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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg. -

Frankreich lehnt natürlich ab!

Die deutschen ALrüstungsvorschläge findnur ein Schachzug" Erst Garantien für Sicherheit, dann Abrüstung

Aus Kreisen der französischen Dele­gation verlautet, man sei nach einem ersten Studium der deutschen Vorschläge zu fol­genden Eindrücken gekommen: In sehr ge­schickter und massvoller Form werde der deutsche Standpunkt entwickelt. In den Grundfragen sei die deutsche Auffassung un­erbittlich und es habe sich an der Auf­fassung, die Traf Bernstorfs in den langjährigen Verhandlungen des vor­bereitenden AbrSstizngsausschusies vorge­tragen habe, nichts geändert. Deshalb sei die französische Delegation auch von den deutschen Vorschlägen nicht über­rascht worden. Die deutsche Inter­pretation des Artikels 8 des Völkerbunds­paktes wird von der französischen Dele­gation abgelehnt. Man sei auch im Zweifel, ob Deutschland sein eigenes Pro­gramm an die Stelle des Konventionsent­wurfes setzen wolle. Weiter betont man, daß nach französischer Auffasipng der Ausbau völkerrechtliche)! Frie­de n s v e r s i ch er un g e n der Ab­rüstung vorangehen müsse. Man vermutet, daß die deutsche Forderung nach Abschaffung der dem Angriff dienenden Befestigungsanlagen auf Franlreichs Ost­befestigungen abzielt. 3n den Kommis­sionsberatungen werde man sich demgemäß eingehend über den Charakter solcher An­lagen unterhalten müssen.

Ganz Frankreich einig

Die deutschen Abrüstungsvorschläage in Genf finden in den Pariser Dlät - tern weitgehende Beachtung. Ganz all­gemein sind sämtliche Blätter ohne Mn« terschied der Partei gegen die deutsche These ein ge st eilt, wobei sie ihre Haltung je nach ihrer Parteiange­hörigkeit begründen. Die Rechtspresse sieht- in den deutschen Vorschlägen lediglich den Versuch, auf billigste Art alle anderen Staaten auf den gleichen Rüstungsstand zu bringen, wie das Reich selbst, während sich die Linksblätter vor alle mgrgen die Andeutung des deutschen Vertreters wen­den, daß das Reich das Recht zur Wieder- oufrüstung habe, falls die Siegerstaaten sich nicht zur Abrüstung entschlössen.

Pertinax schreibt imEcho de Pa­ris", daß die im Wellkrieg unterlegenen Staaten sich bisher nur auf einzelne Vor­stellungen beschränkt hätten. Hetzt seien sie aber dazu übergegangen, das Recht für sich in Anspruch zu nehmen, ebenss stark zu sein, wie die anderen. Der außen- polillsche Berichterstatter desJour­nal" äußert, daß der deutsche Vorschlag darauf hinausgehe, alle Vorsichtsmahnah- «nen zu zerstören, die getroffen worden seien, um jeden Revauchedersuch zu ver­hindern. Der deutsche Plan in seinen Einzecheiten sei außerordenllich gefährlich. DerPetit Parisien" behauptet, es sei eine Frechhell (!), wenn der deutsche Vertreter erkläre, daß es ganz natürlich gewesen wäre, wenn das Reich in seinem Plane alle Arttkel crufgenommen hätte, die sich im Versailler Vertrag im Zusammen­hang mit der Abrüstung befänden.

Das linksgerichteteOeuvre" stellt zwischen den deutschen Vorschlägen in Genf und denjenigen der ehemaligen kö­niglichen und kaiserlichen Regierung aus dem Zahre 1917 eine gewisse Aehnlichkell fest. Ebenso wie die deutsche Friedens- J maschine von 1917 ihr Ziel verfehlt habe, |

werde diedeutsche Kriegsma­schine von heute" wenn es sich tatsächlich um eine solche handele auch ihr Ziel verfehlen.

Im Leitattikel derTemps" wird festgestellt, daß die Ausführungen des deutschen Vertreters in einfachen Formeln die Forderung des Reiches auf Rüstungs­gleichhell enthielten und sich in keiner Weise um die Militärklauseln des Ver­sailler Verttages kümmerten. Die Reichs­regierung habe sich nicht einmal die Mühe gemacht, wenigstens den Schein zu wahren, als ob es ihr tatsächlich um eine Herab­

setzung der Rüstungen zu tun sei. (!) Die Naivität, mit der sie versuche, die ihr auf* erlegten Rüstungsbeschränkungen auf alle anderen Mächte auszudehnen, lasse das Manöver nur zu deutlich erkennen. Die Annahme der deutschen These mühte eine unnatürliche Ungleichheit der Rüstungen zur Folge haben, von der Deutschland dank seinespolentiel de guerre Nutzen ziehen würde. Der sozialisttsche "Soir" er- Härt, daß die deutschen Vorschläge in Genf mit den französischen gleichliefen. Während Frankreich besonderen Nachdruck auf die Sicherheit gelegt habe, werde deut-

Englands Jugend rüstet

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Ein Bild von der Felddienstübung. die die Schüler des englischen Eton-Kollegs abbielten. Bei diesemManöver" waren die Schüler mit allermodernsten Kriegsmitteln, darunter Feldgeschütze mit Tankvorivann, ausgerüstet.

Der Krieg geht weiter

China lehnt das japanische Ultimatum ab

st. Schanghai. 19. Febr. Die Chi­nesen haben das befristete japanische Ultimatum, welches am Sonnabend 17 Uhr Ortszeit abläuft, abgelehnt.

Ein letzter Versuch, eine Verständigung herbeizuführen, wurde von den Behörden der internationalen Niederlassung in den Abendstunden des Donnerstag unternom­men, die sich zu einer Konferenz in der französischen Konzession zusammenfanden und zu der auch die chinesischen Befehls­haber eingeladen waren. Die Sitzung wurde nach mehrstündiger Dauer ergeb­nislos abgebrochen, während draußen in Schapai und den W u - sungforts auf beiden Seiten die Stel­lungen bezogen und die Geschütze schuß­bereit gemacht wurden. Dauernd mar­schieren chinesische und javanische Der- stärkungstruppen durch die Straßen von Schanghai und Hunderte von Kraftwagen mit Munition rollen an die Front. In den frühen Morgenstunden des Freitag

wurden die Bewohner der internationalen Niederlasiung durch heftiges Schießen geweckt. Soweit bisher festgestellt werden konnte, eröffneten die Chinesen das Artilleriefeuer auf die japa­nische Stellung sowie auf das japanische Hauptquartier und auf die im Hafen lie­genden japanischen Kriegsschiffe. Jrn Hongkinbezirk wurde durch das chinesische Feuer beträchtlicher Schaden angerichtet. Auch das englische Gebiet in der inter­nationalen Niederlasiung wurde stark beschossen. Eine chinesische Granate schlug in das oberste Stockwerk desSavvy- hotels, ohne jedoch Personen zu verletzen.

China zu erbittertem Widerstand bereit.

Ein Netz von Schützengräben wird längs der gesamten Eisenbahnlinie Tienstin- P u k a u und an anderen Bahnstrecken ausgehoben, das eine Länge von 1000 Meilen haben wird. Die chinesischen Füh­rer erklären, sie seien entschlosien, den Ja­panern überall erbitterten Widerstand zu leisten.

scherseits vor allem die Abrüstung unter* strichen. Der deutsche Vertreter habe eben* sowenig, wie Reichskanzler Dr. Brüning den Forderungen der deutschen Rechts* kreise nachgegeben. Er habe zwar die- alle These des Reiches vetteidigt, ihr aber nicht den ultimativen Charakter eines Entweder-Oder" gegeben. Theoretisch sei die deutsche These annehmbar. Praktisch aber unmöglich zu verwirklichen, ohne etappenweise vorzugehen.

DasPetit Journal" stellt fest, daß man einem plumpen deutschen Ma* növer gegenüberstehe. Man gedenke da­mit, durch sein Krieg-Potentiel eine be­vorzugte Stellung in der Welt einzu­nehmen. K, L J.

Englische Bedenken

Der deutsche Abrüstungsvorschlag wird in der Londoner Presie größtenteils in Stichworten wiedergegeben. England, so heißt imDaily Telegraph" werde besonders betroffen von dem deutschen Vorschlag, alle Befestigungen abzuschaffen, die die internationalen Wasserwege be­herrschen. Pies würde z. V. bedeuten, daß, Gibraltar entfestigt werden soll. Der deutsche Vorschlag sei wohl in erster Liniq im Hinblick auf Belte gemacht worden, offenbar hätte die deutsche Abordnung an die Rückwirkungen auf Gibraltar gar nicht gedacht.

Time s sagt, daß die Vorschläge eigentlich nur eine Wiederholung der von Graf Bernstorff auf der vorbereitenden Abrüstungskonferenz vertretenen Pläne seien, mit neuen Zusätzen, wie Be­festigungen. In den Kreisen der englischen Diplomatie ist man darüber erstaunt, daß die deutschen Vorschläge, soweit sie hier vorliegen, keine Forderungen nach Ab­rüstung auch von anderen Ländern als Deutschland enthalten.

Die Berliner Presse

Die Berliner Morgenblättep beschäftigen sich noch eingehend mit dem gestern der Abrüstungskonferenz überreich^ ten deutschen Vorschlägen.

DieOcmania ist der Auffassung, daß diese Vorschläge nirgendwo dort Aeberraschung Hervorrufen könnten, wo man die gradlinige Abrüstungspolitik der deutschen Reichsregierung als Ausdruck eines ernsten polittschen Willens und nicht nur als ein Spiel mit Worten betrachtet habe. Der Äernpuntt der Genfer Ab­rüstungsverhandlungen sei und bleibe die Wiederherstellung der vollen Gleichberech­tigung zwischen den Mächten.

DerDörsen-Eourier" bezeichnet die Vorschläge alsFeuerprobe" und schreibt, solange die deutsche Entwaffnung und das Völlerbunüsstatut, als Telle de« gleichen Verttages, nebeneinander bestehen. Eia ff t ein Widerspruch, der unschließbar ist, bevor nicht entweder das Deutsch­land-Statut oder das Völkerbunds- Statut geändett wird. Von der Seite der Völkerbundssatzung her ist der Ausgleich nur denkbar, wenn sie erfüllt, also der deuffchen Sntwaffung angepaßt wird. Gelingt diese Anpassung nicht, so ist der Versailler Verttag in seinen militärischen Teilen als undurchführbar erwiesen.

DieDeutsche Allgemeine Zei­tung", die ebenfalls die Bedeutung der Forderung auf Rüftungsausgleich unter­streicht, betont besonders, daß in den Vor­schlägen unanfechtbar nachgewiesen sei, wie wenig eine Kontrolle der Rüstungsaus­gaben zum Ziele führen könne.

DerTag" glaubt, daß sich sehr bald l. zeigen werde, welches Schicksal den deut*