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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadl und Kreis Marburg.

Auch Nanking unter feitet

Japanische Marinesoldaten bei der Hauptstadt an Land gebracht - Zusammenstoß zwischen Japanern und Amerikanern in Schanghai

fk. Schanghai, 2. Febr. Die Haupt­stadt Chinas, Nanking, ist am Montag von 8 japanischen Kriegsschiffen vier Stunden lang beschossen worden. Nach japanischer Darstellung sollen japa­nische Matrosen angeblich von einer chinesischen Patrouille beschossen worden sein, worauf die Japaner ihrerseits das Bombardement begannen.

Nach einer in den späten Nachtstunden eingegangenen Havasmeldung aus Nanking hat die Beschießung der Stadt durch die japanischen Streitkräfte erst ge­gen 1 Uhr nachts örtlicher Zeit aufgehört. Nach dem ersten Kanonenschuß habe man in den Konsulaten alle Vorkehrungen ge­troffen, um die ausländischen Staatsange­hörigen in Sicherheit zu bringen. Nach Aussagen chinesischer Augenzeugen haben japanische Marinesoldaten zu­erst das Feuer auf eine chine­sische Patrouille eröffnet, die sich in die Hafenanlagen begeben hatte. Kurz daraus habe dann die Bombardie­rung durch die japanischen Kriegsschiffe begonnen. Die Japaner hätten ebenfalls versucht, -einen chinesische« Fluß- dampfer zn versenken, an dessen Bord sich die Nationalgarde von Hanon befand, die die chinesische Garnison von Nanking verstärken soll.

In der Stadt brach unter der Bevölke­rung eine Panik aus. Vom historischen Glorkenturm ertönten Warnungs­zeichen, die die Bevölkerung aufsorder- ten, sich in die in den letzten Tagen errich­teten bombensicheren Unterstände zu bege­ben, die jedoch nur einen kleinen Teil der Bevölkerung aufnehmen konnten. Beson­ders bedroht war die Bevölkerung in den Siakwan-Ouartieren am yangtse. Sie strömten zu Tausenden nach der Stadt, die von der alten Stadtmauer geschützt ist. Plötzlich wurden alle Lichter ausgelöscht, sodaß die Stadt im völligen Dunkel lag. Auch die Kraftwagen mußten ohne Lichter fahren, sodaß sich sehr viele Unfälle er­eigneten.

Die Frage der Kriegserklärung Chinas an Japan.

Wie verlautet, haben an der Sitzung am Sonnabend, in der die Frage der Kriegserklärung an Japan besprochen wurde, die obersten chinesischen Führer, darunter Tschiangkaischek, teilgenommen. Alle seien für die Ergreifung von Kriegs­maßnahmen gewesen, aber, wie man heute aus zuverlässiger Quelle erfährt, für einen Krieg ohne vorhergehende Kriegserklär- rung.

Die japanische Presse zu den Ereignissen in Schanghai.

Tokio, 1. Febr. Die Presie kritisiert den Beschluß des Völkerbundsrates, Ar­

tikel 15 anzuwenden, sehr scharf als sach­lich unberechtigt und politisch höchst bedenk­lich. Die japanischen Seesoldaten. hätten ausschließlich chinesische Angriffe abge­wehrt, als sie auf Anordnung des inter­nationalen Stadtrates die von Tausenden von Ausländern bewohnte Zone von Schanghai besetzten. Der Zwischenfall laste sich mit den Vorgängen in der Mand­schurei nicht vergleichen. Die Schanghai- Frage sei lediglich von augenblicklicher und lokaler Bedeutung, werde vom Völker­bundsrat aber offenbar ungeheuer über­schätzt. Es bestehe keine Gefahr eines Kriegsausbruches zwischen Japan und China, der allein die Voraussetzung für die Anwendung des Artikels 15 und der daraus resultierenden Sanktionen bilden

Reichstag Mitte Februar

Festsetzung des Termins für

Die Nachricht, daß der Reichstag für den 16. Februar ernberrrfen -fei, ist, wie da» Bdz-Büro von maßgebender Stelle erfährt, nicht richtig. Eine Entscheidung über den Tag, an dem der Reichstag zusammentritt, ist bisher noch nicht gefallen. Sie wird erst getroffen werden können, sobald Reichstagspräsident Lobe, der gegenwär­tig verreist ist, wieder in Verliji eingetrof­fen ist. Im übrigen hat sich an den Dis­positionen des Reichstages nichts geändert. Man rechnet vielmehr, wie wir bereits vor einigen Tagen berichteten, mit einer vor­zeitigen Einberufung des Reichstages Mitte Februar nur zu dem Zweck, den

die Reichspräsidentenwahl Termin für die Reichspräsi- d»»t s.r,4o<i h! festzusetzeu.

1 lieber den kommunistischen Antrag, den auswärtigen Ausschuß des Reichstages sofort zur Beratung über den chinesisch-japanischen Zwist einzuberufen, ist, wie das Vdz.-Büro weiter hört, noch keine Entscheidung getrof­fen worden. Der stellvertretende Ausschuß­vorsitzende, Scheidemann (Soz.) dürfte vielmehr zunächst feststellen, ob die großen Parteien und die Regierung ein Interesse an einem Zusammentritt des Auswärtigen Aus­schusses haben. Selbst wenn das der Fall wäre, würde doch sehr zweifelhaft bleiben, ob der Ausschuß schon im jetzigen Zeitpunkt einberufen werden könnte, da die zur Aus- kunfterteilung notwendigen Vertreter des Auswärtigen Amtes in den nächsten Wochen durch die Genfer Verhandlungen in Anspruch genommen sein werden.

Beginn der Abrüstungskonferenz

Swatau besetzt .

Der japanische Generalkonsul hat den Behörden der Stadt Swatau ein ähn­liches Ultimatum überreicht, wie seiner­zeit Schanghai. Swatau ist darauf von japanischen Truppen besetzt worden. Auch in Kanton wurden 600 japanische Ma­trosen an Land gesetzt.

Japan und China erhalten keine Anleihen in Newyork und London.

Namens der führenden Bankiers von Wallstreet wurde gestern erklärt, daß we­der Japan noch China in Stand gesetzt werden würden, in Newyork oder London Anleihen zur Finanzierung eines Krieges zu erlangen.

Mit Rücksicht auf die Lage im ferne« Osten find alle beabsichtigten Abstriche am Haushalt Amerikas zurück- gestellt worden.

Neue Vorstellungen der angelsächsische« Mächte in Tokio.

Die Vereinigten Staaten und Großbri­tannien haben neue nachdrückliche Vorstel­lungen bei Japan erhoben. Ueber den In­halt dieser Vorstellungen ist nichts bekannt gegeben worden. Sie sind erfolgt im An­schluß an einen Besuch des britischen Bot- jchafters in Washington im Staatsdepar­tement und nach einer telephonischen Be­sprechung zwischen Staatssekretär S t i m - s o n und dem japanischen Eeschäftsträaer in London, Nay Atherton.

Genf, 1. Febr. 2lm Dienstag um 15.30 Ahr wird die Weltabrüstungskonferenz mit einer feierlichen Rede des Präsidenten Henderson eröffnet werden. Die Rede wird von allen Rundfunksendern der Erde übertragen werden. An der Konferenz nehmen 64 Staaten teil. 55 Abordnungen sind bereits eingetroffen. Die Konferenz gilt offiziell nicht als eine Konferenz des Völkerbundes, obwohl sie vom Völkerbund einberufen worden ist.

3n der Eröffnungssitzung wird rtirr ein Ausschuß für die Ausarbeitung der Ge­schäftsordnung eingesetzt werden. Die näch­sten Tage wird sich die Konferenz mit der Wahl des Präsidiums" beschäftigen. Es ist ein lvköpfiges Präsidium geplant. Die Großmächte und die kleineren Staaten sol­len je zur Hälfte im Präsidium vertreten sein. Bisher find fünf Ausschüsse vor­gesehen und zwar je ein Ausschuß für die Land-, See- und Luftrüstungen, ein po­litischer und ein juristischer Ausschuß.

Die Hauptaussprache in der Konferenz soll erst am 8. Februar beginnen. An die­sem Tage erwartet man in Genf Reichs­kanzler Brüning, Ministerpräsident Macdvnald und möglicherweise auch Ministerpräsident Laval. Es wird als feststehend angesehen, daß die Minister­präsidenten ihren Genfer Aufenthalt zu eingehenden vertraulichen Verhandlungen über die Tributfrage benutzen werden, die damit in den Vordergrund des internatio­nalen Interesses rücken wird. Die Haupt- auSstirwhe soll vier bis fünf Wochen dau­

ern und wird dann voraussichtlich Ostern unterbrochen werden.

Die Kleine Entente zur Abrüstungs­konferenz.

Prag, 1. Febr. Das tschechostowa- kische Pressebüro meldet aus Gens: Die Außenminister der Kleinen Entente tra­fen heute mittag auf Einladung des ru­mänischen Außenministers Fürsten Ehrka in Montreux zusammen. Durch diese Zu­sammenkunft wurde am Vorabend der Er­öffnung der großen Konferenz zur Be­schränkung und Herabsetzung der Rüstungen neuerlich die Einmütigkeit der Kleinen Entente zum Ausdru ckg- bracht, die bei den Konferenzarbeiten eine einheitliche Linie verfolgt und sich be­mühen wird, daß positive Arbeit zur Er­reichung der endgültigen Ziele geleistet werde.

Die llntersuchungskommission des Völker­bundes reist über Newyork nach China.

Genf, 1. Febr. Vom Generalsekretär des Völkerbundes wird mitgeteilt, daß der Verkehr auf der ostchinesischen Bahn nörd­lich von Eharbin unterbrochen ist, so daß die vom Völkerbundsrat im Dezember vo­rigen Jahres eingesetzte internationale Un- tersuchungSkommission für die Vorgänge im Fernen Osten einem Beschluß des Vor­sitzenden dieser Kommission, Lord Lyt­ton-England, folgend am 3. Februar nach Reuyork reisen wird, um sich von dort auf dem kürzesten Wege nach China zu Be* geben.

sollte. Der Beschluß des Völkerbundsrates laße vollkommen die Tatsache außer acht, daß der Völkerbund bei dem anglo-ameri- kanischen Bombardement Nankings im Jahre 1927 das einen viel schlimmeren Gewaltakt dargestellt habe, nicht einge­schritten sei. Der übereilte Beschluß des Völkerbundsrates sei für Japan unbegreif­lich, besten Beziehungen zum Völkerbunde dadurch schwer gefährdet seien.

Entsendung einer japanischen Division nach Schanghai.

Im Verlauf einer Beratung zwischen dem Kriegsminister, dem Marineminister und dem Außenminister ist beschlosten wor­den, eine Division des Landhee­res nach Schanghai zu entsenden, um die Marinefüseliere abzulösen. Dieser Be­schluß bedarf noch der Zustimmung des Kabinetts.

Die Japaner vor Charbin.

Time s" meldet aus Tokio: Die japanischen Streitkräfte in der Mandschu­rei stehen noch 'rnrner in einiger Entfer­nung von Charbin, da sie durch eine zusammengebrochene Brücke in ihrem Vor­marsch aufgehalten sind und Verstärkungen erwarten. Der stellvertretende Sowjet- Kommistar K o r a ch a n hat dem japani­schen Botschafter in Moskau mitgeteilt, daß die Sowjet-Negierung möglicherweise genötigt sein wird, P r o t e st zu erheben, falls die Japaner in Charbin einrücken.

Kämpfe in Schanghai.

fk. Schanghai, 2. Febr. Gegen Mit­ternacht eröffnete die japanische Artillerie erneut das Feuer, das von Chinesen erwidert wurde. Nach kurzer Zeit trat jedoch wieder Ruhe ein. Um 5 Uhr morgens, Ortszeit, richteten ja­panische Seesoldaten heftiges Maschinen­gewehr- und Eewehrfeuer auf die Häuser des Hongkin-Diertels. Unter den vielen Flüchtigen, die in den Hausgängen und Kellern zusammengedrängt sind, entstand eine Panik.

Japanische Seesoldaten feuerten auf einige amerikanische Seesoldaten, die Sandsack-Barrikaden um die amerikanische Methadistenkirche in der internationalen Niederlassung errichtet hatten. Als die Amerikaner zurückgingen, stießen die Ja­paner vor und holten das Sternenbanner von der Kirche herunter.

In Putung, einer Vorstadt Schanghais, landeten, chinesischen Berichten zufolge, die Japaner mehrere hundert Mann und be­setzten die Lagerhäuser gegenüber der eng­lischen und der amerikanischen Gesandt­schaft. Wie weiter mitgeteilt wirb, besetz­ten die Japaner die Stellungen wieder, die sie am Freitag nachmittag aufgegeben hatten. Sie beschossen das Jsolierungsge- bäude, sodaß dieses von den Kranken, die an Scharlach oder Genickstarre litten, ge­räumt werden mußte. Sie, Kranken wur­den in ein Krankenhaus im Innern der Niederlassung gebracht.

Der Generalstreik wird nicht streng durchgeführt. Eine große Zahl von Le­bensmittelgeschäften ist geschlossen.

Ein kanadischer Journalist ist spurlos verschwunden.

Man befürchtet allgemein, daß die Ja­paner die Offensive gegen Chapu wieder aufnehmen werden. Die ausländischen Militärs in Schanghai hegen starke Be­fürchtungen daß die Kommunisten, die sich in großer Zahl in der nationalen Nieder- lastung befinden, einen Aufstand gegen die Fremden anzetteln werden.