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Anzeiger für (das frühere kurhefsische) Oberhessen ,
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Vertagung der Konferenz?
Gefährliche Wendung — Anpassung Englands an die Verschleppungstaktik Frankreichs
Der gewöhnlich gut unterrichtet« „Petit Pari sie n" behauptet, aus zuverlässiger Quelle erfahren zu haben, datz die französische Regierung einer Verschiebung der Tributkonferenz bis zum Ablauf des Hooverjahres nicht abgeneigt gegenüber stehe.
Die französische Regierung sei um so eher geneigt, sich einem derartigen Vorschlag (?) anzuschliehen. als sie nach wie vor eine vorherige Berständi- ' gang mit England für notwendig erachte, und diese Verständigung bis zur t Stunde noch nicht möglich gewesen sei. | Eine derartige Verschiebung, so betont das [ Blatt, würde es ermöglichen, die augen- M ilickliche Krise genau zu verfolgen «ad ff Deutschland sodann konkrete Vorschläge zu »terbreite«.
In einem offensichtlich inspirierten Artikel wirft der Autzenpolitiker des „P e t i t - Parisien" die Frage auf, ob es nütz- . sich sei. die Lausanner Reparationskonferenz überhaupt abzuhalten. Der Erfolg dieser Konferenz hänge von dem Erfolg der Verhandlungen zwischen London und Paris ab. Man hält es französischerferts ' für unmöglich, dem deutschen Schuldner Reparationsnachlatz zu gewähren, ohne vorher von dem amerikanischen Gläubiger eine entsprechende Zusage erhalten zu haben. Obwohl sich in England eine gewisse Tendenz im Sinne der französischen Tbese bemerkbar zu machen scheine, bleibt die Meinungsverschiedenheit auherordent- lich grotz. Die Zeit bis zum Konferenzbeginn sei so kurz, datz eine vorherige Verständigung sich als unwahrscheinlich heraus- stellt. Auch der englische Wirtschastspolr- tiker Keynes habe auseinander gesetzt, datz die Lage für eine endgültige Regelung auf der Lausanner Konferenz noch nicht reif sei.
Dr. Brüning werde in Lausanne seine Haltung nicht fühlbar ändern, und seine Stellungnahme werde immer darauf hinauslaufen, datz Deutschland nicht mehr zahlen könne. Der Vertreter Frankreichs könnte eine derartige Erklärung nicht mit anhören, und das würde die deutsch-französischen Bemühungen nicht gerade verbessern. Statt der gewünschten Entspannung laufe man also Gefahr, nur eine Verschärfung der gegenwärtigen Lage herbeizuführen, und das am Vorabend der Abrüstungskonferenz, die an sich schon genügend Gründe zu Meinungsverschiedenheiten bieten werde. Es wäre also vielleicht vorteilhaft, die Lausanner Konferenz zu vertagen, und die Zeit bis zum 1. Juli dazu zu benutzen, um über das äußerst verwickelte Reparations- und Schuldenproblem ein Verständigungsterrain mit England zu suchen und zu finden.
Der Autzenpolitiker des „Petit Pari s i e n" fügt hinzu, datz man in interessierten französischen Kreisen diese Ansicht zu teilen scheine.
Briand verläßt Paris.
Der bisherige Außenminister Briand wird Paris vorübergehend noch im Laufe des heutigen Sonnabend verlassen und sich auf seinen Landsitz C o ch e r e l begeben. Die Dauer seines dortigen Aufenthaltes ist noch nicht bekannt.
Deutschland gegen jede Verschiebung.
Zu den in einem Teile der ausländischen Presse umlaufenden Gerüchten über eine Verschiebung der Konferenz von Lausanne wird in unterrichteten Berliner Kreisen mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, daß der Standpunkt der deutschen Regierung sich in keiner Weise geändert hat. Es könne nur immer wieder betont werden, daß angesichts der im Baseler Gutachten festgestellten „Gefahr im Verzüge" eine Verschiebung der Konferenz nicht stattfin-
chen darf und der angekündigts Dermin unbedingt eingehalten werden muß.
Amerika und die Schuldenfrage.
fk. Washington, 16. Jan. Der Senator Reed, der der Hooververwal- tung nahe steht, erklärte es als undenkbar, daß die Vereinigten Staaten zeitweilige Vorschläge für eine Schuldenrevision auf Grund vorübergehender verringerter Zahlungsunfähigkeit nicht wohlwollend in Betracht ziehen würden.
Zum 18. Januar
Don Konteradmiral a.D. Brüning haus.
In der Thronrede zur Eröffnung des Norddeutschen Bundes, der, als bedeutsamste Etappe auf dem Wege zur Reichstzründung, am 1. Juli 1837 gegründet wurde, finden sich die Worte: „Einst mächtig, groß und geehrt, weil einig und von starken Händen geführt, sank das Deutsche Reich nicht ohne Mitschuld von Haupt und Gliedern, in Zerrissenheit und Ohnmacht." Diese Worte hätten auch geprägt werden können, als wir im November 1918 das jammervolle Ende eines heldenhaften Ringens erleben mußten. Wenn heute, nach einem politischen und seelischen Zusammenbruch, wie ihn die Welt nie zuvor sah, das Reich noch hält, wenn es die Irrungen und Wirrungen der nachrevolutionären Zeit' überdauert hat, so ist dies der eindruckvollste Beweis dafür, wie stark innerlich das in Blut und Eifen geschmiedete Deutschland noch ist. wie genial und dauerhaft die Ltaatskunst eines Bismarck die widerstreitenden Gewalten und Meinungen in unserem Vaterlands zusammenzuführen verstanden hat. Wer die Geschichte der Reichsgründung kennt, weiß, unter welch' unsäglichen Schwierigkeiten sie schließlich zustande gekommen ist. Heute steht das Werk unserer Väter nocy, aber gewaltig wird an seinem Bestand gerüttelt, nicht nur von außen, sondern auch nach (rote es scheint) unausrottbarer deutscher Sitte, von innen.
Bismarck selbst wußte, als er die erste Berfassung des Deutschen Reiches schuf, mit welchen Mängeln sie behaftet war. Er ging in seiner Selbstkritik beinahe eben so weit, wie ein bekannter liberaler Führer, der seine Ansicht in mehr drastischer als formvollendeter Weise in die Worte kleidete: „Häßlich ist das Mädchen, aber geheiratet werden muß es doch." Die Verfassung enssprach ober besser gesagt konnte nicht entfernt den hochgeheb- den Erwartungen entsprechen, - die die stärksten Verfechter des Reichsgedankens auf bas gemeinsame Erlebnis eines gewonnenen Krieges gegen ben Grbfemb gesetzt hatten. Und welchen Ausschroung hat unser Land doch unter dieser viel angefeindeten Verfassung bis zum Ausbruch des Weltkrieges genommen! Ob die nahezu treibhausartige Entwicklung, besonders auf industriellem Gebiet, unserem Bolke nur zmir Segen gereicht hat, mag bezweifelt werden. Fraglos hat der rapide Emporstieg zu Wohlstand, ja Reichtum mit dazu beigetragen, die der deutschen Wesensart eigentlich fremde Hinneigung zu einem übersättigten Materialismus mehr zu züchten, als es gut war. Wer aber, rote es nach dem Umsturz oft geschah und auch heute noch geschieht, an dem altert Deutschland nur herumnörgelt und kein gutes Haar an ihm läßt, der hat keinen Hauch jener erhabenen Größe verspürt, die mit der Reichseinheit auf erotge Zeiten verbunden ist, schon um deswillen, weil ln ihr das jahrhundertlange Sehnen der Besten unseres Volkes verwirklicht wurde. Töricht der, der da glaubt, die ungeheuren Umwälzungen politischer, wirtschaftlicher und sozialer Natur, die der Weltkrieg mit seinen Folgeerscheinungen gebracht hat, mit einer Handbewegung beiseite schieben zu können, ein Phantast der, der da glaubt, den Zeiger der Weltuhr auf die Zeit von vor dem 4. August 1914 zurückstellen zu können. Em Schädling an seinem Lande und ein kümmerlicher Deutscher aber -auch der, der kein Verständnis für die ungeheuren Leistungen auf- bringen kann, die das Reich vier Jahre lang gegen eine Welt von Feinden aufzuweifen hatte, keine Bewunderung für jenen > heroischen Abwehrkampf, der dem Feinde bas Betreten beutfcken Bobens erst nach bent sogenannten WafsenstiNstanb erlaubte. Der mit Unrecht so viel geschmähte Militarismus war in Wirklichkeit übet vierzig Jahre bet stärkste Hüter bes europäischen Friebensund der wirksamste Schutz der deutschen Wirtschaft und des deutschen Arbeiters gewesen. Unsere Feinde wußten schon, was sie taten, als sie uns in dem unseligen Friedensdiktat von Versailles, das die' Welt nicht zur Ruhe kommen läßt, die allgemeine Wehrpflicht nahmen, und damit die stärkste Möglichkeit,
Wirtschaftliche Gründe
Auffallende Befestigung
Berlin, 15. Jan. Das englische Pfund, das bereits gestern eine bemerkenswerte feste Haltung gezeigt hatte, konnte sich heute weiter den führenden Devisen gegenüber befestigen. Gegen den Dollar zog es heute bis auf 3,50 an, stellte sich also um 9 Dollarcents höher als gestern und um etwa 27 Cents höher als der Niedrigftkurs vom 7. Dezember. In internationalen Devisenkreisen, vor allem aber in der Londoner City, führt man die feste Haltung des Pfundes auf verschiedene Gründe zurück. Zunächst sollen französische Kreise in stärkerem Maße als Käufer von Pfunden aufgetreten sein, und eine Bestätigung hierfür ist die schwache Hal-
Endlösung erst später?
Die „Times" erklärt in feinem Leitartikel, man könne sich kaum vorstellen, datz die verderblichen politischen Zahlungen, ausgenommen in einem kleineren Umfang (!), wieder beginnen dürften, nachdem sie einmal durch die grohzügige Geste Hoovers eingestellt worden seien. Es verlohne sich, viel Zeit und Geduld zu verwenden, um eine Dauerlösung herbeizuführen, die von allen angenommen werden könne. Sollte sich Herausstellen, datz eine Einigung im Augenblick nicht erreicht werden könne, fo werde es das Veste fein, eine kurze Verlängerung des Hoover- Moratoriums herbeizuführen, die verbunden sein müsse mit dem festen Versprechen aller Beteiligten, datz sie sich im Laufe dieses Jahres erneut treffen, um eine Lösung zu erreichen.
Die ««bestreitbare Tatfache, daß Deatfch- land «ach Ablaaf des Hoover-Morato- riams keine Tribute zahlen kann, müsse der Ausgangspunkt der Lausanner Konferenz fei«.
Dies werde auch von Frankreich anerkannt. England verstehe völlig die Gründe, die gegen eine Aufgabe der Rechte aus dem Youngplan fprechen. Es fei sich auch darüber klar, daß Deutschland im Falle einer völligen Schuldenstreichung viel geringere Schulden haben würde, als seine industriellen Gegner. Die „Times" erinnert dann daran, datz England sich stets für eine allgemeine Schuldenstreichung eingesetzt habe. Die Zahlung der Regierungsschulden habe nicht nur die Eeldwirtschast allgemein geschaffen, sondern auch den Ländern größere Schwie-
des englischen Pfundes
tung bes französischen Franc dem Pfunde gegenüber mit 89,06. Ein weiterer Faktor sind die fortgesetzten Goldzufuhren aus Indien, mit denen man auch noch für die nächste Zeit rechnet, und die Beibehaltung > des englischen Diskontsatzes. Einen günstigen Eindruck machte ferner der letzte Wochenausweis der Bank von England, aus dem eine weitere Stärkung der Position des Zentralnoteninstitutes herdorgcht. Hinzu kommt, daß man in Londoner Fi- nauzkreifen sich der Hoffnung hingibt, daß für die nächste Zeit Angriffe auf das Pfund von feiten der Federal Reserve Angriffe auf das Pfund von feiten der Federal Reserve Dank of Reuhork oder der Banque de Franc nicht erfolgen werden.
rigkeiten in ihren Staatshaushalten bereitet, zu denen das Gold hineinflietze.
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meint, es sei Tatsache, datz Frankreich und Deutschland sich schon damit abgefunden hätten, datz auf der Lausanner Konferenz nur vorläufige Matznahmen getroffen würden. Er rechnet damit,, datz Fühler wegen einer möglichen Verlängerung des Hoover-Moratoriums schon jetzt ausgestreckt werden.
„E c o n o m i st", die Finänzwochen- schrift Sir Walter Laytons, stellt die Lage so dar, daß Deutschland entweder einen Plan annehme, der die Wiederaufnahme allerdings wesentlich herabgesetzter Zahlungen in der Zukunft vorsehe, oder der englischen Unterstützung gegenüber größeren Forderungen verlustig gehen werde.
Der Plan der französische« Reichsbahnbonds.
Entgegen den Erklärungen, daß der französische Plan, die ungeschützten deutschen Zahlungen durch Eisenbahnobltga- ttonen abzudecken, in London endgülttg aufgegeben worden ist, wird von anderer Seite behauptet, daß sich englischerseits der Hauptwiderstand nur dagegen richte, auch Amerika einen Teil der Eisenbahnobligationen anstelle von Schuldenzahlungen zu überweisen. Englischerseits erhebt man auch noch Einwände gegen die von Frankreich vorgeschlagene technische Behandlung der Frage. Im ganzen genommen, scheint es also fraglich, ob dte englische Polittk auf die Heranziehung der Deutschen Reichsbahn bei der endgültigen Lösung der Tributfrage bereits Känz- lich verzichtet hat.