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Marburger Tagesanzeiger

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Anzeiger für (das frühere kurheffische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Vor der Entscheidung Hindenburgs

Unklarheit bis zuletzt Deutschnationale, Nationalsozialisten und Stahlhelm gegen jeden Kandidaten der Linken

Unerträgliche Verwirrung

Die Besprechungen über die Reichspräsi­dentenwahl sind auch gestern in den ver­schiedenen politischen Gremien und Grup­pen weitergegangen, ohne daß bis zum Abend eine Erklärung erfolgt wäre. Es ist möglich, dasi die Dinge heute mehr vor­wärts kommen. Jedenfalls ist für heute eine Konferenz der Harzburger Front angesetzt, und außerdem werden die Bnndesführer des Stahl­helms heute voraussichtlich erneut vom Reichspräsidenten empfangen wer­den.

Im Augenblick liegt der Schwerpunkt wohl beim Kysfhäuserbund. So­bald der Kysfhäuserbund mit seinem Auf­ruf herauskommt, wird nach Auffasiung gutunterrichteter Kreise für den Reichs­präsidenten der Augenblick gekommen sein, seine Entscheidung zu treffen. Es verstärkt sich der Eindruck, daß eine Fortdauer der bisherigen Unklarheit unerträglich wird.

Selbständige Entscheidung des

Stahlhelms ___________

Hamburg, 12. Febr. In einer ge* schlosse neu Veranstaltung des Stahl- h e I :;i s ging ter erste DunLeSführer Franz S e l d t e eingehend auf alle politischen Fragen ein, die gerade jetzt die nationale Opposition besonders stark betreffen. Er tiefe keinen Zweifel darüber aufiommen, dofe der Stahlhelm seine im dreizehnjäh­rigen Kampf erworbenen Erfahrungen we­der hinter parlamentarischen Ueberleg ungen noch hinter Rück­sichten auf befreundete Gruppen zurück­stellen werde. Der Stahlhelm verfüge über eine so grofee und so fest in sich ge­schloffene Gefolgschaft, dafe der zusam­menbrechende Staat bei seinem Wiederaufbau auf diese Kräfte überhaupt nicht verzichten könne. Der Stahlhelm sei entschlossen, sich mit seinen Führern Rücksicht auf die bei den Parteien be­stehendentaktischen^ Ueberlegungen ein» zusetzen, sobald er die dazu notwendigen Voraussetzungen erfüllt sieht. Das gilt sowohl im Hinblick auf die Reichs- Präs i de nte n f r a g e wie auch auf den unbedingt zu fordernden Wechsel des Regierungskurses".

Der Stahlhelmpressedienst schreibt in seiner letzten Qtummei unter der Aeber- schriftDer selbständige Weg des Stahlhelms", die mafegebenden Stel­len hätten bisher auch die vom Stahlhelm geteilte Auffassung vertreten, dafe die Wiederwahl Hindenburgs kein eigentlicher Wahlakt im demokratischen Sinne sein sollte, sondern eine Kürung, die den eigentlichen Wahlakt überflüssig mache. Won dieser Auffassung, die der persön­lichen Würde des Reichspräsidenten ent­spreche, sei man offenbar jetzt a b ge­gangen, denn es müsse als das Er­gebnis der informatorischen Besprechungen zwischen dem Reichspräsidenten und den Stahlhelmbundesführern festgestellt wer­den, dafe der Reichspräsident seine Kandi­datur für die kommende Wahl aufrecht er­halle, auch wenn diese WÄhl zu einem scharfen Kampf der Parteien werden sollte. W ir bedauern diese Sinnes­änderung vor allem im Interesse des Reichspräsidenten selbst. Der Stahlhelm kann sich aber dadurch nicht von seiner gradlinigen Politik abhallen lassen." Es sei möglich, so helfet es dann weiter, dafe der Kysfhäuserbund der Kriegerver­eine binnen kurzem mit einem Aufruf zugunsten der Wiederwahl Hin- d e n b u r g s an die Oeffentlichkeit trete. Politisch habe der KyffhLuserbund allein ^eien Schritt zu verantworten.

Italien schickt Truppen nach Schanghai

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Italienische Marine-Soldaten werden im Hafen von Gaeta verschifft.

Reue Bombenabwürfe auf Schapei.

fk. Schanghai, 13. Febr. (Reuter).. Heute früh warfen 6 japanische Bomben­flugzeuge, die in Geschwaderformation über die Stadt flogen, auf Schapei gleich­zeitig Bomben ab. Der Angriff begann 8.30 Uhr.

Der Schanghaier Korrespondent des Petit Parisi en" berichtet: Nach einem kurzen Waffenstillstand sind gestern an der Schapeifront die Feindseligkeiten

wieder ausgenommen worden. Die Japa­ner setzten ihre Vorbereitungen in aller Stille fort. Zwei Frachtdampser haben gestern nachmittag Munition für Gewehre, Maschinengewehre, Geschütze und Bomben­flugzeuge herangeführt. Außerdem ist süd­lich von Wusung ein großes Truppenkon­tingent gelandet worden. Die chinesische Front erstreckt sich jetzt 23 Kilometer lang von Schapei bis Wusung. Die drei Divi­sionen von Kanton stehen in vorderster Front. Die Kantonführer verfügen über 3540 000 Mann.

Erklärung Goerings

Berlin, 13. Febr. In den Tennis­hallen in Wilmersdorf, dem zweit­größten Saal Berlins, der überfüllt war, fand am Freitag abend eins Kundgebung der Nationalsozialisten für Adolf Hitler statt.

Der Reichstagsabgcordnete E o e r i n g polemisierte in seiner Rede scharf gegen Sozialdemokratie und Marxismus und ge­gen die jetzige Reichsregierung.

Zum Schlug seiner Rede forderte Eos­ring alle Anwesenden auf, am 1 3. M ä r z, dem Tage der Reichspräfidentenwahl, ihre Stimme Adolf Hitler zu geben, da man mit den Parteien, die einst den 8e- neralfeldmarschall von Hindenburg ge­schmäht hätte», ihn heute aber auf den Schild hebe», keinen gemeinsame» Weg gehen könne.

Goering führte in seiner Rede etwa fol­gendes aus: Wir wollen, wenn wir einen neuen Reichspräsidenten wählen, vor allem einen Kurswechsel haben. Wir verlangen, dafe der heutige Reichspräsident mit dem derzeitigen System völlig bricht. Wenn heute von Wirth über Chrispien bis Hör- sing und Höltermann eine Front hergestellt wird, die einen neuen Reichspräsidenten bestimmen soll, dann müssen wir sagen: Wir danken dafür, wir stellen uns nicht in eine Front mit diesen Leuten. Gewisse

Ratgeber müssen von allen Anten Geistern verlassen sein, wenn sie es dem Feld­marschall beibringen konnten, sich von die­ser Front aufstellen zu lassen. LlnS ver­bietet unsere ganze Weltanschauung, mit diesen Leuten auch nur auf einen Meter Abstand zusammen;:!gehen. Wer von die­sen Fronten, von diesen Parteien, von diesen Ramen auf den Schild gehoben wird, der ist gegen uns.

Wenn wir jetzt zur Reichspräsidenten- «wahl schreiten, erinnern wir uns daran, wie wir damals mit Jubel und Freude für unseren Feldmarschall eintraten; dann aber erfolgten sieben Jahre Enttäuschung und Erbitterung. Wenn er heute seine Hilfs- trudpen in jenem verräterischen Lager sucht, dann können wir ihm nicht mehl folgen.

Ueber einem Ramen, über einer Per­son steht uns das Volk und die Ration.

Im diesem Empfinden wissen wir uns eins, auch mit jenen Verbänden und Par­teien, die sich gemeinsam auf der Ebene Der nationalen Front zum Sturz und zum Kampf gegen dieses System bereit­gefunden haben.

Trotz aller bitteren Enttäuschungen "her letzten sieben Jahre glaubten wir es auf Grund des ehrwürdigen Ramens noch einmal auf uns nehmen zu können, dem Feldmarschall die Chance zu geben, von uns gewählt zu werden. Wir stellten keine scharfen Bedingungen, aber eines mußten wir fordern, gerade für die Aermsten der Armen, für die Verfolgten:Herr Reichs­

präsident, Sie müssen sich entscheiden, ent­weder gehört Ihr Vertrauen dem Re­präsentanten des heutigen Systems, ge­kennzeichnet durch den Reichskanzler Brü­ning, oder dem Repräsentanten des neuert- jungen Deutschland, Adolf Hitler."

Rechts oder links!

In einer überaus stark besuchten öffent­lichen Kundgebung der Deutschnationalen Volkspartei in Großenhain (Sa.) sprach der Reichstagsabgeordnete Oberfinanzrat Dr. Bang. Zu der Frage der Reichspräsi- dentenwahl führte er unter großem Bei­fall folgendes aus:

Es ist für den historischen Namen des Reichspräsidenten v. Hindenburg im höchsten Maße bedauerlich, daß dieselben Kreise heute seine Kandidatur betreiben, die ihn einst so schwer beschimpft haben.

Wir könne« nicht Arm in Arm mit Mosie und Ullstein, Arm in Arm mit Deimling, Heilmann und Genossen an der Wahlurne erscheinen.

Sieben Jahre lang ist der große Name des Feldmarschalls von den Vertretern des heu­tigen Systems benutzt worden, um über Lo­carno, Völkerbund und Poung-Plan eine Po­litik zu ermöglichen, an der Deutschland zu­grunde gehen mutz. Sieben Jahre lang hat man mit dem historischen Namen des von uns, nicht von der Gegenseite gewählten Feldmar­schalls eine Politik getrieben, die alle natio­nalen Kräfte gefesselt hat und die der deut­schen Wirtschaft, insbesondere der Landwirt­schaft und dem Mittelstände das Genick ge­brochen hat.

Vor allem hat das Kabinett V r ii n i n a nur unter dem Eckutzschild dieses Namens wirken können. Auch die zum Teil mit dem Mißbrauch verfassungsrechtlicher Mittel be­triebene Knebelung des nationalen Freiheit­willens während der letzten zweieinhalb Jahre ist unter dem Schutze dieses Namens vor sich gegangen.

Wir find nicht gewillt, die Fortsetzung dieser Politik unter diesem Namen weiter hinzunehmen.,

Wir nehmen als selbstverständlich an, daß der Reichspräsident es ablehnt, sich von denen als Kandidat nominieren zu lassen, die ihn einst so schwer beschimpft haben und die ihn heute lediglich deshalb auf den Schild erheben, weil sie glauben unter seinem Namen weiter ihre eigenen politischen Geschäfte betreiben zu kön­nen. Wir glauben nicht, daß der Reichspräsi­dent bereit sein könnte, als Kandidat derer aufzutreten, die mit seiner Aufstellung in Wahrheit nicht ihn, sondern eine Regierung erhalten wollen, von der derVorwärts^ seinerzeit gesagt hat, sie sei das stärkste Boll­werk gegen den Nationalismus.

Sollte ttotzdem der Reichspräsident wider alles Erwarten sich bereitfinden lassen, als Kandidat der Linken aufzutreten und sich mit dem System von heute zu identifizieren, so würden wir selbstverständlich seine Wahl nicht fördern, sondern aus das allerschärfste be­kämpfen. Wir würden das tun aus Ehrfurcht vor dem Namen des Ceneralfeldmarschalls und aus Achtung vor uns selbst. Wir wollen und können, uns nicht selbst verneinen.

Unser Kampf gilt dem System von heute und jedem, der sich mit ihm identifiziert, ganz gleichgültig, welchen Ramen er trägt. Was schließlich die Frage einer nationalen Kandidatur anlangt, so kann Endgültiges na­türlich noch nicht gesagt werden, bevor man nicht weiß, wie der Reichspräsident selbst sich entschieden hat. Ganz sicher ist jedenfalls eins, datz bei einem endgültigen Wahlkampf

das gesamte nationale Deutschland al» absolut geschloffene Einheit in den Kamps ziehen würde und daß damit der Sieg des dann gemeinsamen nationalen Kandi­daten «ater allen Umständen sicher sein würde.