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Nr. 37

CDerheRiW 3ett«n(j. ^7cri»iKn a t'.. Sonnabend, den 13. Februar 1932

Seite 3

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Als Postbote in Pevsien

Ein Rendezvous in Indien - Notlandung am Persischen Golf - Ein Telegramm und das fremde Alphabe*

Nach zwei Tagen Bagdad startete ich srühmorgens nach Indien, nicht ohne vor­her dem deutschen General-Konsul fest ver­sprochen zu haben, datz ich sofort nach mei­ner Ankunft in Bushir ein Telegramm aufgeben würde. Der Wind war günstig und ich konnte damit rechnen, in gut fünf Stunden in Bushir zu sein. Aber das war wieder mal nichts. An der Nordküste des persischen Golfes tat mein Motor den ersten Knall. Ein Glück, datz ich nicht die fünfzig Kilometer über Wasier abgeschnitten hatte, - wie ich eigentlich wollte. Ich mutz wieder mal eine Ahnung gehabt haben.

Aber mein Schutzengel lieft mich nicht im Stich, und ich kam bis nach Bandar D i- 1 a m, einem persischen Dorf an der Küste des Golfes, bei dem auf meiner Karte so­gar ein Notlandeterrain eingezeichnet war. Etwa 4 Kilometer vom Ort nach dem In­neren zu fand ich einen guten trockenen Platz, der wahrscheinlich das Terrain war. Ich konnte ohne Schwierigkeiten landen, aber wie ich ausgerollt war, wollte der Motor nun wirklich nicht mehr und blieb stehen.

Inzwischen war natürlich die in irgend­wie bewohnten Gegenden bei Notlandun­gen übliche Menschenmsnae herbeigeströmt, zu Pferde, Ekel oder zu Fuft — wie man es gerade hatte. Und. oh Wunder, es war ein Perser dabei, der durch einen deutschen Lehrer einige Worte Deutsch gelernt hatte — ausgerechnet in Bandar Dilam. Man interessierte sich sehr für meinen Patz, mit dem man autzer dem persischen Visum nicht viel anfangen konnte, weil sie ja unsere Schrift nicht lesen können.

Glücklicherweise hatte ich aber einen Brief von dem Gesandten in Bagdad, aus dem man ersehen konnte, datz ich kein ab­solut hergelaufenes Menschenkind war und nicht mit bösen Absichten in ihr Land ge­kommen war.

Dann kam eine neue Schwierigkeit: sie konnten meine Telegramme nicht in Deutsch oder Englisch geben, weil nie­mand lateinisch schreiben konnte.

Blieb also nur der Weg. alle Nachrichten in persischer Schrift und Sprache über die deutsche Gesandtschaft in Teheran gehen zu lasten.

Ja, und dann entdeckte ich ein Auto. — Es sehen und mir sagen, mit dem werde ich nach Bushir fahren und irgendwen zu meiner Unterstützung holen, war natürlich eins. Der oberste Beamte der Post sprach etwas englisch, und ich bat ihn flehentlich, mir doch alle nur mögliche Hilfe zu geben.

Ich besatz sogar die Frechheit, auf mei­nen persischen Brief zu pochen und zu drohen, dah im Falle irgendwelcher Schwierigkeiten ich mich an den Schah wenden würde.

Man versprach, alles zu tun, aber am sel­ben Abend könnte ich nicht mehr mit dem Auto wegfahren, weil 1. die Strafte für Nachtfahrten unmöglich sei und 2. mit die­sem Wagen am nächsten Tage die Post nach Bushir und den dazwischen liegenden Orten gebracht werden müste.

Der für Sonnenaufgang angesetzte Start verzögerte sich natürlich entsprechend orien­talisch. Aber mir wurde doch allmähl'ch etwas komisch, als ich sah. was dann alles in den kleinen alten Ford reingepackt wurde. 5 Perser, drei grofte Post'äcke, meine 2 Koffer, Benzin, Wasser für den leckenden Kühler, die Schlafdecken für die Perser ufw. Ich wurde dann auch noch mit hochgezogenen Knien irgendwo reinge- pfrovft, und ich bekämvfte eifern den Ge­danken. datz die Leute viell»icht einiges Ungeziefer haben könnten — ist ja auch so unwichtig! Dann ging die Reise los. Herr­gott ja, die Strafte war wirklich nicht für Nachtfahrten. — Ich hatte mich erkundigt, wie lange es wohl beiläufig dauern könnte. Man sagt 10 Stunden. Ich dachte dabei: das wird wieder eine der üblichen orien­talischen Rechnungen sein: dxnn meiner Schätzung Nach konnten die 150 Kilometer Luftlinie ja auf dem Boden kaum viel weiter sein, weil es ja immer an der Küste entlang ging. Aber damit war es nichts. Nach kurzer Zeit sah ich ein, datz wir die Strecke nur mit viel Glück in der angege­benen Zeit würden schaffen können.

Manchmal ist es etwas peinlich, unter andersfarbigen Menschen ganz weih zu sein — man fällt nur überflüssig viel auf.

Ich sah aus der Haltestation immer die lan­gen Verhandlungen meiner Begleiter mit den Ortsansässigen und mir wurde etwas schwül. Aber schliehlich konnten wir doch weiterfahren: aber nur bis juin nächsten Postplatz, da ging derselbe Scherz wieder los. Erst wurden die aanzen Briete und

Pakete in ihrer Leinenhülle mit den per­sischen Aufschriften aus den Säckchen her­ausgestülpt und dann kam meine Besich­tigung.

Auf jeder Station bekamen wir ein Gläschen Tee und zu Mittag liehen mir meine persischen Kavaliere sogar 2 gekochte Eier geben. Die Fahrt war etwas an­strengend, aber ich lernte dabei von Grund auf die Gebräuche des persischen Posttrans­

portes. Wenn die Zeiten in Deutschland weiter so schlecht bleiben, werde ich mich um die Stellung eines persischen Postboten bewerben.

Nach Sonnenuntergang hatten wir noch mit einer Fähre einen tieferen Fluh mit starker Strömung zu passieren, den wir mal ausnahmsweise mit dem langbeinigen Ford nicht durchfahren konnten. Die Fähre, die aus einem großen, über zwei

Westfälische Arbeitslose vor dem Brandenburger Tor

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Nackt dreitägiger Rundfahrt in grimmigster Kälte ist eine Abordnung westfälischer Arbeitslosen in Berlin eingetroffen und bat die preußische Regierung gebeten, für 30 000 Arbeitslose, die sich ansiedeln wollen. Land aus Staatsbesitz zur Verfügung zu stellen. Die Regierung bat den Arbeits­losen, die sich ihre Siedlungen in freiwilligen Arbeitsdienst selbst aufbauen wollen, die Erfüllung ihrer Wünsche zugcsagt.

Eingeborenenboote gelegten Brett bestand, wurde durch den Strom immer wieder ab­getrieben. und als das Auto endlich zum Hinauffahren startete, rutschte es um ein Haar mit meinen Koffern in den Bach. Als es auf der andern Seite wieder her­untermuhte, ging ich solange in die Dünen, ich konnte das nicht ein zweites Mal mit ansehen.

Nach dreizehn Stunden kamen wir nach Bushir — eine Strecke von 150 Kilometer Luftlinie, aber schlafen — soweit war es noch lange nicht.

In Bushir wohnte ich nach meiner Not­landung bei Herrn Kazzeroni, einem rei­chen Perser, der ein großes Haus besitzt. Dort fand ich einen weihen Mann, der ganz so wie ein Flieger aussah. Und weih Gott, er war einer! Er fliegt seit einem Jahr mit einem andern Amerikaner in der Weltgeschichte herum, und in einem wei­teren halben Jahr wollen sie mit dieser lächerlichen Erde fertig sein. Und da ja heute die Welt im Zeitalter der Flugzeuge recht klein geworden ist, konnte er mir al­lerhand interestante Dinge erzählen, Z. B. dah wir uns im März nach meiner Notlan­dung bei Timbuktu, mo- ich meine Afrika­maschine verlor, nur um 8 Tage verfehlt hätten. Und dann, dah sie so und so viele andere Flugplätze in Afrika im Anfang dieses Jahres immer gerade kurz nach mir passiert hätten. Hier in Bushir haben wir uns endlich getroffen.

Nun war es trotz aller Müdigkeit mit dem Schlafen noch nichts. Bei dem not­wendigen Glas Whiskn (kann man sich einen fliegenden Amerikaner ohne Whisky vorstellen?)lieh ich mir von seiner Reise erzählen. ,

Der Besitzer der Maschine ist Richard Halliburton, ein bekannter ame­rikanischer Reiseschriftsteller, der im Moment auf einer Autotour zu Stu­dienzwecken im Innern war.

Sein Partner hier ist Moye Stevens, ein noch junger Bursche, aber mit lOjähri- ger Pilotenerfahrung, der die Maschine um die ganze Erde bewegt. Sie haben ihr Flugzeug, das denselben Motor hat, wie ihn Lindbergh für seinen Ozeanflug be­nutzte, „the flying carpet“ (der fliegende Teppich) getauft. Und unter demselben Namen soll dann Hallivurtons Buch über diesen Bummel durch die Welt erscheinen.

Stevens bot mir an, mit mir in seiner Maschine zum Notlandeplatz hinzusliegen, um mir für den Start zu helfen. Er setzte ohne weiteres voraus, dah sein nicht an­wesender Freund, der Besitzer der Ma­schine, damit einn-r^-r'id." >-:n wi'^e. Ob das war so anständig! Aber wirklich, es ist kein leeres Wortk die Flieger aller Na­tionen sind eine große Familie, _ und es gibt eine unerhörte Kameradschaft unter

I ihnen. Und nun brauche ich nicht ein zweites Mai 13 Stunden im Auto mit Schlafsack. Vervflegung usw. wieder zurück nach Bänder Dilam.

Schon am nächsten Mittag flogen wir herüber. Und diesmal war alles so amü­sant und einfach, auch als die Polizei in Bandar Dilam drohte, Stevens für 3 Tage ins Gefängnis zu fetzen, weil er seinen Patz nicht mitgebracht hatte.

Elly Beinhorn.

„Der MW zwWrn Anhand und Ammla"

Dr. Friedrich Di ttelme her -Stutt­gart sprach vorgestern aocnd über da-Tsema: „Der Deutsche zwischen Rußland und Amerika'*. Während in den Gel- steskämpfen der Reformationszeit zwe: verschiedene Zeiten sich begegneten, stoßen heute zwei Räume aufeinander, der Osten und der Westen. Mit Unerbittlichkeit steht die Frage vor dem Deutschen: „Was bringst du mit in diesen Geisteskampf?" Was den Deutschen vor dem Iuden^ vor dem Griechen auszeichnete, war sein SttU- ben nach dem letzten Grund der Dinge, nach dem alles durchwaltenden, weltdurch­dringenden Geist. Das ist das Streben unserer größten Denker gewesen. Goethe suchte den in der Statur sich offenbarenden Geist, Herder den die Völkergeschichte durchwaltenden. Schiller suchte chn in der Erziehung des Menschengeschlechtes, Les­sing in den Offenbarungen der Kunst, He­gel, Fichte. Schelling, alle suchten sie nach dem Geist als dem den Dingen zugrunde liegenden Letzten. Das reifste Werk der deutschen Dichtkunst zeigt den nach dem Geiste ringenden Deutschen: Faust, Erd­geist, Weltgeist, Himmelsgeist offenbaren sich chm nacheinander.

Auch der Osten hat Geistigkeit, hat Geist, aber dvtt ist er noch nicht ganz heruntergekommen auf die Erde, darum muß er sich durch Fanattsmus hindurch ausleben, er hat noch nicht die Versöh­nung mit dem Sinzel-Ich gefunden, des­halb bleibt er in AnmenMichkeit stecken. Das Einzel-Ich, das Individuum wird vernichtet. Roch nicht stark genug ist das Ich gegenüber dem Geist, daher Anmenfch- lichkeit. blinder, rücksichtsloser Fanatismus. Dagegen stark lebt der westliche Mensch, der Amerikaner auf der Erde. Industriali­sierung, Technisierung, das ist seine Stärke. Aber dafür reicht es noch nicht an den Geist, er lebt in „Programmen", stellt „Punkte" auf, aber sie sind nicht geist- getragen. sind „bloß" Gedanken. Auch der Engländer bringt es kaum in seiner Geistesarbeit über Kritizismus und Em­pirismus hinaus, er denkt nicht bis zum Ende durch, bleibt in Kompromissen stecken.

Eine Sammeltasse für -ie Winterhilfe

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Die „Sammlertasse Volkshilse in Volksnot", die von der staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin nach einem Entwurf von Johannes Boehland hergestellt und zugunsten der Win- terhilfe 1931—1932 vertrieben wird.

Die Grippe wir- harmlos

Im Wesen der Grippe, die noch vor einigen Jahren zahlreiche Todesopfer zu fordern pflegte, läßt sich in der letzten Zeit eine unverkennbare Besserung feststellen. Aus einer in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" veröffentlichten Zusammen­stellung ergibt sich, datz die Grippe heute entschieden harmloser geworden ist, insbe­sondere im Vergleich zu den bösen Jahren 1918 bis 1923, als sie verheerend die ganze Welt in Mitleidenschaft zog. Eewitz, die Grippe ist noch nicht völlig verschwunden, aber nur noch sieben v. H. aller Fälle füh­ren zu der gefährlichen Lungenentzündung, die so leicht einen tödlichen Ausgang nimmt. Von der gefürchteten Eehirn- grippe findet sich kaum noch eine Spur, und Magen- und Darmgrippe tritt nur noch bei drei v. H. aller Grippekranken auf. .Merkwürdig ist, dah gerade junge und kräftige Personen, wieB. Studenten, heute den Hauptteil der Kranken stellen.

Die Wollhandkrabbe im Rhein.

In der Nähe des Lorelei-Felsen fing ein Fischer eine der gefürchteten Wollhand­krabben: einige Zeit vorher hatte man im Rhein Fische 'gefunden, die eine locharttge Wunde aufwiesen, ohne sich diese Verwun­dung erklären zu können. Durch den Fang der Krabbe hat man nun die Ursache der eigenartigen Verletzungen feststellen kön­nen.

Mitten dazwischen steht der Deutsche. Sein ttefstes Streben ist Streben nach dem Geist, sein höchstes Leben ist Leben im Ich, ist ein großes Ich-sagen. Aus Ich-Dra- men besteht die deutsche Geistesgeschichte: Lucher, Goethe. Beethoven, Fichte, Nietzsche. Der Deutsche hat das freiheits­durstige Ich und den Willen zum Geist, In der Spannung dieser beiden wurzeln heute alle Weltprobleme: Bolschewismus — Faschismus, Kapitalismus — Kommu­nismus, Protestantismus — Kacholizis» mus. Allein der Deutsche hat die Mög­lichkeit, aus diesem Widerstrett herauSzu- führen. In Goethe und Schiller hatten sich Ich uno Geist gefunden, so stehen sie in Weimar. Aber gibt es eine Stelle, wo dies Weltproblem noch besser gelöst ist? Da steht vor uns das ChristuSwort: „Ich bin das Licht der Welt". Hier sind Ich und Geist vereinigt, gehören zusammen wie Mittelpunkt und Umkreis des Kreises. Hier findet das ttefste Wesen des Deutsch­tums seine höchste Erfüllung. Dor diesem Wott muh das Ehristentum der Zukunft bestehen. Das zukünftige Christentum muß das Ich ganz freilassen, aber gleichzeitig das Ich des Christus so stark bringen, dah dieses Ich ganz stark alle Einzelindividuen umfaßt. Das ist die Erfüllung des dett- scheu Strebens. Allein wenn sich oer Deutsche mit der Weltgeistigkeit und Alk- menschlichkeit verbindet, wird er dem Osten und dem Westen, die ihn beide erdrücken, vernichten wollen, gewachsen fein.

Lebende Fische von Dänemark nach der Schweiz.

Die dänischen Fischautos, die täglich von Jütland durch die Provinz Schleswig-Hol­stein fahren und ihre Ladung nach Ham­burg-Altona bringen, sind jetzt um einen neuartigen Wagen vermehrt worden, der den Transport lebender Fische von Däne­mark nach der Schweiz bewerkstelligen soll. Das Auto ist mit einem Riesenbasfin ver­sehen, dem durch einen Sauerstoffapparat ständig Sauerstoff zugeführt wird. Die ersten Probefahrten find durchaus zufrie­denstellend verlaufen. Der Wagen traf nach 28stündiger Fahrt mit lebender Ware an seinem Bestimmungsort Basel ein.