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Sette 3

vdervetMve 3rttmig, Marvurg «. L. Dienstag, d« 28. Z«m« 1932

Nr. 21

21

England schickt neue Regimenter nach Indien

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eh» wertvolle Neuerwerbung des Berliner Allen Museums

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deckt, als wendeten fie sich ab in der stum­men'Ablehnung des reinen Wesens. Der Blick des Weißen bleibt am wiegenden Mädchenleib haften, halb angezogen, halb abgestoßen von der Fremdartigkeit des Bildes, von der unbekannten Gefahr, die irgendwo zu lauern scheint.

Leises Lachen steigt auf. Es kommt aus irgend einem der Frauenmünder dort vorn, deren Lippen wie zum Lächeln ge- chürzt find und die weißen Zähne im Dunkeln leuchten lasten. Es ist wie ein verhaltender Schrei, der aus der siegesbe­wußten Brust eines geschmeidigen, schlei­chenden Raubtiers dringt.

Wehe, wenn einst das Raubtier an­springt, von unterirdischen Mächten zum Kampf gegen den englischen Herrn geru­fen! Die Höhlen des Verbrechens und Ver­gessens werden ihre verlumpten Heerscha­ren hinausschicken, den Weißen zu schla­gen, wo sie ihn treffen. Doch oft werden die schlanken braunen Tänzerinnen, mit ihrem Lächeln, ihren Raubtierzähnen, mit Gift und Dolch die Arbeit schon ver­richtet haben.

Wehe, wenn Indien erwacht und das Asien der Seitengasten der finsteren Winkel den Händen der Führer entgleitet!

Erhard Hesteloh.

Die Heereshunbeanftalt züchtet mue Rasse'

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suchten.

Ein anderes Haus ist heute gastlicher für den Fremden. Die Dunkelheit wirft für den Besucher einen mitleidigen Schleier über alle schmutzige Verwahrlo­sung. Die Tür zu einer der Raucherzel­len öffnet sich. Menschen, halbe Tiere schon, kauern an den Wänden, eine kurze Pfeife zwischen den Zähnen. Im Pfeifen­kopf liegt eine Opiumkugel, die mit einem Streichholz entzündet wird. Schon nach wenigen Zügen platzt das Opiumkü­gelchen und springt aus dem Pfeifenkopf. Das Vergnügen ist zu Ende. Ein neues muß aufgelegt werden. Manchem gelingt es nicht mehr, weil der Rausch über ihn kommt und seine Hand zittern läßt. Der Mann schleppt sich auf die Veranda hinaus und schläft dort irgendwo wie ein Hund den Schlaf des Vergestens.

Den Fremden umlauern hier überall Schrecken und Haß. Doch unter sich find fie Brüder, diese Halbtiere, die hier im Dun­keln schleichen. Sie streiten sich nicht. Denn dann würden fie der Polizei Anlaß geben, gegen diese Unterwelt vorzugehen und beim Schlichten der Zwistigkeiten ein we­nig aufzuräumen. Die Vefitzer dieser Lasterhöhlen haben, um ganz sicher zu geben, manchen Anwalt allabendlich ver­pflichtet, der jeden etwa aufkeimenden Streit sofort schlichtet. Gemeinsame Ver­brechen, gemeinsame Jnteresten und ge­meinsames Elend ketten diese Angehörigen der Unterwelt zusammen, für die sonst ein Mord nur ein Kinderspiel ist.

Vielleicht gibt in dem Gewirr dieser Gasten eine schmale Tür, ein winkeliger Gang den Eintritt zu einem Hofe frei, der wie eine erquickende Oase in der Wüste des Schmutzes anmuet. Leise Flötenmusil flutet durch den offenen Raum, begleitet den Tanz brauner Mädchenleiber, deren Hüsten unter dem Schleierstoff ihres ein­zigen Schurzes sich wiegen und locken. Dunkle Augen blitzen unter schwarzen Wimpern hervor, bohren sich für eine halbe Sekunde in die Gesichter der Fremden ein, werden gleich wieder von den Lidern be-

chinesischen Bande festgenommen und dort em- geschlossen. Jahrelang hatte sie sich gewehrt, sich aufbäumen wollen, dann war sie zer­brochen. Die Polizei hätte sie mcht ent­deckt, wäre nicht der Entführer vor kurzem ge-

'»ckzah. lspruch- nögliq

fen worden ist.

Gar kein Wund«...

Eine mitteldeutsche Zeitung brachte un- längst ein Inserat, das sicherlich mcht gmtz alltäglich ist: . t

»Junglehrer kann mente Lchrer stelle ha­ben, wenn er meine 28lährtge Tochter bei-

®in nach Indien bestimmtes Regiment auf dem Marsch zum Hafen in Southampton.

Die Soldaten tragen bereits Trovenhelme.

Die krittsche Lage in Indien hat die englische Regierung veranlaßt, neue Truppen aus der Heimat nach Indien zu schicken, die dort die britischen Bebörden bet der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung unterstützen sollen.

Sie war jung, hübsch und ohne große Mtt- tel. Grund genug für Gertrude Wolters, um ihrer lebhaften Phantasie die Zügel schie­ßen zu lasten und sich in Gedanken eine Welt aufzubauen, wie sie eben von ihr er­träumt wurde.

In dieser Welt der Träume wußte man nichts vom mageren Gehalt einer unbekann­ten, Heinen amerikanischen Stenotypistin, die ihren ranken Leib in billige Fähnchen Heiden mußte, nichts von den Einschränkungen zu Hause, nichts vom eintönigen Einerlei des Heinbürgerlichen Alltagslebens. In dieser Welt der Träume fuhr man vielmehr mtt einem Wundergeldbeutel, der nie leer wurde, auf Lurusdampfern und in Staatskabmen um die Erde, sah hundert fremde Länder, zehntausend uiwekannte Städte, eilte man von einem Abmteuer zum anderen, ließ man allen Ballast des Lebens daheim. Irgendwo fand man dann auch unerwartet den Mann, der ein großer, starker Held war und als guter Kamerad die Abenteuer teilte, stets ritterlich und nicht ermüdend wie die heimi­schen Pottokassenkavaliere.

Aber so eine Welt gab es ja gar nicht. So tippte Gertrude Wolters weiterhin tagaus tagein auf ihrer Schreibmaschine, dem Schick­sal halb ergeben, halb grollend.

Und dann wurde die Welt der Träume plötzlich doch WirHichkeit. Was hatte Ger­trude Wolters von der entfernten alten Ver­wandten gewußt, die dort drüben am anderen Ende der Staaten wohnte? Nichts Rechts. Alle Jahre gingen ein paar Postkasten hin und her. Das war alles. Nun hatte die Tante das Zeitliche gesegnet, und die Erbin ihres großen Vermögens, von dem niemand etwas geahnt, sollte Eestrude Wolters sein.

Fast mit der Schreibmaschine! Hinaus in die weite Welt der verwirklichten Träume, hinaus in das freundlich winkende Leben! Ein Dampfer trug sie nach dem Fernen Osten. China lockte sie am meisten. Sie hatte ein­mal in San Francisco einen Blick in die Chinesenstadt geworfen und war vom Reiz des unheimlichen Unbekannten, des Asiatisch- Geheimnisvollen bezaubest worden. Und nun konnte sie ihren Verwandten, ihrer Mutter daheim in Amerika schreiben, wie sie in die tiefsten Winkel erotischer Städte hinein ge­blickt und Dinge gesehen habe wie selten ein Mensch.

Gertrude Wolters lernte noch mehr von der Welt kennen. Was kümmeste es sie, daß drüben in Europa gerade Krieg war? Sie fuhr unhesorgt um die Erde, in den Tag hinein, immer auf der Jagd nach dem

Die Zeit hatte die Wunde ein wenig ge­heilt. Da wurde die Narbe plötzlich wieder aufgerifien. Die Polize. erschien bei Ger­trude Wolters Mutter: „Kann es Ihre ver­schollene Tochter sein? Die chinesischen Be- der^ChineseM^dt^eine n?eile jfraiTgefunben. I gleichfalls, fand den Gedanken gut uno m- Vor acht Jahren wurde sie oom Führeiner | ^«te:^^ meinerB-mk

werden, wenn er meine 24jährige Tochter heiratet!" „ .. ... .

Es meldete sich niemand! Bankier ist em zu schlechtes Geschäft geworden...

Es gärt in Indien. Das bstttfche Reich grirb in den nächsten Wochen vor eine Machtprobe von bisher nicht gekannter Schwere gestellt werden. ' Wo die engli­schen Behörden einen nationalindischen Führer festnehmen und unschädlich machen, schießen drei, vier neue aus dem Boden auf.

Gandhi predigt immer den Kampf ohne Gewalttätigkeiten. Aber er hat, besonders jetzt, da er im Gefängnis sitzt, die Mafien picht in der Hand, und Ueberfälle auf eng­lische Beamte, Morde an Offizieren, Po­lizeibeamten und politischen Agenten sind an der Tagesordnung. Und doch ist der eigentliche Sturm noch nicht losgebrochen, der täglich seinen verwüstenden Lauf durch Indien beginnen kann, und alles Bishe­rige war nur ein Vorspiel. Noch find die unheimlichen Höhlen des Lasters, des Verbrechens und des Vergefiens nicht ge­öffnet worden, die hinter den prunkvollen Fassaden aller indischen Großstädte liegen. Wenn sie ihre Horden auf alles loslassen, was englisch ist oder mit den Briten hält, wird der Schrecken durch die Straßen ra­sen, dem Mord und Verbrechen folgen.

Weltstadtverkehr tost durch die schnur­geraden Hauptstraßen Kalkuttas. Bogen- hlmpen werfen ihr Licht auf die weißen Häuserfronten, die ebenso gut nach London Stören könnten. Doch nur ein paar ritte weiter, um die nächste Ecke, be­ginnt das dunkelste Asien, jenes unheim­liche Asien, dessen Seele ein Weißer nie­mals bis zum Grunde erforschen kann. Kein Licht scheint mehr. Schultern reiben sich in der Finsternis an die Arme des Fremden, der fich in Begleitung eines in­dischen Kriminalbeamten in die Höhlen des Lasters wagt. Hundert fremde Ge­rüche steigen auf, vermengen fich mit einem Duft, der unwillkürlich den Gedan­ken an die schlanken Leiber brauner Täu- jerinnen auftauchen läßt.

Es war bas letzte Lebenszeichen, daß ihre Verwanbten von Gertrube Wolters erhielten.

Nach Monaten, bie in angstvollem Schwei­gen verstrichen, suchte ihre Mutter durch bas chinesische Konsulat in San Francisco mtt ihrer verschollenen Tochter in Verbindung, m treten. Die Beamten konnten ihr aber nicht helfen. Gertrude Wolters war aus Schanghai verschwunden, ohne eine Sput zu hinterlassen.

In peinigender Ungewißheit lag die Mut­ter eines Nachts in ihrem Hotelzimmer m San Francisco. Da schob eine unsichtbare Hand ein Stück Papier unter der Türe durch. Die Zeilen witterten vor den Augen der Frau: „Erwarte nicht, jemals wieder ein Lebenszeichen von Deiner Tochter zu er­halten! Sie starb in China."

Die Polizei bemühte sich, bie Person bes Briefschreibers zu ermitteln. Sie konnte nur feststellen, baß aller Wahrscheinlichkeit nach eine Chinesin, die von einem Hotelangestellten gesehen worben war, bas Papier ins Haus gebracht hatte. Sie konnte annehmen, baß bie Gelbe mit irgend einer bet vielen Eeheim- gefellschafien in ihrer Heimat in Verbindung stand und von dieser den Aufttag zum Schreiben der wenigen Zeilen erhielt. So wurde der Mutter möglichst schonend betge« bracht, ihre Tochter fei zweifellos das Opfer eines Verbrechens geworden., das me ferne Aufklärung finden würde. Die Mutter.fuhr nach Haufe: „Mein Kind ist tot!"

Das war vor acht Jahren.

starben. Sein Diener wußte mit der Weißen nichts anderes zu beginnen, als bet Polizek ihr Gefängnis zu verraten/

Ja, bie Gefangene war Gertrube Wolters. Die Mutter erkannte fie sofort wieder, als ihre Tochter einige Wochen später in Seglet- hmg von Krankenwärtern nach San Fran­cisco kam. Aber es war kein freubiges Wie­dersehen, beim Gertrude Wolters hatte be» Verstand verloren.

Sie wurde in einer Anstalt untergebracht. Kartenspielen — als sie ihre große Reise an­trat, wußte sie nichts davon — ist ihre ein­zige Beschäftigung. Die wenigen abgerifie- nen englischen Worte, die sie spricht, der­raten nicht, wie das große Abenteuer sich ge­staltete, bas Gertrube Wolters bort drüben als Gefangene bes chinesischen Verbrechers er­lebt haben muß. Ä Ä .

Herbett Grote.

Es fanben sich Heiratslustige in Massen! Denn die Zeiten sind schlecht und, Jung­lehrer müsien oft Jahre auf eine Anstellung warten. Ein Bankier las dieses 3nierat steichfalls, fand den Gedanken gut und m-

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Der neue römische Kaiserkopf, bet jetzt ta der Skrckptueen-Sam mttmg des Berliner Alte« Museums Anfstellimg gesunden hat.

3m Berliner Alten Museum gelangte jetzt ein besonders schön erhaltener antiker Mar­morkopf zur Aufstellung, der die Bewunde- rang alter Kunsthistoriker findet. Es handelt sich um ein bisher unbekanntes Pottrat des Antonius Pius als Kronprinz, das entern Rundrelief des Konstantin-Bogens m Rom entstammt und 138 nach Christus angefertigt wurde.

Langsam gewöhnt fich bas Auge an das Dunkel. Die Umrisse eines trägen Rin­des gleiten an den Häusern entlang, stin­kende Köter schleichen durch den Schmutz, graben in den Bergen von Unrat. Eine Garküche sendet ihre beißenden Gerüche in die Nacht hinein, und der Dampf bes Fet­tes, in dem runde Fladen gebacken wer­den, streicht um bie trüben Lampen, in de- ten Schein nackte Gestalten auf der klei» 1 nen Veranda kauern, die Knie ans Kinn gezogen. Ein Sättiger leiert aus dem Koran seine Sprüche. Seine Stimme wird zum schrillen Schrei, wenn er den Frem­den sieht, und wie auf Kommando tauchen die Nackten im Hause unter. Es ist zweck­los, dort hinein zu gehen, denn der Schrei war eine Warnung und bas Nest wird leer sein von allen denen, bie im Opium ihr Elend, ihr Verbrechen zu vergefien

In den Höhlen des Vergessens

Wo Asien und Europa nebeneinander hausen - Vulkan unter Indien

ori blin­den

> im lötet feien In- dem nten

Si- -■

Trotz der modernsten Nachrichtenmittel — Auto, Radio ufto. — können bie alt* bewährten Nachrichtenmittel des HeereS Abenteuer. Sie erlebte genug davon, aber I nicht entbehrt werben, ja sie haben sogar bas große Abenteuer ihrer Mäbchenträume I für ein modernes Heer noch wett stär* wollte sich nicht einstellen. Unb wo blieb I kete Bedeutung erhalten. Brieftaube ber Helb? I unb Hunb spielen ba noch genau dieselbe

Zehn Jahre warm pergangen, feitbem Ge» I wichtige Rolle wie früher, der letztere sogar trübe Wolters in bie Welt fuhr. Der ftrteg I ntxf; jn höherem Maße. Das kommt na* tobte nicht mehr. Es zog sie tmeber nach I mentlich darin zum Ausdruck, daß die von China, dem Lande ber Geheimnisse. Von l HeereSsachschule beauftragten Stellen Schanghai aus schrieb sie i hrer Mutter, sie I . planmäßiger Arbeit bemüht gewesen sei wöhlbehaten eingttroffm unb hoffe nun steine Hunderasse zu schaffen, neue Abenteuer zu erleben. . . _ I allen Anforderungen eines guten

Diensthundes, namentlich eines Meldehun­des, genügt Jetzt veröffentlichen bie Schöpfer dieser Rasse, Major a.D. Most und Dr. Schäme, in der khnologischen Fachzeitschrift „Ser Hund" die erste Mit­teilung über bie Ergebnisse ihrer neuen Rasseschöpfung, ber sie ben Namen „Der Äurmärter“ gegeben haben. Für ben Laien mag ber Unterschied gegenüber dem bis­herigen Schäferhund nicht besonders groß erscheinen, ber Kenner weih sofort die Vorzüge des neuen Hundes abzuschätzen. Es handelt sich um ein außerordentlich schnelles Tier, das auch größte Ausdauer zeigt, sehr unempfindlich gegen Witte* rungseinflüsse ist, bem man fast ab* solute Schußfestigkeit beibringen kann unb das in allen feinen Rasseeigen* schäften außerordentlich konstant ist. Sie Bekanntmachung über diese neue Rasse hat in allen khnologischen Kreisen lebhaftes Aufschen erregt, da es sich seit Jahrzehn­ten um ben ersten Fall handelt daß in Deutschland eine neue Hunderasse geschaf-

Berwirklickte Träume

Das Abenteuer ber Gertrube Wolters

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