I
SesMe
LandkömtMS wWWw V * y W v » V
obechessische Zeitung
Mr. 19 6?. Mr?, iattorg a.Mn
Der Skqeigenprett bekrdgt filr Oen II g-spaU. Zetleawtlltmeter 0.08 DM. Samtlienanjetgen bei Barzahl 0.07 GM, amtl u. an* wärtigeAn, 0 10 SM Sog. kleine Lin,eigen nach Speztallartf.Grund- schrifi: Solonel Bei schwiertg.Satz, sowie bei Platzvorschrift 50*1, Aufschlag. — Sammelan, eigen 100*/, Aufschlag Reklam.-Millim. 0.40 SM. Srundschrist , Petit. Zeder Rabatt gilt al< Barrabatt Ziel k Tage. Sfferteu.Seb»hrr 25 Pfg bei Zustellung der Angebote eiuschl Porto —.00 GM. Belege Werder berechnet. Erfüllungsort Marburg
Sommbrnd, &tn 23. Sanum 1932
Sie ^vberbeffische Zeitunger- rtehtt sechsmal wSchentlich. Be- ^Spreis menatL L Marburg 2.02 ausfchi. Zustellungsgebahr.
unsren Agenturen 1.93 SM. »qügl. Zustestellmigsgebühr. durch jj, Post 2Ld SM gür etwa tzurch Streik, Maschinendefett »der elementare Ereignisse ausfallende gkummeru wird kein Ersatz ge- Utftet Verlag, Dr. 5. Hitzerolb. .£„4 der Unid-Buchdruckerei <tnt- Aug Hoch, Markt 21/23. Kernsprecher: Rr. 54 und Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt u. M Rr. 5015. — Sprechzett t« Redaktion bon 10—11 «ab
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberheffen
Anzeiger der nmttichen Bekanntmachungen fiir Stadt und Kreis Marburgs
ZusammenkunftLavalsmitMacdonald?
Frankreich sucht Unterstützung — Die zweite Rede Lavals — Mehrheit für das Kabinett
3m Anschluß an die gestern mittag nm 1 Uhr beendete Kabinettssitzung ver- öffentlicht Reuter folgende Information:
Der französische Ministerpräsident La- »al ist durch Vermittlung der britischen Botschaft in Paris gestern eingeladen worden, während des Wochenendes Macdo- uald in London zu besuchen.
Die „Times" rechnet mit der Möglichkeit, daß innerhalb der nächsten Tage eine Zusammenkunft zwischen Laval und Racdouald in London oder einem Orte zwischen London und Paris stattfin- det.
Aus den Berichten der Pariser Morgen- ilätter geht ziemlich deutlich hervor, datz der Plan zur englisch-französischen Mi- msterbesprechung von Frankreich ausgegangen ist. Ministerpräsident Laval hat Maadonald durch den französischen Botschafter Tyrell nach Paris einladen lassen. Da es dem englischen Premierminister nicht möglich war, in diesen für sein Kabinett kritischen Tagen eine Auslandsreise anzutreten, hat er seinerseits dem französischen Ministerpräsidenten ein Zusammentreffen in London oder an der Küste des Aermel- kanals vorschlagen lasten. Auf letzterem Vorschlag steht die französische Antwort vermutlich noch aus, da der angekllndigte amtliche Bericht bisher noch nicht veröffentlicht worden ist. Einige Blätter wollen misten, datz zwischen Paris und London am heutigen Sonnabend noch Verhandlungen geführt werden sollen.
Briand optimistisch.
Vriand erklärte dem Korrespondenten des „Daily Expreß", es bestehe keine Gefahr, datz Frankreich in der Reparationsfrage mit seinen Freunden zu keiner Uebsreinstimmung käme. Eine andersgedachte Politik könne nur zur Isolierung Frankreichs führen. Er glaube nicht, datz die Lausanner Konferenz völlig aufgegeben sei.
Diese sei nur verschoben worden, bis ein völliges Einverständnis der betreffenden Nationen erreicht sei. Die Erklärung Vrüninas habe eine gerechte Lösung der Aeparationsfrage nicht unmöglich gemacht.
Unbelehrbar!
Die französi'che Kammer setzte gestern die llnterpellationsdebatte über die allgemeine und auswärtige Politik fort.
Nach dem Schluß der Aussprache wurde dem neuen Kabinett Lava! mit 312 gegen 261 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen.
D?r Entschliehungsantrag der Regierung, für besten Annahme Laval die Vertrauensfrage Mte, hat folgenden Wortlaut: Die Kammer bleibt der internationalen Zusammenarbeit Und der Organisierung des Friedens treu, de- ben Grundlage die Achtung vor den Ver- "ägen ist. Sie stimmt der Regierungserklärung zu, spricht der Regierung das Ver- Muen aus und geht ohne Zuiatzantrag zur Tagesordnung über. In der Aussprache er- UNff alsbald
Laval
Mst das Wort. Er bedauerte zunächst, datz Mand durch seinen Gesundheitszustand ver- bindert werde, länger die Leitung der auswärtigen Politik beizubehalten. Als Schüler «riands und Schüler seiner Friedenspolitik Urde er selbst sich bemühen, sie fortzuietzen. ’p-oetfaB rechts, in der Mitte und links.) ^aoal ging dann zum Reparations- ?ro b I em über. Er schilderte den Eharak- des Poungplanes, der eine definitive Re- RliMg darstelle, die die Räumung des linken
Rheinufers fünf Jahre vor der festgesetzten Frist mit sich gebracht habe, um schlieh- lich zu der Erklärung überzugehen, die Reichskanzler Dr. Brüning anfangs Januar dem französischen Botschafter in bezug auf die Lausanner Konferenz gegeben hat. Am 5. Januar habe der Reichskanzler dem französischen Botschafter in Berlin eine Erklärung abgegeben, datz Deutschland materiell nicht in der Lage sei, seine Zahlungen fortzusetzen und auch nicht wisse, ob es sie wieder würde aufnehmen körmen. Dr. Brüning habe aber lediglich darum ersucht, datz die Regierungen in Lausanne von dieser Erklärung Kenntnis nähmen.
Einig« Stunden später hätten infolge einer Indiskretion die Blätter «ine neu« Erklärung des Reichskanzlers an den englischen Botschafter veröffentlicht, nach der weder jetzt noch in Zukunft Deutschland mehr zahlen könne.
Der französische Finanzminister habe mit Recht im Ramen Frankreichs dagegen protestiert. Die Sachverständigen hätten die Notwendigkeit eines Moratoriums anerkannt, aber Vorbehalte hinsichtlich der Zukunft gemacht, denn Deutschland verfug« über einen
gewaltigen, gut, ausgerüsteten Wirtfchafts- organismus. Die Sachverständigen haften gezeigt, datz es ebenso ungerechtfertigt sein würde, eine Periode groher Prosperität oder eine Periode der Depression als Grundlage für die Beurteilung der Lage eines Landes annehmen zu wollen.
Frankreich werde eine Reduktion an bet Reparationszahlungen nur in ixm Matze annehmen, in dem Herabsetzungen auch an de» Kriegsschulden bewilligt würden.
«Lebhafter Beifall.)
Laval erinnerte dann an die Stellungnahme Frankreichs zur Frage der ungeschützten Annuitäten und unterstrich, datz dte auf Grund des Poungplanes eingegangenen Der- pftichtungen definitiven Charatter trugen. Man könne an diesen Verpflichtungen nichts ändern. Man könne die Lasten höchstens durch Moratorien erleichtern.
Hierauf ging Laval zum Abrüftungs- probl em über. Frankreich werde seine schon immer eingenommene Haltung auftecht- erhalten und sich auf keine Improvisierung, die seine Sicherheit gefährde, einlassen. (Lebhafter Beifall.)
Seit zehn Jahren sei Frankreich mit gutem Beispiel wrangt ganzen <?), indem
Berliner Universität geschlossen
Schlägereien wegen der Kammerwahlen
Berlin, 22. Jan. In der Elfnhr- pause kam es in der Universität am Freitag zu schweren Znsammenstöhen und Schlägereien zwischen linksstehenden und rechtsstehenden Studenten. Rach einem Wortwechsel fielen Kommunisten und Sozialisten über eine Anzahl von Verbindungsstudenten her und risien ihnen die Mützen und Bänder herunter. Als Folge davon stürzten sich begreiflicherweise nicht nur die in der Nähe befindlichen Verbindungsstudenten, sondern auch sehr viele andere rechtsstehende Studenten auf die Angreif er. Es gelang dem Rektor trotz aller Bemühungen nicht, die Ordnung wieder herzustellen. Das lleberfall- kommando räumte mit dem Gummiknüppel die Vorhalle der Universität. Sieben Verhaftungen wurden vorgenommen, darunter ein Nationalsozialist, ein Reichsbannermann und vier Kommunisten. Die Unruhen setzten sich im Borhof weiter fort Da im Saufe der nächsten Stunden noch kleinere Zusammenstöße vorkamen und eine Wiederholung in verstärktem Matze zu befürchten ist, schlotz der Rektor bis «ach Beendigung der Wahlen die Universität Montag morgen soll die Universität wieder geöffnet werden.
Gegen Professor Dehn
Halle, 21. Jan. Am Mittwoch abend fand eine Studentenversammlung statt, an der über 1000 Studierende der Universität Halle tektnahmen. Der erste Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft Halle, cand. rnath. Börner, ging nach kurzem Ueberblick über die Ereignisse seit der Berufung Dehns auf das Nachwort der kürzlich von Dehn herausgegebenen Verteidigungsschrift „Kirche und Völkeroer - söhnung — Dokumente zum Halleschen Uni- versftätskonflikt" em. Solange Professor
Dehn an der Alma mater hallensis lehrt, solange wird auch der Kampf der Studentenschaft nicht ruhen. Wft werden dem weiteren Verbleiben dieses Dozenten die Leru- f reib eit entgegensetzen. Wir werden dafür sorgen, datz die nach Halle kommende akademische Jugend hier nicht mehr eine Atmosphäre vorfindet, in der ein sachliches Arbeiten unmöglich ist. Wenn Professor Dehn im Sommersemester noch in Halle liest, dann hat jeder Kommilftone die Pflicht, Halle zu meiden.
Der Dekan der juristischen Fakultät, Professor Dr. Böhmer, der von der Versammlung lebhaft begrübt wurde, erflärte in einer Ansprache,
in dem Kampf, den die Studentenschaft führ«, stehe et aus vollem £>etjen auf ihrer Seite, und die überwiegende Mehrheft der Dornten stehe hi der gleichen Front. Dieser Kampf solle und müsse weitergeführt werden.
Professor Dehn habe in seinem Schluhwort nicht nur die Studenten in ihrem lauteren Wollen angegriffen, sondern zugleich an der Dozentenschaft, die am Gedenktage von Langemark den Studenten die Hand reichte, Kritik geübt Die Studentenschaft solle sich aber bei ihrem Kampf nutzt ms Unrecht setzen, sondern in Erinnerung an den legalen Weg Hitlers wetterhinmustergültige Disziplin bewahren. Die Dozenten- chast werde, wie auch immer der Ausgang ein möge, auf der Seite der Studenten tehen: der Enderfolg werde dann sicher sein.
Eine Entichlietzung wurde angenommen, die sich gegen die Schrift Professor Dehns und sein weiteres Verbleiben an der Lalleschen Unioersftät richtet
Der Rektor der Universität HM« im Kultusministerium.
Berlin, 22. Jan. Der Rektor der Universität Halle ist in Berlin eingetroffen. Er wird zunächst in der Hoch- schulabteilung des Ministeriums Bericht erstatten über die letzten Vorgänge im Falle Dehn. Ob und wann eine Besprechung mit Minister (Stimme stattfinden wird, steht noch nicht fest. Ob die jüngste Entwicklung, wie behauptet wird, die Gefahr einer S ch l i e tz u n g der Universität tatsächlich akut werden läßt kann im Augenblick noch nickt überieben werden.
CH «ff «okX LafMA
TS ItURll ytvööl ÖTjMmiu unu fvHlC Rüstungen herabgesetzt habe.
Es werde sich damft nicht begnügen. Es werde positive Vorschläge machen und im Hinblick auf die Verwirklichung der politischen Bedingungen sofottige gegenseitige Hilfe- teistungsoorschläge unterbreiten. 3um Schluh ging er auf die Neubildung seines Kabinetts ein. Laval wurde, als er die Rednertribüne verlieh, von den Abgeordneten der Regie- rungsrnehrheft stehend eine Huldigung dargebracht
Paul Boncour vertritt erneut Frankreich unnachgiebigen Rüstungs-Standpunkt
Paul Boncour, der stellvertretende Vorsitzende der französischen Abordnung für die Abrüstungskonferenz, legt im „Exce 1« f i o r“ den französischen Standpunkt auf der Abrüstungskonferenz dar. Seine Ausführungen gipfeln in der Feststellung, datz Frankreich zur Rüstungsbeschränkung in dem Matze bereit sei, wie ihm internationale Sicherheitsrücksichten geboten würden. Er weist alsdann darauf hin, datz in den letzten Monaten ein Sonderausschuß die französischen Grundsätze für die Abrüstungskonferenz genau ausgearbeitet habe. Diese Grundsätze stimmten mit den von ihm selbst vertretenen Ansichten vollkommen überein.
Sie bedeuten eine logische Fortsetzung der in Genf seit vielen Jahren vertretenen französischen Polittk. Obwohl viel Optimismus dazu gehöre, jetzt schon zu einer Abrüstungskonferenz zu gehen, müsse man doch hingehen, um einen Mißerfolg zu vermeiden. Es muffe wenigstens einen Stillstand der Rüstungen (!) erzielt werden, da sie die Welt in neue Gefahr zu stürzen drohten.
Das beziehe sich besonders auf die
EeheimrÜstnngen gewisser (!) Länder, die an allergefährlichsten seien, da sie sich nicht klar erfassen ließen.
Frankreich werde auf der Konferenz den Rechtsgedanken verteidigen.
Pressestimmen
Die gestrige Rede des französischen Ministerpräsidenten Laval findet in der Berliner Presse fast durchweg eine sehr tri« rische und ablehnende Beurteilung. 3n den Kommentaren aller Blätter kommt in mehr oder minder scharfer Form zum Ausdruck, wie wenig diese Rede geeignet fei, die gegenwärtige Krise zu überwinden.
Die „Germania" sieht in der Rede nur eine Verschleierung der Tatsache, daß Frankreich jede Führungsmöglichkeit entglitten sei ünd daß es mit dem Bleigewicht unverstandener Verträge im Troß der Krisenmächte einhermarschiere. Man könne sich dem Eindruck nicht verschließen, daß die Aufrechterhaltung des Poungpla- nes von Laval als eine innen- und außenpolitische Prestigefrage bettachtet werde.
Die „Vossische Zeitung" sagt, wie schwer „der Weg zueinander" zu finden und wie langsam zu durchmessen« sei, das zeige Lavals Rede. Aus der Gegensätzlichkeit der Thesen ergebe sich, daß im Augenblick von einer internationalen Konferenz eine Ueberbrückung der Meinungsverschiedenheit noch nicht zu erwatten wäre. Mehr als eine Zusammenkunft werde dazu nötig sein.
Das „Berliner Tageblatt" betont, es müsse Herrn Laval noch einmal mit Nachdruck versichert werden, daß nicht em böser Wille auf deutscher Sette triebkräftig sei, sondern das einfache Nichtver- mögen. Dieser Tatsache werde sich auf die