber U y e d a den Befehl zum Angriff auf die chinesischen Stellungen, nachdem um 7 Uhr das japanische Ultimatum abgelaufen war.
Hm 7.30 Uhr Ortszeit wurde von den Japanern das Eewehrfeuer auf der ganzen Linie eröffnet. Zehn japanische Bombenflugzeuge stiegen auf und kreuzten über Nord-Schapei, während andere startbereit waren. Hm 8.30 Hhr Ostzeit begann das Feuer der japanischen Artillerie mit 60 Feldgeschützen, kurz darauf antworteten auch die Chinesen. Die Japaner beabsichtigen erst nach mehrstündiger Ar- tilleriebeschiestung den Sturm auf die chinesischen Schützengräben zu eröffnen. Die beiderseitigen Fronten reichen von der N o r d f p i tz e der internationalen Niederlassung bis nach Wusung.
Die schwersten Kämpfe werden sich
zwischen Wusrmg und Kiangwan entwickeln.
Die japanischen Frontruppen sind etwa 13 000 Mann stark.- In den rückwärtigen Stellungen sind Seesoldaten bereit gestellt worden. In der Nacht vor Ablauf des Waffenstillstandes wurden auf beiden Seiten hin und wider Schüsie gewechselt. Ein japanisches Schiff wurde durch eine chinesische Granate getroffen, wodurch ein Matrose getötet wurde. Mehrere chinesische Granaten fielen in der Nacht auf das japanische Hauptquartier. Der englische und amerikanische Konsul haben ihre Staatsangehörigen aufgefordert, die Nord- und Ostzone der internationalen Niederlasiung zu räumen.
Die japanische Offensive auf Schanghai.
fk. Schanghai, 20. Febr. (10.42Hhr vormittags.) Die Vorbereitungen zur Offensive find beendet, die japanischen Stotztruppen gehen nunmehr auf der langen Front zwischen S ch a p e i und Hongkew in westlicher Richtung auf das zwei Meilen nördlich von Hongkew gelegene K i a n g w a n zum Angriff vor. Ihr Ziel ist die Besetzung der Wusung- eisenbahn, um auf diese Weise ihre Flanken zu decken. Man nimmt an, datz sie nach Besetzung der Bahnlinie zum Schlage gegen S ch a p e i ausholen werden. Gegenwärtig Lombardieren japanische Flugzeuge die Ortschaft K i a n q w a n. die von Teilen der 87. und 88. Division der Armee Tschiangkaischecks verteidigt wird. Diesem Flugzeugangriff kommt in sofern besondere BÄreutung zu, als die Javaner bisher immer nur die 19. chinesische Armee, nicht aber die Truppen Tschiangkaischecks angegriffen haben.
Der Kampf um Kianawa«
fk. Rewyork, 20. Febr. Wie „Associated Preh" aus Schanghai meldet, gab das japanische Hauptquartier um 11 Uhr (Schanghaier Zeit, etwa 4 Uhr MEZ.) bekannt, dah die auf K i a n g « a n vorstostenden Truppen die Sehäude des Sport klnbs, die am Rande der Ortschaft liegen, genommen habe. Die japanischen Truppen sollen auf harten Widerstand gestosteu sei«.
„Fliegende Festungen"
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Diese Riesenflugzeuge stellen das Mächtigste und Modernste der heutigen Militär-Luftfahrt dar Ein jedes kann 2 500 Kilogramm Svrenstofs mit sich führen, ist mit 9 Maschinengewehren ausgerüstet und bat trotz seiner Erötze einen Akiionsradius von 1000 Kilometern. Die Vomben- Abwurf-Borrichtungen werden von einer unter dem Flugzeugrumvf gesondert angebrachten Gondel bedient.
Abrüstungskonferenz vertagt?
Frankreich denkt nicht an Abrüstung
Genf, 19. Febr. Das Präsidium der Abrüstungskonferenz hat heute vormittag beschlossen, am Sonnabend und Montag keine Vollsitzungen abhalten zu lassen. Es ist beabsichtigt, im Laufe der nächsten Woche nach dem A b s ch I u ß der Hauptaussprache zunächst den politischen „Konferenzausschutz" zusammentreten zu lasten, dem die Führer aller Abordnungen angehören, um zunächst zu den vorliegenden zahlreichen Vorschlägen der einzelnen Regierungen Stellung zu nehmn. Das Präsidium wird dann eine Tabelle veröffentlichen, in der die Abrüstungsvorschläge der einzelnen Regierungen einander gegenübergestellt werden, sodaß damit eine Uebersicht über die grundsätzlichen politischen Gegensätze, befonbers zwischen den Großmächten in den Hauptfragen der Abrüstung, möglich fein wird.
Man nimmt an, Last die Konferenz um den 20. März herum auf einige Wochen vertagt werden wird. Gegenwärtig ist von feiten der Abordnungen der auster- europäischen Staaten der ausdrückliche Wunsch an das Präsidium gerichtet worden, die Arbeiten der Konferenz für eine möglichst kurze Zeit, höchstens zwei bis drei Wochen, zu unterbrechen, da diese Abordnungen gegenüber ihren Regierungen eine längere Unterbrechung der Konferenz nicht verantworten können. Es wird daher erwartet, dast die Konferenz Anfang April ihre Arbeiten »eiter fortsetzt. ,
. Das^alte Lied
fk. Paris, 20. Febr. Franklin Doui llon hat in seiner Eigenschaft als Präsident der sozial-republikanischen Linken der Kammer der Presse gegenüber eine Erklärung abgegeben, in der er sich mit der Aufgabe auseinandersetzt, die sich seine Fraktion für den kommenden Sit- MngSabschnitt der Kammer gestellt hat. In innerpolitischer Hinsicht würden seine Freunde für eine nationale Einigung kämpfen und in der Außenpolitik gegen die Illusionen Stellung nehmen, um den Frieden zu sichern. Frankreich wünsche aufrichtig den Frieden. Es sei aber
geradezu verbrecherisch, wenn man die Öffentlichkeit glauben machen wollte, datz em neuer Krieg unmöglich sei. Es gebe Staaten, bk den Krieg wimschm.
und bk sich barauf vor bereiten.
Die „pazifistischen Handlungen" Frankreichs (!) hätten leider nicht dazu geführt, den Haß auszurotten. Aufgabe der Regierung sei es daher, die Sicherheit Frankreichs zu gewährleisten, das heute ebenso bedroht sei wie im Jahre 1914. Hierzu sei k>er Zusammenschluß aller alliierten Länder notwendig, die gerne in» sam die Verträge und Rechte garantieren müs sen.
Alles müsse für einen neuen Angriff gerüstet werden, der schon jetzt vorbereitet werde.
Was tut der Völkerbund?
Genf, 19. Febr. Der Völkerbundsrat hat heute abend nach über dreistündiger Sitzung beschlosten, entsprechend dem chinesischen Antrag die Völkerbundsver. sammlnng auf den 3. März einzuberufen.
Die Delegierten aller in Schanghai ver- tretenen Ratsmitglirder einschließlich Chinas und Japans hoben zugesagt, mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ablauf des japanischen Ultimatums sofort telegraphisch auf die Wiederaufnahme der Verhandlungen an Ort und Stelle und die Vermeidung von Feindseligkeiten hinzu- wirken.
Die vierstündige Sitzung des Völker« bundsrates über den ostasiatischen Konflikt zeigte mit erschütternder Deutlichkeit die völlige Hilflosigkeit und Machtlosigkeit des Völkerbundes im Kriegsfall. Die Sitzung stand unter dem Zeichen des in wenigen Stunden ablaufenden Ultimatums des japanischen Oberkommandos an die chinesischen Truppen. Aach vierstündiger Aussprache beschloß der Völkerbundsrat, auf Grund eines Vorschlages des Ratspräsidenten „Paul-Doneour an die japanische und chinesische Regierung folgende Aufforderung zu richten: j
1. Verlängerung des Ultimatums.
2. Sofortige Wiederaufnahme der direkten Verhandlung.
3. Einschaltung neutraler Truppen zwischen den japanisch-chinesischen Kampflinien, um den Ausbruch von Feindseligkeiten nach dem Ablauf des Ultimatums zu vermeiden.
Der chinesische Delegierte Pen schilderte die neue kritische Zuspitzung der Lage in Schanghai und beantragte einstweilige Maßnahmen oes Völkerbundsrates zur Verhinderung neuen Dlutvergiehens. Der japanische Delegierte Sato widersprach einzelnen Behauptungen des chinesischen Vertreters und begründete in ungewöhnlich langen Ausführungen das japanische Vorgehen mit den chaotischen Zuständen in China. Die von den chinesischen Vertretern beantragten einstweiligen Maßnahmen Hütten früher vorgeschlagen werden müssen, (gegenüber einer wohlgeordneten, arbeitsfähigen Regierung hätte Japan ganz anders gehandelt. Es hätte jede friedliche Regelung angenommen und die Bestimmungen des Paktes so wie sie sind geachtet. Die Anwendung der Pakte würde aber den Tatsachen, wie sie in China vorliegen, nicht entsprechen. China sei nicht imstande, die Ausländer zu schützen und die Verpflichtungen aus den verschiedenen ‘Verträgen einzuhalten.
Wenn man uns als die Angreifer verurteilt, erklärte der japanische Vertreter, bann müßte man die Handlungsweise derjenigen Mächte verurteilen, die vor uns den gleichen Weg beschritten haben. 5n Schanghai nachzugeben, hieß für Japan, auf alle seine Interessen in China verzichten. Das könnte keine japanische Regierung auf sich nehmen.
Die Schaffung der Autonomie der Mandschurei, die vom Lande selbst ausgegangen sei, habe naturgemäß die Sympathien und die ilnterftü^ung Japans gefunden.
England und die Lage im fernen Osten.
fk. London, 29. Febr. Das Kabinett trat gestern abend zu einer Sitzung zusammen, in der ein besonderer Unterausschuß für Schanghai gebildet