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dir. S___________________________________________VderdeMche Zeitung, Marvurg a. L. Dienstag, d« IL Jam«» 1932________

Frankreich bis Liber die Zahne gerüstet!

Eine Vorschau auf die Abrüstungstagung

Am 7. Januar 1932 ist der langjährige und oftmalige französische Kriegsminister Andre Maginot gestorben, ein überzeugter Deut­schenfeind und der hartnäckige Vertreter der militärischen Vormachtstellung Frankr ichs mit Hilfe der aufs höchste gesteigerten Rüstung, Don der nicht das Geringste nachzulassen ist. Wenn ein altes französisches Sprichwort sagt: „Der König ist tot — es lebe der König!", to gilt dies ohne jeden Zweifel auch diesmal für den Wechsel im französischen Kriegs- Ministerium. Die Personen an der Spitze ändern sich, die Grundsätze aber bleiben. unangetastet. Daher ist es eine böse Selbst­täuschung, wenn es in manchen leichtgläubigen Kreisen Deutschlands Leute noch immer gibt, die daran glauben wollen, daß Frankreich sich eit irgendeine nennenswerte Minderung der Rüstungen auf die Dauer einlassen wird. So­lange Frankreich seine Herrschaft in politi­scher, wirtschaftlicher, militärischer Hinsicht über Europa ausüben, solange es seine groh- zügigen Kolonialpläne verfolgen wird, stützt 6 sich auf seine Waffenmacht. Der Boden der Kriegsschuldlüge ist eingesunken, die Stützen der Unterjochung Deutschlands mit Hilfe der Versailler Zwangsgebote be- Sn zu wanken, die Rechtsgründe werden ig. Daraus folgt, dah die Gewalt das Recht in noch höherem Mähe ersetzen muh, als es schon bisher der Fall gewesen ist. Unter dem unbegründeten Dorgeben, dah in Deutschland geheime Vorbereitungen an Werke seien, die den Rachekrieg an­bahnten. mindestens die Abwertung der Ver­sailler Verträge planten, sei die „Sicherheit" Frankreichs bedroht, somit die schärfste Xüfhmg geboten.

„Frankreich hat ja abgerüstet", entschuldigt man sich drüben, „es ist von der 3jährigen Dienstzeit 1913 auf die einjährige Dienstzeit 1931 herabgegangen, hat also nur noch eine Art halbe Miliz. Auherdem werden die Er­satzjahrgänge 1935 bis 1939 als Nachwir­kungen des Krieges sehr geringe Zahlen an Wehrpflichtigen bringen. Somit könne nur die ä n h e r st e Anspamnmg der Eesamtftäfte, mit Einschluh der Farbigen, und die rück- ^slos^Ausnutzung der vollendetsten Kriegs-

Sehen wir uns daraufhin die wirk­lichen Zahlen an, wobei zu bemerken ist, dah die farbigen Truppen Franfteichs 3- jährige Dienstzeit haben und bei ihnen die allgemeine Wehrpflicht in der Einführung begriffen ist.

Frankreich 1931:

I. Friedensstärke: 32 270 Offiziere, 230 000 Kapitulanten. 350 000 Dienstpflichtige; zu­sammen: 612 270 Mann.

2. Kriegsstärke: 5 Millionen Mann.

Deutschland 1931:

1. Friedensstärke: zusammenlOO 000 Mann ieinschl. Offiziere).

2. Kriegsstärke — Friedensstärke.

Sonach hat Deutschland, das ein Berufs- yier mit 12jähriger Dienstzeit halten muh, weder die Allgemeine Wehrpflicht noch auch Reserven für den Kriegsfall, steht daher im Zustand der völligen, aussichtslosen Unrcr- -legenheit. Schöpft aber Frankreich seine folonialen Kräfte aus, so liehe sich, was be­absichtigt wird, eine Kriegsstärke von 6 bis 7 Millionen Manu leicht zu Stande bringen. Das Gesamtreich nut 100 Millionen Bewoh­nern könnte bei jahrelangem Krieg 10 v. &. also rund 10 Millionen aufbieten. Und vir? — 100 000 Mann! 1931 übten in Frankreich rund 250000 Reservisten, bei uns natürlich 0. In Frankreich besteht volle mili­tärische Iugendausbildung, bei uns 0. Mann­schaftsstand der Kriegsflotten in Frankreich 81000. Deutschland 15 000, Schiffsbestand 234 Einheiten gegen 38, Tonnengehalt 636461, Besro. 125 000.

Haben schon diese Vergleichszahlen an lebenden Kräften den Beweis der geradezu ungeheueren Ueberlegenheit Frankreichs klar erwiesen, so sind die nachstehenden techni­schen Angaben von überzeugender Kraft. Rur die bekannt gegebenen Zahlen werden ur Frankreich genannt, begrenzt nach der Friedensstärke.

Frankreich 1931

> 20000

> 15000

1400

120

1200

800

1700 90

1600 75 95

Deutschld.

1931

1134 792 288

8 22

253 0 0 0

0 0 verboten

^eichte Maschi nen-Ge wehre Schwere Maschinen-Gewehre Reichte Geschütze blngabwehrgeschütze Schwere u. schwerste Gesch. ’inenwerfer buchte Kampfwagen Schwere Kampfwagen Kampfflugzeuge zu Land Kampfflugzeuge zur See Unterseeboote baemittel freigegeben

Während uns Deutschen der Munitionsvor- M auf das Geschoß oorgeschrieben ist und die Unterhaltung der Materialreserven mit Hilfe Mstechnischer Fabriken untersagt wird, be- M Frankreich selbstverständlich volle Frei­et und macht den allerausgiebigsten Ee- »rauch davon, so dah die Kriegsbeschaffung gj® Kriegsausrüstung gar nicht zu übersehen

diehmen wir hinzu, dah unsere Ostgrenze Abrissen ist, dah nur ganz schwache Befesttgun- N Ostpreuhen, die Oder, die Küsten decken, M die Westgrenze offen liegt und der „ent- *^utarjsierte Streif«" für uns noch 50 Kilo­

meter aufs rechte Rheinufer reicht, während die französische Ostgrenze von Befestigungen in noch nie dagewesener Vollendung starrt! so sind die Rüstungsungleichh.it und Waffen- losigkeit Deutschlands vor Aller Augen klar. Dabei ist noch gar nicht in Betracht gezogen, dah Frankreichs E e f o l g s cha f i vollgerüstet ist: int Westen Belgien, im Osten Polen und die Tschechoslowakei m erster, Südslawien und Rumänien in zweiter Linie.

Was geht aus alle dem hervor? Das deutsche Volk m u h in seiner Gesamtheit end­lich darauf dringen, dah der vom Völkerbund vertraglich zugesagte Rüstungsabbau und Rüstungsausgleich. bei den nahe bevorstehen­den Genfer Verhandlungen durchgesetzt wer­den. Deutschlands Sicherheit und Deutsch­lands Dasein hängen davon ab. Da gilt keine Ausrede, da gilt keine Vertuschung! Augen auf, Hände geregt und Köpfe hoch! F. 3.

Ws Minuten vor -er Mästung einer in-ischen Freiheitrsiihrer;

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-

Vallabbai Patel. Eandbis nächster Mitarbeiter, spricht zu den indischen Frauenführerinnen im Zentrallager in Bombay, nachdem er auf dem Eeböude die verbotene indische Nationastagge ge­hißt batte. Wenige Minuten später griff die englische Polizei ein und verhaftete Patel.

Wilhelm Mauser

(3ur 50. Wiederkehr seines Todestages am 13. Januar 1932)

Wilhelm Mauser, der diesem Namen Welt­ruf verschaffte, schwang sich aus einfachsten Verhältnissen zum Rüstmeister des deutschen Heeres empor.

Sein Vater war Arbeiter in der könig­lich - württembergischen Waffenfabrik m Oberndorf. Wilhelm erlernte wie sein jün­gerer Bruder und späterer Mitarbeiter Paul tn diesem Werk die Büchsenmacherei. Er-

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frndtmgsgeist und Geschick trieben die Brüder zu Versuchen auf eigene Faust. In diesem Bestreben wurden sie noch durch die Erperi- mente bestärkt, die man damals in Obern­dorf ansteltte, um ein neues Hinterlader­system zu erfinden. 1863 begann Wilhelm Mauser mit den Versuchen, die auf die Ver­besserung des Zündnadelgewehrs hinzielten. 3m Frühjahr 1866 war ihm die Herstellung des verbesserten Modells gelungen, und er bot seine Erfindung dem württembergischen Kriegsministerium an. Doch nach dem Kriege führte Mürttemberg das preußische Zünd­nadelgewehr ein und verzichtete auf die Ver- wettung der Mauserschen Erfindung.

Nicht anders erging es den Brüdern — der gewandtere Wilhelm führte vornehmlich die Unterhandlungen — in Wien. Auch dort hatte man sich schon für em anderes System entschlossen. Nun gingen die Brüder nach Lüttich, das damals einer der Hauptplätze der Waffenfabrikation war. Sie arbeiteten bort zwei Jahre, während deren sie mehr Erfahrungen sammeln konnten, als es ihnen im engeren Kreis des heimischen Werkes möglich gewesen war. Ein Abnehmer für ihre eigenen Erfindungen steltte sich aber auch jetzt noch nicht ein. Viefleicht war ihr An­gebot auch gar nicht ernsthaft gemeint, viel­leicht hatten sie gar nicht die Absicht, chre neue Waffe zuerst w andere als deutsche Hände zu legen.

Die Wendung im Leben Wilhelm Mausers trat während des Krieges von 1870/71 ein. Dieser hatte deutlich die Ueberlegenheit des ftanzösischen Chassepots über das deutsche Zündnadelgewehr bewiesen. Eine bessere 3n fanteriewaffe mußte für das neue deutsche Heer gefunden werden. Zuerst beaufttagte die Militärschießschule in Spandau die Brü­der Mauser mit dem Umbau des Zündnadel­

gewehrs für Metallpatronen. Dann wurde Wilhelm Mauser im Spätherbst 1871 von Roon nach Serini berufen, um an den Schiebversuchen teilzunehmen, welche die Wahl unter verschiedenen neuen Gewehr­modellen bezweckte. Wilhelm Mauser legte selbst ein Modell vor und erlebte die Ge- nugttiung, daß dieses als „3nfanteriegewehr M/71“ im deutschen Heere eingeführt wurde.

Don diesem Tage an war der Name Mau­ser für ganz Deutschland, bald darauf für die gesamte Erde, zu einem Begriff geworden. Hunderttausende von Gewehren gingen aus der Fabrik in Oberndorf hervor, die 1874 von den Brüdern erworben worden war, und stärtten das Vertrauen des deutschen Volkes zu seinem allzeit gerüsteten Heer.

Der Erfindungstrieb der Brüder Mauser ruhte trotzdem nicht. In rascher Reihen­folge baute Wilhelm Mauser mit seinem Bruder das erste Modefl der später berühmt gewordenen Hinterladerpistole, einen Revol­ver und ent Reveliergewehr. Die Räume des Oberndorfer Werkes dehnten sich immer wei­ter, und aus der Heinen staatlichen Werkstätte wurde em Betrieb mit tausend Arbeitern.

Ein früher Tod ritz Wilhelm Mauser mit» ten aus der Arbeit. Er starb, kurz bevor durch Umänderung des M/71 das erste Mehrladegewehr beim deutschen Heer ein« geführt wurde. Er nahm das Bewußtsein mit hinüber, alles getan zu haben, um die Wehrhaftigkett seines Volkes zu stärken.

Georg Eschenbach.

M und SBIfientonft

-- Das PhilharmonischeOrchester Berlin spielt i« Italien. Die Verhandlungen über die be­reits vor einiger Zeit mit Bestimmtheit an­gekündigte Konzertreise des Berliner Philhar­monischen Orchesters unter Furtwängler nach Italien sind endgültig abgeschlossen. Das Philharmonische Orchester wird auf dieser ersten italienischen Tournee Mitte Mm je zwei Konzette in Rom, Neapel und Florenz und je ein Konzett in Venedig und Genua geben.

x Wie wir hören, sind ernannt worden: Professor Dr. Hermann 3 ahrreife von der Universität Leipzig zum ordenüichen Pro- feor für öffentliches Recht in Greifs­wald als Nachfolger von G. Leibholz: Professor Dr. theol. Theodor M ü n d e r m Passau zum ordentlichen Professor der Moraltheokogie in der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Breslau als Nachfolger von Friedrich Wagner und Prof. Dr. Walter Schirmer in Tübingen zum ordentlichen Professor der englischen Philologie an der Universität Berlin als Nachfolger von W. Dibelius: ferner wurde in gleicher Eigenschaft versetzt der Ordinarius der alten Geschichte Dr. Wilhelm Weber von Halle an die Universität Berkin als Nachfolger von Ulrich Sllden.

Sette 3

Zum Bergwerklmglürk

...

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1.®

5fr: - W

Ein Bild vom Beginn der Rettungsarbeiten. Ein Verunglückt« wird von den Hilfsmann­schaften zum Schachtausgang gebracht.

6 Tage nach dem furchtbaren Einsturzunglück auf der Karsten-Zentrum-Grube in Beuthen «Oberschlesien) ist es jetzt gelungen, 7 Ver­schüttete, deren Tod schon als sicher galt lebend ans Tageslicht zu Bringen. 7 Fa­milien sind damit ihre Ernährer wiederge­geben. (goto: Keystone.)

Mr Wiederbeginn des Smeslers

Die Deutschnationale Stuben» tengruppe bittet uns um Abdruck des folgenden Aufrufes:

Dreizehn Jahre lang haben die derzeit regierenden Parteien versucht, den natio­nalen Freiheitswillen an Deutschlands Hochschulen zu unterdrücken. Gewaltmatz» nahmen und wirtschafllicher Druck konnten den Deist des Widerstandes nicht brechen.

Der sozialdemokratische Kultusminister in Preußen, Herr Grimme, hat einen neuen Kampf gegen di« nationale Studentenschaft vorbereitet. Ein neues Disziplinargesetz soll die Handhabe dazu bieten, die Träger oet Opposition von den Hochschulen zu ent» fernen und die akademische Selbstverwal» tung noch weiter einzuschränken.

Wie in der Frage der Gebührenerhöhung, wie im Falle der Berufung des Pazifisten Dehn, hat die Deutschnationale Studenten­schaft in Zusammenarbeit mit den deutsch» nationalen Fraktionen des preußischen Landtags" und StaatSrats Maßnahmen ge» gen dieses Prinzip des preußischen Mar» xiSmuS ergriffen. Den Deutschnationalen des Staatsrats ist es gelungen, die Gefahr der parteipolitischen An-wendung des neuen Disziplinarrechts wesentlich zu verringern. Aun gilt es, den preußischen Machthabern und dem Landtag zu zeigen, daß eine ein» heiriiche Form der Abwehr an den Preu» hischen Hochschulen besteht.

Um die höhere Mädchenschule.

Der engere Vorstand des Deutschen Philologinnenverbandes hat fol­gende Enffchlietzung gefaßt:

Auf Grund sorgfältiger statistischer Erhe­bungen hat der engere Vorstand des Deutschen Philologinnenverbandes festgestellt, daß die Auswirkungen der Notverordnungen und die akuten Finanzschwierigkeiten der Länder und Gemeinden die Selbständigkeit des Mädchenblldungswesens verhäng­nisvoll beeinträchtigen. Schließung von einzigen Mädchenschulen in kleinen Städ­ten, Zusammenlegung einziger höherer Mäd­chenschule mit einer von mehrerer höherer Knabenschulen des Ortes, Abbau von Ober­stufen der Mädchenanstalten, Ausschaltung des erzieherischen Einflusses der Frau »für weite Kreise der weiblichen Schuljugend sind vol- lendete Tatsachen. Sie deuten auf eine be­drohliche Rückentwicklung der höheren Mäd­chenschule mit einer von mehreren höheren Gegensatz zu der erst jüngst gewonnenen (Er« Kenntnis von Stadtbehörden und Elternschaft, wie notwendig ein hochwertiger und selbstän­diger Bildungsaufbau für die weibliche Ju­gend im Rahmen der Gesamtkultur Deutsch- lands ist.

Der Deuffche Phllologinnenverband als be­rufener Vertreter der höheren Mädchenschule wendet sich an Elternschaft und Behörden Deutschlands mit der dringenden Bitte, die Zerstörung des von Männern ,und Frauen in gemeinsamer Arbeit geschaffenen Aufbaues der Mädchen- schule aufzuhalten. Rur wenn alle einsichti­gen und beteiligten Kreise die Gefahren auf­merksam beobachten und ihnen entgegenwir- °>en, kann erreicht werden, daß die höhere Mädchenschule über die Krise hinweg in ihrer Substanz erhalten bleibt. Es darf auch in schwerster wirffchaftlicher Not nicht vergessen werden, daß gründliche Bildung einen Eigen- wert für die Entwicklung der Persönlichkeit bedeutet und sich auch im materiellen Exi­stenzkampf erfolgbringend auswerten läßt.