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Oberh«ssis-e Zeitung, Marburg <t L. FreUag, bet 15. Januar 1932

Rr. 12

Aus der Umgegend

«reiö Marburg

Sterzhaufen, 14. 3an. Das 7. Bun­de s f e st des Lahntalradfahrer- bunbes e. D. findet am 2. und 3. Pfingst- feiertag in Sterzhausen statt. Die Veran­staltung hat der Radfahreroerein „Wander­lust" Sterzhausen übernommen. Näheres wird noch bekannt gegeben.

«relö Siegenhatn

a. Ziegenhain, 14. San. Der Kur- Hess ische Snnglanbbunb hielt eine FührertaguM vorn 4.—8. Januar in Los­hausen, an der 60 Sungbauern aus 12 Krei­sen teilnahmen. Für den erkrankten Pfarrer Fritsch muhte Fenuer-Obergrenzebach die Lei­tung der Tagung übernehmen. Es wurde über die verschiedensten Fragen, die den Bauernstand betreffen, gesprochen.

Treysa, 14. San. Man schreibt uns: Sonnabendabend fand in Ziegenhain im Saale vom „Rosengarten" ein Kok onial- abenb statt. Der Saal war sehr gut besetzt, was nicht anders zu erwarten war, da als Redner für diesen Abend der weit über die Grenzen unserer Heimat bekannte Kolonialdeutsche Eöttig über seine Ein­drücke in Afrika und die jetzige Stimmung der Eingeborenen in bezug auf die Wieder­erlangung von Kolonialbesitz sprechen sollte. Der Redner verstand es, in autzerordentlich guter Weise die Anwesenden derart von dem Kolonialgedanlen $u überzeugen, dah er mehrfach durch stürmischen Beifall unter­brochen wurde. Auch die Lichtbilder gefielen so gut, dah ein zweiter Kolonialabend ge­wünscht wurde. Die Begeisterung war durch die Schluhworte des Redners so gestiegen, dah einer der Anwesenden zum Rütlischwur aufforderte, wozu sich die Menge einstimmig bekannte und stehend das Deutschlandlied fang.

Kreis Medenkooi

0 Biedenkopf, 14. San. Der Haupt­vorstand des Vereins für das Deutschtum im Auslande hat der hiesigen Schutzruppe am Gymnasium in Anerkennung der Mitarbeit an dem schönen Hilfswerk für das Deutschtum in der Welt zum zweiten Male die silberne Ehrenplakette verliehen.

Biedenkopf, 14.-San. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeug- N i f"| e sind auch im Kreise Biedenkopf 'sehr abgeschlagen. Butter wird hier mit 1,00 bis 1,10 Mark das Pfund angeboten: Milch zum Preise von 20—24 Pf. geliefert. Auch die Eier sind im Preise gesunken. Zum Teil ver­kaufen die Bauern die Erzeugnisse wesentlich unter Friedenspreis.

0 Dodenau, 14. San. Den 85. Ge­burtstag beging dieser Tage der Landwirt Karl Becker I von hier in körperlicher und geistiger Frische.

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ScssenÄlisjan mMachbmgebiele

Herabsetzung der Gas« und Stromtarif« ht Hanau.

Hanau, 14. San. Der Verwaltungs- ausschllh der Gas-, Elektrizitäts- und Wasser­werke hat eine Herabsetzung des Easpreises von 25 auf 23 Pf. je Kubikmeter beschlossen. Der Strompreis für Kleinkraftabnehmer wird ebenfalls gesenkt. Der Preis für Koks wurde um 20 bis 30 Pf. gesenkt.

Zum Tode der Königin-Mutter von Griechenland.

Frankfurt a.M., 14. Ian. Die in Frankfurt a. M. verstorbene Königin-Mutter Sophie von Griechenland, eine Schwester des ehemaligen deutschen Kai­sers, hat an einem Magenleiden gelitten und war seit Mitte November in Behandlung von Professor Dr. Grote in der C. von Noorden- Klinik. Es mutzte eine Operation vorgenom- men werden, die aber eine Heilung des Lei­dens nicht brachte, weil es bereits zu weit vorgeschritten war. Die kranke Königin war nicht mehr transportfähig und mutzte deshalb in Frankfurt bleiben. Seit Montag war die Königin nahezu völlig bewutztlos. Am Sterbebett weilte die griechische Königsfami­lie, so König Georg II.. seine Schwester, die Prinzessin Helene von Rumänien (bie geschie­dene Frau von König Carol), ferner Prinz

Paul und die Prinzessinnen Irene und Katha­rina von Griechenland. Wie wir hören, soll die Königin in Florenz an der Seite ihres Gatten König Konstantin beigesetzt werden, der merkwürdigerweise vor neun Jahren an demselben Tage in Palermo einem Schlagan­fall erlegen ist.

Mord in Offenbach.

Offenbach a.M., 14. Ian. Die in den 50er Jahren stehende pensionierte Postbe­amtin Kreuzer ist gestern abend in ihrer Wohnung, Ludwigstratze 123, ermordet aufgefunden worden. Da die Er­mordete bereits seit Donnerstag vergangener Woche nicht mehr gesehen worden war, ist an­zunehmen. datz die Tat bereits vor acht Tagen ausgeführt worden ist. Die Frau war gefesselt und geknebelt. Alle Behälter waren durchwühlt, doch steht bisher

11 nicht fest, ob ein Raubmord vorliegt.

Wirtschaft un- Han-et

Berliner Devisenbericht vom 14. Januar.

Helsingfors 6,034—6,046, Wien 49,95 bis 50,05, Prag 12,465—12,485, Budapest 59,94—60,06, Sofia 3,057—3,063, Holland 168,98—169,32, Oslo 78,17—78,33 Kopen­hagen 79,12—79,28, Stockholm 80,17 bis 80,33, London 14,41—14,45, Buenos Aires 1,033—1,037, Reuhvrk 4,209—4,217 Bel­gien 58,49—58,61, Italien 21,30—21,34, Paris 16,50—16,54, Schweiz 81,92—82,08 Spanien 35,66—35,74, Danzig 81,87 bis 82,03,Iapcm 1,518—1,522.

Warenmarkts

Getreide in 1000 Kilogr., Mehl und Futter mittel fe 100 Kilogramm.

Berliner Eetreidemarlt vom 14. Januar.

Weizen 222—224, Roggen 196—198, Braugerste 160—170, Futter» und Indu­striegerste 152—157, Hafer 135—143, Wei­zenmehl 27,50-31,25, Roggenmehl 27,00 bis 29,25, Weizenkleie 9,50—10,00, Rog­genkleie 9,50—10,00.

Das Geschäft an der Produktenbörse ge­staltete sich äußerst ruhig. Das Inlands­angebot von Brotgetreide ist auf dem gestern erreichten Preisniveau nur mäßig, andererseits hält sich die Kauflust der Mühlen aber weiter in engen Grenzen, und die Spanne zwischen Forderungen und Geboten ist nur schwer zu überbrücken. Am Sieferungsmarkt kamen die Rotierungen für die Maisichten zunächst auch nicht zu­stande. Die Grundstimmung im Prompt- und ÄeserungSgeschäst war aber als stetig zu bezeichnen. Dom Mehlabsatz lagen allerdings nennenswerte Anregungen nicht vor, in Weizen- und Roggenmehlen erfol­gen auf dem inzwischen erreichten Preis­niveau mir die notwendigen BedarfÄäufe. Das Offertenmaterial in Hafer hat sich nach den gestrigen Preisrückgängen etwas

zurückgezogen Und die Forderungen wären erhöht. Don Gersten liegen Industrie­qualitäten fester als Braugersten. Wei­zenexportscheine waren auf gestrigem Preisniveau angeboten, für Roggenexport­scheine lauteten die Forderungen höher.

Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 14. Januar.

Dem heutigen Rebenmarkt waren zUge- führt: 158 Rinder, 1065 Kälber, 259 Schafe und 773 Schweine, darunter 243 Litauer. Derglichen mit den Zahlen des letzten Rebenmarktes waren 7 Rinder, 253 Käl­ber uttd 333 Schweine mehr, dagegen 58 Schafe weniger angetrieben. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber: a) —, b) 36—40, c) 31—35, d) 27—30; Schafe: al) 25—28, b) 18—24; Schweine: a) —, b) 38—40, c) 38—41, d) 37—40, e) 34—39, f) und g) nicht notiert. Im Preisverhältnis zum letzten Reben- markt liehen Kälber 2—3 und Schweine 3 DM. im Preise nach, während Schafe 2 DM. höher »notierten. Marktverkauf: Kälber sehr schleppend, Schafe rege, ge­räumt. Schweine schleppend, auSverkauft.

Senkung der Margariaepreife.

Wie wir von unterrichteter Seite er­fahren, haben die Verhandlungen des Reichskommissars für die Preisüber­wachung mit den Spitzenverbänden der Margarineindustrie zu dem Ergeb­nis geführt, daß die Preise für alle Sor­ten, außer den billigsten, um durchschnittlich 10 Proz-ent gesenkt worden sind. Für die billigste Margarine sind die Preis­bindungen bereits durch die Notverordnung aufgehoben worden. Teilweise sind die bisherigen Kartellpreise, die für diese Sorte 33 Pfg. betrugen, schon auf 29 und 28 Pfg. zurückgegangen.

(Nachdruck verboten.)

Anruf hi der Recht

Roman von Paul Rosenhayn f. Vertrieb' Carl Duncker Berlag

Berlin W. 62. *

48. .stetzung.

Joe Jenkins saß dem jungen Sekretär gegenüber und betrachtete ihn von der Seite. In dem abgezehrten Gesicht Testis lagen die ounkelurnschatteten Augen tief in ihren Höhlen und gaben den Zügen einen fast asketischen Ausdruck.

Jenkins nahm die Speisekarte und reichte sie dem anderen mit einem aufmuntemben Lächeln hinüber. „Ich denke, wir werden zunächst einmal frühstücken. Sie werden Hunger haben nach der langen Fahrt."

Testi schrch die Karte zurück. „Ich habe keinen Appetit."

»Was ist Ihnen, Signore Testi?" fragte Jenkins besorgt.

Der Sekretär stützte den Kopf in die Hand. „Diese Stadt, dieses Marseille, acht mir auf die Nerven. Der Lärm, das Hasten, ich glaube, ich ertrage ba£ nicht , lange.“

„Ja,“ erwiderte IenSnS, ohne den Kopf von der Speisekarte zu heben. „es ist eben Karneval. Rehmen Sie auch eine Bouilla­baisse?“ fragte er und winkte den Kell­ner herbei.

Testi ich nie mit einer Gebärde des Ekels ab. »Ich danke. Dringen Sie mir einen Aperitif."

Der Detektiv beugte sich zu seinem Be­gleiter hinüber. „(Signore Testi," sagte er eindringlich, „ich habe Sie unter dem Schutz der amerikanifthen Botschaft hier­herkommen lassen, weil wir bisher — selt­sam genug — noch keine Gelegenheit fan­den, uns ruhig zu unterhalten. Ich selbst mußte Genua sehr schnell verlassen, weil gewisse Anzeichen mich hier nach Mar- Zewe riefen. Haben Sie sich jetzt so weit

in der Gewalt, daß Sie mir eine klare Schilderung der Umstände geben können, die zu ihrer Derurreilung und der De- pottation nach Alina führten?"

Francesco Testi schwieg, aber IenvnS erkannte die unausgesprochene Frage, die in seinen Augen lag.

„Mein Heber Fpsrnd," sagte er mit herzlichem Ton, „wenn wir — was ich hoffe — noch heute zur Klärung aller Dinge kommen werden, so steht auch Ihrem Wiedersehen nut Miß Donühh nichts tm Wege. Seien Sie ganz außer Sorge," er legte seine Hand auf den Arm Testis, „Miß Dorothy ist gut aufgehoben. Sie hat nur Grüße an Sie auf getragen . .

„And darf ich wissen, wo?"

„Später, Signore Testi, später k" , Der Kellner brachte das Bestellte; während er servierte, sagte IenLnS: „SS stört Sie hoffentlich nicht, wenn ich esse, während Sie erzählen." Er I>ob den Deckel von der Terrine. „Oft es Ihnen überdies bekannt, daß man in dieser farbenfrohen Stadt Fischsuppen in beinahe hundert Ab­arten fenni?“ (

Testi wandte den Kops nach dem Fenster. „Rein; ich kann diesen Fischgerichten keinen Geschmack abgewinnen."

Jenkins löffelte mit sichtlichem Behagen feine Suppe. „Beginnen Sie, Signore Testi; ich höre aufmerksam za."

„Sagen Sie mir, bitte, Mr. Jenkins, halten Sie es nicht für richtiger, ich warte mit meinem Bericht, bis wir ruhiger und unbelauscht in Ihrem Hotelzimmer sitzen?"

„Ihre Frage ist durchaus berechtigt. Aber warten Sie, ich werde mein Früh­stück schnell beenden — dann werden wir sehen. Die „Bouillabaisse“ ist überdies delikat. Ich begreife, da ßmanche Leute einen Ab scheu vor diesem Gericht haben; denn die Beschreibung, die man davon in den Reiseführern liest. Hingt etwas seltsam. Aber dieses Gemisch von verschiedenen in Oel gebackenen Fischen und dem Zusatz

von Knoblauch, Zwiebeln, Tomaten, Lor­beeren und Drvtbrocken ist — so bizarr es auch erscheinen mag — von einem un­definierbaren Gaumerckitzel. Mit dieser „Bouillabaisse" identifiziert man sich ge­wissermaßen mit der Psyche von Marseille. Wenn man diese Suppe im Magen hat, versteht man die Stadt besser. So — darf ich Sie jetzt einladen, einen Mokka mit mir zu triicken?"

Testi warf dem Detektiv einen verwun­derten Blick zu. „Ich denke, wir woll­ten —" !

„In mein Hotel gehen," sagte Jenkins, sich eine Zigarette anzündend. Um es Ihnen gan zoffen zu sagen: ich wohne gar nirH im Hotel. Das setzt Sie in Ärstauneu, begreiflicherweise. Aber ich habe es vor gezogen, in einem Seinen, ganz unbekannten Gasthof in der Rue Le- maitre unten am alten Hafen zu wohnen. Aus Sicherheitsgründen. Das scheint Ihnen paradox, aber ich werde es Ihnen erklären. Am Tage meiner Ankunft bin ich im Hotel „Dassano" hier in der „Sannebiete“ abgestiegen. AIS ich spät in der Rächt mein Zimmer betrat, fand ich unter meinem Bette einen Mann. Der Eindringling konnte rächt wissen, dah ich die Gewohnheit habe, Hotelzimmer nachts immer mit meiner Laschenlaterne abzu- leuchten, bevor id> das Licht einschalte. Der Mann verweigerte jede Aussage auf der PEzei. Sr war weder eine Hotel­ratte, noch sonst ein gewöhnlicher Ein­brecher. Man fand außer einem drei­kantigen Stilett nichts bei ihm. Aber ich hatte dem Burschen schon vorher ein Quan­tum Akonitin abgenommen. Daran er­kannte ich, mit wem ich es zu tim hatte."

Der Kellner servierte den Mokka. Don der Sttaße kam johlendes Gelächter; die beiden bückten durch die Scheiben. Dor den großen Fenstern stand eine Musik­bande — fange Burschen in phantastischen Kostümen, Kinder, närrisch herausgeputzt.

Zu dem Mord erfahren mir noch, datz tk Bewohner des Hauses am vergangenen Don. nerstag Hilferufe der Frau hörten, ihnen aber keine Bedeutung beilegten und der Sache weiter nicht nachgingen. Erft als es auffiel, datz die Kreuzer sich nicht mehr sehen liefe, benad> riefetigte man am Mittwoch die Polizei. Man nimmt an, dafe es sich um einen Raubmord handelt. Die Ermordete, die feit acht Jahren im Ruhestand lebte, bezog eine monatliche Pension von 240 <AL Sie war sehr freigiebig und bezahlte des öfteren in Wirtschaften Freunden und auch Unbekannten die Zeche. Sie dürfte einem Mann in die Hände gefallen sein, der mit ihr in die Wohnung gegangen ist und viel Geld bei ihr vermutete. Die Er­mittlungen nach dem Täter werden dadurch erschwert, dafe der Mord erst nach einer Woche entdeckt worden ist.

Ster Opfer des Familiendramas in Darmstadt.

Darmstadt, 4. Ian. Das gestrige Fami­liendrama in der Heinheimersttafee, bei dem die fünfköpfige Familie Drohmcmn gasvergif­tet cmfgefunden wurde, hat heute ein weiteres Opfer gefordert. Nachdem bereits gestern die zwei jüngsten Kinder des Ehepaares gestor­ben roerten, ist heute mittag die 12jghrige Tochter im Krankenhaus ebenfalls den Ein­wirkungen der Gasvergiftung erlegen. Das Befinden des Gebührenerhebers Drohmann selbst ist sehr schlecht, während im Befinden der Frau eine leichte Besserung eingetreten ist. Wie wir hören, sollen die von Drohmann zum Nachteil der Stadtkaste veruntteuten Gasgelder den Betrag von ca. 4000 M aus« machen. Wie weiter gemeldet wird, ist auch der Mann nunmehr der Vergiftung erlegen.

Wetterbeobachtungen am 14.15 Jan.

Höchste Temperatur am 14. Januar 8.8 Celsius

Niedrigste Temperatur lebte Nacht 0.8 Telit ns

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Marburg/Lahn

Wettergasse 30 Bahnhofftr. I

Fernruf 248

Wetterbericht.

Bei der auf dem Ozean herrschenden Wä- beltätigkett dringt noch immer seuchiwarme Luft auf den Kontinent vor. Bei uns kommt es aber unter dem überwiegenden Einfluß des feafeen Luftdrucks nur Darüber« gehend zu stärkerer Trübung, jedoch bleibt di« Witterung ziemlich mild und vielfach neblig.

Vorhersage für Sonnabend: Nach vorüber­gehender stärkerer Bewölkung wieder Zu­nahme des Hochdruckeinflusses.

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und junge Mädchen in bunten, grellfar­bigen Kleidern. Sie hatten alle möglichen Instrumente, Topfdeckel, alte Konserven­büchsen, Keine Trommeln, aber auch Man­dolinen. Der Führer, ein großer, stäm­miger Bursche, mft einer kurzen roten Seidenlarve vor dem Gesicht, blies sogar auf einem silberglänzenden Saxophon.

„Ziehen Sie die Dorhänge zu,“ sagte Testi zu dem Kellner.

„Pardon, Monsieur, es ist Karneval. Gme althergebrachte Sitte — die Leute bringen den Gästen eyj Ständchen — wir dürfen sie nicht erzürnen —“

Testi setzte sich mit dem Rücken gegen das Fenster. Jenkins lieh sich nicht in seiner Ruhe stören; er wiickte den Musi­kanten lächelnd zu.

„Sie glauben,“ nahm Testi das Ge­spräch wieder auf, „daß man einen An­schlag auf Sie plante?“

Der Detektiv nickte. „Es blieb nicht bet diesem Versuch Ich wechsette das Quartier und zog ins Hotel Mediterranee in der Rue de Rome. Gestern vormittag gehe ich auf den Balkon meines Zimmers, um mir den großen KarnevalSzug anzu» scheu. Plötzlich saust einen Zoll von mei­nem Kops entfernt ein schwerer bronzener Palmenkübel vom oberen Balkon herab. Das Zimmer übet mir war unbewohnt — aber der Schlüssel steckte im Schloß. Je­mand muß sich diesen Schlüssel verschafft haben. Ich wartete die Untersuchung nicht ab, es wird doch nichts dabei herausge­kommen sein. Sehen Sie, lieber Testi, deshalb kann unsere Unterredung nicht im Hotelzimmer stattfinden, denn ich beziehe jetzt jeben Tag ein anderes Quartier. Augenblicklich wohne ich in der Rue Bou- terre. Es ist die verworfenste, schmutzigste Elendsgasse, die ich je gesehen habe. Aber ich tauche dort ungekannt und ungesehen unter. Ich fühle mich dort unter Dirnen und Zuhältern sicherer als in dem kom­fortablen Hotel der Gannebiere.“

(Fortsetzung folgt.)

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