Einzelbild herunterladen
 

Nr. 30

OderhessisHr 3eftnng. Marburg a. L. Freitag, den 5. Februar 1932

Sette 3

Ai

Interessante krimmattsttsche Versuche

Im Zeichen der Abrüstungskonferenz?!

bar machen kann und die für jeden Men­schen stets das genau gleiche Bild ergeben sollen. Das oszillographische Bild lägt sich durch andere elektrische Einrichtungen so­weit auflösen und weiter verwandeln, bis man das Spektrogramm, das aus einem Liniensystem von verschieden großen Li­nien in verschiedenartigen Abständen be-

tigen, daß sie erst Ende des Jahres in Paris anliefen und deshalb noch nicht voll gewür­digt werden konnten.

Hamburg, 4. Febr. Gestern morgen pünktlich um 8.30 Uhr erfolgte hier un­ter größter Beteiligung des Publikums der Start zur Standard-Deutschlandfahrt — einer Zuverlässigkeits- und Prüfungsfahrt, die unter der offiziellen Kontrolle des Allge­meinen Deutschen Automobil-Elubs (ADAC.) steht.

Neues französtsches Bombenflugzeug mit einer Tragfähigkeit von 1000 Kilogramm Bomben und einem Aktions-Radius von 2000 Kilometern, das jetzt als erstes einer größeren Serie hergestellt wurde.

Während in Genf die große Abrüstungskonferenz tagt, gebt hinter den Kulissen das Wettrüsten der Großmächte ungemindert weiter. Vor allem baut Frankreich die furchtbare Waffe des Bom- benffugzeuges weiter aus. nachdem es bereits die weitaus stärkste Luftflotte der Welt besitzt.

D« b<st«n französischen Filme.

Eine Umfrage des französischen Füm- blattes „Pour Vous" bezeichnete als den besten französischen Fllm des Jahres 1931 „Jean de la Lune". An zweiter Stelle folgt der auch in Deutschland mit Erfolg gezeigte Renee-CIair-Film „Le Million", an dritter „Marius" von Pagnol, dessen verfilmt^ Bühnenstück augenblicklich in Berlm läuft. Die nächsten Plätze nehmen die sranzösiichen Fassungen dreier deutscher Filme ein „Drei von der Tankstelle", „Der tlerne Seitensprung" und „D e r Kongretz tanzt". Bei diesen Filmen ist zu berudtw

gewinnt dann schon ein charakteristisches Bild eines Tones oder einer Stimme, das man in Ruhe betrachten und genauer untersuchen kann, auch wenn der Ton schon längst verklungen ist. Dabei ergeben fich Unterschiede im Bilde ähnlich wie bei den Linien der Fingerabdrücke, die man unter Vergrößerungen sehr deutlich wahrnehm-

Kunst uni Wissenschaft

= Deutscher Musiker - Erfolg in Paris. Kapellmeister Felir Hupka, der Jahre hin- durch an der Kölner Oper gewirkt hat. führte sich mit einem Konzert des Rullet- Orchesters in Paris auf das beste em. Er interpretierte mit gutem Erfolg die große Schubertsche C-Dur-Symphonie und Werke von Debussy und Wagner. Das Publikum spendete ihm warmen Beifall.

= Gegen «in« Operngemeinschast Halle- Leipzig. Die von der Stadt LewZig mit großer Intensität betriebenen Pläne emer Operngemeinschaft mit Halle stoßen nach rote vor in der gesamten haklechen Bevölkerung aus materiellen und ideellen Gründen auf großen Widerstand. Die Bürgerschaft hat sich mit übergroßer Mehrheit und mit ge­wichtigen Stimmen aus wohlerwogenen Gründen dagegen ausgesprochen. Wie aus einer Erklärung von Magistratsseite hervor­geht, ist von einem positiven Abschluß der Verhandlungen noch gar keine Rede. Die Verhandlungen würden nur für den Even­tualfall geführt, daß die Stadtverordneten die für die Aufrechterhaltung des Theaters erforderlichen Mittel ncht bewilligen sollten.

Hochschulnachrichten

x Der Tübinger Privatdozent Amtsgerichtsrat a.D. Dr. jur. Hermann Schultze von Lafaulx hat einen Ruf als außerordentlicher Professor für bürgerliches Recht, deutsches Privatrecht und deutsche Rechtsgeschichte an die Uni­versität Rostock erhalten.

x An der Göttinger Universität find die Privatdozenten Dr. Hans K ü st - ner (Medizinische Physik) und Dr. Otto Neugebauer (Geschichte der Mathe­matik) zu nichtbeamteten außerordent­lichen Profesioren ernannt worden.

x Die Privatdozentin für Phyfik an der Göttinger Universität Dr. Hertha Sponer ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ebenda ernannt worden.

X Dr. Karl Gustav Felke rer. Privat- dozent und Direktor des Mmikwtstenchaft- lichen Seminars an der Universität Mun­ster hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Musikwissenschaft an der Uni­versität Freiburg (Schweiz) a.5 Nach­folger des verstorbenen Prof., Dr. Peter Wagner angenommen und bereits feine Er­nennung zum außerordentlichen Professor m Freiburg erhalten.

x Geheimrat Dr. Heinrich Maier, der bekannte Ordinarius der Philosophie an der Berli ner Universität begeht am 5. Fe­bruar seinen 65. Geburtstag.

x Der außerordentliche Professor für (H)e° mie und Abteilungsoorsteher am Chemstchen Institut der Universität Gießen, person-

Die Deutschlanosahr^ ist .eine Ergänzung der 30-Tagefahrl auf dem Nürburgring. Sie wird ebenfalls wie jene von der DAPG. ver- .nstaltet, und zwar mit 18 Personen- und ..astwagen, den gleichen serienmäßigen Fahr­zeugen, die auch schon auf dem Nürburg­ring gelaufen haben. , ,

Unter den ungünstigsten Wltterungsver- hältnissen werden die Wagen jetzt auf emer Rundfahrt durch ganz Deutschland den Ein­flüssen der Landstraße auf emer Fahrtstrecke von je über 5000 Kilometer unterworfen. Auch bei dieser Zuverlässigkeitsfahrt soll un­tersucht werden, der Brennstoff-, Oel- und Reffenverbrauch, die Reparaturen (unter Fest­stellung von Zeitaufwand und Ersatzteilen). Es sollen weiterhin die Fahreigenschcrsten auf verschneiten und vereisten Straßen ge­prüft werden,usw.

Start zur Deutschlandfahrt

| aHmsburg

Immer noch beschäftigt sich die Ber­liner Kriminalpolzei mit der Aufklärung des Störungsversuches der Silvester-Run dsunkan spräche des Reichspräsidenten von Hindenburg. Dabei gelangte man zu einem völlig neuem Gebiet der kriminalistischen Be­weisführung. Nachdem schon die Kunst von den Hautlinien in Form von Fm- ger-, Daumen- und Handballenabdrucken für die Ermittlung des Täters zu einem hohen Entwicklungszustand gebracht worden ist. sucht die kriminalisttsche Technik auch die neuesten Fortschritte von physikalischer und chemischer For­schung in ihren Dienst zu stellen.

Die Fingerabdrucktechnik führt be­kanntlich längst nicht immer mehr zu dem gewünschten Erfolge. Die Krimi- nalisttk bemüht sich dasselbe vor Gericht stets um die Bereitstellung mehrerer Be­weiswege. Das ist dringlich, weil vor­sichtige Richter den Fingerabdruck, wenn er auch nur ganz geringfügige Abweichun­gen zeigt, nicht gern gelten lassen. Die Gerichtsehemiker bildeten deshalb eine Fülle neuer Techniken aus, bei denen sie aus winzigsten Stoffresten, mikroskopisch kleinen Blutspuren unter Nutzung auch der neuesten Kenntnisse aus der Blut­gruppenforschung und auf zahlreichen anderen Wegen überzeugende Beweisket­ten zusammen stellen können. Da auch der Verbrecher wissenschaftlich Schritt zu halten sucht und mit besonderem Vorteil die aründlichen Darlegungen der Sach­verständigen in Kriminalprezessen hort, müssen immer wieder neue Dewetsfuh- rungsgebiete erschlossen werden. Dazu gehört nun auch die Verwendung des Tons als Polizeispion.

Vielleicht gelingt es trotz aller Muhen nicht, den Silvester-Zwischenfall , zu klären . Er bewies jedoch der Krinn- nalisttk die Dringlichkeit der Entwick­lung neuer Verfahren zur Heranziehung des Tons und der Stimme als Erken- nungs- und Beweismittel. Es ist heut­zutage gewiß unwahrscheinlich, daß ein technisch tüchtiger und kenntnisreicher Täter bei Angriff auf ein Rundfunkkabel oder andere technische Einrichtungen des Sendebettiebes so leicht vermeidbare Spuren wie Fingerabdrücke hinterlaßt. Er wird auch eine Kleidung wählen, die nicht sozusagen pfundweise Härchen has­ten läßt, wie flockige Wollstoffe. Wenn er Liebhaber technisch-kriminalistischer Zeitschriften und anderer Literatur ist, denkt er bestimmt auch an die Vernich­tung oder sonstige Beseitigung des ge­brauchten Werkzeugs, dessen Eigentüm­lichkeiten ebenfalls auf feine Spur fuh­ren könnten . Aber sprechen mutz er. Sonst hat die ganze Sache keinen Zweck. Und der Tonschreiber beim Rundfunk verzeichnet auch seine Sprache ebenso ge­wissenhaft und leichter wiedererzeu­gungsfähig wie die Stimme des Gestör­ten Besondere Schwierigkeiten sind in dem Schulfalle für die Polizei daraus entstanden, daß sie nicht über eine amt­liche Berliner Aufnahme der Störungs­stimme verfügt, sondern sich mit der zu­fälligen primitiveren Arbeit eines Pri­vatliebhabers begnügen mutz, weiL der Tonschreiber in diesem Fall nicht an dem Deutschlandsender sondern an eine andere Leitung angeschlossen war.

Die Hörversuche unter Benutzung von Sckallapvaraten blieben bisher ohne sicheres Ergebnis. Auch die menschlichen Ohren find Individualitäten: jeder von uns hört einen Laut irgendwie ein klein wenig anders. Die Polizei mad)t sich daher schon fast mit neuesten Versuchen der Heinrich Hertz-Gesellschaft über die wissenschaftliche Bestimmung des Ton­charakters bekannt. Eine kritif^ Be­trachtung des Tones nimmt man schon in diesem Sinne auf elektrischem Wege vor, wenn man man einen Lautsprecher einzu­stellen sucht. Die Verstärkung wirkt nicht gleichmäßig auf alle Bestandteile des Tones, sondern sie verzerrt ihn. Wir mühen uns deshalb ab, die Verftarker- röhre durch Drehung der Schaltung so zu betätigen, daß sie den „richtigen Ton herausholt, den unser Ohr als die natür­liche Klangfarbe empfindet. Die wissen­schaftliche Tonuntersuchung bildete ver­schiedene Arten von elektrischen Einrich­tungen aus, mit denen man den Ton Nicht nur hörbar, sondern gleichzeitig auch sichtbar machen kann. Bei Anwen­dung von Oszillographen. Schwingungs­schreibern, läßt fich verblüffend einfach zei­gen. daß der Ton sich nicht gleichmäßig ad- wickelt, sondern aus zahlreichen Einzel- schwingungen besteht. Oszillographiert und lichtbildmäßig auf eine Leinwand gewor­fen zeigen sie eine Lichtkurve mit einem vielverästelten und vielverzackten Auf und Ab. Man kann es photographieren und

Der Ton als Verräter

Verwandlung von Tönen in Licht - Die Stimme der Persönlichkeit und die Persönlichkeit der Stimme

stehende Bild des Tones und der Stimme» gewinnt, ähnlich dem Farbenbild einer Flamme. Ein solches Bild kann man auch von der geheimnisvollen Stimme in der Silvesternacht Herstellen und das Bild der Stimme der vermeintlichen oder wirklichen Täter damit vergleichen, wenn. nun wenn einwandfrei wie bei der Finger­abdruckstechnik bewiesen wird, daß sich das Stimmbild des Menschen ewig gleichbleibt. Die Beweisgrundlagen dafür werden gegenwärtig aufgebaut. Auf jeden Fall gibt es nicht nur mehr eine Stimme der Persönlichkeit, sondern wir dürfen jetzt auch schon von einer Persönlichkeit der Stimme sprechen. Ernst Kuhnert.

MU ftzlbstosbautem Motorschiff von Alm nach Konftantinoprl

Zwölf junge Leute aus Ulm haben sich zusammengefunden, um mit einem von ihnen felbstgefertigten Schiss ihren Plan, nach der Türkei auszuwandern, auszujühren. Das flache Fahrzeug, das mit Ausnahme des Unterbaues selbst gezimmert wurde, hat eme Länge von 15 Metern und eine Breite von 2 75 Metern. Gegen die Unbilden der Wir- terung sind die Donaufahrer durch eme mas­sive Holzüberdachung, die wohnlich emge- richtet wird, geschützt. Für. die nötige Fahr­geschwindigkeit sorgt em eingebauter Auto­motor.

.Hündische" Aufschneiderei.

Sitzen da im Dosskruge mehrere Jäger zusammen. „Mein Sund'', sagt der eme, „ist das klügste Tier seiner Raste . Die Kol­legen lächeln nachsichtig. Darauf sprudelt der andere los. „Stellt mein Cäsar heute einen alten Hausierer. Der Kerl muß also gewildert haben. Ich durchsuche seine samt- lichen Taschen, sein Bündel, kein Stückchen Wild. Der Hausierer beteuert ferne Un­schuld. Ich glaube ihm nicht, verlange ihm die Personalien ab. Da hatte ich die Er­klärung. Der Mann hieß Hase. Metn Cäsar hatte seinen Namen gerochen". Wol­len wir's glauben!

sicher Ordinarius Dr. Wilhelm Meigen ist vom 1. April 1932 m den Ruhestand versetzt worden.

Gino Anekdote um Hin-enburs

Diese kleine und recht hübsche Anekdote um den greifen Reichspräsidenten Deutsch­lands erzählt ein Berliner Blatt, dem also die Verantwortung für die Richtigkett der Meldung überlassen werden muß. Die Ge­schichte lautet folgendermaßen:

In den letzten Wochen und Monaten haben amerikanische Journalisten Bersin förmlich überschwemmt. Brünings Eewräch mit Hitler, die letzte große Notverordnung, die beginnenden Kämpfe um die Neuwahl des Reichspräsidenten waren willkommener Anlaß, um unentwegt Minister, Staats- sekretSre und andere politische Persönlvch- keiten um Interviews zu bitten, bet denen die Opfer um die möglichsten und unmöglichsten Dinge gefragt (wir Journalisten sagen: ,jie- löchert") wurden.

Einem aus dieser amerikanischen Jour- nalisten-Jnvasion gelang es, auch zu Hinden­burg oormdringen. Er fragte — — fragte - - Wie alt...? Wie groß...?. Wie lange schlafen Sie...? Schlafen Sie auf dem Rücken, auf der Sette oder auf dem Bauch...? Träumen Ste. .. und was?

Der „alte Herr" saß an seinem Schreib­tisch hörte sich das Gefrage an und antroor­tete treulich. Schließlich wurde es ihm aber doch ju bunt und die Bombe platzte, als der Journalist fragte: „Was tun Sie, Herr Eeneraffeldmarschall, wenn Sie erregt sind?"

Hindenburg, leicht ungehalten: »Ich Pfeife!"

„Man sagt mir aber, Exzellenz, daß man Sie noch nie hat pfeifen hören!"

Hindenburg, aufstehend und schon in der Tür: »Ich mich auch nicht...!"

Die berühmte Kathedrale von Santiago de Euba, die eines der historisch wertvoll­sten Gebäude Mittelamerikas darstellt, ist infolge der schweren Erdbeben-Katastrophe zusammengestürzt.