Sie wollen immer noch nicht!
Was tut die deutsche Regierung?
Havas kündigt die Verschiebung der Lausanner Konferenz an —
Er habe persönlich berechtigte Zwei- it, daß eine parlamentarische 33 eriän-
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Hitler an Brüning
Der Inhalt der Denkschrift — Brüning will antworten
Während eine Kasseler Zeitung sich aus Berlin drahten Täfel, man nehme m emge* weihtm Kreisen die Denkschrift Hitlers nicht altzu wichtig, wird amtlich mit geteilt, datz die Reichsregierung nicht verfehlen werde, die darauf zu erteilende Antwort ebenfalls der Oeffentlichkeit bekannt zu geben.
fel, daß eine parlamentarische Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten zulässig ist, wenn in der Verfassung ein wirkliches Fundament staatlichen Lebens erblickt werden soll. Sollte aber trotzdem die Auslegung, daß eine Zweidrittelmehrheit des Reichstages entgegen den Bestimmungen der Reichsverfassung einer Sons» abstimmung gleichzufetzen sei, angenommen werden, dann müsse seines Erachtens zumindest eine selbstverständliche Voraussetzung erfüllt sein:
fl. London, 19. Jan. Die e n g l i s ch e Regierung hat wegen der Lausanner Konferenz in Paris einen Bermitt- lungsvorfchlag gemacht, der die Ausdehnung des neuen Tributmoratoriums bis zu einem Fahr vorsieht. Von diesem Vor- Wag ist am Montag auch die Reichsregie- mng durch England unterrichtet worden. Die französische Regierung hat ihrerseits In England eine Verlegung der Tri- butlonserenz bis zum Zusammentritt der Genfer Abrüstungskonferenz vorgeschlagen.
In einer sichtlich offiziösen Charakter tragenden Auslassung erklärt die Agentur H a o a s unter Hinweis auf die gegenwärtig zwischen den am Youngplan interessierten Mächten geführten diplomatischen Verhandlungen und insbesondere den gestrigen Besuch des deutschen Botschafters bei Ministerpräsident Laval: Wegen der Wahlen, die im Laufe des Jahres in Frankreich, Deutschland und den Bereinigten Staaten stattfinden sollen, verbreitet sich in den interessierten inten nationalen Kreisen immer mehr die Ansicht, datz man gegenwärtig unmöglich zu einer detaillierten endgültigen Lösung des Reparations- nnd Kriegsschuldenproblems gelangen kann. Man scheint jetzt in Paris und London darüber einig zu sein, für Deutschland das am 1. Juli 1932 ablaufende Hoovermoratorium lediglich zu erneuern und unter gleichen Bedingungen für sechs Monate oder ein Jahr zu verlängern. Gleichzeitig würden die europäischen Schuldner der Bereinigten Staaten, die Gläubiger- onsprüche an Deutschland haben, in einet gemeinsamen Erklärung für ihre Rechnung von der amerikanischen Regierung als Bedingung und während der Dauer des neuen Deutschland zu bewilligenden Moratoriums gleiche Behandlung fordern. Wenn die Berständigung auf dieser Grundlage zwischen den Unterzeichnern des doungplanes auf diplomattschem Dege erzielt werden kann, wird die L a u - sannet Konferenz vorläufig gegenstandslos werden, da der Kern des Problems nicht vor Ablauf des Jahres von den interessierten Regierungen erörtert werden wird. Unter diesen Umständen könnte eine Zusammenkunft von Finanzsachverständigen für die Ausarbeitung eines zwecks stillschweigender Verlängerung des laufenden Hoovermoratoriums notwendigen Abkommens genügen.
In englischen Kreisen wird ausdrücklich hervorgehoben, datz die deutschen Forderungen auf Inangriffnahme einer endgültigen Lösung der Tributfrage von englischer Seite zwar zur Kenntnis genommen worden seien, datz sie jedoch nach englischer Auffassung nicht eine Bedingung darstellen, die sich an der Teilnahme Deutschlands an der Konfenrenz knüpft.
Botschafter von H o e s ch hatte am Montag eine neue Unterredung mit Laval, wobei sich ergab, datz Frankreich
erhattungsgründen keine Wahlenbrauchen könne, während umgekehrt alle antz en- politisch en Erwägungen sie gebieterisch erforberten.
Für künftige außenpolitische Erfolge sei unvermeidliche Voraussetzung die nmm- polttische Ueberwindung der weltanschaulichen und parteilichen Zersetzungsarbett, die mit dem November 1918 einst ihr Ziel erreicht und Deutschland dorthin gettieben habe, wo es sich heute befindet.
Httler sehe daher in jedem Vorgang, der zur Ueberwindung des heutigen Systems führen kann, einen außenpo- litischen Gewinn Deutschlands. Er sehe darin die einzige Möglichkeit, die deutsche Nation wieder vom Objett des außenpoltti- schen Geschehens zu einem wertvollen Mitglied der zivilisierten Staatengemeinschaft zu machen.
Die Denkschrift schließt:
Auch aus diesen Erwägungen heraus mutz ich daher einen Versuch ablehnen, der nt der ganzen Art seiner Durchführung mir em Beweis dafür zu sein scheint, datz man auf die- Srt Wege ein System zu retten geben#, ssen Vernichtung bie Lebensvoraussetzung ber brutschen- Nation ist. Im übrigen rst es auch noch eine Frage ber Moral, zumindest in unseren Augen, ob es erträglich erscheint, jahrelang als Staatsfelnbe verfemt zu werben, um bann als Menschen zweiter Klasse plötzlich mit dem Vorantritt bei einer Rettungsaktion beehrt zu werb en, bereu Wortführer anscheinend fern Gefühl für bas berechtigte Erstaunen ber also Bevorzugten besitzen. Auch aus bieier Empfindung heraus muh ich baher Ihren Vorschlag, Herr Reichskanzler, ablehr.en. Ich bebaute nur nochmals, bah in diese Aktion zur Rettung des Systems der Name des Reichspräsidenten einbezogen wurde, für den wir Mitkämpfer des grohen Krieges als den Eeneralfeld- marschall unserer Heere unveränderliche ehrerbietige Dankbarkeit empfinden.
Dr. Oberfohren über politische Tagesfragen
Kass 61*18. Jan. Bei einer Reichsgrün- dungsfeler der Kasseler Deutschnationalen hielt der Vorsitzende der deutschnattonalen Reichstagsfraktion, Dr. O b e r f o h r e n , eme Ansprache, in der er sich u. a. auch nut den Fragen der Reichspräsidentenwahl und der Außenpolitik beschäftigte. Er führte u. a. aus, die nationale Opposition mache der Reichsregierung und vor allem dem Reichskanzler den Vorwurf, dah sie durch ihre Aktion die Präsidentschaft des Eeneralteldmar- schatts von Hindenburg auf parlamentarischem Wege zu verlängern, die ehrwürdige und vom deutschen Volk als Symbol empfundene Figur des groben Heerführers verkleinert habe.
Der Reichskanzler habe die überragende « Figur nur vorgeschoben, mn seine eigen« schwankend« polttische Cristen; zu stützen.
Wenn Dr. Brüning ohne politische Zielsetzung bie Verlängerung der Präsibentschaft bes Ge- neralfelbmarlchalls wolle, barm könne er bas nur erreichen, wenn er selbst von bet politischen Bühne abtrete. Ohne Erfüllung dieser Voraussetzung werde der Reichskanzler sein Ziel nie erreichen.
München, 18. Jan. Im Anschluß an die Verhandlungen der Reichsregierung wegen der Verlängerung der Amtszett des Reichspräsidenten hat der Führer der NSDAP., Hit le r, dem Reichskanzler eme Erklärung übergeben, die nunmehr veröffentlicht wird.
Hitler erinnert zunächst an seine Besprechungen mit dem Reichskanzler, dem Reichsmnen- minister und dem Staatssekretär Dr. Meißner, in welchen er seine Bedenken gegen bie Absicht der Verlängerung ber Amtszett des Reichspräsibenten durch Reichstagsbe^chluh vorgebracht habe, und erklärt, seinen Bemühungen sei es gelungen, einen Weg zu finden, der es ermöglicht haben wurde, die Person des Reichspräsidenten aus dem peinlichen Zusammenhang mit ber bezeichneten Aktion zu bringen.
Httler sei nicht in der Lage, bk Aktion des Reichskanzlers als möglich anzusehen, sowohl vom rein verfassungsmätzigen Standpunkt aus Äs auch auf Grund einer politischen Ueberprüftmg.
Dk Zusammensetzung des Reichstages müsse den augenblicklichen und wttklichen Willen des Vrllkes tatsächlich zum Ausdruck bringen.
Alke sonst gegen eine Neuwahl angeführten Gründe innen- und außenpolitischer Natur könnten niemals ein Freibrief zur Verletzung der Verfassung fern.
Zu der Auffassung bes Reichskanzlers, daß bie schwierigen außenpolitischen Der- hanblungen keine innenpolitischen Wahlen vertrügen, bemerkt Httler, daß bas innenpolitische Regiment in Deutschlanb, besten Gesamtverantwottlichkeit für bie Sage _ bes Reiches seit 12 Jahren man nicht zu bestreiten vermöge, aus inneren politischen Selvst-
„Morning Post" sagt in ihrem Finanzteil, die City nehme an, datz m einigen Monaten die Bedingungen für eine gründliche Prüfung des Reparationsund Schuldenproblems besser sein werden. Gleichzeitig herrsche natürlich wegen der Lage in Deutschland einige Unruhe.
„News Chronicle" führt aus, es seit nicht ratsam, die französische ober die deutsche Regierung zu veranlassen, sich in der Reparationsfrage vor den Wahlen unwiderruflich festzulegen. Nach den Wahlen aber müsse eine für jedermann verständliche Politik zustande kommen, die das amerikanische Volk bei seinen eigenen Wahlen im November vor Augen haben werde.
Finanzsachverständige bei Macdonald.
Am Montag hatte Macdonald eine Unterredung mit mehreren Finanzsachverständigen, darunter Sir Josiah Stamp, Mc. K e n n a und Sir Walter L a y t o n, wobei die Tribute und Maßnahmen zur Verbesserung der englischen Handelsbilanz erörtert wurden.
Vor der französischen Regierungserklärung
ft Paris, 19. San. Am Dienstag nachmittag wirb sich bas umgebildete Kabinett Laval der Kammer vorstellen. Laval wiro eine Regierungserklärung abgeben, die sich in erster Linie mit der Tribut- und Abrüstungsfrage beschäftigen wird, und ein Vertrauensvotum fordern. Man rechnet allgemein mit einer kurzen Rede, die etwa zwischen 15 oder 16 Uhl beginnen dürste. In Regierungskreisen nimmt man an, daß die Regierung bei der Abstimmung eine Mehrheit von 40 bis 50 Stimmen erhalten wird. _ ES verlautet ferner, daß Laval auch die Grun.de der letzten Kabinettskrise berühren wird und auf die innerpolitische Lage eingeht.
In der Kammer waren bis geftem abcnd im ganzen 13 Anfragen eingegangen, die sich hauptsächlich auf die Tribut- und Ab- rüftungsfrage sowie auf die Lage in Deutschland beziehen. Angesichts der langen Rednerliste rechnet man damit, dah es heute noch nicht zur Absttmmung über baS Vertrauensvotum kommen wird, doch ist die Anberaumung einer Nachtsitzung nicht ausgeschlossen.
bisher erfolglos. England wünsche noch immer eine endgültige Regelung ober einen möglichst großen Fortschritt in dieser Richtung, während Frankreich ein Moratorium von 2 Jahren mit Nachprüfung der Tributfrage am Ende der Periode vorziehen würde. Macdonald werde wahrscheinlich nicht an der Konferenz teilnehmen, da sie durch die Beschränkung ihres Programms viel von ihrer Bedeutung einbüßen würde.
„Time s" erklärt, es sei noch immer unsicher, ob die Lausanner Konferenz zustande kommen werde. Aus jeden Fall werde Sir John Simons am Sonnabend planmäßig abreisen, da die Tagung des Völkerbundsrates am gleichen Tage beginne. Im Eityteil der „Times" heißt es, das Gefühl der Enttäuschung für den Fall, daß die Lausanner Konferenz vertagt werden sollte, werde wahrscheinlich „bald verschwinden, da das Reparationsproblem einer Lösung ständig näher kommt".
erst nach der Kammerentscheidung seine endgültigen Beschlüße über Lausanne treffen wird.
Die Londoner Presiemeldungen von heute früh betrachten es als wahrscheinlich, daß die Lausanner Konferenz sich nur mit einer Verlängerung des Moratoriums für Deutschland befassen wird. Pertinax berichtet dem „Daily Telegraph' unter Hinweis auf die Havaserklärung von heute nacht, es bleibe abzuwarten, ob die deutschen Minister mit einer solchen Lösung einverstanden wären. Sollte die deutsche Regierung beabsichtigen, eigene Vorschläge zu unterbreiten, bann werde bie Konferenz in Lausanne zusammentreten müßen. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet bann über den französischen Vorschlag, die Konferenz bis zum Zusammentritt der Abrüstungskonferenz zu verschieben.
Der diplomatische Korrespondent der „Morning Post" schreibt, die englisch- französischen Besprechungen in Paris seien
Anzeiger fiir (das frühere kurhessische) Overhessen Anzeiger der amtliche« Bekanntmachunge« für Stadt und Kreis Marburg.