Bette 4
OSerhefiffch« Seltene. Mardnrg a. L-. Sonnabend, den 6. Februar 1932
Nr. 31
* „Die Blume von öawaii“. Aus das diesmalige Gastspiel der Operetten-Tirek. tion vom Sladltheater Duisburg-Hamborn möchten wir besonders aufmerksam machens da uns das Unternehmen dieses Mal eint Operette bringt, die wohl auch oon dem hiesigen Publikum mit grober Spannung er. wartet wurde. „Die Blume von Ha. w a i i" ist eines der wenigen Werke, welche; bereits mit der ersten Aufführung einen Welterfolg hatte. Musikalisch dürfte diese; Werk, welches von dem Komponisten Paul Abraham, der „Vittoria und ihr Husar" geschrieben hat, noch besser sein, als die zuletzt genannte Operette. Abraham hat so g'.änjende Einfälle, bah er wohl momentan der stärkste Operetten-Kompcmist sein dürfte. Die Operette wurde oon Direktor Theo Bachenheimer mit allen Mitteln seiner Regiekunst einftubiert. Sämtliche Kritiker waren sich darüber einig, dah diese Operette wohl bas stärkste ist, was in den letzten Jahren ge. bracht wurde. Man kann sich wirklich darüber freuen, dab auch in unserer Stadt derartige Neuheiten, die man sonst nur in Grobstädten zu sehen bekommt, aufgeführt werben. Die musikalische Leitung hat Kapest- meister Wilhelm Dachenheimer übernommen.
* Der Marburger Haus- frauen.Verein, Ortsgruppe bes Reichsverbandes deutscher Hausfrauenvereine e. V. unb die Iugendgruppe bes R. D. H. laden ein zu eiltet Zusammenkunft mit unterhaltenden Darbietungen am Montag, dem 8. Febr. 4 Uhr im Kurhotel Ortenberg. Freunde des Vereins find herzlich willkommen, Gäste können eingefuhrt wer, den.
• Verbilligter Umzug. Nachdem das Möbeltransportgewerbe auf Grund der Notverordnung feine Tarife bereits gesenkt hat, hat der Reichskommissar für Preisüberwachung von einer weiteren Senkung der Normaltarife Abstand genommen. Er hat sedoch anerkannt, dab diese Normaltarife a l s Höchsttarife anzusehen sind, unb dab der für die U m z u g s z e i t int April und Okto- bet vorgesehene Zuschlag zu den Not- maltarifen in Wegfall kommt.
Die Ausgleichs st euer am 15. Februar. Am 15. Februar 1932 treten bret Aenderungen auf bem Gebiete bet Umsatz st euer ht Kratt. Zunächst wirb von biesem Tage ab die Ausqleichssteuer auf bas Einbringen von Gegenständen in bas Inland erhoben, soweit die Gegenstände nicht auf einer neu aufgelegten Freiliste I mnge» führt sind. Bei der Ausstellung der Freiliste l war mabaebend, dah tunlichst geschlossene Warengrupven auf genommen wurden, die für die deutsche Wirtschaft unbedingt erforderliche Roh- unb Hllfsstoffe barstellen. Vorn 15. Februar 1932 ab gilt bas Um« satzsteuergesetz nicht mehr in den Zollausschüssen sowie in den Freibezirken Stettin unb Altona. Daher sind künftig Lieferungen vorn Inland in diese Gebiete, z. B< m die Freihäfen Hamburg oder Bremen, wie Lieferungen m bas Ausland, steuerfrei. Dom 15. Februar 9132 ab wird die Ausgleichssteuer, wenn ht das Inland em- gebrachte Gegenstände ohne Be- ober Verarbeitung wieder ausgeführt werden, im Rahmen der Ausfuhrhändlervergüttmg mit- üergfitet.
• Deutsch-Hannoversche Partei auch in Hessen. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, wird sich die Deutsch- hannoversche Partei bei den kommenden Wahlen zum Preuhi'chen Landtag zum ersten Male fett ihrem Bestehen auch in Hessen mit einer eigenen Liste am Wahlkampf beteiligen. Als Spitzenkandidat für die hessische Liste ist der ehemalige deutsch-hannoversche Reichstagsabgeorbnete Lang wo st gewon- worden.
* Gefahren des Landjägerdienstes. Seit dem 1. Januar 1919 sind, wie verlautet, 103 Landjägereibeamte während ihres Dienstes durch Verbrecherhand ums Leben gekommen, 54 starben infolge Unglücksfalles und 1099 wurden in Kämpfen mit Verbrechern verwundet. Im Jahre 1931 büßten drei Beamte ihr Leben ein, 89 wurden in Kämpfen nnd bei Ausübung ihres Dienstes verwundet und weitere 80 erlitten durch Unglücksfälle aller Art bei dienstlichen Handlungen körperlichen Schaden.
Die Wohlfahrtsspeisungen.
Marburg bemüht sich eifrig, den Bedürf- tigen ein gutes Esten zukommen zu lasten — und es bereitet Freude zu sehen, wie die soziale Einrichtung da unb bort ihre Tätigkeit entwickelt. Aber scheinbar geht es schon mit Vollbampf bem Frühling zu, man fängt an, die Tore zu schließen. Eewitz aus Ersparnisgründen ist das wohl anzuerkennen, aber man darf nicht vergessen, dab die verschiedenen öffentlichen Speisungen auch verschieden gehandhabt werden. So ist z. B. gleichzeitig für die Estenabholenden ein Raum, wo sie, wenn sie aus irgend welchen Gründen nicht zu Hause esten können, die Mahlzeiten einnehmen. An anderen Stellen ist bas Esten an eher sehr billig, aber bas Esten muh nach Hause mitgenommen werden. Wäre es nun nicht richtig, da einen gerossten Ausgleich zu schaffen? Wenigstens einen Raum zur Verfügung zu stellen, wo jeder aus eigenem Ebgeschirr und mit eigenem Besteck die Mahlzeit einnimmt? 3n diesem Zusammenhang wäre vielleicht auch die Bitte auszufprechen. die Abholungszeit für bas Esten etwas zu verlängern.
— Ein Arbeitsloser.
Marömger öiadlzrilung
Gin herrlicher Sommer?
Englische Meteorologen prophezeien einen ganz wundervollen Sommer für dieses Jahr. Sie begründen diese Ankündigung mit dem sogenannten Elfjahres- Sonnenznklus, der alle elf Jahre einen wahren Wundersommer bringen soll. 1921 und 1910 hätten dieselben Witterungsver- hältniste geherrscht wie 1932 und in bei- ben.um je elf Jahre zurückliegenden Jahren habe es einen herrlichen Sommer gegeben. Ebenso 1899 und 1888. Die Meteorologen prophezeien mildes und trockenes Wetter für die Zeit vom Februar bis zum August. Im August werde das Wetter freilich etwas unbeständig fein, aber dafür könne man auf einen warmen und schönen September rechnen. Auch der übrige Teil des Jahres werde sich durch mildes und schönes Wetter auszeichnen. Es wäre nur zu wünschen, datz diese Prophezeiungen Wahrheit werden mögen!
* Polizeiliches. Gewarnt wird vor einem Mann, der sich als Inspektor der Versicherungsgesellschaft „W ilhelmine" ausgibt und sich für die Aufwertung von Altersversicherungen, Aufwertungsgebühren usw. bezahlen läßt.
* Museum. Die Sammlungen sind am morgigen Sonntag von 11 bis 1 Uhr geöffnet. In den Ausstellungssälen find Bilbniszeichnunqen von Karl Dörbecker zur Schau gestellt.
* Die Essenabgabe der Stabt« Mission wird eingestellt. Die seit 1. November 1931 erfolgte Essenabgabe in der Winterhilfe bet Stadtmission Rotergraben 6 wird ab morgen eingestellt. Die Stadtmission glaubt, an ihrem Teil durch genannte Einrichtung mitgeholfen zu haben. der vielfachen Nöte in unserer Stadt zu steuern. Es wurden insgesamt 2579 Esten verabfolgt. Sollte sich die Notwendigkeit. einer sozialen Mithilfe in obigem Sinne wieder erweisen, so ist die Stadtmission bereit, die Arbeit wieder aufzunehmen.
* Sugenbfonntag. Im Philippshaus sind in diesen Tagen 30 Vertreterinnen der evangelischen Jungmädchenvereine m Kurhes- Fen versammelt, um sich in praktischen Uebun« gen (Spiel, Gymnastik, Singen) und Vorträgen über die wichtigsten Fragen unserer Zeit für den Helferdienst schulen zu lassen. - Der morgige Sonntag ist als Iugendsonntag für die Stadt Marburg gedacht. Zu dem Jugendgottesdienst um 10 Uhr in bet Elisa- bethkirche, den Landesjugendpfarrer Schäfer, Kassel, hatten wird, ist die gesamte . evangelische Jugend Marburgs emgekaden. Abends spricht Londesjugendpfarrer Schäfer um 8 Uhr im Philippshaus über bas Thema: ,.Not unb Gebot ber Stunde. Sing- und Sprechchöre, von bem Christlichen SB er em junger Mädchen unb ben Teilnehmerinnen bes Lehrgangs bargeboten, unb Lichtbilder aus der evangelischen Jugendarbeit werben ben Abend ausgestalten. Jedermann stt herrsch eingelaben.
* V D.A. Frastengrvppe. 3ut Hauptversammlung der Frauengruppe wird uns geschrieben: Die Versammlung stand unter dem Eindruck, dah die Mitarbeit eines jeden dazu geeigneten Deutschen im Verein unbedingt erforderlich ist und bleibt. Schon die kleine Marburger Frauengruppe mit ihren 222 zahlenden Mitgliedern leistet ein grvheS Hilfswerk durch die namhaften Abgaben unb Spenden an den LandeS-Dorftand zu seinen Detreuungszweckn in Siebenbürgen unb zu der Unterstützung unserer entrissenen Ostmark, ferner durch regelmäßig« Beihilfen für baS Crossenon Schülerheim des V. D. QL, wo ein Gruppenpatenttnd aus dem Balttkum untergebracht ist, weiter durch Sttpendien an auslanddeutsche Studierende, sowie Zeitungs- und Dücher- sendungen nach den Betreuungsgebieten Und Südwest-Afrika. Die im Oahre 1931 veranstalteten geselligen Abende (Vortrag von Marie Gallison Reuter: „Amerika und wir", ferner das so wohlgelungene Sommeifest mit Dr. Fahreners Dorttag: „Die geisttge Bindung zwischen In- und Auslanddeutschtum", sowie dem reizenden „Gesellschaftsabend zu Goethes Zeiten" und dem stark besuchten Konzett der Hann.- Mündener DDA.-Kapelle) haben den Mitgliedern unb Freunden reiche Anregung gebracht. Die Arbeit der Vorsitzenden Frau von Blanckensee mit der Iugenb- ruppe wurde nur flüchtig gestreift, denn >ie Ougenbgruppe wird selbst in Kürze ne Iahresversanunlung mit Dettchten alten. Der Schatzmeisterin, Frau Prof. Strecker, wurde nach Erstattung des Kas- enberichtes lebhafter Dank und Enttastung . zu teil. Sie bewies, daß eine gute Kassenführung mit Ueberschuß auch noch zu jetziger Zeit möglich ist. Die Mitgliedsbei- träge werden von biesem Monat an in Raten oder ganz erhoben, es wirb gebeten, sie für die Bezirksleiterinnen bereit za hallen und der auch für unser innerdeutsches Leben so wichtigen Arbeit treu zu bleibe» S.v.Bl. »
Aufruf -er Marburger Winterhilfe
Die kürzlich abgeschlosiene Sttaßensamm- lung von Kleidung und Schuhen zugunsten der Marburger Winterhilfe hatte ein sehr gutes Ergebnis, sodaß unseren hilfsbedürf- ttgen Mitbürgern damit wertvolle Hilfe geleistet werden konnte.
Auch die bisherige Eeldsammlung und die Nahrungsmittelsammlung haben ein nicht ungünstiges Ergebnis gehabt. In gleicher Weise hat auch durch Abgabe von Mittagessen wertvolle Hilfe geschaffen werden können.
Die Winterhilfe ist dadurch in die Lage versetzt worden, Kohle, Kleidungsstücke und Nahrungsmittel an die Hilfsbedürftigen zur Verteilung bringen zu fönen. Allen Spendern sei der herzlichste Dank ausgesprochen, insbesondere auch der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz sowie dem Reichswehrbataillon für ihre tä- ttge Mithilfe.
Es liegt aber der Winterhilfe noch die Aufgabe ob, weiterhin für die Hilfsbedürftigen zu sorgen, insbesondere ist es noch dringend erforderlich, daß Kleidungs- und Wäschestücke angeschafft und ausgebesiert werden, Schuhe gekauft und besohlt und noch Kohle und Nahrungsmittel beschafft
werden. Hierzu reichen die bisherigen Sammlungen nicht aus und der Herr Regierungspräsident hat uns die Genehmigung erteilt, in der Zeit vom 7.—14. Febr. 1932 eine öffentliche Eeldsammlung zu veranstalten. Zur Durchführung dieser Sammlung ist das Stadtgebiet in 30 Bezirke eingeteilt worden unb es ist uns gelungen, eine Anzahl Sammler zu finden, die es übernommen haben, die Spenden für die Winterhilfe vom Haus zu Haus einzusammeln. Zum Abschluß soll am Sonntag, dem 14. Februar 1932 eine Straßensammlung stattfinden. Zur Unterstützung dieser Straßensammlung wird bas Musikkorps des Reichswehrbataillons Marburg auf dem Friedrichs- platz in der Zeit von 11.30—12.30 llhr ein Platzkonzert veranstalten.
Die Not ist groß unb bie Hilfsbedürftigen sind ohne ihr Verschulden durch die wirtschaftlichen Verhältnisie in bie Not geraten. Deshalb muß es nach wie vor jeher als seine Pflicht ansehen, zu geben was er geben kann. Unb wir richten an bie Bevölkerung ber Stabt Marburg bie herzlichste Bitte, unsere Haus- unb Straßensammlung mit Geldspenden unterstützen zu wollen.
■■■■——---
fltenMnftrtalhiBO
Die Schüler unb Schülerinnen von Dr. I. Müllers höheren Privatanstalten halten stchunter rühriger Leitung bes Herrn Dr. phil. b. W. Könitzer im Zusammenwirken mit musikalischen unb deklamatorischen Vorträgen unb Aufführung zweier lustigen Einakter, im Philippshaus freundlichst in ben Dienst ber Winterhilfe gestellt. Die ben Saal erfreulicherweise bis auf den letzten Platz füllenben Besucher bürsten einen recht antegenben Unterhallungsabenb erleben. Die vortraaen- ben wie vorführenben Gruppen, wie Solisten, waren mit ganzer Hingebung bei ber Sache. '
Ein von einem Freunde ber Anstalt ge- bichteter Vorspruch, Der mit einem Appell an bie inbireffen Mitglieber zur Winterhilfe unb einer Darstellung ber Wirtschastsnoi schilderte, kam burch ben rhythmisch wohl vorbereiteten Sprech-Chor ber Knaben unb Mädchen bet Unterstufe recht sinnvoll zum Ausbruck. In bet Wiebergabe bet zweiten Rhapsodie am Flügel zeigte O. Schwatz (O. I) eine beachtliche Technik, bie auch noch später in einem „Intermezzo" zu Tage trat. Zwei Flötensoli von Haybn unb Händel trug Schwenkenbechet (U. I) mit rechtem Einfühlungsgeschick vor. Frau Frech gesellte sich als geübte Begleiterin zu ihm unb offenbarte ihre schöne pianistische Begabung in einer Cbopinschen Etube. namentlich in ber ausgezeichneten Technik oer linken Hanb. Schwatz unb Hoffmann (O. I) brachten gefällig einen Teil aus ber 6. Sinfonie von Haybn vierhänbig zu Gehör. — Einen ganz köstlichen Beitrag lieferten Schmitt (O- II) unb Grete Berndt (O. III) mit ihrem Dialog in hessischer Mundart, entsprechend im länd
lichen Kostüme. Das wat eine recht etgulckenbe Episode in bet Ptogrammfolge wie auch ein „Intermezzo" von 'Schwarz (D I) unb Stark (O. II), bas ben mit Ansagertricks verwobenen Werdegangs eines Klaviers über Virtuosen, Konservatorium, Slubentenkneipe, Höhere Töchter schildert, bas sich bann enblich in einer kläglichen Jazzdisharmonie-Krach bei einem Negerstamme in Atome auflöst. — Als Haupteoup krönten bie reichhaltige Veranstaltung noch zwei lustige Einakter „Bürgergeneral" von Göthe unb „Der Hahn im Korbe" von Curt Götz. Die verschiebenen Schüler unb Schülerinnen waren recht bei ber Sache unb verrieten mehr ober minder schauspielerische Talente, die im gegebenen Rahmen alle zu einem netten Zusammenspiel vereinte. Der nach allen Nummern einsetzenbe Beifall bewies bie ungeteilte Würdigung bet in allen Teilen gelungenen Veranstaltung.
* Taubstummengottesdienst. Sonntag, den 14. Februar, 2.15 llhr, findet ein Taubstummengottesdienft' im Philippshaus (nicht Julienstift) statt.
* Stadttheater. Morgen, Sonntag, 7. Februar, geht im Abonnement als. East- Istiel des Kasseler Staatstheaters Goethes „C l a o i g o“ in der Neueinstudierung von Ernst Wendt in Szene. Das Stück legt der Gestalt feiner Heldin das Gesicht von Friederike, ber ehemaligen Geliebten Goethes, zugrunde. Da die Veranstaltung gleichsam tm Rahmen des Goethe-Jahres empfangen werden will, kann man doppelt auf ihre Bedeutung für Marburg Hinweisen. Die Vorstellung beginnt pünktlich 19.30 Uhr.
ein KhMnfufltk m spe* fieher Eleganz, Mae ganz de« Betet der modernen Fran ent
spricht Sportlich einfach end doch vh anmutigem Schnitt, aus reiner Mako etten end geschienene n tragen, mH Malharm, jetzt nahen fa den neuen Frtihjahrsfarhea.....
2”
Briefkasten der Schriftleitung.
$t Der frühere Reichsbankpräjident
Schacht fit evangelisch-