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Anzeiger für (bas frühere kurhefstsche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Kämpfe in Schanghai und Chardin

Die Waffenstillstandsverh andlungen gescheitert Immer neue Truppenverstärkungen Widerstand bis zum letzten Mann

ft Schanghai, 1. Febr. Die Der« Handlungen über den Abschluß eines Waffen still st andes in Schanghai find erfolglos geblieben. Am Sonn­tag abend und in der Nacht zum Montag find neue Kämpfe ausgebrochen. Auch in der iateruationalea Niederlassung ist es zu erbit­terten Gefechten gekommen. Bon englischer Seite wurde der Vorschlag ge­macht eine internationale Zone in der Stadt zu schaffen, der aber ebenfalls schei­tern wird. Am Sonntag wurde der chine- fische Kriegshafen Wusung von den Japanern besetzt

Ergebnisloser Verlauf der Schanghaier Friedenskonferenz.

Die von dem britischen und dem ameri­kanischen Generalkonsul zwischen dem japa­nischen Admiral und dem chinesischen Ober­befehlshaber vereinbarte Friedenskonferenz sand gestern vormittag und int Laufe des Nachmittags int britischen Konsulat statt. 17 japanische Flugzeuge kreuzten während der Besprechungen über der Stadt. Die Konferenz wurde schließlich nach etwa drei­stündiger Dauer ergebnislos abgebrochen.

Einige Teilnehmer der Konferenz berich­teten, daß die Dormittagsverhandlungen zunächst einen hoffnungsvollen Verlauf nahmen. Während der Nachmittagssitzung seien jedoch alle Vorschläge aus dem einen oder anderen Gründe und wegen verschie­dener Einwendungen von der einen oder anderen Seite wieder verworfen worden. Mit einem Wiederzusammentritt der Kon­ferenz könne man erst wieder rechnen, wenn die japanischen Behörden von Tokio neue Weisungen erhalten hätten.

Neue Kämpfe in Schanghai

Kurz nach 23 Ahr örtlicher Zeit brach am Sonntag nach mehrstündiger Ruhe ein scharfer Kampf im nördlichen Teil der Stadt aus. Er begann mit unregelmäßi­gem Gewehrfeuer. Dann setzte Maschinen­gewehrfeuer ein und schließlich nahm das Feuer Derart zu, daß eine regelrechte Schlacht int Gange war.

Sin japanisches Kriegsschiff gab gestern Moschinengewehrfeuer gegen die Brücke ab, die von der internationalen Nieder­lassung nach dem Bezirk H o n g k e w führt. Drei chinesische Flüchtlinge wurden dadurch getötet. Die Japaner erklären, das Feuer sei gegen vereinzelte Scharfschützen gerich­tet gewesen.

Die Brände in Tschape» sind er­loschen. Der Schaden wird auf eine Mil­lion Pfund Sterling geschätzt. Die Ja­paner haben die völlige Konttolle über bas Hongkew-Viertel der internationalen Niederlassung vom Sutschu-Fluß nach Norden. Bewaffnete japanische Neserve- polizisten hielten Motorradfahrer und Fuß­gänger an, töteten einen Chinesen und ver­wundeten zwet Ausländer. Amerikanische Marinesoldaten nahmen 27 solcher Poli­zisten fest. Zwölf Personen, unter ihnen ein junger Portugiese, wurden in der inter­nationalen Niederlassung durch Streif­schüsse verwundet.

Nach einer Meldung der Agentur Rengo griffen etwa 3000 Mann des Generals T i n g t s ch a o eine Station in der 2lähe von Chardin an, welche von den Japanern in stundenlangem Kampfe verteidigt wurde. Die Chinesen wurden zurückgeschlagen und mußten etwa 4 0 0 T o t e zurücklassen. Auf japanischer Sette wurden 21 Mann getötet.

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fk. Washington. 1. Febr. Ange­sichts der bedrohlichen Lage in Asien hat das Marineamt der Flotte der U.S. A. und den Marinereservisten erhöhte Bereit­schaft befohlen. Bon Manila sind nach Schanghai neue amerikanische Berstärkun- gen abgedampft. Mit diesen Maßnahmen

läßt Amerika den Zu stand ernster Kriegsgefahr erkennen.

Dem Weißen Hause nahestehende Kreise sind davon überzeugt, daß die Unter­stützung des japanischen Borgehens in China durch Frankreich die letzte Hoffnung auf einen Erfolg der Genfer Abrüstungs­konferenz raubt

Frankreich hinter Japan?

Ein Bundesgenosse auf der Abrüstungskonferenz

Die Pariser Press« stellt sich immer deutlicher zu Gunsten Japans ein. Be­sonders die Rechtsblätter lasten es an höhnischen Bemerkungen an die Adreste des Bölkerbundsrates nicht fehle» und stellen fest, dah die Anwendung der Artikel 15 und 16 des Bölkerbundspaktes den Untergang der Gea- fer Institution bedenten würde. Die Haupt- argumente, denen man in der Pariser Oeffent- lichkeit begegnet, lasten fich in drei Punkte zu- sammensasten:

t China ist kein souveräner Staat sondern ein geographischer Begriff (!!).

2. China hat die Berträge verletzt und damit gerechte Sanktionen (!) von feiten Japans herausgesordert

3. China ist ein unruhiger Herd, der die Zivilisation bedroht.

Aus dieser klaren Haltnng scheint deutlich her- vorzugshen, dah sich Paris die Lage im Fernen Osten auf zwei Wegen zunutze machen will, in­dem es Japan durch Anerkennung seines ^Rech­tes auf Sanktionen" zum Buudesgenos- sen auf der Abrüstungskonferenz gewinnt und indem es die Unfähigkeit des Bölkerbundes sowie die Notwendigkeit besonderer Garantien aus den Bor­gäugen abzuleiten sucht.

Der T e m p s bringt eine halbamtlich Nin- gende Berlautbarung, in der er die französisch« Negiernug gegen den Verdacht in Schutz nimmt, den Japanern in China freie Hand zu lasten. Diese Darlegung sei nicht richtig und es verlautet sogar, dah der französische Bot­

schafter in Tokio beim fapanischen Auhen- minister in gleichem Sinne wie seine Kollegen aus Washington nnd London vorstellig gewor­den fei. DasJournal" erklärt aus amtlicher Quelle, dah das Gerücht von der Anwesenheit japanischer Polizeikräfte im französischen Kon­zessionsgebiet nachdrücklich in Abrede gestellt werden wüste. Sofern fich Japaner im ftan- zösischen Konzessionsgebiet befänden, seien sie auch schon früher dort gewesen. Das fran­zösische Kriegsschiff Waldeck-Rousteau habe Be­fehl erhalten, sich sofort von Saigon nach Schanghai zu begeben. Andere Fahrzeuge würden vermutlich folgen.

Nrn« Note Chinas an den Rat.

(5 enf, 31. Ian. Der chinesische Ver­treter im Bölkerbundsrat hat den Ratsmit­gliedern eine neue Note über die Vorgänge m Schanghai zugehen lassen, in der es heißt:

Der japanische Versuch, Schanghai zu über­fallen und zu besetzen, ist wiederum eine Verletzung der Satzung und der Entschlie­ßungen des Völkerbundes, des Kekloggpak- tes und Neunmächteverttages. China hat langmütig die japanischen Angriffshandttm- gen, die sich immer weiter ausdehnen, er- biribet. Der Angriff auf Schanghai gefähr­det die Hauptstadt Nanking. China ersucht hiermit den Völkerbund, rasche wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um weitere ja­panische Angriffshandlungen zu vermeiden. China behält sich das Recht vor, angemesse­nen Ersatz der von Japan angerichteten Schäden zu verlangen.

2m übrigen wird in Genfer chinesischen Kreisen das Gerücht über eine bevorstehende oder auch nur beabsichtigte Kriegserklärung ganz entschieden in Abrede gestellt. Eine

Kriegserklärung wäre, wird weiter betont, ein schwerer politischer Fehler, durch den sich! China vor der ganzen Welt ins Unrecht setzen würde. Tschiangkaischek bereite eine Proklamation an das chinesische Volk vor. in der er zur Besonnenhett auffordert und unter Hinweis auf das Vertragstreue Ver­halten Chinas von den Mächten verlangt, daß diese sich ihrerseits an die übernommenen Verpflichtungen hatten.

Chinas Anßenminister lehnt Kriegs, erklärnng ab.

Nach einer imM a t i n veröffentlich­ten Agentur-Meldung aus Nanking hat der neue chinesische Außenminister Lowenkau kategorisch die Nachricht von einer Kriegserklärung dementiert. China habe vielmehr betont, daß es niemals den Krieg erklären werde, aber daß es Wider­stand leisten und bis aus den letzten Mann und die letzte Patrone kämpfen werde, solange Japan China Gewalt antue und es erniedrige. Die Verteidigung des Staates sei durch das internationale Gesetz und sogar durch die Humanität gerechtfertigt.

Standrecht in der internationalen Nirder- lassung von Schanghai.

In der internationalen Niederlassung Schanghais ist das Standrecht er­klärt worden. Von abends 10 Uhr bis morgens 4 Uhr darf sich niemand auf den Straßen zeigen. Oeffentliche Versammlun­gen sind verboten. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln hat sich gebessert. Die Märkte wurden wieder eröffnet. Etwa v2 Million Chinesen find durch die Schlie­ßung der Daumwollspinnereien und -Lä­den arbeitslos geworden. Es machen sich Anzeichen bemerkbar, daß der Streik, der als Protest gegen Japan gedacht war, zu­sammenbricht. Die chinesischen Banken werden zum Teil am Montag schon wieder geöffnet

Trotz japanischer ©egenangfTffe haben die Chinesen den Nordbahnhof und den größten TeU von Tschapei gehalten. Die japanischen Verluste werden auf 200 Tote und die chinesischen mindestens auf 600 Tote und wett über 800 Verwundete be­ziffert. Die Japaner, die auf wettere Verstärkungen matten, haben sich auf eine geeignete Stellung zurückgezogen. Der ja­panische Admiral Schiosawa hat ge­schworen, den StadtteU Tschapei unter allen Umständen von den Chinesenzu säu­bern. Auch die Chinesen erhallen laufend neue Verstärkungen. Die Dtadtbehörden der internationalen Niederlassung haben dagegen protestiert, daß japanische Sol­daten die Polizeitätigkeit im Hongkew- Dezirk ausgenommen haben. Unter großen Schwierigkeiten gelang es englischen Frei­willigen, japanische Reservisten von einem Platz zu vertreiben, der in den englischen DetteidigungSsektor fällt

Standrecht über Nanking.

In Nanking ist ebenfalls das Stand- recht erklärt worden. Am Sonntag trafen 5 japanische Zerstörer ein und richteten ihre Geschütze auf das Gebiet von Nan­king. Die Ankunft der neuen japanischen Kriegsschiffe rief unter den Einwohnern Nankings eine Panik hervor, da man be­fürchtete, daß die Japaner die Stadt be­schießen wollten. Tausende von Einwoh­nern verlaßen die Stadt sluchtartig. Der amerikanische Konsul versichert jedoch, daß die japanischen Kriegsschiffe das Feuer nicht eröffnen werden, falls sie nicht von chinesischer Seite angegriffen würden. Die Chinesen arbeiten fieberhaft an der Be­festigung ihrer Verteidigungsstellungen. Sie heben Schützengräben aus und fahren