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Sette 6

ONttefllf* Zettung, Mardnrg c L, Freitag, den 5. Februar 1932

Nr. 30

Aus dev Umgegend

Kreis Mnrvurg

Wetter, 5. Febr. Am 3. d. Mts. starb stier der Altveteran Ludwig Hampel, und damit hat sich die Zahl der noch stier leben­den Altveteranen auf zwei vermindert. Herr Hampel erreichte ein Älter von 84 Jahren. Von Beruf war er Schmied, doch war es ihm nicht vergönnt, daß das Geschäft seinen Na­men behielt, da ihm der einzige Sohn durch den Tod entrissen wurde. Drei Töchter heirateten nach auswärts. Als seine Kräfte nachiießen, gab er das Schmiedehandwerk auf. Bei Ausbruch des Krieges 1870/71 < diente er beim 14. Husarenregiment in Kas­sel im dritten Jahre und machte dann den Krieg gegen Frankreich mit. Mit dem Re­giment kämpfte er bei Weißenburg, Wörth, Sedan und Paris. Im Laufe tos Krieges wurde er Unteroffizier und Fahnenschmied. Gern erzählte der alte Herr aus jener großen Seit. Noch bis vor wenigen Wochen machte er seine täglichen Spaziergänge.

Sterzhausen, 5. Febr. Mi ttwoch, den 3. Februar, feierte die Witwe Marga­rete Schmidt in verhältnismäßig guter Rüstigkett ihren 75. Geburtstag.

Kreis KtrMain

Protest gegen Sparkassenzweckverband im Kreis« Kttchstain.

r Rauschenberg, 4. Febr. Auf Grund einer preußischen Sparverordnung beabsichtigt die Regierung die Gründung eines Spar­ta s s enz w e ck v erb an d es im Kreise Kirchhain. Nachdem bereits in der ver­gangenen Woche eine Besprechung des Herrn Regierungspräsidenten und des Herrn Land- rats des Kreises Kirchhain mit den Bürger­meistern der Städte des Kreises stattgefunden statte, befaßte sich gestern die Stadtver­ordnetenversammlung mit dieser An­gelegenheit. Der Plan der Regierung be­gegnete einmütigem Widerstand. Die Stadt­verordneten faßten nach Erörterung der Sache, in der die starke Erregung der gesam­ten Bevölkerung über die Absicht der Ver­waltungsinstanzen zum Ausdruck kam, ein­stimmig folgende Entschließung: Die Grün­dung eines Sparkassenzweckoerbandes im Kreise Kirchhain wird als undiskutabek abge­lehnt. Die Notwendigkeit der Gründung wird nicht anerkannt. Wirtschaftliche Gründe für den Zusammenschluß sind nicht gegeben. Der geforderte Einlagebestand ist erreicht. Weitere Gründe für die Vereinigung sind nicht vorhanden. Das Interesse der Sparer und der Geschäftswelt, wirtschaftliche und historische Gründe fordern für die Zukunft die Erhaltrmg der Selbständigkeit der städti­schen Sparkasse. Die Stadtverordnetenver­sammlung und hinter ihr die gesamte Bür­gerschaft werden sich nicht fügen, ohne die ihnen zu Gebote stehenden Mittel zur Ab­wendung einer Zusammenlegung zu gebrau­chen. Die Entwicklung der Sparkasse bietet leinen Anlaß, die Gründung eines Zweck­verbandes durchzuführen. Im weiteren Ver­lauf der Sitzung wurden als Schiedsmann und Stellvertreter Oberstrabenmeister Hess« und Bäckermeister Konrad Wittekindt wieder­gewählt. Gegen die Anordnung des Herrn Regierungspräsidenten, weitere 100 Prozent Zuschlag zur Bürgersteuer zu erheben, soll Einspruch erhoben werden, da der Haus­halt durch weitere Einsparungen ausge^ichen werden soll. Alle Beschlüsse der Stadtver­ordneten wurden einstimmig gefaßt.

r Rauschenberg, 4. Febr. Der Ge­sangverein „Sängergruß" veranstaltet am Sonntag einen Lieder- und Konzertabend im Seibertschen Saal. Den musikalischen Teil

der Vortragsfolge wird die KapeSe Merle bestreiten. Nach seinen bisherigen gesanglichen Leistungen dürfte der veranstaltende Verein den Besuchern einen inhaltsreichen Abend bieten.

Niederwald, 5. Febr. Der An­streichermeister Peter A che n b a ch wurde ein­stimmig zum Bürgermeister gewählt.

Kreis Aevenkooi

Schulungswoche des westdeutschen Jung- mmmerbundes.

Wallau, 4. Ian. Die Frage nach dem Eottesbeweis zeigte der Redner im zweiten Vortrag: „Es ist kein Gott?" Er glie­derte diesen Vortrag nach 3 großen Ge­sichtspunkten nach den Deweismöglichkeiten überhaupt. Zuerst behandelte er den Beweis des logischen Widerspruchs, auf den sich die Mathematik aufbaut. Danach machte er an Hand reichhaltigen Materials den Erfahrungs- b^weis, auf den sich die Naturwissenschaft aufbaut. Nun legte er die dritte Beweis­form, den Vertrauensbeweis klar. Nur auf Grund eines wirklichen Vertrauensverhält­nisses kann ein Mensch von dem Dasein Got­tes überzeugt werden. 3m dritten Vortrag am Montagabend behandelte der Referent, Herr Dr. Wilkes, das Thema: „T)ie Wun­de rf ra g e im Lichte der Naturwis- l en schäft". Gibt es überhaupt Wunder? Betrachteir wir aber manche Dinge, die uns zur Gewohnheit geworden sind, einmal näher, dann stelleir wir fest, daß doch nicht alles so natürlich' ist, wie es aussiestt. So lehnen viele das Wunder ab. weil sie sich an die Dinge gewöhnt haben. Eine andere Quelle der Ablehnung ist die Naturwissenschaft, d. h. nicht die wirkliche Naturforschung, sondern eine Weltanschauung, die sich angeblich auf die Naturforschung aufbaut. An den tat­sächlichen Ergebnissen der Naturforschung kom­men die Christen nicht vorbei. Sie brauchen aber nicht zu fürchten, daß man jemals etwas entdecken würde, was der Bibel widerspricht. Es liegt zweifellos fest, daß in der Natur alles nach bestimmten Gesetzen geordnet ist. Außerdem gelten die Naturgesetze immer nur unter bestimmten Bedingungen. So daß der bedeutende Naturforscher Rernst erklären mußte: „Die Naturgesetze haben nur pro­visorischen Charakter". Dann zeigte der Red-

Wahlen an der Gießener Universität.

Gießen, 4. Febr. Die Studenten­schaft an der Hessischen Landesuniversität Gießen nahm heute die Wahlen zum All­gemeinen Studentenausschuß vor. Es waren rund 1800 Studenten wahlberech­tigt, von denen 80 Prozent von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten. Der Na­tionalsozialistische Deutsche Studentenbund erhielt 767 Stimmen (13 Sitze), die Groß- deutsche Arbeitsgemeinschaft erhielt 397 Stimmen (8 Sitze), die Gruppe für Asta- reform 108 Stimmen (2 Sitze), die Rote Liste 87 Stimmen (1 Sitz), die Katholische Arbeitsgemeinschaft'114 Stimmen (2 Sitze).

Groenhoff erhält den Hindenburg-Preis zur Förderung des Segelflugs 1931.

Frankfurt a. M., 4. Febr. Der vom Reichspräsidenten für das Jahr 1931 ge­stiftete Preis zur Förderung des Segel- fluges, bestehend aus einem silbernen Po-

ner in einer Anzahl von Bespielen: „Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumen läßt. Es gilt auch heute nodj das Wort des Kirchenvaters Augustin: „Wunder stehen nicht im Mderspruch zu den Naturgesetzen, sondern zu unserer Kenntnis von ihnen". Der tiefste Grund, warum Menschen die Möglichkeit der Wunder ablehnen, liegt nicht in der Kennt­nis einiger Naturgesetze, sondern in der Un­kenntnis des Naturgcsetzgebers. Die Wunder­frage ist im Grunde keine naturwissenschaft- siche, sondern eine religiöse Frage.

0 Hartenrod, 5. Febr. Der Krieger- verem veranstaltete einen Deutschen Abend, der überaus gut besucht war. 3m Mittel­punkt des Abends stand ein Lühtbildervor- trag „1000 3ahre deutscher Rhein". An­sprachen. Gesangvorträge umrahmten dm in- teressantm Vortrag.

Aos dem SMkrrtS

Die finanziell« Notlage des Dillkekses.

Dillenburg, 3. Febr. In der Heu», tigm Sitzung des Dillkreises erstattete Land­rat Dr. B ü n g e r einen ausführlichen Be­richt über die Finanzlage des DMkreises, aus dem zu ersehen ist, daß der voraussichtliche Fehlbetrag des Rechnungsjahres 1931 einschließlich des Fehlbetrages der Vorjahre I rund 465 000 Mark betragen dürfte. Än I Fürsorgelasten wurden in der Zeit von April bis Ende 1931 rund 540 000 Mark aufge­wandt. Bei der Kreisumlage wird mit einem Nichteiugang von etwa 168 000 Mark gegenüber dem Etatsansatz von 472 000 Mark gerechnet, und die gesamten Mindereinnah­men an Steuern und Abgabm dürftm mit 227,000 Mark zu veranschlagen sein. Dem Bezirksverband Wiesbadm schuldet der Dill­kreis an rückständigm Beiträgm rund 200000 Mark, was zu einer Beschwerde des Landes­hauptmanns über die Finanzgebarung des DMkreises bei der Aufsichtsbehörde geführt hat. Auch dieser Vorgang beleuchtet die große Finonznot des DMkreises, die in erster Linie hervorgerufen wird durch die hohen Fürsorgelastm beim Wohlfahrtsetat. Um diese Lasten aufzubringm, müsse man bis zum Weißblutm die notwendigm Gelder zu- sammmkratzm.

kal und einer Zusatzprämie, ist vom Preisgericht Günther Groenhoff in Frank­furt a. M. für seine verschiedenen hervor­ragenden Segelflüge des Jahres 1931, ins­besondere für seinen bekannten Eewitter- flug von 275 Kilometer von München nach Kaaden (Tschechoslowakei) im Mai 1931 und für seine ausgezeichneten Leistungen während des Rhön-Segelflugwettbewerbs 1931 zuerkannt worden. Bekanntlich ist Eroenhoffs Wettbewerbsflug von der Wasserkuppe nach Meitzendorf bei Macfde- burg als internationaler Streckenrekord (220,70 Kilometer) und als deutscher Höhenrekord (2050 Metern über Start­stelle) anerkannt worden.

Frankfurt schließt acht Schulen.

Frankfurt a. M„ 4. Febr. Die Stadt hat in den letzten vier Jahren eine Reihe sehr kostspieliger Schulbauten aus- sühren lasten, die viele Millionen Mark

AessenRaffau und Rachbargebiete

kosteten. Das wäre nicht nötig gewesen, wenn man sich etwas enger in den einzel­nen Klasten zusammengesetzt hätte. Denn jetzt, durch den Abbau vieler Lehrer und der damit verbundenen Zusammenlegung zahlreicher Klasten, werden zu Ostern wahrscheinlich nicht weniger als acht Schu­len für längere Zeit geschlosten. Vor­gesehen hierfür sind in erster Linie die Schulen, die bis zu acht Klasten besitzen. Die freiwerdenden Schulgebäude mit ins­gesamt 100 Klastenräumen sollen teilweise für Berufsschulzweck Verwendung finden

Kommunistischer lleberfall aus Nationalsozialisten.

Hanau, 4. Febr. Zu einer förmlichen Schlacht zwischen Kommuni st en und Nationalsozialisten kam es gestern abend kurz vor 8 Uhr unweit des Ortseinganges von Rückingen. Die Natio­nalsozialisten die sich auf dem Mcrsche zu einer in Rückingen geplanten Versamm­lung befanden, wurden bei der Rückinger Kleinbahnweiche von Kommunisten überfallen, mit einem Steinhagel überschüttet und von allen Seiten her tät­lich angegriffen. Er entspann sich ein wil­des Handgemenge, bei dem es zahlreiche Verletzte, darunter auch Schwerverletzte, gab. Die Verletzungen rührten in der Hauptsache von Schlägen mit harten Gegenständen her. Auch das Mester soll eine Rolle gespielt haben, wie auch Schüste von feiten der Angreifer gefallen sein sol­len. Die Landfägereibeamten, die sofort eingriffen, wurden gleichfalls mit Stei­nen beworfen und mußten schließlich von ihrer Waffe Gebrauch machen. Beim Eintreffen des lleberfallkommandos der Hanauer Schutzpolizei war der Tatort be­reits geräumt, so daß sich die Polizei­beamten auf die Räumung des Ortes und die Durchsuchung der Gegend beschränken konnten.

Rach einer Mitteilung der national­sozialistischen Kreisleitung wurden etwa 20 Nationalsozialisten mehr oder weniger schwer verletzt. Die Zahl der Angreifer wird mit 4—500 angegeben. Ob die Angreifer gleichfalls Verletzte in ihren Reihen hatten, konnte bisher noch nicht feftgestellt werden.

Zuchthaus für einen Studenten.

Darmstadt, 4. Febr. In vielstün. diger Sitzung wurde heute vor dem Schwurgericht der Provinz Starkenburg gegen einen Studenten und dessen Mäd­chen wegen Meineids und Verleitung zum Meineid verhandelt. Der Meineid war auf Anstiftung des Studenten von dem Mädchen in einem Strafprozeß geleistet worden. Darin hatte das Mädchen be­schworen, daß der Student das Fahrrad eines Fremden nicht benutzt hätte. Das war aber dennoch der Fall und das Rad war bei der Schwarzfahrt entzwei ge­gangen. Das Gericht verurteilte den Studenten wegen Verleitung zum Mein­eid zu einem Jahr sechs Monaten Zucht­haus, zu dauernder Eidesunfähigkeit und zu drei Jahren Ehrverlust. Dem Mäd­chen wurden weitgehende Milderungsum- stände zugebilligt und es erhielt anstelle einer an sich verwirkten Zuchthausstrafe 4y2 Monate Gefängnis.

(Nachdruck verboten!)

Roman von Johannes Hollstein.

/. Fortsetzung.

Willfried wandte sich der Mamsell zu. die wie eine Rose glühte. Lachte sie herz­lich an. >

„Frau Rosellen . . . immer noch die Mte, (Zunge . . . Sie blühen wie eine Rose! Zimmer noch einspännig?"

„Oh . . . gnädiger Herr! Ich mach' solche Dummheiten nicht! Soll ich mich mit einem Mannsbild rumärgern?"

Willfried nickte ihr schmunzelnd Ki.

„Das tun Sie recht, Frau Rosellen. Mer . . . Ihre Küche ist doch noch so vorzüglich wie vor Jahren?"

„Ich werd' mir alle Mühe geben, Herr von Kamerkingk."

„Schön . . . jetzt seien Die so nett Nnd weisen Sie uns unsere Zimmer an. Herrn Schaffranz in meiner Nähe mit. Wir haben doch so diel Platz im Herrenhaus«. And . . . nicht wahr, lieber Inspektor . . „ wenn die zwei Eleven kommen, dann . . . sollen die auch im Herrenhaus« wohnen. E-s ist besser so, wenn Sie die beiden jungen Leute etwas unter den Äugen haben. And den alten Burger . . ., den wünsche ich weiter auf dem Gitte zu be- hallen. Wenn einer über vierzig Jahre seine Pflicht getan hat, dann soll er in Gottes Namen bis zu seinem seligen Ende hier weiter wohnen und essen."

In des Inspektors Gesicht zuckte keine Muskel.

„Gewiß, Herr von Kamerlingk. Der alte Burger hat Sie gewiß getroffen?"

„Erraten! , Bor wenigen Minuten! Ich möchte Sie aber bitten, diese Maßnahme nicht etwa als ein Eingreifen in Ihre Tä­tigkeit anzusehen. Ich wünsche weiter, daß Sie die Leitung des Gutes in den Hän­den haben. Ich hoffe auf ein gutes Zu­sammenarbeiten, Herr Inspektor!"

e

Die Mamsell geleitete sie nach dem ersten Stock. Willfried ließ sich ein Wohn- unü ein Schlafzimmer anweisen, ebenso Schaffranz, der sich dagegen wehrte und nur um ein Schlafzimmer bat.

„Lassen Sie doch, Schaffranz!" sagte Willfried liebenswürdig, „wir haben je soviel Platz. Ich sehe nrcht ein, warum die Räume immer leer stehen sollen. Wie ge­fällt Ihnen Rosenburg?"

„Scheinbar ein Mustergut!"

„Stimmt, und bringt doch nichts ein."

„Das wahrscheinlich . . . geht aber nicht mit rechten Dingen zu."

„Eben, Schaffranz! Hallen Sie Äugen und Ohren offen! Ich sage nicht, daß es sich um eine Anehrlichkeit handeln muh . . . nein, das ist durchaus fraglich . . . sicher ist aber . . . stimmen kann es nicht."

„Das denke ich auch, Herr von Kamer- lingk."

„Wie gefällt Ihnen der Inspektor?"

„Was soll man jetzt dazu sagen?" zuckte Schaffranz die Achseln.

„Sie haben schon recht, Schaffranz. Eigentlich . . . soll man mit dem Artest warten. Mer . . . geht es Ihnen nicht auch so . . . man sagt „der Mann gefällt mir“ oder „nicht" und es passiert feiten, daß man sein Artest umkrempeln muß."

„Zweifellos! Wenn Sie darnach gehen, nun denn . .. der Inspektor gefällt mir nicht."

„Es geht mir auch nicht anders. Mfo Thomas Brucks gefällt es nicht! Woran liegt das? prüfen wir nach! Er gefällt mir nicht, weil . . .! Schaffranz, ich glaube, wir werden morgen einmal genau sesfftel- len, warum er uns nicht gefällt. Heute ist es rein gefühlsmäßig. And es täuscht nichts mehr als das Gefühl."

*

Während Schaffranz über den Hof schlenderte und sich mit dem deutschen Ge­sinde bekannt machte, sahen »Willfried und der Inspektor bei einem Imbiß und einem Glase Wein zusammen.

Willfried staunte über Thomas Drucks.

Er begriff, daß sein Vater von den Manne, der so selbstsicher in der Well stand, der in allen Sätteln gerecht schien, allerhand Respekt hatte.

Er selber ftounre über das umfassende Allgemeinwissen des Mannes. Es gab kein Gebiet, auf oem er nicht mitsprechen konnte. Er hatte auch Witz, aber der Humor, der vom Herzen kommt, ging ihm ab. Er hatte verschiedene Länder bereist unt> nach seinen landwirtschaftlichen Aus­führungen zu rechnen, mußte er geradezu ein landwirtschaftliches Genie fein.

Willfried gab sich freundschaftlich, steckte in keiner Weise den Herrn heraus. Ms keinem seiner Worte ging hervor, daß er etwa die Msicht hatte, das Heft selber in die Hand zu nehmen.

Eie kamen auf die Polen zu sprechen.

„Ist es Tatsache, daß oie Polen den größten Prozentsatz unter den Hofarbeitern ausmachen?"

Drucks bejahte.

„Das ist bedauerlich!"

„Gewiß! Ich begreife, daß Ihnen die­ser Amstand als Deutscher nicht behagt.

Mer . . was soll man tun? Deutsche Landarbeiter sind erstens rar und zweitens teuer. Drum heißt es, in den sauren Apfel beißen."

„Hm! In dem Punkte kann ich noch nicht mitsprechen, Herr Inspektor. Da bin ich Laie, aber . . . mir ist di« Ange­legenheit wichtig und es ist der Mühe wert, zu überlegen, wie man diesen Zustand ab- schafst oder mildert."

Der Inspektor stimmte ihm höflich zu.

„Zweifellos ist es der Mühe wett. Sie dürfen überzeugt fein, daß ich als guter Deutscher mir oft schon die Miche genom­men habe, darüber nachzudenken. Aber es ist so schwer. Ja, wenn di« Regierung ein wenig mehr Ohr für die Landwirtschaft hätte! Aber das ist leider nicht der Fall."

„Wie meinen Sie das?"

„Die Getreidepreise sind zu niedrig!"

„Wie flehen sie jetzt?"

„Roggen 10,80 und Weizen 13,—."

„Hm! Dazu kann ich wiederum nichts sagen, denn ich bin noch Laie. Ich hoffe aber, lieber Inspektor, daß Sie mich in alles einführen werden, denn ich möchte mein Laientum etwas ablegen. Es ist be- ftimmt nicht zu ihrem Nachteil, wenn (Hr Patron selber klar sieht."

„Sicher! Verzeihung . . . eine Frag«, Herr von Kamerlingk! Hat oder wird Ihnen Ihr Herr Vater Msenburg über­eignen?"

„Nein! Ob es noch geschieht? Das, lieber Herr Inspellor, läßt sich jetzt noch nicht sagen. Auf alle Fäll« ... auf gutes Zusammenarbeiten."

Di« Gläser klangen.

Fortsetzung folgt.