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Anzeiger für (bas frühere kurheffische) Oberhessen
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Marburg a.ßahn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Das neue Kabinett Laval
Laval übernimmt das Außenministerium — Tardieu wird Kriegsminister
Verhandlungen mit Briand
» Um den Reichspräsidenten
Das Kabinett Laval gebildet.
Paris, 14. Ja«. Um 1 Uhr früh /deutscher Zeit) ist das dritte Kabinett Laval gebildet worden. Ministerpräsident Laval übernimmt mit der Mi- nisterpräfidentschaft auch das Mini, sterium für auswärtige Angelegenheiten. Der bisherige Land- wirtfchaftsminister Tardieu übernimmt für den verstorbenen Maginot das Kriegsministerium. Der bisherige llnterftaatssekretär im Innenministerium Cathals wird Innenminister und der bisherige Unterstaatssekretär im Landwirtschaftsministerium Fould wird Landwirtschaftsminister. Alle übrigen Ministerportefeuilles bleiben in den Händen ihrer bisherigen Inhaber.
Pariser Blätter zum neuen Kabinett.
Die Zusammensetzung des neuen Kabinetts Lavals hat nicht überrascht, da man bereits seit einigen Tagen muhte, dah der Quai d'Orsay an den Ministerpräsidenten selbst und das Kriegsministerium an seinen treuen Berater Tardieu übergehen würde. Die Linkspresse und besonders der „P o p u l a i r e" greifen Laval heftig an und rufen ihm vor, den Außen- minister regelrecht gegen seinen Willen ausgebootet zu haben. Das, was man von Ratschlägen der Aerzte und dem schlechten Gesundheitszustand gesagt habe, sei nur ein Manöver, denn Briand habe sich selten so wohl gefühlt, wie gerade in den Tagen der Krise.
Der „Petit Parifien" betont, dah Laval, noch in den Abendstunden Pain- leo£, Barthou und Paul Boncour ein Portefeuille angeboten habe, was aber abgelehnt worden fei. Die Außen- politik Briands, so betont das „Journal", würde in ihren großen Zügen auch von Laval fortgesetzt werden. Das „E ch o de Paris" erklärt, dah der Rücktritt Briands zufällig mit dem Augenblick zusammentreffe, in dem Deutschland trotz der vielen Opfer, die Briand gebracht habe s!), die Verträge für null und nichtig erkläre und seine einmal gegebene Unterschrift nicht anerkenne.
Laval verhandelt weiter mit Briand.
Ministerpräfident Laval hat sein neues Kabinett noch um Mitternacht demPräfi- denten der Republik vorgestellt.. Die llnterstaatssekretariate für Inneres und Landwirtschaft werde nicht mehr besetzt. Das Kabinett umfaht also 24 Abgeordnete uni) 4 Senatoren. Laval gab der Presse folgende Erklärung: Ich habe im Verlauf Aeiner Unterredung mit Briand die- ien dringend gebeten, der Regierung seine Unterstützung weiter zu gewähren. Ich Dorde morgen aufs neue mit ihm hierüber "erhandeln.
bedingte Unterstützung der französischen Regierung durch die Radikal-Sozialisten.
In der „E r e Nouvelle" warnt der Ehemalige Ministerpräsident und Führer "er radikal-sozialistischen Partei, Her- *10 *, diejenigen vor übertriebenen Er- wartungen, die in seiner am Dienstag im T^lsein des Ministerpräsidenten Laval ^"gegebenen Erklärung ein Versprechen ‘
sehen wollen, daß die Radikal-sozialistische Fraktion von jetzt ab die Regierung unterstützen werde. Er habe dem Ministerpräsidenten lediglich gesagt, dah er und seine Partei immer da seien, wenn es sich um das nationale Interesse Frankreichs handele. Das Urteil darüber, wann dieser Fall eintrete, müsse jedoch seiner Partei überlassen bleiben.
Antrag eines Volksbegehrens über Amtsverlängerung Hindenburgs.
Die Iungdeutfche Bewegung hat beim Neichsinnenminister einen Antrag auf Zulassung eines Volksbegehrens über die Amtsverlängerung Hindenburgs eingereicht. Diesem Antrag soll sich auch die Dolksnatio- nole Reichsvereinigung angeschlossen haben. In einem Aufruf appelliert der Hochmeister
-ff. Washington, 19.. 3a«. Staats»
Kein amerikanischer Beobacht« für Lausanne.
Das Befinden des ehemaligen deutschen Kaisers.
Doorn, 13. Ian. Wie im Hause Doorn bekanntgegeben wird, hat der ehemalige deutsche Kaiser von seiner kürzlichen Erkältung eine hartnäckige Bronchitis zurückbehalten. Ihr Verlauf sei fieberfrei, aber sie lasse es doch geboten erscheinen, in der nächsten Zeit noch Vorsicht walten zu laßen.
Finanzlage der Welt, in bet et u.a. erklärte:
Schulden und Reparationen
Sir Walter Layton über die Weltkrise
geteilt wird, abgelehnt, einen Beobachter zur Tributkonferenz nach Lausanne zu entsenden.
Kein« Behandlung der Schnldenfrage durch Amerika.
„N e w y o r k Times" und „N e w - york Herold" erklären übereinstimmend, dah Präsident Hoover angesichts der nationalen Wirtschaftskrise fest entschlossen sei, alle europäischen Fragen, ausgenommen die Abrüstungsfrage, zurückzustellen, um seine volle Kraft der Lösung der wichtigsten Fragen seines Landes zu widmen. Das Regierungsblatt schreibt, Hoover lehne selbst informatorische Schuldenbesprechungen ab, obwohl er persönlich eine langsam fortschreitende Schuldenrevision für angebracht halte. Die „Newyork Times" erklärt in einem Leitartikel, wenn die Alliierten versuchen sollten, die Hilfe für Deutschland von der Nachgiebigkeit der Vereinigten Staaten abhängig zu machen, so wäre der Fehlschlag der Lausanner Konferenz schon klar, bevor sich die Konferenzteilnehmer von ihren Sitzen erheben würden.
Die Abdeckung der ungeschützten Zahlungen durch Reichsbahnobligationen.
ft London, 14. Jan. Die ^Financial Times" melden, daß sich in London der Widerstand gegen die französischen Pläne, die ungeschützten Tributzahlungen durch Eisenbahnobligationen abzudecken, verstärkt. Man dürfe nicht vergessen, daß di« Eisenbahn bereits für die Zahlungen der Vounganleihe verpfändet sei, so daß die Leistungsfähigkeit der Reichsbahn durch neue Obligationen nicht erhöht werde. Man erkenne immer klarer, daß es wenig Zweck habe, für die Tributzahlungen mit Werten in Deutschland selbst zu rechnen. Wichtiger seien die Werte, die erzeugt und an die Gläubigermächte überwiesen werden Knuten. Immobiles Kapital könne nicht zur Lösung der gegenwärtigen Probleme beitragen.
Die Schuldenfrage ist der wichtigste der Faktoren, die eine ungeheuer schwere Handelsdepression derart verschlimmert haben, daß die Gefahr des Zusammenbruchs des ganzen Wirtschaftssystems besteht. Die Reserven der deutschen Reichsbank sind außerordentlich gering und ihre Fähigkeit zu Rückzahlungen nimmt in schnellem Tempo ab. Die völlige Zerstörung im Wirtschaftsleben droht. Deshalb muß so schnell wie möglich an den Wiederaufbau gegangen werden. Aber er ist unmöglich Der Strom des Kapitals läßt sich nicht wieder in Bewegung bringen, wenn irgendwelche Gefahr besteht, daß die jetzige Lage wiederkehrt. Hier liegt der Kern des ganzen Problems.
Es ist zwecklos, jetzt eine vorläufige Regelung zu treffe«. Ei« zweijähriges Moratorium wäre noch schlimmer als ein einjährige« Moratorium, weil die Ungewißheit daun noch läng« dauert.
Die deutsche Auffasiung, daß die Gesamtheit der Kriegsschulden restlos annulliert werden sollle, sei unwirtschaftlich; denn letzten Endes müsse doch jemand bezahlen. Deutschland könne etwas zahlen, wenn ein Plan aufgestellt werde, dessen störender Nnfluß während Zeiten der Depression ausgeschaltet werden könnte.
Layton fuhr dann fort: Was die Re- par a'tionsfrage betrifft, so ist es von wesentlicher Bedeutung, daß es jetzt zu einer Vereinbarung kommt, die den sofortigen Beginn des Wiederaufbaues gestaltet. Wir können nicht 12 Monate warten. Eine Beseitigung der ganzen Reparationsfrage wäre aufs innigste zu wünschen, weil dadurch die Geistesverfassung der Kriegszeit beseitigt würde. Der Gewinn würde tausendfach sein. Wenn Frankreich seine Stellung wirklich sichern wollte, könnte es gar nichts bess«es tun, als die Führung übernehmen und vorschlagen, die Reparationen zu beseitigen oder auf eine rein nominell« Ziffer im Jahre zu verringern.
Der wirtschaftliche Wiederaufbau ist, so schloß Layton, ohne eine französisch-deutsche Vereinbarung unmöglich. Zu einet solchen wird es aber nie kommen, wenn sie nicht mit Zustimmung der Hitlerpartei in. Deutschland erfolgt.
ff. London, 14. Jgn. Sir Walter Layton, der britische Sachverständige im Baseler Ausschuß, hielt gestern ahend rva,yingkon, iu.^h. bei - einem Essers eine Rede über die fctietär Stimsön hat es, wie amtlich mit
des Iungdeutschen Ordens, Arthur Mah raun, an die anderen Verbände und Bünde;■ sich diesem Volksbegehren anzuschlietzen.
Die Besprechungen übet die Wiederwahl des Reichspräsidenten.
Wie in politischen Kreisen verlautet, Haden < gestern nachmittag in parlamentarischen Kreisen Besprechungen darüber stattgefunden, roie! die Wiederwahl des Reichspräsidenten v. Hin-! benburg am zweckmätzigsten einzuleiten sei. Es scheint, daß man es zunächst für das richtigste hält, die Dinge nicht zu überstürzen, sondern vorerst eine Beruhigungspause einzulegen.
Der Termin, bis zu dem die Neuwahl des Reichspräsidenten vollzogen werden mutz, steht fest Et läßt für die Vorbereitungen genügend Zeitz sodaß man inzwischen auch übersehen kann, ob die Nominierung aus dem Parlament ober auch in anderer Form durch einen mehr ««politischen Volksausschuß der beste Weg zur Erreichung des Zieles ist. Poli- tssche Kresse rechnen übrigen? nicht damit, daß das Volksbegehren des Iungdeutschen Ordens zur Auswirkung kommt, schon deshalb nichtz well bis zur Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen die Volkswahl bereits durchgeführt fein wird.
Im. Reichstag fand am Mittwoch abend die bereits angekündigte Besprechung von Mitgliedern der Mittelparteien über die Volks- wähl des Reichspräsidenten von Hindenburg statt. Es handelte sich, ebenso wie schon am Dienstag, um rein private Besprechungen interessierter Polittker, also nicht etwa um Verhandlungen der Parteien. Dabei ergab sich, wie bereits bei den Besprechungen am Dienstag, Einigkeit darüber, baß bie Aufstellung unb Dahl Hindenburgs als gemeinsamer Kandidat des ganzen Volkes ein erstrebenswertes Ziel auch im Hinblick auf bie Außenpolitik fei. Gleichzeitig kam jedoch, wie bas Nachrichtenbüro bes Vdz. hört, zum Ausbruck, baß bie Parteien keinen Schritt in dieser Richtung unternehmen könnten, weil dadurch' der Erfolg nur gefährdet werden könnte. Man würde es natürlich begrüßen, wenn andere Kreise, die parteimäßig nicht gebunden sind, die Ausstellung der gemeinsamen Kandidatur Hindenburgs übernehmen.
ReichsptSsibentenwahl am 13. März.
Die „Germania" beschäftigt sich mit dem Versuch, durch einen überparteilichen Aus- schuß eine Sammlung des deutschen Volkes und feiner Parteien auf die Kandidatur des gegenwärtigen Reichspräsidenten vorzubexei- ten und durchzuführen. Sie schreibt dazu: „Je nach dem Ausgange dieses Versuches wird es unter Umständen notwendig werden, den Reichstag ftüher einzefberufen, als es bisher vorgesehen ist, damit er den Termin für die Präsidentenwahl fest setzen kann. Als Termin wird vorläufig der 13. März genannt.“
Es ist anzunehmen, baß eine Beschleunigung bes Wahltermins, an die gedacht wurde, vorerst nicht in Frage kommt. Man scheint bei den leitenden Stellen geneigt zu fein, erst die außenpolitischen Verhandlungen in Ouchy vorübergehen zu lassen, bevor eine Klärung in der Kandidatenfrage erfolgt Vielleicht ist diese Verzögerung zu bedauern, sie wird nicht zuletzt auf bie Art unb Weise zurückgeführt, mit ber bie mißglückte Aktion bes Reichskanzlers für bie Durchführung der Verlängerung ber Amtsdauer Hindenburgs auf. par- . lamentarischem Wege erfolgt ist,
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