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Karte des 15000 Kilo­meter langen Fluges, den der bekannte Segel- und Motorflieger Wolf Hirth (Porträt im Kreis) in den nächsten Tagen von Berlin über Indien und Austra­lien nach der ehemaligen deutschen Kolonie Neu- Guinea unternehmen will. Das von ihm dabei benutzte Klemm-Svort Flugzeug (60 PS) ift das­selbe, mit dem Hirth den zweiten Preis im Deutsch­landflug 1931 gewann.

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Aus Berlin wird gemeldet: Der Maler von Othegraven ist wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Das Verfahren we­gen des Verdachtes der fahrläfstgen Tötung nimmt seinen Fortgang. Aber nicht nur dem Strafgericht, sondern auch den Zivilgerichten wird der tote Leopard Nanosch Arbeit machen. Zunächst fällte die achte Zivilkammer des Landesgerich­tes n in der Jnterventionsklage des Ingenieurs Reichel gegen die Pfändung des Leoparden eine Entscheidung zu­gunsten des Interventionsklägers, der sich allerdings, nachdem das Pfandobjekt am Sonnabend erschossen worden ist, vor­läufig mit dem Fell des Leoparden be­gnügen muß. Ob sich Reichel mit seinen weiteren Ansprüchen an die Polizei hal­ten wird, ist noch nicht bekannt. Ange­kündigt sind weiter die Schaden­ersatzklagen des Malers von Othe­graven und des Dompteurs Walldorf, so daß, über die Frage der Zulässigkeit der Erschießung des Tieres noch gerichtlich entschieden werden wird. Entgegen der Auffassung der Polizei wird in juristi­schen Kreisen die Auffassung vertreten, daß die Maßnahme des Polizeipräsiden­ten mehr als 24 Stunden nach dem tra­gischen Vorfall in der Kaiserallee, nicht zulässig war. Die Polizei hätte zur Be- seitiaiing eines die öffentliche Sicherheit gefährdeten Zustandes den Leoparden un­mittelbar nach dem Ueberfall auf das Kind töten lassen können, zumal da er sich zu dieser Zeit noch m der Wohnung

seines Besitzers befand, nicht aber nach der mit polizeilichem Einverständnis er­folgten Ueberführung des Tieres in einen sicheren Käfig, wo es keinen Schaden mehr anrichten konnte. Auch die Be­gründung, daß man das Zurschauftellen eines Tieres nicht dulden könne, das sich an einem Menschen vergriffen habe, fei rechtlich zumindest umstritten. Man wesst hierzu darauf hin, daß die Polizei ja auch nicht dem Kapitän Schneider verboten habe, den Löwen vorzuführen, der bei einer Filmaufnahme einen Statisten zer- rissen hatte!

Kunst und Wissenschaft

= Eine Goethe-Ausstellung in Zahlreiche französische Plötzlichkeiten aus den verschiedensten Kreisen und Parteien haben sich zu einem Komitee vereinigt, das eine Reihe von Veranstal­tungen zur Goethe-Jahrhundertfeier vor­bereiten soll. Der Vorsitzende des Ko­mitees ist Paul Painlevö, stellvertre­tende Vorsitzende sind Paul Valery und Anatole de Monzie, Generalsekretär ift Jean de Pange. Ein Unterausschuß unter der Leitung des Generaldirektors der Pariser Nationalbibliothek Julien Cain wird eine Goethe-Aus st el- l u ng in der Nationalbibliothek veran­stalten, die in einigen Monaten eröffnet wird. Dort sollen dem französischen Publikum Bilder, Zeichnungen, allerhand Erinnerungsstücke und namentlich Auto­gramme aus den verschiedensten Epochen von Goethes Leben gezeigt werden.

Deutsche Kulturnot

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Das Prinzregenten-Theater in München.

durch viele Jahrzehnte die Stätte unvergleichlicher Aufführungen deutscher Overnwerke. wird auf Beschluß der bayerischen Staatsregierung geschloffen werden und nur noch zu den traditionellen Festspielen im Sommer leine Pforten öffnen.

Eins WeltGUsftsllAKA gefWen!

Chitago in Röten - Al Capone soll Helsen

Seit Jahren bereitet sich Chicago auf die Feier seines hundertjährigen Be­stehens durch eine riesige Weltausstellung vor, die natürlich in jeder Beziehung un­erreicht sein sollte. Man hat sich in der Verfolgung dieses Planes such durch die ewigen finanziellen Kalamitäten, die sich von einem Bankerott schon nicht mehr stark unterscheiden, nicht beirren lassen, sondern munter mit den Arbeiten und mit dem Schuldenmachen begonnen. Schließlich hat man auch nicht mehr viel Zeit, denn 1933 ist das Jubiläumsjahr und das Gelände für die Ausstellung mutzte erst durch rie­sige Aufschüttungen im Michigan-See ge­schaffen werden.

Die Leitung der Arbeiten lag ht der Hand bewährter Fachleute, die ihrerseits unmittelbar der Autorität zweier Direk­toren unterstanden. Diese beiden Direk­toren haben nun kurzerhand die Ausstel­lung liquidiert und haben das, entspre­chend ihren Fähigkeiten, so gründlich — unter Mitnahme von angeblich fünf Millionen Dollar — getan, daß man von einem Tag zum anderen die Vauarbeiten hat einstellen müssen. Da aus dem begonnenen Werk nun außerdem noch Bankschulden in Höhe von rund 1 Million Dollar ruhen, will sich niemand mehr die Finger verbrennen und sowohl der Staat Illinois, wie die Regierung in Washing­ton haben es abgelehnt, Chicago zu hel­fen. Zwar versucht jetzt der neue tatkräf­tige Bürgermeister von Chicago Czermak von der Einwohnerschaft unmittelbar durch Zeichnung von Anteilscheinen die Mittel zur Fortführung der Vorbereitun­gen für die Ausstellungen zu erhalten, allein die Bürger, die selbst schon allzu lange unter der finanziellen Notlage der Stadt zu leiden haben, meinen, daß die Ausstellung ihnen gestohlen bleiben könne.

Nur einen Ausweg hat man noch. Ein Teil der Presse bemüht sich denn auch mit echt amerikanischer Vorutteilslofigkeit. um nicht zu sagen Schamlosigkeit, ihn der Oeffentlicheit plausibel zu machen: Al Ca­pone, der große„ Verbreche r- und Schmugglerkönig, soll hel­fen. Ihm ttaut man wirksame Hilfe zu, nicht nur aus Bewunderung für seine per­sönlichen Fähigkeiten, sondern auch, weil man überzeugt ist, daß er die beiden ge­flüchteten Direktoren zur Unterschlagung der Ausstellungsgelder angestiftet hat, was, wenn es stimmte, immerhin wieder einmal eine bemerkenswerte Leistung wäre, denn Al Cavone sitzt bekanntlich seit einigen Wochen und müßte al|o die Aktion vom Gefängnis aus, wo er nne ein Ehren­gast behandelt wird, dirigiert haben. Vielleicht also, wenn der Vorschlag akzep- ttert wird, Al Capone gegen das Ver­

sprechen der Rettung der Weltausstellung in Freiheit zu setzen, wird im kommenden Jahr der Schmugglerkönig als Ehrenprä­sident der Weltausstellung von Chicago mit dem Präsidenten der USA. shake Hands machen.

Expedition zum Wrack der ..Lujitania"

Unter Führung von Kapitän N. N. R a- ley ist eine Expedition zusammengestellt worden, die im Sommer das Wrack der „Lusitania" erreichen will.

Ueber seine Pläne hat der Expeditions­führer folgendes bekannt gegeben: Der Basisort für die Expedition wird Dart­mouth fein. Man will die Operatio­nen zwischen dem 15. April und 1. Mai ds. Is. in Angriff nehmen und glaubt an eine Arbeitsdauer von etwa drei Mona­ten. Für diese Zeit wird der Hafen Kin- sale als eventueller Schutzhafen gewählt werden. Die Expediton soll einmal end­gültig den Wert der von ihr verwendeten neuen Unterwasser-Bergungsapparate er­proben und ferner in einer bisher nicht erreichten Tiefe und unter bisher nicht bekannten Umständen Filmaufnah­men machen. Man hofft, das Wrack mittels eines Stahlrohres zu erreichen, das eine Gesamtlänge von 280 Fuß hat. In diesem Stahlrohr führt eine Stahl­leiter hinab bis in den Beobacktungs- bezw. Arbeitsraum, der sich als Ausbau am Boden des Rohres befindet. Das Stahlrohr soll einen Durchmesser von fünf Fuß haben und etwa Vie Zoll dick sein. Die Taucher sollen durch das Rohr in den Beobachtungsraum hinabsteigen, der mit komprimierter Luft gefüllt wird entsprechend dem Wasserdruck in der Tiefe. Wenn dies geschehen ist, wird es möglich sein, die Taucher herauszulassen, so daß sie an dem Wrack, das in 85,lftn Meter Tiefe liegt, arbeiten können. si-s

Seite 3

OderheMsche Zeitung. Marburg a. L. Donnerstag, tat 4. Srtma 1932

Nr. 29

Flus in die Stratosphäre

Das nächste Mal zwanzig Kilometer hoch

Ich habe nicht die Absicht, nochmals mit hem Luftballon aufzusteigen. Ein Erlttinis wie es Kipf« und ich im vergangenen Jahr hatten, reicht für das ganze Leben. Außer­dem war meine Frau während meines Fluges derartig in Sorge, daß ich ihr hoch und heilig versprochen habe, den Vestuch nicht zu wiederholen. Andere können in der Lust den Pfad weitergehen, den ich vorgezeichnet habe. Ich werde mich damit begnügen, für die technische Vorbereitung zu jorgen und auf diese Weise wertere Er- pettmente auf einem Gebiet zu fördern, das uns unbegrenzte Möglichkeiten bietet.

So werde ich mich auch rege an der Vor­bereitung des neuen Stratosphärenstuges be­teiligen. der in diesem Sommer statssinden soll. Was hier die Ausrüstung der Gondel anbetrifft, so sind verschiedene Aenderun- gen in Aussicht genommen. Als wir da­mals aufstiegen, lag die Gefahr recht nahe, daß wir nicht lebend auf die Erde zurückkehr­ten. da die Reißleine außerhalb der Gondel angebracht war und so nicht unserer un­mittelbaren Kontrolle unterlag. Dieses Mal wird die Reißleine. innerhalb der wasserdich­ten Gondel enden und jederzeit zur Hand sein. Ich persönlich werde den Abflug des Ballons überwachen, mich jedoch damit begnügen.

Was nun die Möglichkeiten anbelangt, die uns auf'dem Gebiete der Stratosphärenflüge offen stehen, so will ich die Aufmerksamfeit des Lesers zuerst auf'die wichtigen Fortschritte hinlenken, die seit unserem ersten Versucy m konstruktioneller Hinsicht gemacht .worden sind. Versuche, die schon früher mit Frei­ballons unternommen wurden, haben gelehrt, daß in mehr als sechzehn Kilometer Hobe die Luft außerordentlich dünn und die Atmosphäre von allen Strömungen, von Wolken oder Nebelbildungen frei ist.

in der Lage sein werden, in zehn Stunden von Nordamerika nach Europa zu stiegen.

Augenblicklich wird über die Frage der Abrüstung viel geredet und viel Tinte verspritzt.

Natürlich weiß ich alle Bemühungen, ein für alle Mal das Problem des Friedens zu lösen, gebührend zu würdigen. Aber würde nicht das beste Mittel zur Sicherung des Völker­friedens gefunden sein, wenn man eine Ma­schine von derartiger Kraft konstruierte, daß sie tn einem Umkreis von fünfzig Kilometern jeden Menschen, überhaupt alles Leben zer­störte? Eine solche Maschine müßte unbeweg­lich sein. Wenn die einzelnen Nationen solche Maschinen längs ihrer Grenzen auf­bauten, würde die Gefahr, sie aus der Lust oder auf dem Lande anzufallen, für den An-

greffer so groß sein, daß niemand mehr es wagen könnte. Dann wären wir m dieser Hinsicht wieder bei jenen mittelalterlichen Zei­ten angelangt, wo die Vetteidigungswaffen den Angriffswaffen derattig überlegen waren, daß alle Feindseligkeiten sich auf em.en kleinen Kreis beschränkten und verhältnis­mäßig unbedeutend waren. An sich hatte diese Maschine nichts mit der Stratosphäre zu tun. Ich wollte aber mir «wähnen, daß selbst ein in noch so großer Höhe fliegendes Flugzeug den zerstörenden Wirkungen der von mir kurz gekennzeichneten Maschine ausge­setzt sein würde. So wären also die großen Fortschritte, die in nächster Zeit auf dem Ge­biete des Flugwesens zu erwarten sind, nur friedlichen Zwecken dienlich. Sie werden da- ju helfen, die Völker der Erde einander näher zu bringen.

Oskar von Hindenburg, der Sohn des Reichspräsidenten und feit Amtsantritt Hindenburgs dessen persön­licher Adjutant, wurde zum Obersten be­fördert.

So müßte ent Flugzeug in dieser Höhe gerade^» phantastische Geschwindigkeiten erzielen könne«.

Auf der anderen Seite wieder erfuhren wir, daß Flugzeuge in solchen Höhen mit luft­dicht geschlossenen Kabinen oer- se'hen sein müßten, um Pilot und Passagiere vor den tödlichen Folgen der un­geheuren Druckoerminderung, des Luftmangels und der großen Kälte zu schützen. Die rrlug- zeuge, die augenblicklich von Junkers und F a r m a n gebaut werden, um m die Stratosphäre vorzudringen. berücksichtigen alle diese Punkte. Beim ermähnten Junkersstug- zeug sind nicht nur Kabine und Rumpf aus Duraluminium gearbeitet, sondern auch der Führersitz ist unbedingt luftdicht abgeschlossen, und der Motor besitzt starke Luftkompres­soren, um angesichts des Luftmangels den zur Verbrennung erforderlichen Sauerstoff her- anzuschaffen. Auch der Pilot verfügt über umfangreiche Vorräte an Sauerstoff zum Atmen.

Das von Fannan gebaute Flugzeug wird in fünf bis sechs Kilometer Höhe eine Geschwindigkeit von 300 Kilometern und innerhalb d« Stratosphäre, das heißt in rund zwölf Kilometer Höhe, eine Schnelligkeit von 600 Kilometern in der Stunde «zielen.

Die größte Schwierigkeit bildet hier noch im­mer die Schaffung einer unbedingt luftdich­ten Kabine für Pilot und Begleiter, die es gleichzeitig ermöglichen soll, die Maschine vom Inneren aus in jeder Hinsicht zu regieren.

Trotz all« dies« Schwiettgketten bin ich der festen Ansicht, daß Stratosphä- renflüge schon in nächst« Zett theori- tisch und praktisch durchführbar sein werden.

Die Tatsache, daß Kipfer und ich ohne körper­liches Unbehagen sechzehn Stunden lang m- n«halb der Stratosphäre bleiben konnten, beweist recht wohl die Durchführbarkeit un­serer Pläne. D« Luftdruck innerhalb un­ser« Gondel war ungefähr der gleiche, wie « sonst in drei- bis viettausend Meter Höhe festzustellen ift Deshalb sehe ich nicht ein, warum es uns nicht möglich sein sollte, in 15 oder 16 Kilometer Höhe zu stiegen und -dann dank des verminderten atmosphärischen Druckes eine Geschwindigkeit von sechs- bis siebenhundett Kilometern zu erreich«. In diesen Höhen besitzt die Lust nur ein Neuntel der Dichte niederer Schichten. Alst ist auch ber Luftwiderstand in der Stratosphäre neun­mal so gering. Wenn es uns gelingt, durch besondere Kompressoren für den erforderlichen Sauerstoff zu Torgen, so werden wir in der Stratosphäre die dreifache Geschwindigkeit er­zielen können. In zwölf Kilometer Hohe würde die Schnelligkeit nur verdoppelt sein.

Der Verbrauch an Brennstoff wird in ber Stratosphäre je Kilometer zurückgelegter Strecke der gleiche bleiben. In Anbetracht ber dreifachen Geschwindigkeit verbraucht aber em Flugzeug stündlich die dreifache Brenn­stoffmenge. Also kann der Flug in der Stratosphäre nur dann praktische Erfolge zei­tigen, wenn es sich um die Zurückleming lang« Strecken und um starke Maschinen han­delt, die eine große Menge Brennstoff mit sich zu führen vermögen.

Eine Höhe von 15 bis 16 Kilometern wäre für den Stratosphärenflug die günstigste. In noch höh«en Lagen würd eher Motor zu starke Kräfte entwickeln. Außerdem gibt es in einer Höhe von 15 Kilometern weder Winde noch Wolken, und etwa vorhandene Luftströ­mungen sind durchaus gleichmäßig. Kurz und gut: Trotz der Zweifel viel« Leute bin ich überzeugt davon, daß wtt in recht kurz« Zeit