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Donnerstag, -en 28. Sanum 1M2

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Um die Wiederwahl Hindenburgs

Anzeiger fiir (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Vekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.

Oberbürgermeister Dr. Sahm bildet einen Ausschuß für die Volkswahl

Gerüchte um Brüning Offener Brief Hitlers

Berlin, 27. Ian. Der Oberbürger­meister der Reichshauptstadt, Dr. S a h m ist, wie wir erfahren seit mehreren Tagen um die Bildung eines überpartei­lichen Ausschusses führender Per­sönlichkeiten aus allen Kreisen des deut­schen Volkes bemüht, der die Wieder­wahl des gegenwärtigen Reichspräsidenten von Hindenburg in die Wege leiten soll. Es ist dabei an Männer und Frauen gedacht, die in maßgebender Stellung mit großen Be- völkerunasschichten in enger Fühlung stehen. Dr. Sahm wird die Einladungen an die in Aussicht genommenen Persön'ichkeilen in kürze­ster Frist hinausgehen lassen, so daß der Hindenburg - Ausschuß" schon Anfang nächster Woche mit einem Aufruf an die Ocf'fenilichkeit treten dürfte.

Ein bayerischer Aufruf.

M ü n ch e n, 27. Ian. Eine größere Reihe bekannter bayerischer Pesön'ichkeitenhatci'.en Aufruf zur Reichspräsidenten- wahl erlassen, in dem es u. a. heißt:

Kein zweiter Deutscher besitzt in ähnlichem Maße das überparteiliche Ver­trauen des deutschen Volles; kein Zweiter ver­körpert so vollkommen in der Welt den Glauben an Deutschland. Wir soll­ten deshalb dem Schicksal für lebe Stunde danken, die der Eeneralfeldmarschall sein hohes Amt noch weiter ausübt.

Vor sieben Iahren feierte Deutsch­land die Wahl Hindenburgs als Sieg des deutschen Gedankens. Deutsch­lands Pflicht ist es auch heute, den Feld­marschall auf den Schild zu erheben. Die Reichsversassung sieht die Volkswahl vor und damit die Kundgebung des Volkswillens ien- feits der Parteimeinungen. Es tit höchste Seit und Aufgabe aller, die Volk und Vaterland lieben, zur Tat zu schreiten.

Wir rufen au, zur Wiederwahl d e s M a n n e s, der wie kein zweiter Deutsch­land verkörpert. Wir wollen den Herrn Reichspräsidenten bitten, sich zur Wahl erneut zur Verfügung zu stellen."

Der Aufruf ist von bekannten Männern der Wirtschaft, bedeutenden Wisse scha tlern, hohen Offizieren der alten bäuerlichen Armee, führenden Männern der Press erhöhen Beam­ten, bekannten Künstlern, Mannern der Bankwelt und von einer Reihe bayerischer Bürgermeister unterzeichnet. Unter den Un­terschriften befinden sich u. a. folgende: der frühere Präsident des Reichsfinanzhofes Jahn »:nd der jetzige Präsident Dorn, ferner Generaloberst Graf von Both- m e r, Forstrat Dr. Escher i ch. Dr. Georg Seim, der frühere bayerische LandMtt- schaftsminister Dr. Fehr, der «chnftsteller Dr. Mar Halbe, der Mademieprofeffor Dr. Angelo Iank, Dr. Ernst Muller- Meiningen usw.

Kein Rücktritt Brünings.

Berlin, 27. Jan. Im Zusammen­hang mit dem Empfang von Dr. Eroge­ner und Dr. Brüning beim Renys- präsidenten sind in Berlin Gerüchte auf­getaucht, die von einem bevorstehenden Rücktritt des Reichskanzlers und seine Er­setzung durch Reichsminister Eroener wißen wollen. Demgegenüber wird anscheinend halbamtlich festgestellt, daß alle derartigen Ausstreuungen falsch sind. Von einem Rücktritt des Kanzler könne gar keine Rede sein; er hege auch keine derarttgen Absichten.

Reue Verzögerungen des preußische« Haus­haltsplanes.

Da der preußische Haushaltsplan für 1932 innerhalb des Staatsministeriums noch nicht verabschiedet werden konnte, ist der für den 4. Februar aitzesehte Sitzunasabschnitt des verstärkten Hauptausschuyes sowie die für Donnerstag, den 11. Februar, in Aussicht ge­nommene Plenartagung des preußischen Staatsrates abgesetzt worden. Die nächste

Staatsratssitzung wird im Februar erst anbe­raumt werden, sobald sich übersehen läßt, zu welchem Zeitpunkt sich die Einbringung des Haushaltsplanes beim Staatsrat wird er­möglichen lasten.

Keine neuen Gehaltskürzungen.

Berlin. 27. Ian. Auf einer Tagung der Staatspartei in'Dortmund teilte der frühere preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff mit, Reichsfinanzminister Dr. Diettich habe bindend zugesagt, daß weder neue Gehalts­kürzungen noch ein neues Besoldungsgesetz kommen würden. Wörtlich habe Dietrich er­klärt:Ich bin doch noch gesund und werde mir solche Dinge nicht auf den Hals laden."

DerV ö l k i s ch e D e o b a ch t e r" ver­öffentlicht in seiner heutigen Ausgabe einen offenen Brief Adolf Hitlers an den Reichskanzler Dr. Brüning, in dem sich der Führer der R. S. D. A. P. mit der Erwiderung des Reichskanzlers auf Hitlers Denkschrift über die Frage der Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten von Hindenburg beschäftigt. Hitler be­spricht darin in einigen Punkten die Dar­stellung des Reichskanzlers über die Ver­handlungen in dieser Frage und berichtet, daß der Reichstag die Amtsdauer des

Die Japaner haben Charbin besetzt

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Straßenbild aus Eharbin. dem wichtigsten Eisenbahn-Knotenvuntt an der nordmandschurischen Strecke.

Standrecht in Schanghai

Die Japaner landen neue Truppen

st. M o s k a », 28. Jan. Einem Bericht der amllichen sowjet-russischen Telegra- xhen-Agentur ans Schanghai zufolge ist dort am Mittwoch das Staudrecht verhängt worden. Die Lage wird als äußerst ernst gesehen.

Auf ein neues japanisches Ul­timatum, das die Annahme der For­derungen Japans von der Stadt verlangt, hat Schanghai sich nunmehr unterworfen.

Die Japaner landen Truppen in Schanghai.

fk. Schanghai, 28. Jan. Gegen das hiesige japanische Konsulat wurde heute früh eine Bombe geworfen. Glücklicher­weise wurde niemand verletzt und nur ganz geringer Sachschaden angerichtet. Aber die bei den Einwohnern herrschende Nervosität ist durch den Vorfall noch ge­steigert worden. Wie verlautet, Hot der Stadtrot der internationalen Niederlassung beschlossen, den Gefahrenzustand zu erklären.

Der japanische Kreuzerd u b a r i und 12 japanische Zerstörer trafen bei Tages­anbruch hier ein und landeten 500 See­soldaten. Es wird geglaubt, daß heute nachmittag weitere 500 Mann Seeleute ge­landet werden sollen, wodurch die japani­schen Marinestreitkräfte in Schanghai eine Stärke von ungefähr 3000 Mann er­halten würden, verglichen mit 2070 briti- schen, 1200 amerikanischen Seesoldaten und 1000 französischen Kolonialsoldaten.

Gemeinsame Aktion Amerikas und Englands.

Der diplomattfche Korrespondent der .Morning Post" meldet: Die ameri­kanische Regierung hat an die britische Re­gierung eine Note gerichtet, in der sie dem Vernehmen nach eine gemeinsame Aktion wegen des japanischen Vergehens in Schanghai anregt. Die britische Regierung beschäftigt sich gegenwärtig mit dem In­halt der Note, hat sich aber noch nicht ent­schieden, welche Haltung sie einnehmen wird.

Reichspräsidenten auf 7 Jahre, also auf die volle gesetzlich vorgeschriebene Amtsperiode hätter verlängern sollen. Darin sehe er inhaltlich wie tatsäch­lich eine

Autzerkraftsetzung und damtt eine Aufhebung der die Reichspräsidenten- wahl betreffenden Bestimmungen der

Weimarer Verfassung.

Das Volkrecht der persönlichen und unmit- telbaren Wahl des Reichsoberhauptes, so führt Hitler aus, könne seiner Auffassung nach nicht durch irgend eine qualifizierte Reichstagsmehrheit ersetzt werden. Der Erundegedanke der Weimarer Verfasiung sei gewesen, dem Reichstage den vom Volke gewählten Reichspräsidenten gegenüber zu stellen. Es sei klar, so meint der Führer der Nattonalsozialisten,

wenn eine Reichstagsmehrheit das Recht besitzen solle, die Aurtsdaue- des Herrn Reichspräsidenten zu ver­längern, dann müßte genau so gut eine andere Mehrheit das Recht haben, sie abzukürzen.

Die unausbleibliche Folge einer derartigen parlamentarischen Amtszeit-Verlängerung würde eine in ihren Auswirkungen un­übersehbare Herabminderung des An­sehens und Einflusses des Reichspräsiden­ten sein.

Nachdem Hitler nochmalsdie Besei­tigung des heuttgen Systems" als die gegenwärtignationalpolittsch wichtigste Handlung" bezeichnet und den Parteien des Zentrums, der Sozialdemokratie und der Demokraten die Verantwortung für den Versailler Vertrag und seine Folgen zuschreibt, schließt er seinen offenen Brief mit dem Vorbehalt des Rechtes der Kri­tik an der gegenwärttgen Regierung.

Was geht im Memelland vor?

Die Vorgänge im Memellande werden in Berlin mit großer Aufmerksamkeit ver­folgt. Bekanntlich hat die litauische Re­gierung den beiden Abgesandten der deut­schen Bevölkerung die Reise nach Genf, wo sie ihre Beschwerden vorbringen wol­len nicht gestattet. Wie man hört, ist von der deutschen Mehrheit des Memellandes deshalb eine Beschwerde an den Völker­bund ergangen. Im übrigen verstärkt sich der Eindruck, daß der litauische Gouver­neur Merkys sich mit Plänen tragt, die eine Wiederholung der Vorgänge des Jahres 1923 zum Ziele haben. Es ist zu erwarten, daß aber diesmal die litauischen Anschläge auf das autonome Memelland rechtzeitig unterbunden werden. Wir neh- men als selbstverständlich an, daß die amtlichen deutschen Stellen sofort die not­wendigen Schritte getan haben.

Das Kownoer Regieruugsorgan fordert Matznabmen gegen Memel.

K o w n o, 27. Jan. Die hier seit Wochen allseits geführte Hetze gegen die Autonomie des Memelgebietes scheint jetzt ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

Das Organ der Regierungspartei,Lie- tuvos Aidas", nimmt am Mittwoch in einem Leitartikel zu den jüngsten Ereig- nisien im Memelgebiet Stellung, der ge­wissermaßen als eine Ankündigung eines bevorstehenden Eingriffs der Zentral- regierung gegenüber den autonomen Be-