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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen siir Stadt und Kreis Marburg

China und Japan in der

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Marburger ragesanzeiger

Weiteres Eold für Frankreich.

ft. Paris, 8.' Febr. Mit dem Paffa- gierdampferAmerican Shipper" find gestern in Cherbourg 200 Barren Eold im Werte von 11 Millionen Dollar für die Bank von Frankreich eingetroffen.

Nr.R 67Ä0. Marburg «.Laba

Der Anzekgenprek» beträgt fOt den 11 gespalt. Zeileumillimeter 0.08 GM., Familienanzeigen bei Barzahl. 0.07 GM., amtl. u. ans« ivärtigeAnz. 0.10 GM. Sog. Nein« Anzeigen nach Gpezialtarif.Grund- schrift: §olonel. Bei schwiertg.Satz, sowie bei Plahborschrtft50°/<> Auf­schlag. Gammelanzeigen 100°/, Aufschlag Reklam.-Milltm. 0.40 GM. Grundschrift: Petit. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel S Tage. Offerteu-Gebühr: 25 Pfg bei Zustellung der Angebote einschk. Porto.60 GM. Belege werden berechnet.Lrfüllungsort Marburg.

(Entgegen dieser Auffassung der fitoa* schen Kreisen, daß die gewaltsame Enl- fchen Kreisen, da hdie gewaltsame Ent- fernvag Böttchers als eklatanter Rechts- brvch des Memel--Statuts, Ar­tikel 17, gewertet werden muß und daß disie (Angelegenheit den Völkerbund be­schäftigen dürfte. (Artikel 17 des Memel- eStkitf, Absatz 2, lautet: Der Präsident toi* vvm Gouverneur ernannt mid bletdt solange im Amt, als er das Vertrauen des Landtages hat.) Auch in memelländischen Kreisen wird er- nxrttet, daß die Signatarmächte die Auf-

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Dir .Obrrhrssischr Zeitung' er­scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatl. L Marburg 2.02 <xM. ausschl. Zustellungsgebühr. bei unsren Agenturen 1.93 GM. zirzstgl. ZustestellungSgebühr, durch die Post 2.25 GM. Für etwa durch Streik, Maschtnendefekt oder elementar« Ereignisse ausfallend« Nummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. «. Hitzeroth, Druck der Univ-Buchdruckerei Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: «St. 54 und Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. W. Rr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 «nb

*411 Uhr.

öbcrtslMche Zeitung

fL Eens, 8. Febr. Reichskanzler Dr. Brüning, der am Samstag in Genf eingetroffen ist, hat au den Generalsekre­tär des Völkerbundes das Ersuchen gerich­tet, den Bölkerbundsrat unverzüglich zu einer außerordentlichen Tagung zur Be­handlung des Falls Memel einzubsru- fen. Das Vorgehen der litauischen Regie­rung hat in weiteren internationalen Kreisen größte Empörung hervorgerufen.

Der deutsche Gesandte in K o w n o ist beauftragt worden, bei der litauischen Re­gierung schärfsten-, gegen das Vorgehen Litauens im Memelgebiet zu protestieren. Der verhaftete Chef der Regierung von Memel. Böttcher, soll inzwischen nach Kowno gebracht worden sein,' außer­dem ist am Sonntag eine weitere Verhaf­tung erfolgt. Die Litauer halten nach wie vor die Telephonsperre aufrecht.

DerStaatsstreich"

Rachdem der litauische Gouverneur Merkt) Sonnaberw vormittag -ms Kowno zurückgekehrt war, wurde der Präsident des memclländischen Direktoriums D ö t t - cher durch zwei litauische Offiziere in einem 'Automobil abtransportiert. Merkh selber Züchte das Landesdirektorium auf und erklärte, daß die Maßnahmen auf Ver- anlasstrng der Kownoer Zentralregierung durchgesührt werden. Er verlangte von einem der anwesenden Direktoren, dieser solle die Führung der Geschäfte überneh­men was aber von diesem abgelehnt tonnte. Daraufhin hat ter Gouverneur einen provisorischen grohlitaurschen Landesrat eingesetzt. 'Weiter hat er die Amträmne Böttchers versiegeln und die Telephonverbindungen sperren lassen. Von Königsberg aus wurden die Tele­phone zum deutschen Generalkonsul in Memel ebenfalls als gesperrt gemeldet. Die Vorgänge bedeuten eine flagrante Verletzung des Memelstatuts.

Fadenscheiniger Grund

tetr Vorgängen im Memel-Gebiet wird von zuständiger litauischerSeite erklärt, der Präsident des Wemel-Drrek- tvrimns, Böttcher, habe dem Memellan- dkschen Landtag am 25. Januar erklärt, terf) er als Privatperson an den Verhand­lungen im Reichsernährungsministerrum in Berlin teilgenvmmen habe. Rach li­tauischen Angaben habe es sich jetzt jetech herausgestelkt, daß Böttcher als amtliche «terfvn an den Dechandlungen tellge- nmmnen habe. Die litauische Regierung stehe daher auf dem Standpunkt, Bött­cher habe gegen die Souveränität des li­tauischen Staates verstoßen. Dies wäre em außergewöhnlicher Vorfall, Memel-Statut nicht berücksichtigt sei. Bött­cher hätte sich geweigert, dem Befehl des Gouverneurs nachzukommen und wäre da­her verhaftet worden. Einer Kandidatur eines neuen Präsidenten aus den Reihen -er Mehcheitsparteien stände nichts im

Der Putsch im Memelgebiet

Das Landes-mekt-rmm beseitigt - Präsident Böttcher verschleppt - Deutschland fordert Sondersitzung des VölkerSundsrats

Ganz anders China! Riesengroß, aber als Reich schwach und auf die Dauer wider- standsunfähig, verlor China Stück und Stück seiner Randgebiete an die Fremdmächte Eng­land, Frankreich, Rußland und mußte es sich gefallen laßen, daß die Mächte sich des chine­sischen Handels bemächtigten und das chine­sische Volk nach jeder Richtung ausbeuteten China den Fremdmächten!" war di« Losung.

höre zur Vervollständigung dieses Bildes, daß der litauische Gesandte in Berlin erst vor einer Woche im Auftrag seiner Re­gierung dem deutschen Auswärtigen Amt feierlich erklärt habe, alle Nachrichten über litauische Putschabsichten im Memelgebiet entbehrten jeder Grundlage. DieVossische Zeitung" bezeichnet das Vorgehen des Gouverneurs Merkys als offenen Bruch der Konvention, den Memel, Deutschland, aber auch die Großmächte und und der Völ­kerbund, der Hüter der Memeler Auto­nomie, nicht ruhig hinnehmen könnten. DerBörsen-Courier" erwartet, daß die Reichsregierung sofort ein Verfahren gegen die litauische Regierung beim Völkerbund anhängig machen wird. DieGermania hofft, daß sofort ein Eingreifen des Vol- kerbundsrates herbeigeführt wird.Der Tag" betont, daß ein Bruch der Memel­konvention die Zuteilung Memels an Li­tauen hinfällig machen muffe. Es sei höchste Zeit, daß in dieser Hinsicht keinerlei Un­klarheit gelaßen werde, am wenigsten sei­tens der Staaten, die seinerzeit Litauen den Besitz Memels zugeschanzt und die Konvention unterzeichnet hätten. Die Deutsche Zeitung" schreibt, das Memel­land sei deutsch. Von 142 000 Einwohnern seien bei der Zählung von 1925 nur 37 000 Litauer gezählt worden. Das Memelland müsse in reichsdeutsche Hand zurück. Das habe Deutschland jetzt nach dem Eewalt- streich zu fordern, und nichts weniger. Die Deutsche Tageszeitung" weist daraus hin, daß die litauische Regierung nach anfäng­lichem Leugnen habe zugeben muffen, daß der Gouverneur mit ihrer Billigung ge­handelt habe. Das schlage dem Faß den Boden aus, und die Kritik an solchen Methoden finde nur in der Erkenntnis eine Grenze, daß gewiffe östliche Staaten mit europäischem Maß eben nicht ge- m^sen werden könnten.

merksamkeit des Völkerbundsrates auf die­sen Bruch des Memel-Statuts lenken werden.

Verzögerung der Ratssitzung

Wann die Sitzung des Völkerbunds­rates stattftnden wird, sicht noch nicht fest, da der Generalsekretär zunächst die li­tauische Regierung von der Anrufung des Völkerbundes telegraphisch in Kenntnis setzen muh. Sollte die litauische Regie­rung den in Genf anwesenden Gesandten SidsikauSkas nicht zur Vertretung im Rat bevollmächtigen, so wird voraussichtlich ter litauische Außenminister Zaunius nach Genf kommen. In diesem Falle muh mit einer ein- bis zweitägigen Verzögerung der Ratssitzung gerechnet werden, da der litauische Außenminister in Kowno wellt.

Reichskanzler Brüning wird an ter Sitzung des Rates, in ter die Memeler Frage behandelt wird, persönlich teilneh- men, falls sich dies mit seiner für Dier^- tag geplanten Abreife vereinbaren läßt.

Die Lage wird m Kreisen ter deutschen Abordnung außerordentlich ernst beurteilt Die Reichsregierung ist fest entschlossen, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die litauische Regierung zu einer sofortigen Zurückziehung des Staatsstreiches im Me­mel gebiet und zu WiederIrrtmachungsmah- nahmen zu zwingen. Das Vorgehen der litauischen Regierung hat in weitesten in­ternationalen Kreisen größte Empörung ausgelöst. Allgemein wird verlangt, daß der Völkerbundsrat jetzt unverzüglich Mrffte Maßnahmen ergreift, um die li­tauische Regierung zu einer Einhaltung des Memelabkommens zu zwingen. Man er­wartet daß sich die europäischen Groh- staaten dem Borgten ter Reichsregierung anschließen werten.

Pressepimm«,

Zu dem Staatsstreich in Memel nehmen die Berliner' Blätter ausführlich Stellung. Die ,T>. A. Z." hebt hervor, daß diese Ge­walttat im Zeichen der Abrüstungs­konferenz von neuem mit erschütternder Deutlichkeit beweise, was selbst kleine Nach­barstaaten dem Deutschen Reich in seiner Wehrlosigkeit zu bieten wagten. Es ge­

Blick auf die Marktstraße von Memel.

Unter der Verletzung'des Autonomiesiatutes wurde das Memel-Direktorium von, dem lltaulschen Gouverneur beseitigt und ein provisorischer Groß-Litauer Landesrat gebildet.

Eure Technik. Eure ,,x

fen, Eure Schiffe aber sonst bleibt uns vom Leibe wir werden uns schon selbst helfen!" So geschah es. Heute ist Japan eine eben­bürtige Groß-, ja Weltmacht, ausgestattet mit allen Erfordernissen der Technik bis ins Kleinste, aber selbständig auf dem gesunden Nährboden seiner eigenen uralten Kultur. Hierin liegen Japans Erundquellen jur Macht

Beiden war aber eine Eigenschaft gemein­sam, der Abschuß, ja die Feindschaft gegen die weiß e Kultur. Seit der Mitte des vori­gen Jahrhunderts drang die welterobernde Macht der Weißen an die Pforten Chinas und Japans und pochte mit grober Faust um Einlaß. Japan, trefflich regiert und von kluger Einsicht geleitet, nahm die Fortschritte der europäischen Kultur mit Begeisterung auf, Vorsicht:Gut, wir nehmen Eure Staatsform, Eure Waf-

Vergangenheit

Wenn der Satz gilt,Die Weltgeschichte ist das Weltgericht", |o trifft er auf den Kamps zwischen China und Japan zu, der m diesen Tagen entbrannt ist und den Völkerbund zur Hilflosigkeit verurteilt hat. Hier, nn fernen Ostasien, stoßen Gegensätze auseinander, die sich beim besten Willen nicht mehr am grünen Verhandlungstisch zu Genf schlichten oder gar lösen lassen". Wer in die Beweggründe der heutigen Vorgänge eindringen will, findet di« Beantwortung der Fragen in den geschlcht- lichen Beziehungen der beiden grogen Volker zu einander seit Beginn der geschichtlichen Kenntnis an.

Zunächst China. Das Urvolk der gelb- häutigen, schwarzhaarigen Chinesen ist gegen Ende des dritten Jahrtausends vor Beginn der christlichen Zeitrechnung aus der großen Völkergeburtsstätte des inneren Hochasiens, das heute fast wüste liegt, in die fruchtbaren Niederungen der Riesenströme Hwangho und Jangtsekiang eingewandert hat die spärlichen Urbewohner unbekannter Rasse unterworfen und sich selbst ein Riesenreich geschaffen, das von der Mandschurei im Norden bis zu den Ereiizen Hinterindlens im Süden, nach Jnner- asien bis an den Wüstensaum und in die Hoch­gebirge Tibets reichte. Durch den Gang der Jahrtausende erreichte dieses kluge, fleißige, im allgemeinen sriedsame Volk einen eigen­artigen hochentwickelten Kulturstand, blieb aber starr auf ihm stehen, wozu kam, Saß es sich durch gewaltige Mauern gegen die bar­barischen Kriegshorden Jnnerasiens ebenso ab­schloß wie durch Sperrung der Häfen gegen das Eindringen fremder Mächte zur See.

Unmittelbar vor den Küsten Ostasiens dehnen sich die Inseln Japans. Dunkel ist deren Urgeschichte, doch steht fest,, daß im 6. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung der Erundstamm der Japaner auf dem See­wege von den malaiischen Inseln Hknier- indiens her das jetzige Jnselgewirr Japans besiedelte und dessen Urbewohner, ein nord­mongolisches Volt, nach und nach aufsaugte. Auch Japan schloß sich von der Außenwelt ab und lebte seiner Nationalkultur, konnte aber nicht verhindern, daß über Korea um die Mitte des 6. Jahrhunderts nach Christi Ge­burt chinesische Kultur nach Japan hin- überströmte, um sich dort dahin zu entwickeln, daß das japanische Volk zwar in seinen natio- namen, namentlichen kriegerischen Eigen­schaften selbständig blieb, aber doch durch den chinefifchen Einfluß gehobene Kulturformen annahm. Nichts aber ist irrtümlicher, wenn jetzt bei uns, wie es unter Verkennung der wirklichen Verhältniffe oft geschieht, oberfläch­lich gesagt wird:Die gelbe Raffe Ostasiens, China und Japan, ist ein einziger Be­griff." Durchaus nicht! Vielmehr stehen hier zwei ganz getrennte Welten sich gegenüber, die sich zwar berührt, dann aber wieder abge­stoßen haben.