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Sette 4

Oberhessische Zeitung. Marburg e. Momag, »en i. Mpruar 193Z

Nr. 26

Marburger Slablzeuung

Rergenfeirr

Im Rahmen einer Morgenfeier — ver- rnstaltet von Marburger Studenten und Stu- ventinnen — las Herbert Böhme aus feinen Gedichten und dem ersten 31 ft feines Schau- fpiels: „Bis vor die Tore von 2eru- | a I e m". — Der junge Dichter gab schon ein­mal einem größeren Publikum Zeugnis von feinem Schaffen. Die zahlreiche Zuhörerschaft war ein Beweis offenbar für die gute Er- inneruna, in der fein erstes Auftreten stand. Der Dichter enttäuschte auch diesmal nicht. Es kann keine Rede von der unbedingten Gleich­wertigkeit der Leistungen sein - und doch ist man erfreut, unter den zahlreichen Bemühun­gen der Gegenwart auf dichterischem Gebiet ein begabtes Talent zu hören. Fern von jenem blassen Literatentum, das in der angemaßten Ueberzeugung von der Notwendigkeit seines Auftretens stch breit macht, zeigt Böhmes Werk echten künstlerischen Willen, Natürlichkeit und Kraft. Die melodische Rhythmik der Sprache, die Plastik der Bildwelt zeigen ihn als guten Lyriker. Der Stoff, seine Formung find voll drängenden Lebens, voll ernsten, einsamen Euchens.

Eingangs las Böhme aus feinen Gedichten. Voran stellte er — vielleicht nicht ganz glück­lich für den Eesamteindruck — em Ballade „Kunigunde". Er behandelt in ihr die Geschichte einer Fürstin die ihren Freiern eine unlösliche Aufgabe stellt und ihren Tod ver­schuldet. Mit dem Rächer der Getöteten geht sie »en gleichen Weg des Todes. Den Stoff die­ser Ballade hat der Dichter schon in seiner Ju­gend gestaltet. Sehr anschaulich, unbedingt Hackend, int Rhythmus steigernd, tritt die Ce- flchichte vor den Hörer. In den Gedichten, die teilweise in dem kleinen Eedichtband zu fin­den sind, zeigt sich besonders die Schönheit feiner Sprache, Melodie und Rhythmus. Sstrache und Stoff ringen stark in Böhmes Werken. Die Intensität des Erlebens, das Er­fülltsein von den Eindrücken schlägt sich in einer stark bildhaften Sprache nieder. Oft tzenug Hilst diese Bildhaftigkeit der Sprache die Tlefe de- Stoffes zu erfassen. Freilich wird »ie Sprache oftmals der Gedanken nicht mäch­tig — dann bleibt im Hörer eine Frage zurück, gerade in den Gedichten, die am stärktten im ^toff ansprachen, etwa „Gott . . Gott . “ «der „Glück . ..“ war dieser Eindruck am stärk- Pcn. Besonders gefallen konnten die Gedichte ,'^snsam', „Wir banden den Strauß Immor­tellen in der Schönheit der Sprache, der Tiefe »es Empfindens und der Abrundung der Form — Der Vortrag unterstrich den Eindruck der .Gedichte wesentlich — hier und da wäre etwas mehr Beschwingtheit am Platze gewesen.

Anschließend sang Fräulein Krause das Eedicht ..Oderlandschaft" in der Vertonung von Wilhelm Granzin. Die Vertonung war nicht glücklich und konnte vor allem in dieser "rt der Parallelisierung von Text und Musik den Eindruck des Gedichtes nicht erhöhen.

Nach einigen Gedankensplittern las Böhme aus [einem neusten Schauspiel. Der Dichter hat den Stoff des „Robert Euiskard" von Kleist aufgenommen und einer selbständigen Bearbeitung unterzogen. — N. Guiskard ist auf einem Kreuzzug mit seinem Heere vor Byzanz — der Herzog ist krank — tatenlos I-.eg: das Heer. Die Pest wütet - Ohnmacht und Tod ist m ihrem Gefolge — täglich trägt man die Toten in langem Zug zum Meer. Un­ruhe "faßt das Heer - es begehrt auf - will Rückkehr. Hoffnungslosigkeit wird in feiner Mitte groß — es zieht zum Herzogszelt — will seinen Willen bei dem Herzog durchsetzen. — Die Größe, Stärke und Lebendigkeit dieser Dolksszene liegt in der Steigerung, der lebens­vollen Schilderung der Menschen in ihrer Sage. Man kann unbedingt von einem ge-

Heimatabend

Der große Stadtsaal ist festlich geschmückt mit Tannengrün, die Tische und auch die Galerie sind dicht besetzt — denn der Ober- hessische Gebirgsoerein gibt seinen Farnilirn- abend, der jedesmal stattfindet, wenn die all- jährigen Wandkrnng-n zum Abschluß gekom­men sind. Sn der Regel sind ja die Mitglie­des dieses Vereins mehr für Gottes freie Na­tur, für ein frohes Wandern durch grüne Wälder und über Bergeshöhen, hier aber wird die draußen geschlossene Kameradschaft auf'- neue betont in gemeinsamem Fröhlich­sein und in Darbietungen, die in der Heimat wurzeln und ihr mich gleichzeitig dienen. So betonte auch der Vorspruch des Abends, den Frl. Pfalzgraf sprach, die Freude am Wandern, so brachte auch der Vorsitzende des OHGV., Lehrer Walter, ein kräftiges „Frisch mist' auf die liebe Heimat aus. Ge­rade in der heutigen Zeit müsse man sich dut 'Ne engere Heimat mit eilen ihren Schönheiten besinnen. Sein Willkommens- gruß galt besonders dem oberhessischen Heimatdichter Georg Heß mts Leihgestern, dem das Zustandekommen des Abends zu danken sei, den Wanderkameraden aus Kirch­hain, Gladenbach, Battenberg und Steinperf und den Vertretern des Wandervereins 07, die alle erschienen waren, uni an der Veran­staltung teilzunehmen.

Keiner aber von dm Anwesmden schied ohne reichen Gewinn, benn Georg Heß stand auf der Bühne — im schlichten Bauernkittel mit weißem Backmbart und dem bäuerlichen Spitzhut auf. Immer wurde nach dem ober- hessischm Heimatdichter verlangt, der in Wetterauer Mundart köstliche Eefchichtm aus

-es DHWB.

dem heimischm Dorfleben zum Vortrag brachte. Da war neben seiner Lisbeth das „Lenchm im ißenftonet", das Abenteuer zweier Bauern auf dem Maskmball und „Die gute Partie". Die beliebte Kirmes wurde in merrigen Sätzen treffend beleuch­tet, das Mädchm, dem kein Freier gut genug und auch die Frau, die immer fdjilt. Aber auch der „kluge Städter" bekam manches um die Ohren gewischt und mußte manche Lehre in die Tasche stecken. Die Zuhörer folgten dem Dichter mit größ­tem Interesse und danktm ihm immer wie­der mit spontanem Beifall. Auch das kleine Zwiegespräch zwischen der Liefe! und der Grete, das die Damen Eckhardt und Schöttler führten, stammt von dem Hei­matdichter und betonte sehr geschickt die enge Verbundenheit zwischen Stadt und Land. Die Sologesänge von Stubienrat Ruez („Der Wanderer", „In meiner Heimast', „Waldseligkeit" und „Heimweh"), von Mu­siklehrerin Emma ßt eher am Klavier begleitet, wurden ebenso dankbar aufgenom­men wie die Darbietungen der Kapelke Pauli, die besonders mit dem Postwurri „Auf der Wanderschaft" heroortrat.

Zwischendurch wurden dann noch durch den Vorsitzenden 58 Mitglieder mit Wan­derabzeichen ausgezeichnet, ein Zeichen der Wandersreudigkeit des OHED.

Auch eine Tombola hatte man arrangiert, die schöne Gewinne und viel Freude brachte. Damit war der offizielle Teil des so wohl- gelungenen Heimatabends beendet — aber noch lange blieb man in fröhlicher Runde beisammen. s—r.

lungenen Wurf sprechen. Die Größe seiner dichterischen Gestaltungskraft zeigte der Dichter in der Exposition der beiden Gestalten des Schauspiels: Abälard und Euiskard. Abälard steht für bas Volk, vertritt es in feiner Ver­zweiflung gegen den Herzog, den Helden, der [einen Weg gehen will trotz Not und Tod. In diesem Ringen zwischen diesen beiden Männern — in dem Euiskard das Volk unter seinen Willen zwingt — wird Abälard an dem Volk irre — die Anklage gegen Gott, der Zweifel wird in ihm wach. Seine Stellung zwingt ihn zu einer Entscheidung, zu einem neuen Ringtn mit Guiskard.

In gut ausgewählten Bruchstücken hat der Dichter die Entwicklung seines Schauspiels bis zu diesem Punkt vorgelesen. Wenn es ein Zeugnis für die künstlerisch-dramatische Be­gabung eines Dichters gibt, bann dies, baß er Gestalten schafft. Gestalten. — feine bloßen Figuren — die aus sich leben und wachsen und alles vorwärts treiben. Abälard und Guiskard find Gestalten. Man kann nur sagen, daß hier im Höhepunkt seiner Dar­bietung — nach den etwas verlorenen Ge­dankensplittern — H. Böhme zugleich seine größte Befähigung und Wirkung zeigte.

Nicht überzeugen konnte die musikalische Einrahmung dieser Leistung. Herr P r e i m e gab zwei Sätze für Streichquartett zur Ur­aufführung. In der Substanz dürftig wa­ren ftotz einiger Geschicklichkeit der Stimm­führung und einiger guten Melodien die Sätze fein Zeichen musikalischer Befähigung. Eine gewisse Selbständlgfeit ist nicht zu ver­kennen. Der Schlußsatz paßte sich dem Aus­klang der Lesung cm. Die Sätze wurden sauber gespielt. Kleinigkeiten darf man auf bas kurze Zusammenspiel bet Spieler zu­rückführen. — Die Veranstaltung war für den Kreis ein Erfolg. R. C.

* Haaß-Berkoro-Abend. Die Haah-Berkow-Spiele stehen nun unmittel­bar bevor. Morgen, Dienstag, den 2. Februar, 20.15 Uhr, findet in den Stadt­sälen die Aufführung von Hebbels „Gy- ges und sein Ring" statt. Das Drama ist 1854 entstanden. Es ist das Werk eines sich klaren und völlig gefestig­ten Dichters. Die Handlung, die dem Stück zugrunde liegt, ist mythisch. Der Kanflikt ist die Entwertung alter Werte, für die keine neuen gesetzt werden können. Es ist schlechthin der Konflikt einer Zei­tenwende! für alle Zeiten wollte der Dich­ter das Problem lösen. Allgemein-mensch­liches stellt Hebbel dar, auch wenn er es mit den Farben der Vergangenheit malt. Beides muh die Aufführung deutlich machen, das Bild der Vergangenheit und die Allgemeingültigkeit des Gedankens. Das Haah-Berkow-Ensemble löst diese Aufgabe in genialer, in jeder Hinsicht vol­lendeter Weise. So schreibt das Rotter­damer Dagblad: „Völlige Hingabe der Spieler an ihre schöne Aufgabe bei Selbst­vergessen um der ungebrochenen Einheit­lichkeit willen .... Welch ein feiner Geist ist es, der dies alles schuf in reinem und liebevollem Verstehen und Durchfühlen des geschriebenen Wortes, in einem visionären Sehen von demjenigen, was in Harmonie, Haltung und Geste und Mimik zu leben hat. Nachmittags um 4 Uhr wird als Kindervorstellung das Märchenspiel „Die zertanzten Schuhe" gegeben. Es ist ein reizvoller und dankbarer Stoff, der hier mit der größten Hingabe dargestellt wird.

♦ 38. (264.) Preußisch-Süddeutsch« Staatslotterie. Die große Haupt- u. Schlußziehung beginnt am 9. Februar und endet am 14. März. Während dieser Zeit kommt die Riesensumme von über 96 Ms, li'onen Reichsmark zur Ausspielung. Darunter befinden sich außer den beiden Prämien von je 500 000 Reichsmark die großen Haupt­treffer von 2 mal 500 000 Reichsmark. Z mal 300000 Reichsmark. 2 mal 200 000 Reichsmark, 4 mal 100 000 Reichsmark sowie sehr viele andere größere und mittlere Ge­winne. Die Erneuerung der Lose zu dieser Hauptziekning hat planmäßig spätestens bis zum 2. Februar, 18 Uhr, bei Verlust des Anrechts zu erfolgen. Für neu eintretende Spieler sind Kauflose zu amtlichen Dreisen noch bei der Staatlichen Lotterie-Einnahme, Neustadt 10, zu haben.

Letzte

r. Berlin, 1. Febr. Das Geschäft ist weiterhin am Produktemnarkt sehr ruhig. Effektioware ist im Angebot und Nachfrage sehr gering. Hafer und Gerste vernachlässigt. Am Lieferungsmarkt ist Brotgetreide gut be­hauptet. Hafer leicht erholt.

r. Frankfurt, 1. Febr. Der erste Verkehr an der Börse in der neuen Woche ist sehr ruhig und abwattend, da Anre­gungen vollkommen fohlten. Auf das eher schwächere Ami York ist auch an der hiesigen Börse mit kleinen Abschwächungen zu rech­nen. Kurse wunden bis jetzt noch nicht genannt.

r. Frankfurt, 1. Febr. Der Frank­futter Praduktenmarkt ist zurückhaltend, da von Berlin.niedrigere Preise gemeldrt werden. Das Jnlandsbroigetreide weiter fest und liegt auf dem Niveau der letzten Notterungen

BthlodttHtSmorfl SranMl o. M.

t. Februar mittags 12 Uhr. (Vorbericht)

1. Äiitber:

Ochlen, vollfletlchige ansgemaftete Ztr. Vbg.

höchsten Schlachtwerts jüngere Ml. 31—”3

altere „ 27—30

fonRige voNNeNchlye jüngere 22—26

Bullen, jüngere, vollfleischige

höchsten Schlachtwerts . . „ 26—30

sonstige voll fleischige ol>. ausgemästete „ 21—26 fleischige . . „ —

gering genährte . —

ft übe, fünqere, vollfleischige

höchsten Schlachtwerts . „ 23—26

sonstige vollfleischige od.ausgemästete „ 18—22 fleischige . . " 15-17

gering genährte . . —

Färlen <ftilbinnen, Snngrtnber)

vollfleischige, ausgemästete

höchsten Echlachtwerts . 31—33

vollfleischige . . . 27—30

fleischige . . . 22—26

2. Kälber:

beste Mast- und Saugkälber , 34—38 mittlere Mast» und Saugkälber „ 28—33 geringe ftSlbet . 25—28

S. Schafe:

Mastlämmer und (fingere

Masthämmel Weidemast , 24—27

Stollmaft —

mittlere Mastlämmer, ältere Mast» ”

Hammel und gut genährte Schafe „ 20—23 fleischiges Schasviey . —

gering genährtes Schafoieh „ —

4. Schweine:

Fettschweine über SllvPfd. Lebendgewicht „ —

vollfleisch.Schweine o.clu2<U—UWPf.Lddg. „ 39-42 oollfleilch.Schwetne o.ca.2l)0—240 Pi.Lddg. „ 38—42 oollfletzch.Schweine o.ca.160—20VPf.Lbdg. „ 37-41 fleischige Schweine v.ca.120—160Pi.Lddg. „ 34—38 fleischige Schweine unter 120 Pjd.Ldbg. — Sauen w —

Qk<trieb: 1367 Binder, darunter 356 Ochsen, 118 Dullen, 449 Kühe, 403 Färsen, ferner 546 Kälber, 905 Schafe, 4478 Schweine. Marktverlauf: Rinder, Schafe und Schweine ruhig, Kälber schleppend.

Auf dem Lande aibt's ■ Angst, von der der Städter

Angst, Angst, wohin man blickt. Ich

-kenne euren Hausvater, der hat jetzt kckon

Auf dem Lande aibt's noch allerhand Angst, von der der Städter keine Ahnung hat. Ach, die heiß erstrittene Elekttizüät. "le, wir uns seit Jahren dienstbar gemachr Haden. Wie bringt sie uns zeitweilig tn Ver­legenheit. Bügelt man elektrisch, kocht man luiL el*tt’-iiäjen Herd, backt man im fl k1 staubsaugt man in be-

iernand zur Bestrahlung unter der Hohensonne, ba — ba ist der Strom auLge,chattet, und man hat das Nach- ^außen der Sturm um die Mauern, und man freut sch doppelt 'einer warmen, chan eneuchieten Stube, bums, sagt das elektnche Licht Gut« Nacht, und man hjtf JHL funkeln.. So ist man allmählch Mentllch immec m Angst, wenn man elek­trisch« Hilfsmittel zur Hand nimmt.

Fuß geöffnet werben. Er verlangt Narkose: „Annersch duh ich's ntt, ich hadb ja zu viel Angst vor-m Messer." Sein Wunsch wirb «ttulft, die Narkose beginnt. „Zählen Sie

-^gt der Arzt, und der Patient bringt's mrt Ach und Krach bis 47. „Na, mal werter, sagt der Arzt, „47, 48..." „Ach, du ahler 48er, hakt's Maul, Doktor: bas wrech ich der, wenn de mer weh buhst, schlahn ich der uff de Backe". Und in dem Tonfall srng s während der Operation weiter: „Dok­ter, herrscht de uff, herrscht de uff, ich gervwe der en Tutt, daß m der Ecke leie bleibst, ch spreche der'sch ruhig ms Gesicht", und bann zmerte er drei-, viermal die gerade mcht ferne, aber gut verständliche Aufforde­rung aus. dem Götz, von Beriichinsen. Un­ter sehr viel Leiierkert wurde diese Operation vollzogen, und als dem Operierten, wieder Erwachten, erzählt wurde, daß er schrecklich geschimpft habe, erklätte er sehr verlegen: „3ch weeß awer wirklich nir davon, ich halt' awer so e Angst, da weeß mer nat, was mer spricht. Herr Dotter, Se nernrne mer sch doch ntt iwwel?" „Ach, Gott be­wahre", sagte der Arzt, „ich habe ja meinen größten Spaß dabei gehabt."

Angst vottm Frühjahrsputz, wo kein Stein auf dem anderen bliebe, und die arme Hausfrau, di« eigentlich die größte Berech­tigung zur Angst vor dieser {überarbeit hätte, hat noch mehr Angst vor ihrem Mann, bei dem das Barometer dann sttts auf Sturm und Ungewitter eingestellt ist.

Nun habe ich so viel von der Angst ge­redet, daß ich's allmählich mit der Angst kriege, die Leute, die diese hessenbäsliche Be­trachtung lesen, ttiegen's plötzlich mit der Angst, daß vor lauter Angst das Leben eigentlich gar nicht auszuhalten sei. Da hätte ich ja was Nettes angettchtet. Ganz zerknirscht sitze ich hier — da kommt's wie eine Erleuchtung über mich. Schließt denn nicht jede Angst SÖffnung in sich em? Er freilich, tn jedem einzelnen Falle ließe sech's beweisen. Greifen wir nur ein paar Bei­spiele heraus. Schreit der Säugling, sie werden mich doch nicht vergessen, guckt die Hoffnung schon über's Bettkißchen. Ach Gott bewahre, sie werden mir schon helfen. Hat der Schüler Angst vor der Versetzung, spitzt der Osterhase schon die Ohren und flüstert dem Aengstlichen hoffnungsvoll zu, diesmal kommst du noch mit. Plagt die männliche Maid sich mit der Angst, ich treigc feinen, zaubert ihr die Hoffnung einen netten jungen Mann vor die Augen: Vielleicht meint er's doch ehrlich.

Am Krankenbett bleibt die Hoffnung ne­ben der Angst stehen ,so lange das Herz noch schlägt.

Auch bet den Ettern, die um die Kinder sorgen, stehen Angst und Hoffnung dicht nebeitemanber.

Xie anderen Beiwiele kann sich jeder selber suchen, sofern er Zett und Lust dazu hat.

Aber wir alle, die mir jetzt Angst vor der Zulunft haben, die dunkel und schicksals­chwer uns Deutsche bedrängt, mir wollen neben die Angst bie Hoffnung steilen. Baiü, oi.lllc.cht ganz bald, wico s besser.

HmphsnirkoiMt der Rlliröttavrlle

3m neuen Mustksaal des Kunstinstituts gab erftmalig Oberntufihn elfter Pfrieme mit dem MusikkorpS des Ausbildungs- Bataill ons zum Besten der Winterhilfe ein Shmphonie-Konzert. Die Dottragssolge enthielt ausgewählte, kleinere, jeden Mu­sikfreund anregende und leicht verständliche TonstückEe von Beethoven, Boche nm und Mozatt. Vovangestellt war die Militär- Symphonie von Haydn, welche zu den letzten der zwölf Londoner Symphonien ge­hört. Sie verdankt ihren Namen der Verwendung von Icnitscharennursik des an eine französische Nomanzenmelodie an» klingenden 2. Satzes, im Bilde militärischen Lebens, namentlich die Gcksätze sind von übermütigen Humor durchpulst. 3n der Wiedergabe traten die Flöten und Klan- netten in sauberem Zusammenspiel, auch der Streichkörper, vorteilhaft hervor. Der Dittgent wußte das Menuett schmiegsam und charakteristisch zu gestalten, Zn der Romanze von Beethoven, F-Dur, führte sich als Solist Schütze Enke als ein be­gabter und vielversprechender Deigenspie» ter ein, der feine Musikalität im Miswen- digspielen und in präzisen Einsätzen offen­barte. Etwas mehr Innerlichkeit würde seinen sonst gediegenen Vortrag wirksamer gestaltet haben. Eine wundervolle Aus­deutung erfuhr daS sich durch Anmut und schöne Melodik auSzeichnende Menuett A° Dur von Bocherini, den seine Zeitgenossen den „Vater der Grazie und des Gefühls" nannten. Von den drei Moza rischen Tän­zen kam besonders die „Schlitten­fahrt" zur Geltung. Als Schlnhstück erlang dis Ouvertüre zum Ballett „D i e Geschöpfe des Prometheus" von Beeiyooeni die Musik ist dem Charakter des Balletts toobl anaevakt. leicht und oe*

fällig. Man vergegenwärtigt stch dabei ein allegorisches Spiel, worin Götter und Menschen wie Marionetten tanzen. Die Tonschöpfung gewann bei feiner Schat­tierung des Orchesters wie durch wirksame Zntermezzis der Holzbläser u.nd frischem Spiel der 2. Violinen u. Cellis eine recht glanzvolle Darlegung. Sehr reger Beifall lohnte durch mehrere Hervorrufe den hoch­verdienten Dirigenten wie seine Musiker. — Leider wurde der Zweck der für alle Hörer genußreichen Veranstaltung durch einen viel zu schwachen Besuch nicht er­reicht, trotz voltstümlicher Preise. And gerade die gewühlte Stätte erwies sich als die geeignetste für Musifauffühvungen die­ser Qtrt und sollte allein schon zum Besuche hier gebotener Konzerte anregen.

Tagesanzeiger.

Montag, den 1. Februar.

Cafe Spangenberg, Dahnhofstt.: 20 Ah». Konzert.

Stadtsäte, 20 Ahr: Gastspiel des Stadt- theaterS Dießen: „Verstehen wir uns*.

Stadtteller: 2lb 20 Ahr: Konzert.

Capitol. Biegenstraße: 17 und 20.15 Ahr: „Ronny*.

Kamera, Kasernenstr.: 1730 u. 20.15 Ahr: „Der weihe Rausch".

Frauengruppe des Vereins für das Deutsch-; tum im Ausland: 17 Mr im kleinen Stadtsaal: Jahreshauptversammlung.

Volkshochschule: 20.15 Ahr in der Süd­schule: Privatdozent Dr. Fricke: Be­sprechung brennender politischer und wirtschaftlicher Fragen.

Marburger Schwimmverein: 20.30 Ahr im Dheater-Case: Monatsversammlung.

Auswärtige Veranstaltungen.

Frankenberg: 20 Ahr im Hess. Hof.: SA.- Werbeabend der ASDAP„ Pg. Sempf, KassÄ.